„Drei Frauen“ — Kritische Fragen an Playmates

  • Gerhard Meisel
Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series (KSDL)

Zusammenfassung

Wenngleich scheinbar weniger artifiziell und hermetisch als die Vereinigungen „muß man sagen, daß nichts ‚normal‘ ist in diesen Novellen, in denen unerhörte und ungeheuere Ereignisse geschehen“1.

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Literatur

  1. 1.
    Pott, 1984: 48. Pott insistiert in seiner überzeugenden Darstellung aufgrund der Kohärenz und des thematischen wie motivischen Zusammenhangs der drei Texte auf eine “Einheit der Novellen” und weiß durch seine sukzessive Problemanalyse die zwingende Komplementarität der Novellen nachzuweisen.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. zu dieser, Musils berühmten Gegensatzpaar “ratioid/nichtratioid verpflichteten Deutung, vor allem Eibl, 1978: 129–132, Willemsen, 1985: 181–189, und Pott, 1984: 63–68.Google Scholar
  3. 3.
    Foucault, 1974: 373. Heissenbüttel, 1965: 179, insistiert darauf, daß auch die Literatur an dieser “Erfindung” mitwirkte: “Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Mensch in einer Interpretation sichtbar, in der er mit Einschränkung bis heute erscheint: als ein Einzelwesen, das in seiner autonomen Individualität den Maßstab liefert für die Vergleichbarkeit und Gleichsetzung aller Menschen. Dieses autonome Wesen, für das es vorher keinen Namen gab, wurde nicht zuletzt literarisch erfunden” - was schließlich nach Musils Worten zur “Konkurrenz” zwischen Wissenschaften und Literatur um die “Beherrschung der Welt” (VIII, 1302) führen sollte.Google Scholar
  4. 4.
    Böhme/Böhme, 1983: 15.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. dazu Böhme/Böhme, 1983.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Adorno/ Horkheimer, 1971: 44, “Die Irrfahrt von Troja nach Ithaka iat der Weg des leibhaftig gegenüber der Naturgewalt unendlich schwachen und im Selbstbewußtsein erst sich bildenden Selbst durch die Mythen.”.Google Scholar
  7. 7.
    Böhme/Böhme 1983: 21.Google Scholar
  8. 8.
    Kant, 1966: III, 448. Kant fährt fort: “Die erste Frage beantwortet die Metaphysik, die zweite die Moral, die dritte die Religion, und die vierte (”Was ist der Mensch?“ G.M.] die Anthropologie. Im Grunde aber könnte man aber alles dieses zur Anthropologie rechnen, weil sich die ersten drei Fragen auf die letzte beziehen”.Google Scholar
  9. 11.
    So Christa Gürtler, 1986: 142, in ihrer ausgezeichneten Studie.Google Scholar
  10. 12.
    Gürtler, 1986: 130f.Google Scholar
  11. 13.
    Vgl. dazu auch Gürtler, 1986: 133. Diesen vom Mann vorgenommenen Akt der Namensgebung unterschlägt Pott, 1984: 52, wenn er die Frauen eilfertig als Zeichen bzw. “Signifikanten” setzt.Google Scholar
  12. 15.
    Zur Gleichsetzung der drei Frauen mit drei Hexen vgl. Pott, 1984: 48. Die zeitgenössische Männer-projektion von Heiliger und Hure zeichnet Gürtler, 1986: 130–132, nach.Google Scholar
  13. 16.
    So die These von Moser, 1990: 3.Google Scholar
  14. 17.
    Vgl. dazu VI, 240, 245, 255 und 285. Wenn Claude David, 1986: 87, solche Passagen ob ihrer “saftigen, sinnlichen, üppigen Sprache” lobt, wundert es kaum, daß er in seiner Interpretation der Drei Frauen zu so unfaßlichen Thesen über die Natur kommt, wie etwa: “Es gibt keine Rückkehr zur bloßen Natur. Oder vielmehr, es gibt keine bloße Natur: die bloße Natur ist der Tod.” (1986: 95).Google Scholar
  15. 19.
    Vgl. dazu Gürtler, 1986: 135.Google Scholar
  16. 20.
    Vgl. Heinrichs, 1975: XXVIII.Google Scholar
  17. 21.
    So sein Herausgeber Bernoulli; zitiert nach Heinrichs, 1975: VIII.Google Scholar
  18. 22.
