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Einige Bedingungen für die Realisierung der Negation

  • Gerhard Stickel
Part of the Schriften zur Linguistik book series (SCHL, volume 1)

Zusammenfassung

Wenn nachgewiesen werden soll, daß eine Tiefenstruktur, bei der das Negationselement von keiner der verbalen oder nominalen Konstituenten dominiert wird, die angemessene Abstraktion der verschiedenen negativen Sätze ist, muß gezeigt werden, von welchen Bedingungen die unterschiedliche Repräsentation des Negationselementes in der Oberflächenstruktur solcher Sätze abhängt. Die Annahme einer Transformation, welche NEG völlig arbiträr in den Bereich von NUKL inkorporiert, kann nicht als befriedigende Erklärung angesehen werden, da eine solche Annahme der Forderung widerspricht, daß Transformationen von der semantischen Interpretation der Sätze unabhängig sein müssen. Eine Transformation, die etwa arbiträr darüber entscheidet, ob NEG als nicht oder kein realisiert wird, wäre nur sinnvoll, wenn Sätze wie die folgenden gleichbedeutend wären, was sie jedoch zweifellos nicht sind:1)
  1. (1)

    Der Student hat das Buch nicht gelesen.

     
  2. (2)

    Der Student hat kein Buch gelesen.

     
  3. (3)

    Kein Student hat das Buch gelesen.

     

