Die theoretischen Konzeptionen des Sozialen von Max Weber und Niklas Luhmann im Vergleich pp 69-161 | Cite as
Teil II
Chapter
Zusammenfassung
Wie eingangs ausgeführt (vgl. Nr. I, 50 ff), hält Luhmann “herkömmliche” soziologische Theorien nicht für geeignet, Soziales angemessen zu erfassen — im Unterschied zu der von ihm konzipierten Theorie selbstreferentiell-autopoietischer sozialer Systeme, die er der “traditionellen” soziologischen Theorie gegenüber als überlegen einschätzt (vgl. z.B. Luhmann 1990, 1990a).
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Anmerkungen zu Teil II
- 1.Die entsprechend umgebaute Theorie steht in dieser Arbeit bei meiner Beschäftigung mit Luhmann im Vordergrund.Google Scholar
- 2.»Bewußtsein« gebraucht Luhmann synonym mit »Psychisches«.Google Scholar
- 3.Eine begrifflich-systematische Perspektive, wie sie in Luhmanns Schemata zum Ausdruck kommt, liegt meinen Ausführungen (wenn nicht anders vermerkt) ebenfalls zugrunde.Google Scholar
- 4.Ich benutze eine Mischung und Erweiterung der Schemata aus Luhmann 1984 und 1990 (siehe auch Greshoff 1994: 148). Die Möglichkeit einer solchen Änderung (Erweiterung), auf deren Hintergründe ich später noch komme, ist bei Luhmann explizit vorgesehen. Wichtig ist ihm, daß dabei “die Ebenendifferenz als solche intakt bleibt” (Luhmann 1984: 18).Google Scholar
- 5.Synonym schreibt Luhmann vom “level of general systems theory” (Luhmann 1990: 1). 1984 war Luhmann hinsichtlich einer solchen Synonymität noch unsicher (vgl. Luhmann 1984: 593). Heute schreibt er von einer “allgemeinen Systemtheorie und in ihr (Hervorh. R.G.) die allgemeine Theorie autopoietischer Systeme” bzw., ein paar Sätze weiter und damit offenbar gleiches meinend, von der “allgemeinen Theorie autopoietischer, selbstreferentieller, operativ geschlossener Systeme” (vgl. Luhmann 1997: 79). Ob nun Synonymität oder, wonach es eher klingt, ein Teil-Ganzes-Verhältnis anzunehmen ist, Ausgangspunkt für meine weiteren Darlegungen ist die “allgemeine Theorie autopoietischer, selbstreferentieller, operativ geschlossener Systeme” (vgl. Luhmann 1997: 79).Google Scholar
- 6.Zu ‘abstrakt-konkret’ siehe Nr. I, 26. Ähnlich interpretiert Starnitzke (1992: 77, 85) Luhmanns Systematik. Zu Starnitzkes Deutung hat Luhmann sich zustimmend geäußert (vgl. Luhmann 1992a: 377). Zu dieser Zustimmung paßt auch seine Aussage, daß bestimmte Fragen erst sinnvoll gestellt werden können, “wenn die Begriffe ausreichend definiert sind — und das heißt immer: mit Hilfe allgemeinerer Begriffe definiert sind” (Luhmann 1992a: 372). — Was Luhmann mit “Ebene” meint, hat er meines Wissens nirgendwo ausgeführt. Von der vorstehenden Deutung her kann man aber Ähnlichkeiten zu meinem Ebenenbegriff annehmen (vgl. Nr. I, 34).Google Scholar
- 7.Bzw., gegenständlich gesehen, Eigenschaften.Google Scholar
- 8.Vorbereitung im Sinne von “deutende Zubereitung”; vgl. oben Nr. I, 18.Google Scholar
- 9.Was er mit “Einheit” meint, bringt Luhmann z.B. so zum Ausdruck: “Scharf formuliert heißt dies: Alles, was für ein (autopoietisches, R.G.) System als Einheit fungiert (Strukturen, Elemente, aber auch das System selbst und die Umwelt des Systems), muß durch das System selbst produziert werden” (Luhmann 1990a: 280). Inwiefern “Umwelt” als Einheit für und durch das System existiert, wäre gesondert zu problematisieren (vgl. dazu Nr. IV, 23 ft).Google Scholar
- 10.Vgl. Luhmanns Aussagen zu Autopoiesis (usw.) in Nr. II, 7 ff.Google Scholar
- 11.Andererseits liest man bei Luhmann auch, daß “die Produktion von Operation durch Operation... Vollzug von Autopoiesis” ist (Luhmann 1993b: 50) bzw. schreibt er von der “laufende(n) autopoietische(n) Produktion der Einheit des Systems durch Operationen des Systems” (Luhmann 1990b: 481). »Produktion« und »Reproduktion« scheinen hier synonym.Google Scholar
