Jugendarbeit auf dem Land pp 209-225 | Cite as
Jugendpartizipation auf dem Lande — das Beispiel Halver
Zusammenfassung
Im Frühjahr 1999 habe ich in Westfalen-Lippe eine Kleinstadt auf dem Lande gesucht, die zur Zeit ein Jugendpartizipationsprojekt durchführt. Ich fand die Stadt Halver, die gerade das Jugendparlament „Junges Forum“ eingerichtet hatte und die durch das Jugendamt des Märkischen Kreises in Lüdenscheid dabei beraten und begleitet wurde. Ich habe versucht, eine Recherche mit möglichst geringem Aufwand durchzuführen und habe Halver dreimal besucht. Ein einführendes Gespräch fand statt mit den beiden Hauptamtlichen, die das Projekt begleiten, mit Frau Schölzel, die stellvertretende Amtsleiterin des Schulverwaltungs- und Kulturamtes, und Herrn Sauerland, dem zuständigen Jugendpfleger des Märkischen Kreises. Mit beiden habe ich ein längeres Interviewgespräch geführt über die Situation der Jugendlichen in Halver, die allgemeine sozialräumliche Situation der Stadt und die Entstehungsgeschichte des Jugendparlamentes. Daraufhin habe ich bei einem weiteren Besuch mir selber die sozialräumlich für Jugendliche wichtigen Orte in der Stadt angesehen. Bei einem dritten Besuch habe ich zusammen mit Herrn Sauerland mit jugendlichen Vertretern aus dem Jugendparlament „Junges Forum“ ein zweieinhalbstündiges Gespräch geführt. Daran haben teilgenommen: Annika (10 Jahre, Realschule), Boris (18 Jahre, Gymnasium), Hendrik (16 Jahre, Gymnasium), Lena (16 Jahre, Realschule), Denise (15 Jahre, Gymnasium). Dabei habe ich die Jugendlichen gebeten, eine Art sozialräumliche Landkarte oder Skizze von Halver aus ihrer Sicht zu zeichnen und dabei die für sie wichtigen sozialen Orte einzutragen. Ich habe sie zu ihrer Sicht der räumlichen und sozialen Lebensverhältnisse in Halver befragt, zur Situation der Jugendlichen mit ihnen gesprochen und sie nach ihren Intentionen für das Jugendparlament befragt. Daraufhin habe ich einen zweiteiligen Text erstellt, in dessen ersten Teil ich zusammenfasse, was ich von der sozialräumlichen Situation, der Situation der Jugendlichen und der Geschichte und dem Konzept des Jugendparlamentes verstanden habe. Im zweiten Teil kommentiere ich aus meiner fachlichen Sicht den Partizipationsversuch in Halver und versuche, aus ihm allgemeine Hinweise für Jugendpartizipation auf dem Lande abzuleiten. Beide Textteile habe ich meinen Gesprächspartnern in Halver zugestellt und sie gebeten, den ersten Teil, der ja über ihre eigenen Lebensverhältnisse und ihre Praxis berichtet, zu kommentieren. Die Kommentare der Jugendlichen und der Erwachsenen sind — jeweils mit ihrem Namen versehen — kursiv in meinen Text eingearbeitet worden. Auch dies ist ein kleiner Versuch der Partizipation: Die Befragten hatten das Recht und die Möglichkeit, meine Interpretationen aus ihrer Sicht zu korrigieren. Dadurch entsteht auch im Text eine Art diskursive Verständigung über eine gemeinsame Deutung der Situation der Jugendlichen und der Partizipation in der Stadt Halver.
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