    Bachofen, 1948: 36.Google Scholar
  19. 23.
    Bachofen, 1948: 238.Google Scholar
  20. 24.
    Bachofen, 1948: 51.Google Scholar
  21. 25.
    Bachofen, 1948: 64.Google Scholar
  22. 26.
    Bachofen, 1948: 48.Google Scholar
  23. 27.
    Bachofen, 1948: 35.Google Scholar
  24. 28.
    Bachofen, 1948: 26f.Google Scholar
  25. 29.
    Vgl. Gürtler, 1986: 142.Google Scholar
  26. 30.
    Auf den Einfluß Bachofens für den Mann ohne Eigenschaften weisen besonders Willemsen, 1984, passim und Heyd, 1980: 247, hin. Soweit ich sehe, hat allein Lisa Kirchberger, 1963: 167–182, das Mutterrecht als eine der Quellen Musils für die Konzeption seiner Drei Frauen eruiert. Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang die Kritik Roseberrys an Kirchberger in seiner Musil-Bibliographie bleiben, zeigt sie doch, wie leicht Kritiker-Häme auf den Urheber selbst zurückfällt. Neben dem Vorwurf der “dünnen Logik” belustigt sich Roseberry über einen Widerspruch, der, wenn er dem Literaturwissenschaftler schon nicht selbst einging, bei Erscheinen seines “Forschungsberichts” von der Forschung längst schon als eines der grundlegenden Probleme der Novelle Tonka erkannt wurde: “Amüsante Widersprüche zu bemerken kann man nicht verfehlen: einerseits wird Tonka als Hure beschrieben, und nur drei Seiten später wird sie mit der Jungfrau Maria verglichen.” (1974: 52). Ähnlich despektierlich über Kirchbergers Aufsatz, der in seinen Folgerungen sicher problematisch ist, äußert sich Eibl, 1978: 180.Google Scholar
  27. 31.
    Ein schönes Beispiel dieser Einsicht über die “Ideologisierung” der weiblichen “Natur” gibt Musil in seinem Essay Die Frau gestern und morgen (VIII, 1193–98).Google Scholar
  28. 32.
    In seinem etwa zeitgleich mit den Drei Frauen erschienenen Essay Ansätze zu neuer Ästhetik: Bemerkungen über eine Dramaturgie des Films, einem Beitrag zu Béla BalSzs Buch Der sichtbare Mensch, schreibt Musil: “Was wir unser geistiges Sein nennen, befindet sich unausgesetzt in diesem Vorgang der Ausdehnung und Zusammenziehung. In ihm hat die Kunst die Aufgabe unaufhörlicher Umformung und Erneuerung des Bildes der Welt und des Verhaltens in ihr, indem sie durch die Erlebnisse die Formel der Erfahrung sprengt; Musik macht dies mehr dispositionell, am agressivsten und direktesten macht es die Literatur, weil sie mit dem Material der Formulierung selbst arbeitet.” (VIII, 1152).Google Scholar
  29. 33.
    So Deleuze, 1980: 199, zu Bachofens dreiphasiger Rekonstruktion des Mutterrechts.Google Scholar
  30. 34.
    Vgl. VI, 240, 265 und 297.Google Scholar
  31. 35.
    Diese Begrifflichkeit entnehme ich dem ausgezeichneten Aufsatz von Hans H. Hiebel, 1990, der am Beispiel von Büchners Leonce und Lena die Möglichkeiten einer intertextuellen Lektüre aufzeigt. Renate Lachmanns grundlegende Bestimmung des intertextuellen Verfahrens: “Nicht mehr nur die Struktur als selbstbezogene Systemmonade, sondern auch die Intertextualität als Qualität des Textes, die aus seiner Berührung mit anderen Texten resultiert, wird Beschreibungsgegenstand” (1983: 67), erweitert Hiebel dabei insofern, als er die ästhetische Qualität dieses Dialogs nicht im bloßen Zitatcharakter eines “Textmosaiks” nachweist, sondern in der elidierenden Parodierung der “literarischen Tradition” und vor allem der literarischen Autorschaft selbst. Heyd, 1980: 13f, hat als erster auf die Perspektiven einer solchen Lektüre für Musils Texte hingewiesen.Google Scholar
  32. 36.
