Zusammenfassung
Die Bezeichnung »Wiener Schule« für die Musik im Wien Maria Theresias wurde zwar bereits 1784 von Christian Friedrich Daniel Schubart verwendet, suggeriert aber in noch unzulässigerer Weise als der zeitgleiche Gegenpol »Mannheimer Schule« einen stilistischen und nationalen Zusammenhang (→J. Stamitz). War hier zumindest eine gewisse Einheitlichkeit durch die von J. Stamitz koordinierte gemeinsame Arbeit in der gleichen Kapelle garantiert, so wirkten die Vertreter der »Wiener Schule« nur in der gleichen Stadt, dies allerdings in sehr unterschiedlichen Funktionen. Der Wiener Hof war damals trotz aufklärerischer Ansätze insgesamt traditionsgebundener als Mannheim und andere Musikzentren; Kirchenmusik und Oper blieben deshalb weiterhin zentral, Konzert, Symphonik und Orchesterkultur hingegen eher randständig. Aus diesen Gründen war die stilistische und gattungsmäßige Bandbreite der Komponisten in Wien etwa zwischen 1740 und 1780 beträchtlich. Ihnen kommt nicht einmal lokale Authentizität zu: Wie die erste Generation der ›Mannheimer‹ in der Mehrzahl nicht deutscher, sondern böhmischer Herkunft war, spielten böhmische Einflüsse ebenso in Wien eine große Rolle. Zusammen mit den italienischen scheint anstelle bornierter nationaler Beschränktheit dagegen auch in Wien das Ideal einer europäischen (Instrumental-)Musik auf.
Literatur
- Wiener Instrumentalmusik vor und um 1750, Bd. 1, hrsg. von K. Horwitz u. a. (DTÖ Bd. 31), 1908 und Bd. 2, hrsg. von W. Fischer (DTÖ Bd. 39), 1912, mit thematischem Katalog. Konzert g-Moll für Violoncello, bearbeitet und hrsg. von A. Schönberg, Wien 1957. Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur in freier Umgestaltung nach dem Konzert für Clavicembalo von M. G. M., in A. Schönberg, Sämtliche Werke, Reihe A, Bd. 27, Mainz 1976. Menuett aus der Sin-fonia in D, 1740, hrsg. von K. Stephenson, in Das Musikwerk Bd. 6, Köln 1953.Google Scholar
- Neues Hdb. der Mw., hrsg. von C. Dahlhaus, Bd. 5 Laaber 1985, 206–209.Google Scholar