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Literatur

  1. 1).
    Ich werde später auf einige Fälle hinweisen, bei denen die Wahl zwischen nicht und kein semantisch nicht sonderlich signifikant zu sein scheint.Google Scholar
  2. 2).
    Vgl. hierzu die Darstellung der Struktur der Nominalphra-sen des Deutschen bei W. Motsch (1965, 78–85) und bei H. Vater (1967).Google Scholar
  3. 1).
    Zur Diskussion solcher Merkmale siehe N. Chomsky (1965, 85 ff.) und M. Bierwisch (1965a, 33 ff. und 52).Google Scholar
  4. 1).
    Zur Behandlung der Akzente und der Intonation in einer generativen Grammatik des Deutschen siehe P. Kiparsky (1966; und M. Bierwisch (1966).Google Scholar
  5. 2).
    Die ausführlichste Darstellung der Punktionen der verschiedenen Artikelformen bietet die schon erwähnte Arbeit von H. Vater (1963). Vgl. auch seinen Versuch, die Punktionsmerkma-le der Artikel im Rahmen eines generativen Grammatikmodells darzustellen (1967). Eingehend diskutiert werden die Artikelfunktionen auch von H. Brinkmann (1962, 51–66) und W. Admoni (1966, 127–138).Google Scholar
  6. 3).
    Man beachte, daß Eigennamen, wenn sie nicht vokativisch gebraucht werden (lieber Kunol) stets einen definiten Artikel haben, wenn ihnen ein Adjektiv attribuiert ist (der kluge Kuno, die treue Grete, das sonnige Italien). Zu den Bedingungen, unter denen Eigennamen als Gattungsbezeichnungen verwendet werden können (ein neuer Goethe, ein anderes Deutschland). siehe H. Vater (1967, 63 f.) und H. Brinkmann (1962, 56 f.). Unser ‘Standardeigenname’ Kuno repräsentiert hier wie auch im folgenden stets eine definite Nominalphrase.Google Scholar
  7. 1).
    Ich vereinfache hier den syntaktischen Sachverhalt. Entscheidungsfragen unterscheiden sich von Aussagesätzen nicht nur durch die Stellung des finiten Verbs. Für ihre Tiefenstruktur muß vielmehr ein besonderes Frageelement angenommen werden (Siehe unsere Regel R2a).Google Scholar
  8. 2).
    Die im Kontext einer vorausgehenden Prage möglichen Pronominalisierungen und Ellipsen wurden von A.V. Isačenko (1965) behandelt.Google Scholar
  9. 1).
    Zu diesem Punkt vgl. Katz und Postal (1964, 85).Google Scholar
  10. 1).
    Ein etymologischer Zusammenhang zwischen ein und kein besteht zweifellos. Hier soll nur darauf hingewiesen werden, daß kein nicht in jedem Fall die Punktionsmerkmale von ein enthält.Google Scholar
  11. 1).
    Nach H. Vater (1967, 60 f.) können irgendein und irgend-welch den ein- bzw. den Nullartikel dann nicht ersetzen, wenn die betreffende Nominalphrase ‘generalisierende’ Bedeutung hat.Google Scholar
  12. 2).
    Für die Ableitung der Possessiva nimmt die generative Grammatik im allgemeinen eine Tiefenstruktur an, bei der das Besitzverhältnis als Relativsatz angesetzt ist; z.B. das Buch, das ich habe (oder: das mir gehört) ===> mein Buch. Demonstrativa werden, abgesehen von ihrer Verwendung bei externer Deixis, d.h. direkt auf einen Sachverhalt verweisend, als Sonderform des anaphorischen Artikels aufgefaßt (Ich habe ein Buch gekauft. Dieses Buch ...). Vgl. hierzu W. Motsch (1965, 124 ff.) und H. Vater (1967).Google Scholar
  13. 1).
    J. Wackernagel (1928, 250 ff.) führt für den Zusammenhang zwischen der Negation und den Indefinitpronomina Beispiele aus mehreren indogermanischen Sprachen an. Siehe hierzu auch O. Jespersen (1917, 58 et pass.). Zum Englischen vgl. E.S. Klima (1964, bes. 273–283), zum Niederländischen A. Kraak (1966, 119–130), zum Französischen J. Dubois (1967, 169–173 et pass.). Auf den Zusammenhang zwischen den Inde-finita und den Negationsträgem im Deutschen macht unter anderen J. Erben (1963, 148 f.) aufmerksam.Google Scholar
  14. 2).
    Hier ist nur das Personalpronomen es gemeint, nicht aber das ‘Pseudosubjekt’ es (Es regnet. Es ist kalt etc.) oder die Expletivform es (Es hat jemand gerufen. Es ist gut, daß er etwas gesagt hat). Zu den verschiedenen Punktionen von es siehe M. Bierwisch (1965, 54 ff.). Auf die Expletivform wird in Abschn. 6.2 noch einmal kurz eingegangen.Google Scholar
  15. 1).
    Ein Versuch, sämtliche Personalpronomina des Englischen als ‘Artikel’ zu interpretieren, wurde von P.M. Postal (1966) unternommen. Er geht dabei von einer zunächst ungeteilten Konstituente ‘Noun’ aus, deren Merkmalmenge in segmentale Einheiten zerlegt wird, die im Falle der Personalpronomina durch morphologische Regeln zu einer Form zusammengefaßt werden. Zur Stellung der Personalpronomina in einer generativen Grammatik siehe auch W. Boeder (1968). Boeder schlägt vor, die Bedingungen für die Einführung der rollendeikti-schen Pronomina (ich, du) aus einer Subkonstituente des Satztypindikators I zu entwickeln.Google Scholar
  16. 2).
    Zur syntaktisch-semantischen Punktion der tempus- und lo-kaldeiktischen Proformen siehe R. Harweg (1968, 217 ff.). Zu den Begriffen der ‘Innendeixis’ (anaphorische Beziehung) und der ‘Außendeixis’ (situatives Zeigen) siehe auch K. Heger (1963, 15–20 et pass.).Google Scholar
  17. 1).
    Auch wenn etwas Grad- oder Maßbestimmung eines prädikativen Adjektivs oder eines Verbs ist, korrespondiert es nicht mit nichts in einem entsprechenden negativen Satz. Vgl. Kuno hat etwas geschlafen. *Kuno hat nichts geschlafen. Aber: Kuno hat nicht geschlafen. Auch hierbei kann etwas nicht durch irgend erweitert werden.Google Scholar
  18. 1).
    Für das Objekt des Verbs trinken spielen noch andere Merkmale eine Rolle, u.a. [-abstrakt] und [+flüssig], da ein Satz wie *Kuno trinkt seinen Schreibtisch und unsere Vernunft nicht akzeptabel ist. Vgl. hierzu die Überlegungen von U. Weinreich (1966, 411 ff. u. 492 ff.).Google Scholar
  19. 1).
    Problematisch ist vor allem die Ableitung der Präpositionen für solche Adverbialphrasen. Während J. McKay (1968) wie in älteren Arbeiten zur generativen Grammatik die Präpositionen für temporale und lokale Präpositionalphrasen in den Pormationsregeln einführt, geht C.J. Fillmore soweit, für alle Nominalphrasen Präpositionen anzunehmen, die dann durch Transformationen (beim Subjekt obligatorisch) wieder getilgt werden können. K.H. Wagner (1968, Kap. 1.3) nimmt in Umkehrung des Fillmoreschen Ansatzes keine Präpositionen in der Basis an, sondern entwickelt sie aus Merkmalkomplexen der Nominalphrasen.Google Scholar
  20. 1).
    Strikte Gesetzmäßigkeiten für den flektierten bzw. unflektierten Gebrauch von niemand und jemand im Dativ und Akkusativ habe ich nicht feststellen können, Sätze wie Er hat niemanden/jiemanden gesehen erscheinen mir im heutigen Deutsch als ebenso akzeptabel wie Er hat niemand/jemand gesehen, K.G. Andresen (1923, 52 f.) und auch der sonst so strenge Wustmann (1935, 38 f.) sehen beiden Möglichkeiten vor. Der Duden (1966, 282) konstatiert Schwankungen im Gebrauch, bezeichnet aber die unflektierten Formen im Dativ als ‘nicht ganz korrekt’. Nach einer Auszählung von I. Ljungerud 1955, 239) überwiegen die flektierten Formen. Der Vorzug der flektierten Formen erscheint in den Fällen als plausibel, in denen die Kasusfunktion andernfalls nicht eindeutig entscheidbar wäre. Vgl. den zweideutigen Satz: Das Kind hat niemand gesehen.Google Scholar
  21. 1).
    Ansätze dazu finden sich bei J.Co McKay (1968, bes. 28ff.), der aber gerade zu diesem Problem zugeben muß:”There still remains a residue, however, for which I have not been able to find a satisfactory explanation.”(a.a.O., 33)Google Scholar
  22. 1).
    Der Übersichtlichkeit wegen sind hier wie auch bei den später folgenden Skizzen die Ableitungsstufen und die entsprechenden Symbole, die für die jeweilige Diskussion nicht von Belang sind, nicht berücksichtigt. Bei den Diagrammen (69’) und (70’) sind die Symbole S, S1 und VB nicht aufgeführt.Google Scholar
  23. 1).
    Zur Stellung des Lexikons in einer generativen Grammatik siehe N. Chomsky (1965, 164–192). Eine (nicht im Prinzip) abweichende Darstellung findet sich bei U. Weinreich (1966, 417 ff.).Google Scholar
  24. 1).
    A. Martinet (1963, 117) unterscheidet zwischen grammatikalischen Monemen (‘monèmes grammaticaux’) und lexikalischen Monemen (‘monèmes lexicaux’). Diese Unterscheidung entspricht in etwa der zwischen ‘minor classes’ und ‘major classes’ bei U. Weinreich (1966, 432 ff.).Google Scholar

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© Friedr. Vieweg + Sohn GmbH, Braunschweig 1970

Authors and Affiliations

  • Gerhard Stickel

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