    Hiebel, 1990: 2.Google Scholar
  33. 37.
    Hiebel, 1990: 2.Google Scholar
  34. 38.
    Schon Jost Hermand, 1962: 171–182, hat in seiner Grigia-Interpretation, die in Ansätzen bereits seinem später entwikkelten Verfahren des “Synthetischen Interpretierens” verpflichtet ist, dieses Verfahren angedeutet: “Daß Musil davon [gemeint sind die literarischen Quellen von Grigia; G.M.] manches übernommen hat, bedarf wohl keiner Erwähnung. Man tut daher gut, auf jede postivistische Motivableitung zu verzichten und sich nur mit der Variation des Übernommenen zu beschäftigen, das sowieso dem Kollektiv-Unbewußten entnommen ist.” (1962: 178). Die positivistische Motivableitung freilich ist unabdingbare Voraussetzung einer solchen Analyse, sichert doch erst diese die Bestimmung der eigentlichen Qualität von Anspielung und Auslassung, statt sie dem Dunkel des Kollektiv-Unbewußten zu überlassen.Google Scholar
  35. 39.
    Vgl. zu diesen Äußerungen VI, 241, 293 und 281.Google Scholar
  36. 40.
    Vgl. Muschg, 1957: 442–500.Google Scholar
  37. 41.
    “Überschreibung” verstehe ich hier im Sinn der Konstitution eines “Metatextes”, wie ihn Renate Lachmann, 1984: 137, als Bündelung der “intertextuellen und ideologematischen Funktion des Textes” zum “impliziten Text” versteht: “Der implizite Text ist der Ort der Überschneidung von präsentem und absentem Text, der Ort der Interferenz von Texten, die kulturelle Erfahrungen als kommunikative vermittelt und kodiert haben. Als Summe der Intertexte verweist der implizite Text auf sich selbst und konstituiert so seinen eigenen Metatext”.Google Scholar
  38. 42.
    Zur Namensgebung des Freundes vgl. Eibl, 1978: 105, und Pott, 1984: 51.Google Scholar
  39. 43.
    Pott, 1984: 68, spricht völlig zutreffend vom Handeln Homos als einer “Revokation der List des Odysseus”. Auch Schmidts Bestimmung, “Homos Abenteuer im exakten Gegensinn zum deutschen Bildungsroman” (1975: 8) zu sehen, trifft diese Bewegung.Google Scholar
  40. 44.
    Hermand, 1973: 172.Google Scholar
  41. 45.
    Pott, 1984: 59.Google Scholar
  42. 46.
    Schon Schmidt, 1975: 25 und 69 weist auf den für die Novellen “wichtigen Begriff des Spiels” hin, ohne diesen dann allerdings weiter zu verfolgen.Google Scholar
  43. 47.
    Caillois, 1982: 19. Zwei wichtige Bücher, auf die sich Caillois Untersuchung stützt, hat auch Musil gelesen: Karl Groos, Die Spiele der Thiere und Die Spiele der Menschen, die 1896 bzw. 1899 erschienen. Vgl. Tb I, 13, 593 und 627.Google Scholar
  44. 48.
    Vgl. Adorno/Horkheimer, 1971: 10.Google Scholar
  45. 49.
    Ein überzeugendes Beispiel der Möglichkeiten, die dieses Modell für die Literaturwissenschaft eröffnet, bietet Gerhard Neumanns Interpretation zu Franz Kafkas Hungerkünstler. Vgl. Neumann, 1986a: 56–59.Google Scholar
  46. 50.
    Caillois, 1982: 27.Google Scholar
  47. 51.
    Eibl, 1978: 106, unterschlägt diese wichtige Bedeutungsebene, wenn er Brot, Fleisch und Wein lediglich als “pretiös-archaische Diktion” kommentiert. Vgl. dagegen Pott, 1984: 60.Google Scholar
  48. 53.
    Blanchot, 1982: 13.Google Scholar
  49. 54.
    Eibl, 1978: 141. Auch Schmidt, 1975: 12, muß diese zentrale Stelle notwendig unterschlagen haben, wenn er als etwas dünnes Fazit der Novelle apodiktisch angibt: “Damit ist über den Kunstcharakter der Novelle Grigia insgesamt Entscheidendes festgestellt, denn sie ist durchgehend nach diesem Prinzip gearbeitet: als eine Reihe von gleichnishaften Bildkomplexen, als eine eidetische Gedankenfolge”.Google Scholar
  50. 55.
