Dispositiv

  • Jürgen Link

Zusammenfassung

Es ist evident, dass der wichtige Einschnitt in der Entwicklung der Theorie Foucaults nach 1968, häufig als Dominanzwechsel von der Archäologie zur Genealogie betrachtet, sich symptomatisch auch in der Emergenz der Kategorie ›Dispositiv‹ niedergeschlagen hat. Diese Emergenz geht mit einer gewissen Lockerung der Diskurs-Kategorie gegenüber der strengen Fassung in der Archäologie des Wissens einher. Das Dispositiv (frz. dis-positif, engl. ursprünglich völlig hilflos allein auf nur 30 Seiten von Sexualität und Wahrheit ständig wechselnd mit deployment, apparatus, device, system, organization, mechanism und construct übersetzt [Foucault 1980, 75–105], neuerdings endlich auch mit dispositive) gehört zu jenen Kategorien, die in ihrer Ausgangssprache anders als in den importierenden Sprachen sowohl im Alltag als auch in der theoretischen Sprache verbreitet sind. Bei terminologischen Importen dieses Typs kann die mangelnde Berücksichtigung wichtiger alltagssprachlicher Konnotationen zu erheblichen Bedeutungsverschiebungen führen (s. auch Kap. IV.10 »Disziplinar-technologien/Normalität/Normalisierung«).

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Literatur

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  • Jürgen Link

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