- 12.Zugleich sind sie aber auch — zu erinnern ist an die oben erwähnten Kausalstränge — offene Systeme. Dazu komme ich später noch, etwa im Zusammenhang mit den Themen Interpenetration und strukturelle Kopplung.Google Scholar
- 13.Operativ geschlossene Systeme sind für Luhmann “autonom”. “Autonomie” heißt, daß die “Herstellung der eigenen Einheit (des Systems, R.G.) durch die eigenen Operationen des Systems” geschieht (Luhmann 1990b: 289).Google Scholar
- 14.Vgl. zu diesem Punkt Nr. II, 15 sowie Anm. IV, 127.Google Scholar
- 15.Und dabei vor allem soziale Systeme, die — wie aus dem obigen Schema zu entnehmen ist (vgl. Nr. II, 5) — fir Luhmann spezifische Sinnsysteme sind.Google Scholar
- 16.Nicht ungewöhnlich ist auch, daß er von “operativen Einheiten” schreibt (vgl. Luhmann 1997: 99).Google Scholar
- 17.Im Unterschied zur Identität des Systems; ich komme darauf zurück (vgl. Nr. II, 35).Google Scholar
- 18.Der Umweltbezug wird von Luhmann auch im Produktionsbegriffbetont (s. oben Nr. II, 15). Entsprechend schreibt Luhmann von Systemen als “strukturell an ihrer Umwelt orientiert... (sie, R.G.) könnten ohne Umwelt nicht bestehen. Sie konstituieren und sie erhalten sich durch Erzeugung und Erhaltung einer Differenz zur Umwelt, und sie benutzen ihre Grenzen zur Regulierung dieser Differenz” (Luhmann 1984: 35).Google Scholar
- 19.Diesen Zusammenhang thematisiert Luhmann auch unter dem Titel “Holismus/Reduktionismus”: “Man muß entweder vom Element oder vom System ausgehen, also entweder reduktionistisch oder holistisch argumentieren.... Wenn man klären will, was für eine bestimmte Art von System ein für dieses System nicht weiter auflösbares Letztelement ist, muß man in bezug auf diese Art von System Zwischenentscheidungen treffen. Und umgekehrt, wenn man klären will, welche Art von System man beobachtet (um entscheiden zu können, was für dieses System Umwelt ist), muß man wissen, was für dieses System Element ist.” (Luhmann 1990b: 66). Luhmann geht — wie oben skizziert — davon aus, daß jeweilige Systeme aus bestimmten (Letzt-) Elementen bestehen, die für diese Systeme nicht “unterschritten” werden können. Soziales läßt sich nicht auf Psychisches, letzteres nicht auf Biologisches reduzieren, usw.Google Scholar
- 20.Die Deutung, daß Systeme durch die (Einzel-) Operationen “gebildet” werden, ist aber nicht ganz unproblematisch. Denn man liest auch bei Luhmann, “daß Operationen... nicht als Einzelereignisse möglich sind, sondern rekursive Netzwerke voraussetzen, mit deren Hilfe sie sich reproduzieren und damit zugleich diesen Reproduktionszusammenhang gegen eine Umwelt abgrenzen, die keine Operationen, sondern nur Ressourcen und Störungen beisteuert. Dieser Ausgangspunkt verweist auf Systembildung, und genauer: auf die Bildung operativ geschlossener, autopoietischer Systeme” (Luhmann 1996: 13 f). Nicht nur von dieser Formulierung her hat man den Eindruck, daß Luhmann mit “diesem Ausgangspunkt” meint, daß schon ein System existieren muß, wenn Operationen aneinander anschließen können sollen. Eine Aussage wie “Wenn Operationen aneinander anschließen, entsteht ein System” (Luhmann 1990b: 271 f), scheint nun problematisch. Luhmann schreibt zwar im vorletzten Zitat von “Systembildung” bzw. von “rekursiven Netzwerken” und nicht “System”, aber der Eindruck bleibt und verstärkt sich, wenn man folgende Äußerung hinzunimmt: “Eine Systembildung kommt nur dadurch zustande, daß das System sich mit Hilfe der Verknüpfung selbstreferentieller Operationen schließt, das heißt: gegen eine Umwelt abschließt” (Luhmann 1990b: 360). Merkwürdig allerdings ist, daß eine Systembildung dadurch zustande kommt, daß ein System sich schließt. Kann sich bilden, was schon existiert? Mit Bezug auf soziale Systeme ist Luhmann jüngst noch deutlicher: “kommunikative Operationen... existieren also nur im Ereigniszusammenhang des Systems. Sie müssen voraussetzen, daß das System schon vorliegt, sind also nie konstitutive, sondern immer nachträgliche Operationen” (Luhmann 1997: 883). Die hier angedeutete Problemlage (Problem des “Anfangs”) läßt sich Luhmann-immanent nicht beseitigen (vgl. auch Anm. II, 42). Sie verweist auf sein Emergenz-Konzept, auf das ich später zurückkomme.Google Scholar