    Moser, 1990: 27.Google Scholar
  51. 56.
    Alle Zitate nach Rilke, 1966: IH, 547f.Google Scholar
  52. 57.
    Rilke, 1966: III, 548f.Google Scholar
  53. 59.
    Gewiß ist es richtig, wenn die Forschung beim Bild der Fliege ausnahmslos auf Musils Erzählung Das Fliegenpapier verweist. Dies erklärt aber noch nicht, warum ausgerechnet die Fliege als bündelnde Metapher aller unscheidbar-wollüstigen Sinnlichkeiten erscheint. Eine Antwort darauf gibt Goethes Gedicht Fliegentod (Goethe, oJ: III, 176.).Google Scholar
  54. 63.
    Vgl. Caillois, 1982: 31f.Google Scholar
  55. 64.
    Gold und Heu sind nicht, wie Pott, 1984: 59, meint, als symbolische Konfiguration, sondern als gesetzte Dichotomie zu sehen.Google Scholar
  56. 65.
    Vgl. zum “Skarabäus” Bachofen, 1948: 411.Google Scholar
  57. 66.
    Vgl. dazu auch Gürtler, 1986: 136 und Pott, 1984: 61, die diese Szene in Anlehnung an Bataille als “heilige Erotik” entziffern.Google Scholar
  58. 69.
    Bachofen, 1948: 41.Google Scholar
  59. 70.
    Vgl. zu dieser Aufspaltung des Frauenbildes auch Gürtler, 1986: 137.Google Scholar
  60. 72.
    Daß Grigias reales Vorbild tatsächlich “Magdalena Maria Lenzi” hieß und von 1880–1954 in Palai, also der Gegend von Musils Kriegseinsatz lebte, hat Karl Corino ermitteln können. Vgl. Tb II, 178.Google Scholar
  61. 73.
    Caillois, 1982: 31.Google Scholar
  62. 74.
    Die Übereinstimmungen der gesamten Szene (Vgl. VI, 249) mit Caillois’ Bestimmung der Spielkategorie sind frappierend: “Die verschiedenen Zustände, in welche der Körper versetzt wird; Sturz oder Schweben im Raum, rapide Rotation, Gleiten, Geschwindigkeit, die Beschleunigung einer geradlinigen Bewegung oder ihre Kombination mit einer kreisförmigen, rufen sie hervor. Parallel dazu existiert ein Rausch moralischer Art, eine plötzliche das Individuum ergreifende Besessenheit.” (1982: 33).Google Scholar
  63. 75.
    Vgl. zu dieser folgenreichen Trennung Moser, 1990: 13.Google Scholar
  64. 76.
    Bachofen, 1948: 96.Google Scholar
  65. 77.
    Lachmann, 1984: 134.Google Scholar
  66. 79.
    Caillois, 1982: 41. Vgl zum Ausgang des Spiels auch S. 25: “Der Spieler verhält sich hier völlig passiv. Er setzt weder sein Können noch seine Talente ein, bedient sich weder seiner Muskelkraft noch seiner Intelligenz. [...] Die Gerechtigkeit, die stets erstrebt wird [...] belohnt den Spieler mit unbedingter Genauigkeit proportional zu seinem Einsatz”.Google Scholar
  67. 80.
    So Eibl, 1978: 145, stellvertretend für einen Großteil der Grigia-Interpreten. Noch darüber hinaus geht Schmidt, 1975: 1, wenn er für Homo angibt, daB dieser “aus dem bruchstückhaften seines Daseins zum vollendeten Ganzen gelange”.Google Scholar
  68. 81.
    Gürtler, 1986: 137.Google Scholar
  69. 82.
    Auch Hoffingott, als eine, wie Pott, 1984: 51, richtig bemerkt, “Art religiöser Führer in Homos Leben”, muß trotz seines sprechenden Namens zum Schluß der Erzählung die Aussichtslosigkeit der Unternehmung anerkennen.Google Scholar
  70. 84.
    Vgl. Caillois, 1982: 64, der den Krieg die korrumpierteste Form des Agôn nennt.Google Scholar
  71. 86.
    Gürtler, 1986: 142.Google Scholar
  72. 87.
