Zusammenfassung
Von einem herausragenden Logiker erwartet man nicht, daß sein bekanntestes Argument um ein Kaninchen, einen Eingeborenen sowie einen Sprachforscher kreist. Und doch illustriert Q. eine fundamentale Erwägung seines Hauptwerks Word and Object (1960; Wort und Gegenstand) so: Die Übersetzung einer Dschungelsprache kann auf keinerlei sprachgeschichtliche Kontinuität zurückgreifen, sondern nur auf Beobachtungen, die zugleich sowohl dem Sprachforscher als auch dem »native speaker« zugänglich sind. Äußert der Eingeborene die Lautfolge »gavagai«, sobald sich ein Kaninchen zeigt, so kann man mit einiger Vorsicht die Sätze »gavagai« und »dort Kaninchen« gleichsetzen. Schwierig wird aber der nächste Schritt: bedeutet »gavagai« nun einfach »Kaninchen«? Der Eingeborene könnte ja auch ein Stück der Verschmelzung aller Kaninchen meinen — so wie wir das Wort »Wasser« verwenden. Vielleicht spricht der Eingeborene auch von Kaninchenteilen oder gar von einer platonischen »Kaninchenheit«! Dem Sprachforscher bleibt nichts übrig, als in der Dschungelsprache nach einer Unterscheidung zwischen Singular und Plural, nach Zahl- und Verweiswörtern zu suchen. Vermutet er etwa, »hork« bedeute »eins«, so kann er durch geschickte Fragen ermitteln, ob der Eingeborene auf ein einzelnes Kaninchen hinweist oder auf eine Ansammlung von Kaninchenteilen, ob er hier ein Kaninchen sieht und dort ein anderes — oder aber die Kaninchenheit meint.
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