Zu Heines Geschichtsbegriff während der Pariser Zeit -Sichtbar gewordener Gotteswahnsinn

  • Ortwin Lämke
Chapter
Part of the Heine-Studien book series (HEINEST)

Zusammenfassung

Beide Vorreden liegen, was die jeweils angeschlagene Tonart betrifft, auf geradezu entgegengesetzten Polen. 1832 ging Heine in der politischen Auseinandersetzung mit allen Fraktionen so weit wie möglich und geriet in eine »Sackgasse […], weil weiter, als er dort gekommen war, kein vernünftiger Text mehr gehen konnte!«370 1854 dann der Gestus der Verhüllung, der ›öffentliche Sprechen‹ im Interesse des deutschen Volkes geht bis zu Anspielungen, die nur für einige wenige Freunde bestimmt sind, versenkt die politische Botschaft von der ›communistischen Bedrohung‹ Preußens in tiefe Textschichten. Der Glaube an Worte, die die Macht der Herrschenden zerschneiden könnten, an die eigene »Machtvollkommenheit« als Volkstribun — soviel dokumentiert die Tonart deutlich — ist dahin. Daß dieser Glaube 1832 bereits durch die realistische Einschätzung der politischen Lage in Deutschland gebrochen war, hat die Interpretation zu zeigen versucht. Von der öffentlichen Dokumentation der Heineschen Ohnmacht, seiner Kritik an der nationalen Bewegung, seines Hasses auf die Obrigkeit, wurde anscheinend nur der Haß wahrgenommen. Davon zeugt die illegale Verbreitung des Textes als Flugschrift. Heine hatte auf die Veröffentlichung der Vorrede zu den »Französischen Zuständen« auch deshalb besonderen Wert gelegt, weil er den Gerüchten um seine politische Korrumpierung ein Ende setzen wollte.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

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  • Ortwin Lämke

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