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Die Bedeutung von Symbol und Stil für den Neonazismus und die Rechtsextremismusforschung in der Bundesrepublik

  • Eike Hennig

Zusammenfassung

Am „outfit” erkennen sich nicht nur Cowboys im texanischen Laredo!

Stil und Symbol — also: Kleidung (oder einzelne Kleidungsstücke wie Stiefel, Koppel, Uniformteile), Farbe, Habitus, Sprache (oder einzelne Schlüsselworte) und ästhetisierte Zeichen als expressive Kürzel für Meinungen und Verhaltensweisen — signalisieren der Öffentlichkeit, welcher Richtung ein Individuum und eine Gruppe zugehören. Signets sind Signale nicht nur (aber insbesondere) von Sub- und Gegenkulturen, deren Mitglieder so ihre Gemeinsamkeit ausdrücken und sich als Mitglieder einer (größeren und traditionsreichen) Gesinnungsgemeinschaft zu erkennen geben. Stil und Symbol verweisen zugleich nämlich auf bestehende oder erwünschte Traditionslinien, die — sei es z. B. „proletarisch” oder „faschistisch” — für die Gegenwart beschworen und vereinnahmt werden sollen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Eine längere Fassung dieses Beitrages, die — weiterführend — Fragen der Abgrenzung von Neonazismus, Skins und Musikkulturen stärker betont, die auch ausführlichere Belege und Nachweise enthält, ist in der Reihe „HiMoN-Diskussionsbeiträge” (Universität — Gesamthochschule Siegen, Forschungsschwerpunkt Historische Mobilität und Normenwandel) als Heft Nr. 114/88 erschienen.Google Scholar
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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Eike Hennig

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