Grenzüberschreitung zur Literatur

  • Inka Mülder
Chapter

Zusammenfassung

Es zeugt von der Bedeutung, die Kracauer selbst seiner philosophischen Kurzprosa beimaß, daß er, als Ernst Bloch ihn 1926 um die Zusendung neuerer Arbeiten bat, neben einigen Berichten und Rezensionen auch erste Proben dieser Prosa schickte, deren Miniaturform den neuen »Ansatz beim Materiellen und Äußerlichen« [1] vermitteln sollte. Bloch, als schriftstellerischer Kollege ein verständiger Kritiker, betonte in seinem Antwortschreiben die Bedeutung der Prosaform als eine der »gekommenen philosophischen Intermittenz«, der »glücklichen Verabschiedung der nichts durchbohrenden Systemfassade« und fuhr fort:

»Hätte man nur einen Namen für die neue Form, die keine mehr ist und die vor allem die Gewalt ihres Gelingens daran hat, keine zu bleiben, dann könnte man die Intermittenz überall mit der rechten Hand leisten.« [2]

Mit dem Namen konnte Kracauer nicht weiterhelfen: Er bezeichnete seine Texte in der Regel schlicht nach ihrem »Gegenstand« — so bei frühen Einzelveröffentlichungen, so auch später bei der Sammlung Straßen in Berlin und anderswo, deren Herausgabe schon einmal Anfang der dreißiger Jahre geplant gewesen war [3]. Der Untertitel des Ornaments der Masse: »Essays« ist eine Verlegenheitslösung. Inzwischen allerdings scheint sich als Bezeichnung nur die kleine Form philosophischer Illumination, die in den zwanziger Jahren von Autoren wie Benjamin, Bloch und-Kracauer geprägt wurde, der Titel durchgesetzt zu haben, unter dem Benjamin 1933 in der Frankfurter Zeitung einige Prosastücke veröffentlicht hatte: »Denkbilder« [4].

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  • Inka Mülder

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