Lewald, Fanny

  • Gaby Pailer
Chapter

Zusammenfassung

»Nun mein teures Fräulein, wenn wir also nun bald fertig sind, so sehen wir Ihre schöne Arbeit durch, und finden wir etwas, was uns bedenklich scheint, so merzen wir das aus, so merzen wir das leicht aus und ändern es!« Der Herausgeber des Berliner Kalenders, der bei L. 1844 eine Novelle in Auftrag gegeben hat, staunt nicht wenig über die Antwort: »Da ich die Novelle geschrieben habe und nicht wir beide, so werde auch ich allein sie revidieren«. Das Selbstbewußtsein, mit dem L. dem Verleger gegenübertritt, ist indessen das Produkt des langen Erkenntnisprozesses einer Frau, die bis zu ihrem zweiundreißigsten Jahr als »höhere Tochter« ohne die Erlaubnis, berufstätig zu werden, bei ihren Eltern gelebt hat. — Ihre frühe Entwicklung hat sie selbst in ihrer Autobiographie Meine Lebensgeschichte (1861f.) niedergelegt: Als Kind einer aufgeklärt-jüdischen Kaufmannsfamilie bewegt sich ihr Leben zwischen Anpassung und Verweigerung. Ordnet sie sich dem Vater David Marcus (später: Lewald) in der Regel ganz selbstverständich unter, selbst als er von ihr die Konversion zum protestantischen Glauben fordert (1830), so weigert sie sich andererseits erfolgreich, eine Konvenienzehe einzugehen. Schriftstellerin wird sie durch ihren Vetter August Lewald, der in seiner Zeitschrift Europa Briefe von ihr veröffentlicht und der sich beim Vater für sie einsetzt.

Lit.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1998

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  • Gaby Pailer

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