Psycholinguistik pp 187-234 | Cite as
Sprachverstehen
Zusammenfassung
Geistige Aktivitäten mit dem Ziel, sprachliche Äußerungen der Umgebung zu verstehen, finden beim Menschen von Beginn seines Lebens an statt. Das Ergebnis ist je nach Lebensalter verschieden. Wird zunächst lediglich der Unterschied zwischen sprachlichem und nichtsprachlichem Geräusch erkannt, differenziert sich das Verstehen schon nach kurzer Zeit hinsichtlich spezifischer prosodischer Muster und einzelner Merkmale eines lautlichen Segmentes über weitere differenzierende Schritte bis zum inferentiellen Verstehen, dem sog. Interpretieren einer Äußerung beim kompetenten Sprecher/Hörer. Der herausragende Meilenstein auf dem Weg des Spracherwerbs ist offenbar der Übergang vom Umgang mit lautlichen Einheiten (Silbenmuster) zur Beherrschung der Bedeutungsbeziehung, zwischen lautlichem Ausdruck und einer begrifflichen Bedeutung. Besonders augenfällig wird die Bedeutung dieses Schrittes, wenn er gleichsam im Zeitlupentempo beobachtet werden kann, wie z.B. bei gestörter Sprachentwicklung. Wer das plastisch nachvollziehen will, lese einmal die Geschichte des kleinen Olaf (Kegel & Tramitz 1991). Olaf konnte bis ins neunte Lebensjahr nicht sprechen, hatte aber durch sprachtherapeutische Maßnahmen nach der McGinnis-Methode, einer Kombination von Schreiben, Gestik und Lautung, den Umgang mit Lauten und Silben gelernt.
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