Lebenslagen betreuter Menschen — aus der Perspektive Betroffener

  • Margrit During
Part of the Forschung Soziologie book series (FS, volume 145)

Zusammenfassung

Im nachfolgenden Kapitel sollen die Ergebnisse der Analyse der narrativen Interviews dargestellt werden. Ziel der Analyse ist es, die subjektive Lebenslage von Betroffenen zu erfahren und darzustellen und daraus Konsequenzen/Probleme und/oder Reformvorschläge für das Betreuungsrecht abzuleiten.

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Literatur

  1. 145.
    Die nondirektive oder klientenzentrierte Gesprächsführung wurde von Carl Rogers für psychotherapeutische Gespräche entwickelt. Die gesprächsleitende Person nimmt dabei eine bestimmte Haltung ein, welche die Selbstexploration des Gegenüber fördert. Im Mittelpunkt dieser Gesprächsführung stehen: 1. Kongruenz/Echtheit bei der gesprächsleitenden Person (damit ist die Übereinstimmung zwischen dem inneren Erleben und den geäußerten Signalen gemeint); 2. positive Wertschätzung und Achtung gegenüber der Person, mit der das Gespräch geführt wird; und 3. die Begleitung der Erzählung mit einem einfühlenden Verständnis. Vgl. Rogers, C.R.: Die klient-bezogene Gesprächstherapie, 1973Google Scholar
  2. 146.
    Vgl. Schütze, Fritz: Das narrative Interview, 1987, S. 77Google Scholar
  3. 147.
    Jede Beziehung beeinflusst durch Erwartungshaltungen oder-vermutungen die Erzählung. Um die Erfahrungsaufschichtungen der Betroffenen zu erfahren, ist die größtmögliche Zurückhaltung des Zuhörers erforderlich.Google Scholar
  4. 148.
    Vgl. Schütz, Alfred/ Luckmann, Thomas: Strukturen der Lebenswelt, Bd. 1, 1979, S. 88 f.Google Scholar
  5. 149.
    Vgl. Kallmeyer, Werner/ Schütze, Fritz: Kommunikationsschemata, in: Wegner, Dirk (Hrsg.): Gesprächsanalysen, 1977, S. 159–274Google Scholar
  6. 150.
    Vgl. Flick: Qualitative Forschung, 1995, S. 118Google Scholar
  7. 151.
    „Um sich selbst zu verstehen, muss man von einem anderen verstanden werden. Um vom anderen verstanden zu werden, muss man den andern verstehen“. Hora (Tao, Zen and Existential Psychotherapy, 1959) zitiert in Watzlawick/Beavin/Jackson: Menschliche Kommunikation, 4. Auflage 1974, S. 37Google Scholar
  8. 152.
    Die Kommunikation wird von vielen Elementen (physisch und psychisch) berührtund gespeist. Insbesondere die verbale Kommunikation bedarf vielfältiger Bedingungen: dem Funktionieren verschiedener Wahrnehmungs-und Verarbeitungsorgane (Ohr, Stimme, Gehirn) oder ihres Ersatzes; dem Lernen, d.h. entsprechender Anregung und Übung etc. Bei Betreuten liegen häufig organische Einschränkungen vor, die sich allerdings unterschiedlich auswirken. Wie oben bereits dargestellt, sind sie eine von mehreren möglichen Bedingungen zur Einrichtung/Konstruktion einer Betreuung; sie sind aber nicht die Ursache dafür.Google Scholar
  9. 154.
    Das Problem der Validität entstand dadurch, dass die formale Überprüfung der Interviews häufig nicht den Anforderungen an Erzählungen entsprach. Dadurch entsteht die Gefahr, dass vom Forscher ein Zusammenhang gesehen wird, der nicht zutrifft. Doch die Gültigkeit läßt sich in ihrer Plausibilität und Glaubwürdigkeit beurteilen. Entsprechend ausführlich sollten die Konstruktionen 2. Grades (des Forschers) begründet und für andere nachvollziehbar dargestellt werden. (Vgl. Flick: Qualitative Forschung, 1995, S. 243 ff).Google Scholar
  10. 156.