- 21.Eine solche Richtungsangabe ist unabdingbar, denn ein “Verzicht darauf führt zur absoluten Herrschaft des Chaos der Situationen” (Luhmann 1988c: 54).Google Scholar
- 22.Stellen, an denen Luhmann begrifflich scheinbar von einer Synonymität von »Operation« und »Selektion« ausgeht, deute ich so, daß dort »Selektion« gleichsam als Abkürzung für ‘Operation’ steht.Google Scholar
- 23.In “Kunst der Gesellschaft” führt Luhmann im Zusammenhang mit diesen beiden Momenten noch ein weiteres Kennzeichen ein: “Und schließlich wollen wir von Beobachtungen nur sprechen, wenn die Bezeichnung einer Seite einer Unterscheidung durch rekursive Vernetzungen motiviert ist, und zwar teils durch vorherige Beobachtungen, also durch Gedächtnis, und teils durch Anschlußfähigkeit, das heißt durch einen Vorausblick auf das, was man damit anfangen kann oder wohin man von da aus kommen kann” (Luhmann 1995: 100). Ich komme darauf später zurück, wenn es um das Thema “Selbstreferenz” im Sozialen geht.Google Scholar
- 24.Unterscheidungen sind auch notwendig, um Informationen zu verarbeiten (vgl. Luhmann 1985: 22).Google Scholar
- 25.Statt “Unterscheidung” ist bei Luhmann auch von “Differenz” bzw. “Differenzschema” zu lesen. “Um Information zu gewinnen, braucht man ein Differenzschema” (Luhmann 1989: 194; vgl. auch Luhmann 1987e: 307). Entsprechend zu “Differenz” vgl. Luhmann 1984: 607, 597, 68 sowie 1983a: 33. Heute scheint Luhmann stärker zwischen “Unterscheidung” und “Differenz” zu unterscheiden. So schreibt er von der “operativ produzierte(n) Grenze des Systems” als der “Differenz von System und Umwelt” (Luhmann 1995b: 11). Die operativ “erzeugte Differenz (kann, R.G.) intern (systemintern, R.G.) als Unterscheidung und damit als Schema eigener Beobachtungen” verwendet werden (Luhmann 1995b: 11). Und hinzu fügt er: “Wir müssen mithin Differenz und Unterscheidung — unterscheiden” (Luhmann 1995b: 11). “Unterscheidung” und “Schema” sind demnach, so deute ich Luhmann, als Momente einer Beobachtung aufzufassen, während dies fir “Differenz” nicht gilt. “Differenz” meint eine (“gegenständliche” im Sinne von: als möglicher Gegenstand von Beobachtungen aufzufassende) System/Umwelt-Differenz, die operativ erzeugt wird (vgl. Luhmann 1997: 90). — Da Luhmann annimmt, daß immer, wenn unterschieden (und bezeichnet) wird, von Beobachtung auszugehen ist (vgl. Luhmann 1990e: 12; 1988e: 15), macht der Bezug auf Unterscheidungen deutlich, daß Luhmann “Information” als Moment (= Ergebnis) der Operation, die er Beobachtung nennt, auffaßt (vgl. Luhmann 1988g: 297; 1987c: 15 f). Aber nicht nur in dieser Weise — als Moment einer Operation — verwendet Luhmann “Information”. “Information” kann auch ein Ereignis bzw. eine Selektion, also — bedenkt man meine obigen Darlegungen zu “Operation/Selektion” (siehe Nr. II, 22 f — eine “gesamte” Operation meinen: “Als Information soll hier ein Ereignis bezeichnet werden” (Luhmann 1984: 102). Und um eine Art “Vorgriff’ zu machen: auch “Information” als Komponente von “Kommunikation” schätze ich in dieser Weise ein, denn sie wird von Luhmann als (eigene) Selektion im Unterschied zu den beiden anderen Selektionen (Mitteilung, Verstehen) dargestellt (vgl. Luhmann 1984: 194 f; zu dieser Einschätzung verweise ich auf meinen obigen Hinweis auf Nr. II, 22 ff). — Beide Verwendungsweisen sind zu unterscheiden.Google Scholar
- 26.Luhmanns Aussage, “daß das System Selbstreferenz und Fremdreferenz unterscheiden kann”, impliziert eine mögliche Änderung seiner Selbstreferenzkonzeption in einer bestimmten Hinsicht, auf die ich später (in Anm. II, 38) zurückkomme.Google Scholar
