Advertisement

Von allen Romanen schätz ich doch am meisten die interessanten. Ästhetik des Vorbehalts und Poetik des Interessanten in Christian Krachts Die Toten

  • Marvin Baudisch
Chapter
Part of the Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur book series (KSDG, volume 3)

Zusammenfassung

Im Zentrum dieses Beitrags steht die Auseinandersetzung zwischen Film und Literatur in Christian Krachts Die Toten (2016). Der Beitrag argumentiert, dass der Roman eine Poetik des ‚Interessanten‘ entwirft. Friedrich Schlegels ästhetische Kategorie des ‚Interessanten’ impliziert eine Bewegung der komparativen Steigerung sowie Elemente einer Ästhetik des Ekels und des Schocks. Durch eine Metalepse werden Krachts Die Toten und der gleichlautende, intradiegetische Film Emil Nägelis überblendet, um den Film anschließend aus dem Wissenshorizont der Gegenwart heraus sukzessive im Medium der Literatur zu übertrumpfen. Dabei greift Kracht auf eine multimediale Hybridästhetik zurück, die Literatur, Malerei wie Film zugleich verarbeitet. Dieser Paragone modelliert das Interessante in zweifacher Weise, in einer auf die Zukunft und auf die Vergangenheit gerichteten Bewegung. Auf diese Weise entwerfen Die Toten eine ‚Retrotopie‘, in der gleichzeitig eine sehnsüchtige, nostalgische Anknüpfung an die ‚Kino-Debatte‘ formuliert wird und diese Sehnsucht zugleich ironisch, als uninteressant für eine gegenwärtige Ästhetik, zurückgewiesen wird. Die Poetik des Interessanten entpuppt sich dabei als eine Spielart der Krachtschen ‚Ästhetik des Vorbehalts‘ (L. Bluhm), die gegensätzliche Textbewegungen in der Schwebe hält.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Marvin Baudisch
    • 1
  1. 1.Frankfurt a. M.Deutschland

Personalised recommendations