Zusammenfassung
Higuchi gilt als bedeutendste Schriftstellerin der Meiji-Zeit (1868–1912), als Komet, der aus dem Nichts auftaucht und ins Nichts verschwindet. In ihrem kurzen Leben hat sie fast 4.000 Gedichte im klassischen Stil, zahlreiche Aufsätze, 21 kurze Erzählungen und ein mehrbändiges Tagebuch verfaßt. Ihre Kindheit fällt in eine Zeit des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs. Nach dem Tod des Vaters 1889 will H., die bislang eine private Schule für klassische Dichtkunst besucht hat, mit Prosa Geld verdienen. 1891 begegnet sie dem gutaussehenden Nakarai Tōsui (1861–1926), Reporter und Verfasser populärer Zeitungsromane, und kürt ihn kurzerhand zu ihrem Mentor. Unter seinem Einfluß wendet sie sich der unterhaltsamen Literatur des 17. Jhs zu. Ende des Jahres wählt sie das Pseudonym Ichiyō, wörtlich »ein Blatt«. In der Erstausgabe der 1892 von Nakarai gegründeten Zeitschrift Mushino erscheint H. erstmals im Druck; zwei weitere Erzählungen folgen, bevor die Zeitschrift eingeht. Literarisch gesehen kann H. von Nakarai jedoch wenig lernen. Als Gerüchte über eine angebliche Liebesbeziehung kursieren, bricht sie den Kontakt ab. Die Veröffentlichung von »Umoregi« (Im Verborgenen) Ende 1892 markiert ihr Debüt als professionelle Schriftstellerin; zum erstenmal wird ihre Arbeit auch finanziell anerkannt.
Lit.
- Danly, R. L.: In the Shade of Spring Leaves. The Life and Writings of Higuchi Ichiyō, A Woman of Letters in Meiji Japan. New Haven/London 1981;Google Scholar
- Nakagawa, V. V.: Three Japanese Women Writers. H. I., Sata Ineko, and Kurahashi Yumiko. Berkeley 1981.Google Scholar