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Subjekt, Sexualität und Moderne Michel Foucaults „Genealogie der Sexualität“

  • Cornelia Ott
Part of the Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 10)

Zusammenfassung

Michel Foucaults „Der Wille zum Wissen“ ist zu einem der einflußreichsten Texte der neueren Diskussion um Sexualität und Macht geworden. Seine zentrale These, moderne Machtverhältnisse seien untrennbar mit dem Auftauchen eines diskursiven Komplexes »Sexualität« verknüpft, ermöglicht es, in der (modernen) gesellschaftlichen Organisation von Sexualität mehr als nur eine Funktion gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse zu sehen. »Sexualität« gewinnt in Foucaults Analyse als wesentliches, konstitutives Element dieser Verhältnisse Bedeutung. Hier scheint zunächst eine Übereinstimmung mit feministischen Sexualitätsanalysen zu bestehen. Allerdings treten in der Foucaultschen Sexualitätsanalyse »Geschlecht« und »Sexualität« auseinander. Wird in feministischen Konzepten häufig in enger — oft sogar monokausaler — Zusammenhang zwischen Geschlechterhierarchie und der gesellschaftlichen Organisation von Sexualität angenommen, untersucht Foucault schwerpunktmäßig die Verknüpfung zwischen modernen Machtformen — Subjektivierung, Disziplinierung, Regulierung — und Sexualität. »Geschlecht« bzw. Geschlechterhierarchie sind in Foucaults Sicht nur ein Produkt dieses Machtfeldes. Auch die Art und Weise, wie Foucault die Machtmechanismen beschreibt, die Sexualität und Individuum miteinander verknüpfen, unterscheidet sich: Wird in feministischen Analysen dem Aspekt der Unterdrückung große Aufmerksamkeit geschenkt, ist für Foucault ausgemacht, daß es im wesentlichen produktive, anreizende Mechanismen sind, die hier zur Anwendung kommen. Trotz oder gerade wegen dieser Differenzen findet Foucaults Ansatz Eingang in neuere feministische Entwürfe.

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Literatur

  1. 1.
    Foucault, M., Von der Subversion des Wissens, Frankfurt am Main, 1978, S. 135f.Google Scholar
  2. 2.
    vgl. hierzu Fink-Eitel, H., Michel Foucaults Analytik der Macht, in: Kittler, F.A. (Hg), Die Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften, Paderborn, 1980; speziell Fußnote 9, S. 70: „(...) Pathos und Folgen dieser ebenso bestürzend-plötzlichen wie verspäteten Erkenntnis verdanken sich nicht zuletzt auch der hartnäckigen französischen Nicht-Rezeption beispielsweise der deutschen antifaschistischen und antistalinistischen Literatur seit der frühen Kritischen Theorie.“.Google Scholar
  3. 3.
    Foucault, M., Mikrophysik der Macht, Berlin, 1976, S. 114ff.Google Scholar
  4. 4.
    Foucault, M., Recht der Souveränität/Mechanismus der Disziplin, in: Dispositive der Macht, Berlin, 1978, S. 89.Google Scholar
  5. 5.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, Frankfurt am Main, 1977, S. 162f.Google Scholar
  6. 6.
    ebd., S. 110.Google Scholar
  7. 7.
    Foucault, M., Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main 1976; ders., Der Wille zum Wissen, a.a.O.Google Scholar
  8. 8.
    Foucault, M., Der Gebrauch der Lüste, Frankfurt am Main, 1986; ders., Die Sorge um sich selbst, Frankfurt am Main, 1986.Google Scholar
  9. 9.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 114.Google Scholar
  10. 10.
    ebd., S. 117.Google Scholar
  11. 11.
    Foucault, M., Recht der Souveränität/Mechanismus der Disziplin, in: Dispositive der Macht, a.a.O., S. 79ff.Google Scholar
  12. 12.
    ebd., S. 80.Google Scholar
  13. 13.
