Die Invaliden pp 479-511 | Cite as

Innerliterarische Rezeption und literarische Kontaktbeziehungen — Vernetzung in einem OEuvre — Thementransfer zwischen Autoren

  • Achim Hölter
Chapter

Zusammenfassung

Autoren engagieren sich verbal für Invaliden. Sie legen sich ins Mittel und übernehmen damit oft die Funktion, die heute humanitäre Appelle der Massenmedien erfüllen. Mangels Verstehenszeugnissen ist eine empirische Analyse des tatsächlichen Kommunikats nur fragmentarisch möglich. Ob die Mitteilung des Autors an den Leser Folgen hat, ob das Theater des 18. Jahrhunderts eine Reperkussion auf die Innenpolitik ausübt,2 ist höchstens im Detail überprüfbar und auch dort nicht direkt zu verifizieren. Im großen hat die Invalidenliteratur außer Benefizleistungen keine Wirkung. Kriege werden ohnehin nicht verhindert. Es ist aber auch kaum zu erwarten, daß Gesetze aufgrund von Dichtung erlassen werden, wenngleich der stete Tropfen Einfluß auf die Politik ausüben mag. Ch. Enzensbergers Wirkungsskepsis,3 die der Literatur nur eine kompensatorische Funktion, ein Abreagieren einräumt, scheint von der Dominanz der politischen Entscheidung zugunsten der Invaliden, aber immer wieder zulasten des Friedens bestätigt. Über die Macht(losigkeit) der Literatur sind empirische Aussagen so nicht zu treffen, doch spricht am Invalidenthema einiges mehr gegen den Einfluß der Dichter: Zunächst reagieren Lyrik und fiktionale Narrativik spät auf das Problem. Als sie es tun, ist die beklagte Misere z.T. behoben, auch wenn zwischen den Flächenstaaten Unterschiede zu berücksichtigen sind. Die Texte aktivieren Topoi, unterbreiten aber selten Vorschläge.

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Notizen

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Authors and Affiliations

  • Achim Hölter

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