Die Moderne und Platon pp 535-552 | Cite as
Charakteristische Unterschiede zwischen dem platonisch-aristotelischen und dem hellenistischen Rationalitätsverständnis
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Zusammenfassung
In der Form eines zusammenfassenden Überblicks möchte ich abschließend einige der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale einer Vorstellungs- und einer Unterscheidungsphilosophie noch einmal zusammenstellen.
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Anmerkungen
- 572.S. dazu jetzt George E. Karamanolis, Plato and Aristotle in Agreement? Platonists on Aristotle from Antiochus to Porphyry, Oxford 2006CrossRefGoogle Scholar
- 573.Dass Aristoteles als antiplatonischer Empiriker beurteilt wird, liegt zu einem guten Teil daran, dass die Intention seiner Kategorienschrift falsch gedeutet wird. Aristoteles macht in dieser Schrift das wahrnehmbare Einzelding zum letzten Subjekt, dem alle seine Eigenschaften zukommen und von dem alle Prädikate prädiziert werden. Alle antiken Kommentatoren dieser Schrift stimmen darin überein, dass die Kategorien von Aristoteles zur Einführung geschrieben sind und eine Analyse der Normalsprache enthalten, nicht etwa seine wissenschaftlich begründete Analyse des Einzeldings, wie sie im siebten Buch der Metaphysik gegeben ist. S. dazu die Arbeit von Rainer Thiel (s. oben S. 78f. mit Anm. 60). Bezeichnenderweise wird das schon hellenistische Bild vom jenseitigen Platon und diesseitigen Aristoteles gleich im Beginn der Neuzeit wiederbelebt — mit einer Wirkungsgeschichte bis in die gegenwärtige Forschung. S. Thomas Sören Hoffmann, lmmanentisierung der Transzendenz. Zur Stellung Georgios Gemistos Plethons in der Geschichte des Platonismus, Philotheos 4, 2004, 301–319Google Scholar
- 576.S. dazu Gyburg Radke, Die Theorie der Zahl im Piatonismus. Ein systematisches Lehrbuch, Tübingen/Basel 2003.Google Scholar
- 579.Eine der erkenntnistheoretischen Differenz analoge Differenz im Erkenntnisinteresse findet man auch in der Analyse der Wahrnehmungsvorgänge, wie sie sich seit der Frühen Neuzeit ausbildet. Wenn etwa untersucht werden soll, was das Hören ist, dann untersucht der neuzeitliche Wissenschaftler die Wege, Mechanismen, in denen Schallwellen vom Ohr bis zum Gehirn rezipiert und verarbeitet werden. Für einen Platoniker hat der Ton eine von der Zahl bestimmte Ordnung. Auf die jeweils bestimmten Zahlverhältnisse, die die Unterschiede unter den Tönen und Tonverhältnissen zur Folge haben, muss man achten, wenn man wissen will, was man hört und welche Möglichkeiten das Hören von Tönen bietet (s. Platon, Politeia 531a/b). Über die Bedeutung der Musik, die auf diese Weise als Vollendung der Möglichkeit des Hörens — im Rahmen der ‚Freien Künste’ — erschlossen wird, s. jetzt Anja Heilmann, Boethius’ Musiktheorie und das Quadrivium, Göttingen 2007; s. auch Verf., Zahl und Schönheit in Augustinus De musica VI, Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaften N.F. 16, 1990, 221–237. Die unterschiedliche Fragestellung, die man in einer ‚antiken’ und einer ‚modernen’ Fragestellung beim Hören (und analog bei anderen Wahrnehmungen) verfolgen kann, macht gut deutlich, dass sich diese Fragestellungen keineswegs ausschließen müssen, sie können sich auch vorteilhaft ergänzen.Google Scholar
- 582.Eine interessante Diskussion mit den führenden Bewußtseinstheoretikern der Gegenwart, in der die meisten heute erörterten Fragen über das, was das Bewußtsein ist und leisten kann, besprochen werden, hat Susan Blackmore geführt. S. Susan Blackmore, Gespräche über Bewusstsein, Frankfurt a.M. 2007.Google Scholar
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- 600.S. jetzt Stefan Büttner, Antike Ästhetik. Eine Einführung in die Prinzipien des Schönen, München 2006, S. 142–147.Google Scholar
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