  14. 14.
    ebd., S. 82.Google Scholar
  15. 15.
    ebd., S. 85.Google Scholar
  16. 16.
    ebd., S. 54.Google Scholar
  17. 17.
    siehe hierzu die Übersicht und Diskussion von Hradil, S., Die Erforschung der Macht, Stuttgart, 1980, S. 20–61.Google Scholar
  18. 18.
    siehe hierzu die an Althusser anschließende Arbeit von Poulantzas, N., Politische Macht und gesellschaftliche Klassen, Frankfurt am Main, 1975. Auch die Regulationstheorien beziehen sich kritisch auf Althusser, als Einstieg siehe: Demirovic, A. (Hg), Hegemonie und Staat, Münster, 1992.Google Scholar
  19. 19.
    siehe hierzu die Arbeiten von Norbert Elias und auch die empirischen Studien der Kritischen Theorie. Ist es für Elias die Transformation der politischen Herrschaft, die im Sozialen zu Verhaltensänderungen führt, so bestimmt in der Kritischen Theorie der Warentausch die menschlichen Beziehungen und damit das Soziale.Google Scholar
  20. 20.
    Foucault, M., Dispositive der Macht, a.a.O., S. 111.Google Scholar
  21. 21.
    Foucault, M., Das Subjekt und die Macht, in: Dreyfuß, H.L., Rabinow, P., Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik, Frankfurt am Main, 1987, S. 243.Google Scholar
  22. 22.
    Foucualt, M., Überwachen und Strafen, a.a.O., S. 42.Google Scholar
  23. 23.
    Wobei Lacan dies als Funktionsweise der Sprache, Derrida jedoch als Effekt von Herrschaft, die sich in Sprache ausdrückt, auffaßt.Google Scholar
  24. 24.
    Foucault, M., Die Ordnung des Diskurses, Frankfurt am Main, 1991, S. 14.Google Scholar
  25. 25.
    ebd., S. 15.Google Scholar
  26. 26.
    Nietzsche, F., Der Wille zur Macht, besonders deutlich in: Der Wille zur Macht II, §305. Die hier zitierte Ausgabe: Nietzsche, Leipzig 1939, S. 434.Google Scholar
  27. 27.
    Marti, U., Michel Foucault, München, 1988, S. 78.Google Scholar
  28. 28.
    Fink-Eitel, H., Foucault zur Einführung, Hamburg, 1989, S. 66ff.Google Scholar
  29. 29.
    Foucault, M., Der Gebrauch der Lüste, a.a.O, S. 10.Google Scholar
  30. 30.
    Foucault, M., Die Ordnung der Dinge, Frankfurt am Main, 1971, S. 412,.Google Scholar
  31. 31.
    Ferry, L., Renaut, A., Antihumanistisches Denken, München, 1987.Google Scholar
  32. 32.
    so z.B. Fraser, N., Foucault on Modern Power: Empirical Insights and Normative Confusions, in: Fraser, N., Unruly Practices, Power, Discourse, and Gender in Contemporary Social Theory, University of Minnesota Press, Minneapolis, 1989.Google Scholar
  33. 33.
    so z.B. Habermas, J., Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt am Main, 1985.Google Scholar
  34. 34.
    so z.B. Hartsock, N., Foucault on Power: A Theory for Women?, in: Lejienaar, M. (Hg), Power and Gender, A Symposium, Leiden, 1987.Google Scholar
  35. 35.
    vgl. hierzu: Giddens, A., Die Konstitution der Gesellschaft, Frankfurt am Main, 1988, S. 315f.Google Scholar
  36. 36.
    Foucault, M., Hermeneutik des Subjekts, in: ders., Freiheit und Selbstsorge, Frankfurt am Main, 1985, S. 50.Google Scholar
  37. 37.
    vgl. hierzu: McNay, L., Foucault and Feminism, Cambridge, 1992, vor allem S. 48ff.Google Scholar
  38. 38.
    Foucault, M., Freiheit und Selbstsorge, a.a.O., S. 19ff, besonders S. 26f.Google Scholar
  39. 39.
    Foucault, M., Das Subjekt und die Macht, a.a.O., S. 254.Google Scholar
  40. 40.
  41. 41.
    vgl. Fink-Eitel, H., Foucault zur Einführung, a.a.O., S. 97 ff.Google Scholar
  42. 42.
    vgl. hierzu: Becker, H., Heimliche Erregung der dritten Art, in: Foucault, M., Freiheit und Selbstsorge, a.a.O., 1985, S. 73.Google Scholar
  43. 43.