    Moser, 1990: 4.Google Scholar
  73. 88.
    Vgl. dazu Eibl, 1978: 147.Google Scholar
  74. 89.
    Vgl. zu dieser Parallelisierung Moser, 1990: 16.Google Scholar
  75. 90.
    Bislang hat nur Corino, 1988: 292, ohne diese Stelle zu nennen, auf diese Quelle aufmerksam gemacht. Zur genauen Bestimmung der “Portugiesin” vgl. Stahl, 1979: 240.Google Scholar
  76. 91.
    Rilke, 1966: III, 232f. Vgl. auch 299.Google Scholar
  77. 92.
    Deleuze, 1980: 206 und 243.Google Scholar
  78. 94.
    Ich folge hier der Argumentation von Moser, 1990: 17, der diesen Zusammenhang am prononciertesten ausspricht.Google Scholar
  79. 95.
    Moser, 1990: 2.Google Scholar
  80. 99.
    Vgl. zu dieser Aporie die aufschlußreichen Folgerungen von Moser, 1990: 18. Willemsen, 1985: 184f, übersieht diesen Zusammenhang, wenn er vorschnell folgert: “Die Erlösung ist im Text eine, die durch eine stumme Vereinbarung bei der Anerkennung des Symbols zustande kommt. Entscheidend ist dabei nicht, daß das Symbol erscheint, sondern daß es als solches erkannt wird. Der Prozeß, den Herr von Ketten durchmacht, ist beschreibbar als die Erringung der Symbolerkenntnis, der Fähigkeit, am Nichtratioiden überhaupt zu partizipieren”.Google Scholar
  81. 100.
    Goethe, 1982: III, 44.Google Scholar
  82. 102.
    Kittler, 1985: 18.Google Scholar
  83. 103.
    Moser, 1990: 18.Google Scholar
  84. 105.
    Dies übersieht Pott, 1984: 74, wenn er kuzerhand folgert: “Mit der Überwindung dieser Felswand ist er geheilt. Der junge Ritter ist sozusagen automatisch verschwunden.”Google Scholar
  85. 106.
    Nochmals sei hier auf Deleuze’ Bestimmung der demetrischen Frau bei Bachofen erinnert, die “im klaren Licht des Mondes [...] den Mann zu einer zweiten Geburt” führt. (1980: 206, 243).Google Scholar
  86. 107.
    Barthes, 1980: 27.Google Scholar
  87. 108.
    So Henningers, aus der strukturalen Psychoanalyse Lacans gewonnene Generalthese, die den Text als Kompromiß, also eine durch die “Spaltung des Subjekts” evoziertes “Symptom” erklärt, das “zwischen zwei ihm innewohnenden kontradiktorischen Tendenzen” sich doppeldeutig fortschreibt (1981: 416). Diese höchst problematische These ändert allerdings nur wenig daran, daß Henningers Studie, durch ihre luziden Einsichten in den Text, zu den ganz wenigen Höhepunkten der Literatur zu Tonka zählt.Google Scholar
  88. 109.
    Albertsen, 1968: 61.Google Scholar
  89. 110.
    Kaiser/ Wilkins, 1962: 123.Google Scholar
  90. 111.
    Pott, 1984: 74.Google Scholar
  91. 112.
    Willemsen, 1985: 187.Google Scholar
  92. 114.
    Daß hier ein “impressionistischer Erzähleingang” als “stilistischer Hinweis auf [die] Ich-Problematik im Sinne Ernst Machs” (Eibl, 1978: 121) vorliegen soll, kann ich ebensowenig ausmachen, wie die Entwicklung des Textes “aus einem Bild” (Willemsen, 1986a: 87). Eher schon läßt sich Potts - im Ton allerdings zu pathetischen - Formel zustimmen, es handle sich beim Erzählanfang um “die wilde Zeit der Poesie” (1984: 50).Google Scholar
  93. 115.
    Barthes, 1976: 46.Google Scholar
  94. 116.
    Moser, 1990: 2.Google Scholar
  95. 117.
    Barthes, 1976: 49.Google Scholar
  96. 119.
    Kant, zitiert nach Böhme, 1984: 38. Schon in der Vollendung der Liebe erfüllte die Musik bekanntlich diese Funktion einer begriffslosen Sprache.Google Scholar
  97. 120.
    Sontag, 1968: 172.Google Scholar
  98. 121.
