Zusammenfassung
Zunehmende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft und die Existenz aggressiver Handlungsmuster in unterschiedlichen Realitätsbereichen besitzen derzeit Themenkonjunktur; zahlreiche Segmente des Lebensraumes sind von erhöhten Kriminalitätsraten Jugendlicher und einem Anstieg der Gewaltdelikte in dieser Altersgruppe betroffen. Theoretische Zugänge und Erklärungskonzepte für die Entstehung aggressiver Reaktionstendenzen sowie deren Bedingungskonstellationen reichen von biologisch-physiologischen Ansätzen bis hin zu psychologisch begründeten Modellvorstellungen; dabei gilt es, den Blick auch auf makrostrukturell-gesamtgesellschaftliche Bedingtheiten von Gewaltphänomenen zu lenken. Auf diesem Hintergrund wird Gewalt an Schulen ebenfalls zum Gegenstand einer öffentlich geführten Diskussion. Gewalterscheinungen an Bildungsinstitutionen sind aber im internationalen Vergleich erst mit Beginn der neunziger Jahre ein zentraler Erkenntnisgegenstand auch bundesdeutscher Forschung. Medienrezeption und schuladministrative Sichtweise derartiger Phänomene scheinen nicht immer vollständig kongruent, vorliegende Daten zu Ausmaß, Verbreitung, Erscheinungsformen und Entwicklungstendenzen intraschulischer Gewaltbereitschaft in ihren Ergebnissen bisweilen mehrdeutig. Es ist festzuhalten, daß ein Großteil der einschlägigen empirischen Arbeiten einen suboptimalen Zugang präferiert und hauptsächlich einseitig-monomethodale Ausrichtungen zum Tragen kommen, die eine Datengewinnung in Form von mündlichen oder schriftlichen Befragungen vorsehen.