    An dieser Stelle ist Adornos und Horkheimers Kritik moderner Subjektivität radikaler, wenn sie sagen, daß die Herausbildung von Identität stets mit Verwerfungen verbunden ist, die sowohl im Subjekt selbst wie im Verhältnis mit dem anderen Herrschaftstrukturen bewirken. Sie lassen keinen Zweifel daran, daß die „Logik des Identischen“ stets zu Herrschaft führt. Zu Gemeinsamkeiten und Differenzen der Subjektkritiken von Adorno und Foucault siehe: Honneth, A., Foucault und Adorno. Zwei Formen der Kritik der Moderne, in: Kemper, P. (Hg), ‘Postmoderne’ oder der Kampf um die Zukunft, Frankfurt am Main, 1988.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Benjamin, J., Herrschaft — Knechtschaft: Die Phantasie der erotischen Unterwerfung, in: List, E., Studer, H., Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik, Frankfurt am Main, 1989.Google Scholar
  45. 45.
    Irigaray, L., Waren, Körper, Sprache; der ver-rückte Diskurs, Berlin, 1979.Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. McNay, L., a.a.O., S. 177, S. 190.Google Scholar
  47. 47.
    Benhabib, S., Kritik, Norm und Utopie, Frankfurt am Main, 1992, S. 145.Google Scholar
  48. 48.
    ebd., S. 135.Google Scholar
  49. 49.
    vgl. u.a. Becker-Schmidt, R., u.a., Nicht wir haben die Minuten, die Minuten haben uns, Bonn-Bad Godesberg, 1982; Becker-Schmidt, R., Identitätslogik und Gewalt, Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Feminismus, in: Müller-Warden, J., Welzer, H., (Hg), Fragmente Kritischer Theorie, Tübingen, 1991.Google Scholar
  50. 50.
    vgl. hierzu die vielfaltigen Ansätze der Kritik, die an dem Ausschluß der Problematik des Geschlechterverhältnisses in Foucaults Arbeit ansetzen, bspw. in: Diamond, I., Quinby, L. (eds), Feminism and Foucault, Northeastern University Press, 1988.Google Scholar
  51. 51.
    Foucault, M., Das Subjekt und die Macht, a.a.O., S.246.Google Scholar
  52. 52.
    vgl. dazu: Foucault, M., Der „Anti-ödipus“ — Eine Einführung in eine neue Lebenskunst, in: Dispositive der Macht, a.a.O., S. 229f.Google Scholar
  53. 53.
    Veröffentlicht in: Foucault, M., Die Subversion des Wissens, Frankfurt am Main, 1974; eine weitere Präzisierung und Modifizierung der Genealogie stellt Foucault in seiner 1976 gehaltenen Vorlesung vor: Historisches Wissen der Kämpfe und der Macht, auf deutsch veröffentlicht in: Dispositive der Macht, a.a.O.Google Scholar
  54. 54.
    Foucault, M., Nietzsche, die Genealogie, die Historie, a.a.O., S. 89.Google Scholar
  55. 55.
    ebd., S. 95.Google Scholar
  56. 56.
    ebd., S. 97f.Google Scholar
  57. 57.
    „Am Leitfaden des Leibes“ betitelt Nietzsche §306 in „Der Wille zur Macht III“ und hebt so sowohl die subversive wie auch die zu bevorzugende Erkenntnismöglichkeit hervor, die sich am Körper statt an der Seele oder dem Geist orientiert. Vgl. auch: §217, §249, ebd.Google Scholar
  58. 58.
    Auf die Ambivalenz dieser Zurückweisung habe ich bereits hingewiesen. In diesem Text distanziert sich Foucault klar von biologischen Setzungen.Google Scholar
  59. 59.
    Foucault, M., Nietzsche, die Genealogie, die Historie, a.a.O., S. 97.Google Scholar
  60. 60.
    „Wir glauben jedenfalls, daß der Körper nur den Gesetzen seiner Physiologie unterliegt und daß er der Geschichte nicht ausgesetzt ist. Auch das ist ein Irrtum: er ist dem Wechsel der Lebensweisen unterworfen; er ist den Rhythmen der Arbeit, der Muße und der Feste ausgesetzt; er wird vergiftet — von Nahrungen und von Werten, von Eßgewohnheiten und moralischen Gesetzen; er bildet Resistenzen aus. “ Foucault zitiert hier Nietzsche, ebd., a.a.O. S. 97.Google Scholar
  61. 61.
    ebd., S. 91f.Google Scholar
  62. 62.
    ebd., S. 99.Google Scholar
  63. 63.
