Technischer Wandel als selbstgewähltes Schicksal

  • Fritz Rapp

Zusammenfassung

Wer die Veränderungen, die wir heute erleben, mit nüchternem Blick wahrnimmt, muß den Eindruck gewinnen, daß der technische Wandel die alles bestimmende Größe darstellt. In den Einzelheiten mag man hier Differenzierungen anbringen. So spricht Gehlen von der „Superstruktur“, in der wissenschaftliche Forschung, technische Anwendung und industrielle Auswertung eine unauflösliche Einheit bilden.1 Andere Beobachter werden die nationübergreifenden ökonomischen Konzentrationsprozesse und den euphemistisch als Globalisierung bezeichneten weltweiten Konkurrenzkampf in den Vordergrund stellen; demnach würden dann die Gewinnerwartungen des flexibel operierenden Finanzkapitals eine entscheidende Rolle spielen. Doch die Ökonomie und das Kapital bestimmen das Geschehen nicht aus eigenem Antrieb; die konkreten Inhalte liefert der gegenwärtig vorliegende oder in der nahen Zukunft zu erwartende technische Wandel, der sich damit als die letzten Endes entscheidende Instanz erweist.

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Literatur

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Fritz Rapp

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