Zusammenfassung
Mit dem Programm eines Humanismus (lat. humanus, »menschlich«, zu homo »Mensch«), wie es 1808 der Bildungspolitiker Friedrich Immanuel Niethammer formulierte, schuf sich das Bürgertum die Institution des humanistischen Gymnasiums. Die Ideen von 1789 forderten die Ablösung der christlichen Theologie als Leitdisziplin; die führende Stellung für die ›Bildung‹ des ›Neuen Menschen‹ nahm nun die Antike ein. Die Ideen von der Würde ›des‹ Menschen, der Macht der Bildung über alle Unterschiede hinweg, die man durch Geburt geerbt hat, das Wissen um das Wahre, Gute, Schöne stellt ein optimistisches Menschenbild dem Bild des sündigen, erlösungsbedürftigen Menschen entgegen — wie berechtigt die darin enthaltene Kritik auch sein mag. Als historisches Vorbild dient, teils konkurrierend, teils integrierend, die Epoche der Wiederentdeckung der Antike durch die ›Renaissance‹ als Zeitalter des Humanismus.