    Foucaults Untersuchungen zur Geburt des Gefängnisses umfassen den Zeitraum 1750–1850 und beschränken sich hauptsächlich auf den Raum Frankreichs. Sowohl seine Zentrierung auf die Entwicklung in Frankreich wie auch auf eine Einzelstudie als Grundlage des Konzeptes der Bio-Macht ist zum Gegenstand von Kritik geworden, vgl. Honegger, C., 1980; Fraser, N., 1989. Es wäre auch zu fragen, inwieweit die historische Fixierung auf den Zeitraum der franz. Revolution als Umschlagpunkt zur „modernen Macht“, die einen ihrer Hauptaspekte in der Disziplinierung der Körper hat, nicht auch einer spezifisch französischen Präferenz zuzuschreiben ist. Zu dieser Frage gibt z.B. Michael Schröters Studie über die Veränderungen des Heirats Verhaltens im späten Mittelalter Anlaß, der, von der Zivilisationstheorie Elias ausgehend, ähnlich körperzentrierte Techniken zu einer viel früheren Zeit feststellt, wie im übrigen auch Elias selbst. Vgl. Schröter, M., Wo zwei zusammenkommen in rechter Ehe, Frankfurt am Main, 1985; Elias, N., Über den Prozeß der Zivilisation, Frankfurt am Main, 1976. Das Problem der Historisierung und Lokalisierung von Machtphänomenen wird im Laufe meiner Arbeit noch des öfteren zum Thema werden.Google Scholar
  64. 64.
    Foucault, M., Überwachen und Strafen, a.a.O., S. 178.Google Scholar
  65. 65.
    ebd., S. 176.Google Scholar
  66. 66.
    ebd., S. 177.Google Scholar
  67. 67.
    Breuer, S., Foucaults Theorie der Disziplinargesellschaft. Eine Zwischenbilanz. In: Leviathan, Heft 3, 1987, S. 319–337.Google Scholar
  68. 68.
    Habermas, J., Der philosophische Diskurs der Moderne, a.a.O., S. 337f.Google Scholar
  69. 69.
    Honneth, A., Kritik der Macht, Frankfurt am Main, 1985, S. 210; ders., Foucault und Adorno. Zwei Formen einer Kritik der Moderne, a.a.O., S. 114f.Google Scholar
  70. 70.
    Foucault, M., Überwachen und Strafen, a.a.O., S. 200f.Google Scholar
  71. 71.
    Foucault, M., Mikrophysik der Macht, a.a.O., S. 106.Google Scholar
  72. 72.
    Entgegen seiner programmatischen Thesen behauptet Foucault später einen Widerstandspunkt gegen die Macht ausgerechnet in den „Körpern und Lüsten“. Für Fink-Eitel ist dies ein Zeichen dafür, daß Foucault sehr wohl ein — im nietzscheanischen Sinn — „Natürliches“ annimmt. Nancy Fraser kritisiert, daß Foucault zwar von „Körper“ und „Lüsten“ redet, aber nie präzisiert, was er darunter versteht. Judith Butler moniert Foucaults „Essentialismus“, der in seinen romantischen Äußerungen über Körper und Lust zum Vorschein komme. Fink-Eitel, H., Foucault zur Einführung, a.a.O., S.93ff; Fraser, N., Foucault’s Body Language: A Posthumanist Political Rethoric?, in: dies., Unruly Practises, a.a.O., S. 60ff; Butler, J„ Das Unbehagen der Geschlechter, a.a.O., S. 142ff.Google Scholar
  73. 73.
    Gesa Lindemann und Hilge Landweer haben — in jeweils unterschiedlichen theoretischen Kontexten — andere Lösungsvorschläge für das „Körperproblem“ gesucht. Lindemann schlägt vor, an H. Plessners anthropologische Philosophie anzuknüpfen, während Landweer in der phänomenologischen Körperphilosophie von H. Schmidt Weiterentwicklungsmöglichkeiten sieht. Ich halte allerdings die Psychoanalyse mit ihrem konfliktorientierten Ansatz für geeigneter, dieses Problemfeld anzugehen. Lindemann, G., Die leiblich-affektive Konstruktion des Geschlechts. Für eine Mikrosoziologie des Geschlechts unter der Haut, in: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 21, Heft 5, Oktober 1992, S. 330–346; Landweer, H., Kritik und Verteidigung der Kategorie Geschlecht. Wahrnehmungs-und symboltheoretische überlegungen zur sex/gender Unterscheidung, Feministische Studien, 2, 1993.Google Scholar
  74. 74.
    vgl. Gast, L., Libido und Narzissmus, Tübingen, 1992.Google Scholar
  75. 75.