    Die von mir besuchte Forschungswerkstatt wurde von Marianne Pieper im Institut für Soziologie nach einem Modell von Thomas Reim und Gerhard Riemann angeboten. Vgl.: Reim/Riemann: Die Forschungswerkstatt, in: Jakob/ von Wensierski (Hrsg.): Rekonstruktive Sozialpädagogik, 1997. Das Konzept steht in der Tradition der Chicagoer Schule der 30er Jahre. Ziel der kooperativen Forschungskommunikation war es, Studierende mit soziologischem Denken vertraut zu machen und zu ihrer Einsozialisation in die Forschung beizutragen. Inhaltlich geht es um die Möglichkeit, den kommunikativen Charakter von qualitativer Forschung auch in die Datenanalyse hineinzunehmen und die Wirksamkeit der Analyse durch die Interaktion zu steigern. Im Kommunikationsprozeß werden analytische Abstraktionen und theoretische Vergleiche ausdifferenziert und verdichtet. Dabei geht es nicht darum alles zu besprechen, sondern „die Eigendynamik der einzelnen Forschungsschritte in Gang zu setzen und zu sichern.“Google Scholar
  11. 157.
    Der Prozeß der qualitativen Forschung beinhaltet als substantiellen Teil auch die „Darstellung von Erkenntnis und Ergebnis“ (Flick: Qualitative Forschung, 1995, S. 19). Eine Forschungswerkstatt bezieht den gesamten Prozeß in die Arbeit ein und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur reflexiven, offenen Auseinandersetzung, auch mit Haltungen und blinden Flecken des Forschers.Google Scholar
  12. 158.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S.97 ff.Google Scholar
  13. 160.
    Vgl. Schütze, Fritz: Prozeßstrukturen, in: Matthes, J./Pfeifenberger, A./Stosberg, M. (Hrsg.): Biographie, 1987, S. 91 sowie Riemann, G.: Das Fremdwerden der eigenen Biographie,1987, S. 387Google Scholar
  14. 161.
    Vgl. Schütze, Fritz: Kognitive Figuren des autobiographischen Stegreiferzählens, in: Kohli, M. und Robert, G. (Hrsg.), Biographie und soziale Wirklichkeit, 1984, S. 92Google Scholar
  15. 162.
    Das Risiko, eigene Angelegenheiten nicht mehr selbständig regeln zu können, trägt jeder Mensch, insbesondere im Alter. Damit die Betreuungszahlen nicht ins Unermeßliche steigen, wird seit einiger Zeit für Vorsorgevollmachten geworben und die Möglichkeit der richterlichen Genehmigung zur Unterbringung auch bei dieser rechtliche Vertretung ermöglicht (§ 1906 BGB).Google Scholar
  16. 165.
    Insbesondere junge Männer stehen „unter dem Zwang, sexuelle Normalität nachweisen zu müssen, und zwar durch die Ausübung heterosexueller Kontakte.“ Vgl. Krüger, Dorothea: Alleinleben, in: Aktuelle Frauenforschung, Bd. 8,1990, S. 161Google Scholar
  17. 166.
    Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter, 1991Google Scholar
  18. 167.
    Auszug aus dem Bericht des Gebrechlichkeitspflegers an das Vormundschaftsgericht:… 2 uneheliche Kinder, deren leiblicher Vater Herr XX sein soll. Er bestreitet dies zwar. Es liegen aber rechtskräftige Urteile… vor, wonach Herr XX der Vater… ist.Google Scholar
  19. 168.
    Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Zahl der Einpersonenhaushalte in Deutschland zu (9,8% in 1939 und 19,4% in 1950). Die normative Lebensform in Ehe und Familie blieb jedoch bis Ende der 60er Jahre unangetastet erhalten. Alleinstehende Frauen wurden Anfang der 50er Jahre als „Opfer des Krieges“ (da viele Männer gefallen waren) angesehen. Doch in den nachfolgenden Jahren wurde die Ehelosigkeit als persönliches Versagen abgewertet. Vgl. Krüger, Dorothea: Alleinleben, in: Aktuelle Frauenforschung, Bd. 8, 1990, S. 36 ff.Google Scholar
  20. 171.
    Vgl. Strasser, Johano: Wenn der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht, 1999Google Scholar
  21. 172.
    Vgl. Goa, André: Kritik der ökonomischen Vernunft, 1989, S. 27Google Scholar
  22. 174.
    Schütze, F.: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 89Google Scholar
  23. 175.
    Vgl. Schütze, F.: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S.88–103Google Scholar
  24. 176.
    Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 149Google Scholar
  25. 177.
    Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S. 380Google Scholar
  26. 178.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 99. Schütze bezeichnet mit dem Begriff der Höhepunktskrise den „endgültigen Zusammenbruch der Handlungsorientierung“ im „Endstadium eines endogenen Wandlungsprozesses der Kompetenzdegration”.Google Scholar
  27. 181.