    Zur Differenz von weiblicher Stimme und männlicher Rede in der Schrift vgl. Neumann, 1985: 247f.Google Scholar
  99. 123.
    Im Mann ohne Eigenschaften wird die Wahrscheinlichkeit bei der Geschwisterliebe eine kategoriale Rolle spielen. Vgl. dazu unten 3.9 bis 3.11. Zur ersten Einführung: v. Woldeck, 1989: 1–10.Google Scholar
  100. 125.
    Eibl, 1978: 154.Google Scholar
  101. 126.
    Zitiert nach Böhme/Böhme, 1983: 75.Google Scholar
  102. 128.
    Vgl. Deleuze, 1980: 181.Google Scholar
  103. 129.
    Gegen die Verführung, die Zweideutigkeit der Situation in eine wahrscheinliche Eindeutigkeit zu überführen, ist auch die Forschung nicht gefeit. Gewiß liegt es nahe, die “entsetzliche, schwere, schleichende Krankheit” als Geschlechtskrankheit zu identifizieren, wie dies etwa Eibl, 1978: 151, und Gürtler, 1986: 141, tun. Dafür spricht das biographische Faktum von Hermine Dietz’ Syphilis und erlittenem Abortus. Die Wahrscheinlichkeit spricht aber dafür, daß Musil seine damalige Geliebte nach einer einjährigen Militärzeit infizierte, und nicht sie ihn. Dennoch: “Musil quälte sie bis zu ihrem Tode mit Mißtrauen und peinlich-eifersüchtiger Inquisition, bestürmt von der Mutter, das Mädchen mit Geld abzufinden.” (Corino, 1972: 169f, dort und bei Henninger, 1981: 419f, auch ausführliches Material zur biographischen Aufhellung). Doch auch im Fall der Krankheit sind durchaus andere Möglichkeiten als die der Syphilis denkbar, ist doch ausdrücklich davon die Rede, daß die Krankheit auch direkt vom Kind ins Blut der Mutter getragen worden sein könnte. Daß der Freund zudem auf der gleichen Seite im Text den Ärzten größtes Mißtrauen entgegenbringt, wo es um Tonkas Gesundheit geht, gleichzeitig aber darauf verweist, die “Ärzte hätten ja nie eine Krankheit bei ihm finden können” (VI, 303), zeigt nur die Dehnbarkeit solcher Wahrheitsfindungen, nicht ihre Beweiskraft.Google Scholar
  104. 131.
    Willemsen, 1985: 16.Google Scholar
  105. 132.
    Pott, 1984: 76.Google Scholar
  106. 133.
    Wucherpfennig, 1978: 248.Google Scholar
  107. 134.
    Der Name “Hyazinth” leitet sich deshalb auch nicht aus Novalis’ Hyazinth und Rosenblüthchen her, wie dies Eibl, 1978: 122 vermutet. Über den schönen Jüngling Hyacintus, Liebling nicht nur Apollons, berichtet Hederich, 1967: Sp. 12%, daß man sich “mit ihm eine Art der Liebe ausgedacht, die wider die Natur ist”.Google Scholar
  108. 135.
    Vgl. zu diesem Zusammenfallen in der infantilen männlichen Psyche Freud, 1972: SA V, 191–193.Google Scholar
  109. 137.
    Eine Ausnahme bildet, wenngleich nur vorsichtig angedeutet, Corino, 1972: 137.Google Scholar
  110. 138.
    Eine verräterische Spur hat Musils Unbewußtes oder aber eine schöne Ironie in die Tagebuchaufzeichnung gelegt. Ist in bezug auf Alfred Musil immer vom “Papa” die Rede, so heißt es in einer kurzen Notiz: “Jugendgeschichte anfangs Steyr, dann Brünn. Robert u. Gusti. Vater Finanzlandesdirektor u. Stellvertreter(Tb I, 405). Musils Vater war Ingenieur für Maschinenbau, Hyazinth in der Novelle hingegen wird als Oberfinanzrat vorgestellt. Ein schöner Kompromiß, bedenkt man, daß Heinrich Reiter wohl nicht der einzige Geliebte von Musils Mutter war. Vgl. dazu Willemsen, 1985: 19.Google Scholar
  111. 139.
    Bachofen, 1948: 54–59.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Gerhard Meisel

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