    Becker-Schmidt, R., Knapp, G.-A., Das Geschlechterverhältnis als Gegenstand der Sozialwissenschaften, Frankfurt am Main, 1995, S. 9.Google Scholar
  76. 76.
    vgl. Becker-Schmidt, R., Individuum, Klasse und Geschlecht aus der Perspektive der Kritischen Theorie, in: Zapf, W., Die Modernisierung moderner Gesellschaften, 25. Soziologentag, 1990, Bd. 1.Google Scholar
  77. 77.
    ebd., S.387.Google Scholar
  78. 78.
    ebd., S. 387f.Google Scholar
  79. 79.
    Becker-Schmidt, R., Knapp, G.-A., Das Geschlechterverhältnis als Gegenstand der Sozialwissenschaften, Frankfurt am Main, 1995, S. 10.Google Scholar
  80. 80.
    ebd., S. 11.Google Scholar
  81. 81.
    vgl. dazu: Becker-Schmidt, R., Von Jungen, die keine Mädchen und von Mädchen, die gerne Jungen sein wollten. Geschlechtsspezifische Umwege auf der Suche nach Identität, in: Becker-Schmidt, R., Knapp, G.-A., Das Geschlechterverhältnis als Gegenstand der Sozialwissenschaften, a.a.O., S. 220–246.Google Scholar
  82. 82.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 166.Google Scholar
  83. 83.
    ebd., S. 168.Google Scholar
  84. 84.
    Foucault erläutert seinen Dispositiv-Begriff ausführlich in: Dispositive der Macht, a.a.O., S. 119ff.Google Scholar
  85. 85.
    Foucault, M., Leben machen und sterben lassen: Die Geburt des Rassismus, Vorlesung März 1976, veröffentlicht in: Les temps modernes, Februar 1991, übersetzt in: diskus, Nr.l, Frankfurt am Main, Febr. 1992, Zitat S. 52.Google Scholar
  86. 86.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 170.Google Scholar
  87. 87.
    Foucault, M., Leben machen und sterben lassen: Die Geburt des Rassismus, a.a.O., S. 56. Die Brisanz dieser Analyse wird u.a. in den Argumenten sichtbar, die hierzulande in der „Asyldebatte“ von fast allen Parteien und weiten Teilen der Bevölkerung angeführt werden. Es sind überwiegend Argumente, die die Gefährdung der Arbeitsplätze, der sozialen Sicherung, der Wohnmöglichkeiten, des Wohlstandes, der kulturellen Werte, aber auch die Gefährdung des Leibes, der Gesundheit und Hygiene, der Unversehrtheit der Körper (allerdings nur der „eigenen“) betonen. Diese Argumentationsketten durchziehen und verbinden unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, individuelle und nationale „Interessen“, die Sphäre der großen Politik wie die der privaten Lebensplanung. Auch die Argumentationen sog. multikultureller Fürsprecher bedienen sich solcher Elemente, wenn auch mit umgekehrter Zielsetzung: Hier liegt die Betonung auf der Bereicherung der Gesellschaft durch die Immigrantinnen, sei es durch Steueraufkommen, Geburtenzifferausgleich oder kulturelle Vielfalt, die der eigenen Bevölkerung zugute kommen könnte.Google Scholar
  88. 88.
    Foucault, M., Leben machen und Sterben lassen. Die Geburt des Rassismus, a.a.O., S. 55.Google Scholar
  89. 89.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 174 u. 175.Google Scholar
  90. 90.
    vgl. Reich, W., Der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral, Frankfurt am Main, 1981.Google Scholar
  91. 91.
    vgl. Freud, S., Das Unbehagen in der Kultur, G.W. Bd. 14, Frankfurt am Main, 1948.Google Scholar
  92. 92.
    vgl. Marcuse, H., Der eindimensionale Mensch, Neuwied u.a., 1967.Google Scholar
  93. 93.
    vgl. Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 9–25.Google Scholar
  94. 94.
    ebd., S. 76.Google Scholar
  95. 95.
    ebd., S. 58.Google Scholar
  96. 96.