    Im familientherapeutischen Erklärungsmodell wird davon ausgegangen, dass Eltern ihre Kinder an sich binden, wenn sie die Welt außerhalb der Familie als feindlich ansehen und Befriedigung und Sicherheit nur innerhalb der Familie erlangen können. Die Kinder verinnerlichen diese Einstellung, so dass eine Ablösung und Verselbständigung als existentielle Bedrohung gefürchtet wird. Vgl. Simon/Stierlin: Die Sprache der Familientherapie, 4. Auflage 1995, S. 47 f.Google Scholar
  28. 182.
    Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/ Stosberg: Biographie, 1981, S. 99. Interviewpartner (60): Joa, das war dann eben der Absturz, bisschen viel getrunken, Interviewerin: Mh (Pause)Google Scholar
  29. 183.
    Vgl. Schütze, F.: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 99 f.Google Scholar
  30. 184.
    Vgl. Schütze, F.: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, 5.70/71 und 80/81Google Scholar
  31. 185.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 98.Google Scholar
  32. 187.
    Ein Suizidversuch ist in der Regel die Folge des Zusammenbruchs der Handlungsorientierung und stellt insoweit eine „fremdartige Aktivitätseruption“ dar. Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 99Google Scholar
  33. 188.
    Vgl. Simon/Stierlin: Die Sprache der Familientherapie, 4. Auflage Stuttgart 1995, S. 160Google Scholar
  34. 189.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 148.Google Scholar
  35. 190.
    Schütze schildert wie ein Interviewpartner erlebt, dass er von der Mutter abgeschoben wird. In diesem Abschieben durch die Mutter sieht er ein permanent wirksames Verlaufskurven-potenzial. Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matches/ Pfeifenberger/ Stosberg: Biographie, 1981, S. 148. Riemann beschreibt wie in der Primärsozialisation „Prozesse der Einbindung“ z.B. in Familienhandlungsschemata oder „Prozesse der Ausgrenzung” zur Aufschichtung von Verlaufskurvenpotenzial führen können. Vgl. Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S.381 ffGoogle Scholar
  36. 191.
    Vgl. Beck: Die Erfindung des Politischen, Frankfurt am Main 1993, S. 150Google Scholar
  37. 192.
    Diese gesellschaftlichen Veränderungen befreiten den Menschen aus traditionellen 192 Vgl. Beck: Die Erfindung des Politischen, Frankfurt am Main 1993, S. 152Google Scholar
  38. 193.
    Vgl. Wahl: Die Modernisierungsfalle, 1989, S. 158Google Scholar
  39. 195.
    Riemann schildert einen Mann, der als Kind einer psychiatrischen Patientin in einer Pflegefamilie aufwächst und mit sechs Jahren psychiatrisch hospitalisiert wird. In diesem Zusammenhang stellt er die Frage, ob sich dieser Mann nicht „von Anfang an in einer Verlaufskurve befindet“. Vgl. Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S. 388.Google Scholar
  40. 196.
    Vgl. Simon/Stierlin: Die Sprache der Familientherapie, 4. Auflage 1995, S. 12Google Scholar
  41. 198.
    Vgl. Simon/Stierlin: Die Sprache der Familientherapie, 4. Auflage 1995, S. 26Google Scholar
  42. 200.
    Vgl. Simon/Stierlin: Die Sprache der Familientherapie, 4. Auflage 1995, S. 47 f.Google Scholar
  43. 201.
    Definition von Verlaufskurve und Verlaufskurvenprozessen siehe unter VI.2.2. Es handelt sich um ein von Fritz Schütze entwickeltes Konzept, welches eine Erweiterung des von Anselm Strauss geprägten Begriffs darstellt. Vgl. Schütze, F.: Prozeßstrukturen in: Matthes/ Pfeifenberger/ Stosberg: Biographie, 1981Google Scholar
  44. 202.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 89Google Scholar
  45. 203.
    Vgl. Schütze, F.: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 93 ff.Google Scholar
  46. 204.
    Bei der Beantragung von Gebrechlichkeitspflegschaften wurde in der Regel auf eine Anhörung durch den Richter verzichtet, insbesondere dann, wenn ein schriftliches Einverständnis der Betroffenen vorgelegt wurde. Das Betreuungsgesetz besagt in Artikel 9, dass die bisherigen Vormundschaften und Pflegschaften mit Inkrafttreten des Gesetzes in Betreuungen umgewandelt werden. Eine Überprüfung durch das Vormundschaftsgericht soll innerhalb der nächsten fünf Jahre (wenn die gesetzliche Vertretung bereits länger als 10 Jahre besteht) oder innerhalb der nächsten 10 Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes erfolgen. Die Interviews wurde überwiegend 1997, also im 6. Jahr nach Inkrafttretens des Betreuungsgesetzes, geführt. Acht von 14 Interviewpartnerinnen erhielten die gesetzliche Vertretung nach dem Betreuungsgesetz, d.h. nach dem 1.1.1992. Zwei Betreuungen von ehemals entmündigten Interviewten (Entmündigung in 1943 und 1974) wurden 1995 und 1994 überprüft und vier ehemalige Pflegschaften, die zwischen 1980 und 1991 eingerichtet wurden, wurden ebenfalls 1996 und 1997 überprüft.Google Scholar
  47. 205.
