Ethos — die Vermenschlichung des Erfolgs pp 119-145 | Cite as
Kann das Berufsethos von Lehrpersonen verändert werden?
Zusammenfassung
Es ist eine unverkennbare Tatsache, daß nicht geglaubt wird, daß Lehrpersonen ihre professionsmoralische Grundhaltung verbessern können. In dieser Vorstellung liegt die schon an zwei Stellen besprochene Annahme verborgen, eine Lehrperson „hätte“ eine Persönlichkeit oder sie hätte eben keine solche, und da könne nichts verändert werden. Über das Verhängnis dieser Vorstellung (vgl. auch S. 10) soll auch weiter hinten bei den alternativen Ansätzen (vgl. S. 202f.) berichtet werden. Daß die Begründungen für diese Vorstellung einerseits mit dem Faktum zusammenhängen, daß man Berufsmoralität immer noch mit einem Sack voll Tugenden gleichsetzt, Tugenden, die fest in der Persönlichkeit der Lehrperson verankert liegen und immer zum Zuge kommen, auch wenn diese Persönlichkeit sie nicht direkt anwendet, macht vieles erklärbar. Es wird vom moralischen Sein, nicht vom Prozeß gesprochen. Andererseits bröckelt die Vorstellung, daß „diese“ Persönlichkeit eine Aufgabe gerecht, verantwortungsvoll, virtuos, exakt, schnell, effizient etc. auszuführen habe, daß sie aber diese Normen nicht hinterfragen dürfe und keine Grenzen (also kein Zuviel oder Zuwenig) dieser Normen, die immer schon situations-adäquat seien, ab. Es ist aber genau diese normative Übergewichtung hinsichtlich der Lehrperson als Persönlichkeit, die Druck, Burnout und Ausstieg aus den besonderen moralischen Verpflichtungen dieses Berufsstandes bewirken kann: Lehrpersonen wollen nicht mehr etwas Besonderes sein, sondern sie wollen verantwortliche Bürger sein, mit professionellem Wissen und Können, mehr nicht.
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