    Foucault, M., Leben machen und Sterben lassen, a.a.O., S. 51.Google Scholar
  97. 97.
    Die nichtdiskursiven Praxen werden zwar angedeutet (Anti-Masturbationskampagne, Hysteriebehandlung etc.), aber nicht ausgeführt. In gewisser Weise fällt Foucault hier hinter seine erklärte und in „Überwachen und Strafen“ eingelöste Absicht zurück, diskursive und nichtdiskursive Praktiken als Gesamtheit zu analysieren. Zwangsläufig wird damit der Fehler, der diskurskritischen Analysen eigen ist, wiederholt: Es entsteht ein vermeintlich geschlossenes System, das sich dem handelnden Individuum entzieht. Die Konsequenzen werden z.B. in Judith Butlers Arbeiten deutlich, auf die ich später eingehen werde.Google Scholar
  98. 98.
    ebd., S. 54.Google Scholar
  99. 99.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 129.Google Scholar
  100. 100.
    ebd.,S. 150.Google Scholar
  101. 101.
    ebd., S. 128.Google Scholar
  102. 102.
    ebd.,S. 132.Google Scholar
  103. 103.
    Davidhoff, L., The Role of Gender in the ‘First Industrial Nation’, in: Crompton, R., Mann, M. (eds), Gender and Stratification, 1986, S. 192.Google Scholar
  104. 104.
    vgl. zum Beispiel Rubin, G., Thinking Sex: Notes for a Radical Theory of the Politics of Sexuality, in: Vance, C.S. (ed), Pleasure and Danger, Boston, 1984; Hegener, W, Der Diskurs des Anderen und die Logik des Gleichen, in: Kornbichler, T., Maaz, W., Variationen der Liebe. Historische Psychologie der Geschlechterbeziehung. Tübingen, 1995; differenzierter auch bei: Treusch-Dieter, G., Analyse des Bundesgesetzes über die medizinische Fortpflanzungshilfe beim Menschen, in: Fleischer, E., Winkler, U., (Hg), Die kontrollierte Fruchtbarkeit, Wien, 1993.Google Scholar
  105. 105.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 137.Google Scholar
  106. 106.
    Dies ist ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat von Foucault. Der komplette Satz heißt: „In der christlichen Pastoral codierte das Gesetz der Allianz das Fleisch, das man entdeckte, und zwang ihm von vornherein ein immer noch rechtliches Vorzeichen auf; mit der Psychoanalyse ist es die Sexualität, die den Regeln der Allianz Leib und Leben verleiht, indem sie sie mit Begehren sättigt.“ ebd., S. 137.Google Scholar
  107. 107.
    Foucault, M., Leben machen und sterben lassen, a.a.O., S. 55.Google Scholar
  108. 108.
    vgl. Laquer, T., Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt am Main, 1992; Honneger, C., Die Ordnung der Geschlechter, Frankfurt am Main, 1991.Google Scholar
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    Balibar, E., Wallerstein, I., Rasse, Klasse, Nation, Hamburg, Berlin, 1990.Google Scholar
  110. 110.
    Foucault, M., Herculine Barbin, Being the Recently Discovered Memoirs of a Nineteenth-Century Hermaphrodite, Übersetzung: Richard McDougall, New York, 1980, Vorwort, S. viii.Google Scholar
  111. 111.
    Hirschauer, S., Die soziale Konstruktion der Transsexualität, Frankfurt am Main, 1993, S. 66ff, speziell S. 76f.Google Scholar
  112. 112.
    Hier ist auch auf die christlichen Kirchen hinzuweisen, die wesentlich an der Verbreitung einheitlicher Normen mitgewirkt haben, die Sexualität, Fortpflanzung und die Stellung der Geschlechter betrafen. Foucault hat — in einem anderen Kontext — auf den Zusammenhang zwischen „Pastoralmacht“ und „Bio-Macht“ hingewiesen. Siehe Foucault, M., Das Subjekt und die Macht, a.a.O.Google Scholar
  113. 113.
    Foucault, M., Der Wille zum Wissen, a.a.O., S. 187.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Cornelia Ott

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