- 27.Luhmann begründet die Notwendigkeit der Unterscheidung von “Operation und Beobachtung” denn auch damit, “daß das Beobachten die eigene Unterscheidung wie einen blinden Fleck verwenden muß, sie also selbst nicht unterscheiden kann. Sie muß deshalb Operation sein” (Luhmann 1990b: 115; vgl. auch 707, Anm. 5; vgl. auch Nassehi 1993: 481). Hinsichtlich Sozialem beschreibt er diesen Sachverhalt mit der “Unterscheidung von (Kommunikation als) Operation und (Kommunikation als) Beobachtung” (Luhmann 1990b: 66 0: “operativ geschieht immer nur das, was geschieht. Kommuniziert wird nur das, was kommuniziert wird. Darüber, daß dies so ist, kann dann wieder kommuniziert werden. Damit beginnt dann eine Beobachtung der Kommunikation” (Luhmann 1990b: 117).Google Scholar
- 28.Welche Relevanz der Problemkreis “Operation/(Selbst-)Beobachtung, Selbst-/Fremdreferenz” usw. hat, werde ich später aufgreifen. Zu erörtern wird dann etwa sein, daß Luhmann einerseits davon ausgeht, daß eine Kommunikation, die er als basale Operation sozialer Systeme begreift, “nur als selbstreferentielle Beobachtungsoperation realisiert werden kann” (Luhmann 1993a: 142), daß er aber andererseits formuliert, daß “auf der Ebene der Einzeloperation” ein “Verzicht auf Selbstbeobachtung” zwingend ist (Luhmann 1990b: 115), aber mit Sachverhalten zu rechnen ist “in denen die basale Operation des Systems eine Beobachtung impliziert, das heißt: ohne mitlaufende Selbstbeobachtung gar nicht zustande kommen kann” (Luhmann 1993b: 51). So ist “Kommunikation... eine sich selber beobachtende Operation” (Luhmann 1990b: 77).Google Scholar
- 29.Für Luhmann wird eine solche “Reduktion auf Identisches” durch “Kondensierung” erreicht, “die erst nötig wird, wenn man aus der Fülle des gleichzeitig Aktuellen etwas Bestimmtes zur wiederholten Bezeichnung herauszieht” (Luhmann 1990b: 108). “Generalisierende Konfirmierung” dient dann dazu, das Kondensierte in anderen Situationen einzuarbeiten (vgl. Luhmann 1990b: 103 ff).Google Scholar
- 30.Problematisch im Zusammenhang mit der gerade referierten Charakterisitik von Operationen ist dann auch das oben Nr. II, 30 angenommene Konkretionsverhältnis zwischen ‘Operation’ und ‘Beobachtung’ sowie die Aussage, daß “Operieren... objektloser Vollzug” ist (Luhmann 1990b: 707). Es wird ja mittels der Unterscheidung etwas bezeichnet.Google Scholar
- 31.Auch seine Aussage, daß “eine Theorie selbstreferentieller Systeme... gerade in der Selbstreferenz das konstituierende Moment ihres Gegenstandes sieht” (Luhmann 1988: 179), geht in diese Richtung.Google Scholar
- 32.Ich verweise auf das hervorgehobene “da” im letzten Zitat; vgl. auch Luhmann 1984: 606.Google Scholar
- 33.Das paßt zu Luhmanns Äußerung, daß die “Theorie selbstreferentieller Systeme... die Unausweichlichkeit des Problems der Selbstreferenz” anerkennt; und hinzu fügt er: “Eine Systembildung kommt nur dadurch zustande, daß das System sich mit Hilfe der Verknüpfung selbstreferentieller (Hervorh. R.G.) Operationen schließt” (Luhmann 1990b: 360; vgl. ergänzend 1996b: 176).Google Scholar
- 34.Luhmann fährt im Zitat so fort: “Das Referieren wird zum Beobachten, wenn die Unterscheidung zur Gewinnung von Informationen über das Bezeichnete benutzt wird” (Luhmann 1984: 596 f). ‘Referenz’ und ‘Beobachtung’ werden demnach von ihm als in Nähe zueinander stehend charakterisiert (vgl. auch Luhmann 1984: 596). Im selben Buch wird die Nähe “eingeebnet” hin zur Gleichsetzung. Denn ein paar Seiten weiter formuliert Luhmann, daß selbstreferentielle Systeme mit Hilfe von (Selbst-) Referenz “Informationen gewinnen, die ihnen die Selbstproduktion ermöglichen” (Luhmann 1984: 607). Geht es um Informationsgewinnung, ist nach Luhmann von Beobachtung auszugehen. Später wird die Einebnung der Nähe bzw. die Gleichsetzung bestätigt, wenn von ihm “alles Referieren als Beobachten” bestimmt wird (Luhmann 1992c: 122). Auf “Beobachtung” komme ich später zurück. — In “Wissenschaft der Gesellschaft” verwendet Luhmann »Referenz« in etwas anderer Bedeutung. “Die Referenz (das, was eine Beobachtung bezeichnet) muß... von der Operation, die referiert, unterschieden werden” (Luhmann 1990b: 76); und: “Referenz selbst ist nichts anderes als die Bezeichnungsleistung einer Beobachtung” (Luhmann 1990b: 707). Meint Luhmann hier in beiden Fällen mit “Referenz” gleiches? Das, was bezeichnet wird (der Gegenstand) ist etwas anderes als eine Bezeichnungsleistung (z.B. Bezeichnen eines Gegenstandes). “Referenz” soll wohl “Bezug auf einen Gegenstand” (im Sinne von: Bezeichnen eines Gegenstandes) meinen, denn Luhmann fährt auf Seite 707 so fort: “Referenz” bezieht sich “traditionell gesprochen” auf “ein Objekt” (vgl. Luhmann 1990b: 707). “Referieren” scheint in “Wissenschaft der Gesellschaft” das zu bedeuten, was in “Soziale Systeme” “Referenz” meint, nämlich eine (spezifische) Operation. Aber wenn Luhmann im gleichen Kontext in “Wissenschaft der Gesellschaft” von Selbstreferenz schreibt, wird erneut die Bedeutung von “Referenz” (ebenfalls in “Wissenschaft der Gesellschaft”) problematisch. Er schreibt: “Jede Beobachtung bezeichnet etwas (traditionell gesprochen: hat ein Objekt). Der Gegenbegriff ist hier: einfaches Operieren. Operieren ist im Unterschied zu Referieren objektloser Vollzug. Die Differenz von Beobachtung und Operation kann dann aber in der Beobachtung innovativ reformuliert werden als Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz. Selbstreferenz referiert das, was die Operation Beobachtung vollzieht. Fremdreferenz referiert das, was dadurch ausgegrenzt wird” (Luhmann 1990b: 707). In der Formulierung “Selbstreferenz referiert” verbindet Luhmann “Referenz” und “Referieren” in einer Weise, die nicht mit meiner Deutung von “Referenz” (Deutungsbezug ist Luhmann 1990b: 76, 707) zusammenpaßt. Denn “Selbstreferenz” (und dabei kommt es mir auf das “Referenz” in “Selbstreferenz” an) heißt demnach, daß etwas (ein “Selbst”) in bestimmter Weise bezeichnet wird (“Referenz” = Bezeichnen eines Gegenstandes). “Referenz” unterscheidet Luhmann dort ja von “Referieren”. (Selbst-) Referenz kann also nicht referieren, sondern allenfalls referiert “werden”. Zudem, bedenkt man Luhmanns Umschreibung von “Selbstreferenz” aus “Soziale Systeme”, ist Selbstreferenz eine Operation, die etwas bezeichnet, also einen “Gegenstand” hat (ein “Selbst”). In “Wissenschaft der Gesellschaft” wird Operieren (im Unterschied zu Referieren) als objektloser Vollzug charakterisiert. Das paßt wiederum nicht mit Luhmanns Operationsverständnis aus “Soziale Systeme” zusammen. Weiter: was heißt es, daß “in” der Beobachtung die Differenz von Operation und Beobachtung formuliert werden kann als Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz (vgl. Luhmann 1990b: 707)? Ist mit Selbstreferenz eine Operation gemeint, die in einer Beobachtung diese Beobachtung referiert (also beobachtet?) und soll somit das “in” bedeuten, daß diese Beobachtung das “Selbst” ist? Denn Selbstreferenz referiert (nimmt also etwas zum Gegenstand?) nach Luhmann das, was die Operation Beobachtung vollzieht. Dann wäre zum einen “Selbstreferenz” eine Operation, obwohl Luhmann wie oben zitiert “Referenz als Bezug auf einen Gegenstand” vom “Referieren als Operation” unterscheiden will. Zum anderen, deutet man das “in einer Beobachtung” bezogen auf Soziales als “in einer Kommunikation”, könnte man Selbstreferenz als ein Moment einer Kommunikation deuten (dieses Moment könnte das Verstehen sein; ich komme darauf sowie auf die Frage, ob eine Kommunikation als eine Beobachtung zu beschreiben ist, zurück). — Bei derartig vielen Fragen und Unklarheiten halte ich mich zunächst an meine Deutung der Version von “(Selbst-) Referenz” aus “Soziale Systeme”.Google Scholar
- 35.Die Merkmale bzw. Eigenschaften einer Operation sind also auch (neben weiteren) die Merkmale/Eigenschaften von Selbstreferenz (wie von Referenz).Google Scholar
