Der Frauenstudiengang in Wilhelmshaven pp 173-189 | Cite as
Dürfen da ausschließlich Frauen studieren?
Zusammenfassung
Die Zeichen stehen gut für Frauen, die sich für Zukunftsberufe entscheiden — zumindest suggeriert dies der öffentliche Diskurs über wirtschaftliche Innovation und Aufbruch. Der Untertitel der oben zitierten Werbekampagne „BEING“ lautet: „In Zukunft mit Frauen“. Die Slogans und Botschaften sind klar: Frauen sind erwünscht, eine wirtschaftliche Zukunft ohne sie scheint undenkbar zu sein. Dafür sprechen unterschiedliche Aspekte: Ist bereits heute der Bedarf an Ingenieuren und eben auch Ingenieurinnen auf dem Arbeitsmarkt enorm, so unken demoskopische Erhebungen zur Entwicklung der Studierendenzahlen, dass sich die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage nach hochqualifizierten Kräften in diesem Bereich noch verschärfen könnte. Die Arbeitsmarktchancen für technisch interessierte Frauen stehen demnach gut. Zum anderen gibt es Anzeichen für partielle Veränderungen der Unternehmenskulturen: Die propagierte Erhöhung des Frauenanteils im Fach- und Führungskräftebereich ist nicht nur eine Erfindung von Public-Relations-Abteilungen. Vor dem Hintergrund des internationalen Wettbewerbdrucks ist das frauenfreundliche Image eines Unternehmens ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Schließlich haben auch die Unternehmen die Frauen als Kundinnen entdeckt. Und Gerüchten zufolge soll sich schon mal das Börsenverhalten einiger Frauen nach dem weiblichen Prozentanteil in den Vorständen der Großkonzerne richten.
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Literatur
- 1.Für den ingenieurwissenschaftlichen Bereich formuliert das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter anderem: „(Es) sollen vorhandene technische Befähigungen und Interessen von Frauen, aber auch ihre Stärken bezüglich der ‚soft skills‘ zusätzlich aktiviert werden, um die Überwindung traditioneller Ausbildungskonzepte zu fördern und um den zukünftig zu erwartenden Bedarf an Ingenieuren mittel- und langfristig qualitativ besser, aber auch quantitativ ausreichend befriedigen zu können.“ (Presse-Info des BMBF: Ingenieurinnen und Ingenieure von morgen brauchen neue und zusätzliche Kompetenzen, vom 5.7.99)Google Scholar
- 2.Das Projekt wurde in der Zeit vom 15.6. bis 31.12.2000 von der Hans-Böckler-Stiftung finanziert. Die Projektleitung hatte Prof. Dr. Gudrun-Axeli Knapp; wissenschaftlicher. Mitarbeiter war Dr. Thomas Köhler. Der Untersuchungsbericht ist an anderer Stelle veröffentlicht und über die Hans-Böckler-Stiftung zugänglich (Carmen Gransee/Gudrun-Axeli Knapp/Thomas Köhler unter Mitarbeit von Anja Taubner: Wirtschaftsingenieurin — ein Beruf mit Zukunft? Exploration der Einstellungen betrieblicher Akteure zu Beschäftigungschancen im Berufsfeld Wirtschaftsingenieurwesen, Hannover 2001). Unseren Gesprächspartnerinnen und allen anderen, die an dieser Explorationsstudie teilgenommen haben, sei für die freundliche Kooperation und Auskunftsbereitschaft an dieser Stelle herzlich gedankt.Google Scholar
- 3.Dass sich die „Triangulierung“ nicht in allen Fällen würde realisieren lassen, kam nicht unerwartet. In fünf mittelständischen und einem großen Unternehmen gab es keine Gleichstellungsexpertin (und meist auch keine Gleichstellungspolitik). Der zehnte Betrieb war eine Verwaltung des öffentlichen Dienstes, die einen Praktikumsplatz für Studentinnen des Wirtschaftsingenieurwesens zur Verfügung gestellt hatte. Die dort geführten Interviews dienten zu Vergleichszwecken.Google Scholar
- 4.Im Folgenden wird PM für PersonalmanagerIn verwendet, BR für Betriebsrat/-rätin und GE für Gleichstellungsexpertin.Google Scholar
- 5.Siehe ausführlich dazu Carmen Gransee/Gudrun-Axeli Knapp/Thomas Köhler unter Mitarbeit von Anja Taubner: Wirtschaftsingenieurin — ein Beruf mit Zukunft? Exploration der Einstellungen betrieblicher Akteure zu Beschäftigungschancen im Berufsfeld Wirtschaftsingenieurwesen, Hannover 2001.Google Scholar