    In der Antwort der Bundesregierung vom 53.1997 auf die Große Anfrage der SPD zum Betreuungsrecht konnte die Frage nach der Anzahl der angeordneten Betreuungen auf Antrag der Betroffenen nicht beantwortet werden, da die Länder diesbezügliche Angaben nicht zur Verfügung stellten. Vgl. BT-Drs. 13/7133, Bonn 5.3.1997, S. 6Google Scholar
  48. 207.
    Riemann schreibt, dass sich Patienten infolge langjähriger Prozessierung auf klinische Kategorien beziehen und auch längere Zeitabschnitte auf einen psychiatrischen Begriff reduzieren. Seiner Ansicht nach geschieht dies vorrangig, um schmerzhafte und bedrohliche Erinnerungen zu vermeiden. Vgl. Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S. 412Google Scholar
  49. 208.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 98.Google Scholar
  50. 214.
    In der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen wird die Borderline Persönlichkeitsstörung unter F6031 genannt. Menschen mit dieser Störung weisen Kennzeichen von emotionaler Instabilität auf und haben oft ein gestörtes und unklares Selbstbild. Sie neigen zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen, zu Verlassenheitsängsten und zu selbstschädigenden Handlungen. Vgl. Weltgesundheitsorganisation: ICD-10, Kapitel V (F), 2. korrig. 1995, S. 230. Borderline-Patienten werden häufig als Menschen beschrieben, deren Beziehungsgestaltung zu anderen Menschen durch schwarz-weiß Bewertungen charakterisiert sind. Besonders in der Beziehung zu Therapeuten oder Betreuern werden diese entweder als Beschützer idealisiert oder als völlig unfähig abgewertet und für überflüssig gehalten.Google Scholar
  51. 215.
    Damit soll keine wertende Gleichsetzung geschehen. Sexualisierte Gewalt ist unverzeihlich und prägt das Erleben und Verhalten des Opfers für das ganze Leben. Gerade letzteres sollte hierdurch nachgezeichnet werden.Google Scholar
  52. 219.
    Vgl. Wahl: Die Modernisierungsfalle, 1989, S. 171 sowie Schumann: KIM, Ein integratives Menschenbild, 1989. Das „Selbstbild“ erwächst aus der Erfahrung „wie andere mich sehen”. Vgl. auch: Mead: Geist, Identität und Gesellschaft, S. 177 ff. Mead beschreibt, dass Identität eine gesellschaftliche Struktur ist und „aus der gesellschaftlichen Erfahrung“ erwächst (S. 182).Google Scholar
  53. 226.
    Ein Stigma ist ein Kennzeichen eines Menschen, mit dem dieser „auffällt“ und wodurch er von anderen als unerwünscht anders als vorher antizipiert bewertet und in der weiteren Wahrnehmung auf das negative reduziert wird. Vgl. Goffman: Stigma, 1974, S. 11 ff.Google Scholar
  54. 229.
    Marianne Pieper beschreibt in ihrer Untersuchung über „Behinderung als kontinuierliche lebensgeschichtliche Erfahrung“, wie der Status eines „hilflosen Versorgungsobjektes” durch „architektonische oder technologische Hürden” sozial hergestellt wird. Vgl. Pieper: Seit Geburt körperbehindert…, 1993, S. 329Google Scholar
  55. 234.
    Vgl. Pieper: Seit Geburt körperbehindert…, 1993, S. 323. Marianne Pieper beschreibt, wie Mitarbeiter in institutionellen Strukturen den Bewohnern gegenüber letztendlich immer in einer professionellen Rolle begegnen und dem ein ungleiches Verhältnis zu Grunde liegt (Wissen über…/Abgrenzung des Privaten versus Fehlen des Privaten). Darüber hinaus übernehmen Professionelle immer auch Kontrollfunktionen.Google Scholar
  56. 235.
    Das Angewiesensein auf die Bereitstellung einer Begleitperson durch die Institution erschwert ein selbstbestimmtes Leben und verschließt viele Bereiche des sozialen Lebens. Vgl. Pieper: Seit Geburt körperbehindert…, 1993, S. 328Google Scholar
  57. 236.