- 36.Wobei Luhmann “Merkmal” gegenständlich meint. Ich schreibe dann von “Eigenschaft”. “Merkmal” ist bei mir auf Begriffe bezogen (vgl. Anm. I, 37).Google Scholar
- 37.In sozialen Systemen also die Operation der Kommunikation.Google Scholar
- 38.Hier scheint Luhmann für bestimmte Systemarten inzwischen eine Änderung vorgenommen zu haben (darauf bezieht sich meine Andeutung in Anm. II, 26). In “Gesellschaft der Gesellschaft” schreibt er: “Sinnhaft operierende Systeme reproduzieren sich in laufendem Vollzug der Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz.... das den Fortgang von Operation zu Operation begleitende Beobachten bemerkt immer auch die Selektivität der rekursiven Verknüpfung und damit etwas, was nicht zum System, sondern zur Umwelt gehört.... Die Grenze des Systems ist... nichts anderes als die selbstproduzierte Differenz von Selbstreferenz und Fremdreferenz, und sie ist als solche in allen Kommunikationen präsent” (Luhmann 1997: 77). Wenn es zu jeder Operation gehört zu bemerken, was nicht zum System gehört bzw. die Systemgrenze präsent zu haben, dann bedeutet das, daß alle Operationen (zumindest auch) die Unterscheidung “System/Umwelt” benutzen. Diese Unterscheidung ist aber typisch für die Selbstreferenzform “Reflexion”. Hat man für jede Operation das gerade Beschriebene anzunehmen, dann hieße das, daß in den Operationen neben basaler Selbstreferenz ein Moment der Reflexion enthalten wäre. Später modifiziert Luhmann seine Auffassung — zumindest für den Bereich des Sozialen. Die Teil-Operation “Information” einer Kommunikation bezieht sich “typisch” auf die Umwelt (vgl. Luhmann 1997: 97). Sie kann sich aber auch auf systeminternes beziehen. Daher kommt Luhmann zu dem Schluß: “Die Differenz Selbstreferenz/Fremdreferenz bezieht sich zunächst also nur auf die einzelne Operation, nicht ohne weiteres auf das System” (Luhmann 1997: 97 f). Damit hebt Luhmann aber auf nichts anderes ab als auf basale Selbstreferenz im obigen Sinne (Nr. II, 45). Die eingangs dieser Anmerkung erwähnte “Änderung”, die man auch als Luhmann-immanente Widersprüchlickeit deuten kann, wird im folgenden immer mal wieder thematisiert.Google Scholar
- 39.Luhmann bezeichnet sie als notwendige Komponenten autopoietischer Systeme (vgl. Luhmann 1997: 455).Google Scholar
- 40.Luhmann formuliert dies auch so: “Strukturen... verengen den Spielraum für passende Anschlußoperationen” (Luhmann 1997: 437). Er betont, daß diese Einschränkung selber durch Selektion zustande gekommen ist (“Selektion einer Einschränkung” bzw. “Einschränkung von Einschränkung” (vgl. Luhmann 1984: 387)). Nur weil sie durch Selektion zustande gekommen ist, hält die Struktur einen Möglichkeitsspielraum bereit (vgl. Luhmann 1984: 388). Strukturwert haben nur die Einschränkungen, die “die autopoietische Reproduktion des Systems von Ereignis zu Ereignis... ermöglichen” (Luhmann 1984: 388).Google Scholar
- 41.“Ereignisse verschwinden, indem sie entstehen; sie stehen daher schon im nächsten Moment... nicht mehr zur Verfügung” (Luhmann 1984: 608).Google Scholar
- 42.Das Zitat macht auch deutlich, daß Strukturen etwas systeminternes sind; sie werden (operativ) im System erzeugt (“jede Struktur muß im System erst produziert werden” (Luhmann 1993b: 50); “alles, was jeweils zu Strukturen geronnen ist, (ist, R.G.) Resultat rekursiver Operationen des Systems selbst” (Luhmann 1990b: 591); “Die (systemrelativ, R.G.) eigenen Strukturen können nur durch eigene Operationen aufgebaut... werden” (Luhmann 1997: 93). Das wirft natürlich wieder folgende Frage auf: wenn Strukturen einerseits Voraussetzung für Autopoiesis sind, andererseits durch autopoietisches Geschehen Strukturen erzeugt werden, können autopoietische Systeme dann entstehen, ohne daß es Strukturen gibt? Strukturen sind aber Bedingung für autopoietisches Geschehen, also muß es sie eigentlich schon geben; sie werden aber erst durch solches Geschehen hergestellt. Derartige Probleme des “Anfangs” stellen sich bei Luhmann immer wieder (vgl. Anm. II, 20).Google Scholar
