Prosa der Romantik pp 120-138 | Cite as
Bildung zum Künstler
Zusammenfassung
Eine der für die germanistische Literaturwissenschaft attraktivsten und gleichzeitig umstrittensten Formen des Romans ist der Bildungsroman. Der Begriff ›Bildungsroman‹ wird von dem Dorpater Rhetorik-Professor Karl Morgenstern 1817 geprägt und später von Wilhelm Dilthey als entelechische, gesetzmäßige Entwicklung eines Individuums zu umfassender Humanität ausdifferenziert, als »›gesetzmäßige Entwicklung‹ durch Konflikte zu Harmonie und zur ›Persönlichkeit‹« (Köhn 1968, 431). Als Leitbild handelt die Gattungstheorie durchgängig bis in die Gegenwart Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96), wobei man sich durchaus einig ist, daß die spätere Gattungsgeschichte eher als ständige Abweichung vom Prototyp zu verstehen ist (vgl. ebd.). Von Goethes Meister her ist eine künstlerische Neigung des Helden geläufig, die in der Romantik eine entschiedene Richtung auf den Künstler als einzig legitimen Helden des Bildungsromans nimmt. Was bei Goethe, in Moritzens autobiographisch gefärbtem Bildungsroman Anton Reiser (1785/90) oder in Jean Pauls Romanen Hesperus (1795), Titan (1800/03), Flegeljahre (1804/05) als starkes Motiv im Hinblick auf einen Ausgleich von Künstler und Welt angelegt ist, wird in der Romantik zum bestimmenden Thema: die Bildung zum Künstler.
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