    Vgl. Goffman: Asyle, 1973, S. 97 ff. Goffman betrachtet die Hauszeitung, die grundsätzlich von Patienten/Bewohnern der Institution geschrieben wird, als eine institutionelle Zeremonie mit sozialer Funktion. Sie ermöglicht eine Rollenbefreiung und schafft eine Identifizierungsbasis der Patienten mit der Institution.Google Scholar
  58. 237.
    Vgl. Goffman: Asyle, 1973. Goffman analysiert die Strukturen totaler Institutionen, deren zentrales Merkmal darin besteht, dass alle Angelegenheiten des Lebens (schlafen, arbeiten, spielen) an ein und derselben Stelle unter ein und derselben Autorität stattfinden, und dass diese Autoritäten den Tagesablauf der „Insassen“ bestimmen. (besonders S. 17 bis 49)Google Scholar
  59. 238.
    Vgl. Dörner/ Plog: Irren ist menschlich, 1978, S. 116: „Oft haben Langzeitkranke nicht nur ihre Bedürfnisse verlernt, vergessen, „draußengelassen`; sondern auch Vorstellungen von Pflichten und Notwendigkeiten sind ihnen abhanden gekommen.“ Goffman beschreibt drei Strategien der Anpassung bei „Insassen” in totalen Institutionen: der „Rückzug aus der Situation“ hat zur Folge, dass sich derjenige nur noch für Dinge, die ihn unmittelbar körperlich umgeben, interessiert (Regression); der „kompromißlose Standpunkt” besteht in einer ablehnenden Haltung gegenüber der Institution und des Personals; die „Kolonisierung“ führt zur Anpassung an die Welt der Institution (Hospitalismus). Vgl. Goffman: Asyle, 1973, S.65 f.Google Scholar
  60. 239.
    Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ein psychiatrisches Lehrbuch die neuroleptische Langzeitbehandlung bei 20–30% der „Schizophrenen“ für unwirksam hält, und dass ein Drittel der Kranken auch ohne Fortsetzung der Medikation rezidivfrei bleibt. Vgl. Tölle: Psychiatrie, 10. Auflage, 1994, S. 227Google Scholar
  61. 240.
    Schütz, Alfred: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, 1960Google Scholar
  62. 241.
    Riemann beschreibt, dass die Angst durch sichtbare Nebenwirkungen von Psychopharmaka unangenehm aufzufallen, von mehreren seiner Interviewpartnerinnen angesprochen wurde. Vgl. Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S. 405 f.Google Scholar
  63. 242.
    Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S. 382Google Scholar
  64. 243.
    Mead, Georg Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft, 1968, S. 204Google Scholar
  65. 244.
    Mead, Georg Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft, 1968, S. 244Google Scholar
  66. 250.
    Vgl. Riemann: Das Fremdwerden der eigenen Biographie, 1987, S. 438 ff.Google Scholar
  67. 251.
    Gutachten des Sozialpsychiatrischen Dienstes und Gutachten der Krankenhauspsychiaterin. Auszug aus einem Gutachten zur „Vorgeschichte“:,Sie sagt, sie hätte die Sonderschule in [Ort] besucht, wo sie auch aufgewachsen sei. Die Eltern hat sie durch Tod verloren….. Telefonat mit einer Schwester. Diese sagt, dass sie jahrelang nichts von der Schwester gehört habe. Sie wisse aber, dass sie sich seit den 80igem bei Herrn LLL aufhält. Zeitweilig soll die Schwester in einem Imbiß gearbeitet haben. Sie bestätigt, dass Frau YYY seit der Kindheit geistig behindert ist und eine Sonderschule besuchte. Sie soll vor ca. 20 Jahren das elterliche Haus verlassen haben. Ihre Ehe soll eine Scheinehe gewesen sein, die nach einem Jahr wieder aufgelöst wurde.” Auszug aus dem anderen Gutachten: „Seit Geburt Minderbegabung Frau YYY war früher mit einem,,..“ [Nationalität] verheiratet. Seit ca. 12 Jahren lebt sie mit „.. ` [Nationalität] Lebensgefährten zusammen.”Google Scholar
  68. 252.
    Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 145Google Scholar
  69. 253.
    Vgl. Mead: Geist, Identität und Gesellschaft, 1968, S.213 und S. 247Google Scholar
  70. 254.
    Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 100Google Scholar
  71. 255.
    Vgl. Schütze: Prozeßstrukturen in: Matthes/Pfeifenberger/Stosberg: Biographie, 1981, S. 100Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

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  • Margrit During

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