- 43.Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man heute liest: Das “Gedächtnis konstruiert Strukturen nur für momentanen Gebrauch” (Luhmann 1997: 44).Google Scholar
- 44.Man hat zuweilen den Eindruck, daß die operative Ebene für Luhmann einen irgendwie “höheren” oder “primäreren” Realitätswert hat.Google Scholar
- 45.Oder gar Fiktion: “Selbstillusionierung” (Luhmann 1997: 45).Google Scholar
- 46.Hier und im folgenden sind mit “Element/Operation” usw. für jeweilige Systeme typische Letztelemente/basale Operationen gemeint.Google Scholar
- 47.Die aber — in noch zu erläuternder Weise — irgendwie “konditioniert” sein muß.Google Scholar
- 48.Und verweist zudem auf das zentrale Moment der Anschlußfähigkeit.Google Scholar
- 49.Gegen diese Deutung spricht allerdings, daß Luhmann an anderen Stellen Operationen explizit als (Letzt-) Elemente auffaßt (vgl. etwa Luhmann 1990a: 283 sowie 1990b: 514 f). Und zu problematisieren wäre auch die Aussage, daß “Operationen aneinander anschließen” (vgl. Luhmann 1990b: 271). Das klingt so, als käme das Anschließen zu den Operationen hinzu. (Möglicherweise hat man es hier wieder mit einer der vielen Unklarheiten oder Widersprüchlichkeiten bei Luhmann zu tun, die, so will ich hinzufügen, mich bei einem so umfangreichen Werk auch nicht sehr überraschen.) Wie Luhmann diesbezüglich gedeutet werden kann ist zu thematisieren, wenn untersucht wird, was man sich unter “Operation”, “Struktur” usw. für den Bereich des Sozialen vorstellen kann.Google Scholar
- 50.Damit kommt Komplexität als Problem in den Blick. Vgl. dazu Nr. I, 63 ff.Google Scholar
- 51.“Es kommt zu einer sehr engen Verknüpfung von Struktur und Selbstreferenz” (Luhmann 1989b: 98).Google Scholar
- 52.Bezogen auf Soziales sind die Anknüpfungspunkte Annahmen über Adressaten für weitere Kommunikation, die durch basale Selbstreferenz gebildet werden. Dazu später ausführlicher.Google Scholar
- 53.Also in die dann als hergestellt anzunehmenden Relationen.Google Scholar
- 54.Luhmann drückt dies so aus: “Rekursivität heißt: Wiederanwendung der Operationen auf ihr eigenes Ergebnis... Entscheidend ist, daß die Operationen dazu nicht wiederholt werden müssen, sondern an ihrem Ergebnis greifbar sind. Insofern ist Gedächtnis ein verkürzter Ausdruck für die Rekursivität der Systemoperationen; aber die Verkürzung liegt nicht in der Abstraktionsleistung eines Beobachters, sondern sie wird vom System selbst produziert und benutzt” (Luhmann 1996c: 311).Google Scholar
- 55.Zu “Handlung” bei Luhmann und was “Element” diesbezüglich heißen mag, vgl. Nr. II, 150 ff.Google Scholar
- 56.Das “Soll” meint Luhmann vermutlich auch nur mit Bezug auf Sinnsysteme, ebenso das “Entscheiden”.Google Scholar
- 57.Strukturen bestehen dann meiner Deutung nach — jedenfalls bezüglich Sinnsysteme — aus verschiedenen möglichen “Solls”. Daß dies nur für einen bestimmten Typ von Strukturen gilt, ist noch auszuführen (vgl. Anm. II, 100).Google Scholar
- 58.Zu meiner Deutung paßt auch Luhmanns Annahme, daß der Vollzug von Relationen Selektionen erfordert (vgl. Luhmann 1984: 66). Selektionen sind für Luhmann (Aus-) Wahlen (vgl. Nr. II, 25), durch die oben genannte Entscheidung wird selegiert.Google Scholar
- 59.Insofern ich “Selektion” als Abkürzung für “Operation” deute (vgl. Anm. II, 22), wird die Operation Kommunikation also aus drei Teil-Operationen gebildet. Den Terminus »Komponente«, auf den ich gleich komme, deute ich synonym mit dem Terminus »Selektion«.Google Scholar
- 60.Eine ähnliche Formulierung lautet, daß sie “durch die Kommunikation erst erzeugt werden” (Luhmann 1997: 72). Zugespitzt heißt es bei ihm auch: “Es gibt keine Information außerhalb der Kommunikation, es gibt keine Mitteilung außerhalb der Kommunikation, es gibt kein Verstehen außerhalb der Kommunikation” (Luhmann 1995a: 118).Google Scholar
- 61.Luhmann kennt auch noch eine “vierte Selektion”. Ich komme bei der Erörterung der Punkte “Struktur”, “basale Selbstreferenz” usw. darauf zurück.Google Scholar
- 62.Daß hier mit “Alter/Ego” — worauf die Hervorhebung des “im” verweisen soll — sozialsysteminternes gemeint ist, unterstützt auch folgende Formulierung Luhmanns: “In der Theorie sozialer Systeme symbolisiert man diese Mindestanforderung durch die Abstracta Ego und Alter” (Luhmann 1981c: 105). Jüngst schreibt Luhmann hinsichtlich der von ihm im sozialen System situierten Prozessoren “Alter/Ego” von einer “selbstkonstituierten Zweiheit”, die keine “von außen (qua Mensch) importierte, substantiell vorgegebene Zweiheit sein kann” (Luhmann 1997: 333; vgl auch 336). — Unterscheiden muß man bei Luhmann “Alter/Ego” als auf der operativen Ebene (Ebene der Konstitution) bzw. auf der Zurechnungsebene (als Ergebnis von Beobachtung) angesiedelt; ich komme in Anm. IV, 11 auf die Unterscheidung zurück. Hier geht es um “Alter/Ego” auf der operativen Ebene.Google Scholar
- 63.Mit den Prozessoren Alter/Ego sind also nicht die Prozessoren gemeint, die Luhmann zur Umwelt des Sozialen rechnet. In “Soziale Systeme” nennt er solche der Umwelt zugerechneten Prozessoren auch “Komplexe mit divergenten Perspektiven”, im Falle sozialer Systeme sind dies vor allem psychische Systeme. Luhmann spielt in diesem Zusammenhang auf das Thema “Doppelte Kontingenz” an (vgl. Luhmann 1984: 65 ff) Die “Komplexe mit divergenten Perspektiven” sind in seiner Perspektive sozusagen das, was zur Entstehung von Sozialem notwendig ist und in der Umwelt verbleibt, wenn doppelte Kontingenz “erfolgreich” zur Bildung eines sozialen Systems geführt hat.Google Scholar
- 64.“Information” ist hier als “Ergebnis” einer Operation gemeint, während “Informationsherstellung” die ganze Operation meint. Vgl. zur Unterscheidung Anm. II, 25.Google Scholar
- 65.“Geht man... von der Theorie operativ geschlossener Systeme der Informationsverarbeitung aus, muß Informationserzeugung und Informationsverarbeitung innerhalb derselben Systemgrenzen erfolgen” (Luhmann 1995b: 19). Ähnlich schreibt er (systembezogen) von “internen Informationserzeugungs- und -verarbeitungsprozesse(n)” (Luhmann 1995c: 166) bzw. davon, daß “Information... systemintern erzeugt werden (muß, R.G.)” (Luhmann 1997: 71). Die Aussage, daß soziale Systeme “nur (Hervorh. R.G.) aus den selektiven Akkordierungen, die das Zusammenwirken” der Prozessoren Alter und Ego produziert (Luhmann 1984: 192), bestehen, wirkt demgegenüber zu verkürzend (damit meine ich das “nur”), den Erzeugungsvorgang “unterschlagend”. Exemplarisch ziehe ich eine Beschreibung Luhmanns heran; Thema ist das sozialsysteminterne Verstehen: “Ego (kann, R.G.) zwei Selektionen unterscheiden und diese Differenz seinerseits handhaben” (Luhmann 1984: 198). Vgl. für weitere Beispiele Luhmann 1984: 205; 1990b: 24 f; 1997: 97 sowie 1981c: 105.Google Scholar
- 66.Charakteristik im Sinne von “Beschaffenheit” (siehe oben Nr. II, 37).Google Scholar
- 67.Dieses “abkürzend formulieren” nenne ich auch “kompakt formulieren”; vgl. Anm. II, 127.Google Scholar
- 68.Vom dem gerade Skizzierten her läßt sich vermutlich auch die Frage von Schmid beantworten: “Wer... tut etwas im Kosmos der Luhmannschen Theorienwelt?” (Schmid 1987: 36). — Den Gedanken der Abkürzung im gerade skizzierten Sinne kann man nun auch hinsichtlich der obigen Frage, ob eine Kommunikation als eine Operation bzw. Beobachtung auffaßbar ist, anwenden. Die Instanz Alter kann ja etwa über die Einheit des Systems bzw. über das System oder die Umwelt des Systems, in dem sie sich verortet, eine Information herstellen und dies der Instanz Ego mitteilen. Ego versteht die mitgeteilte Information (“Information” plus “Mitteilung” plus “Verstehen” = Kommunikation1), stimmt ihr zu und teilt dies der Instanz Alter mit, was diese versteht (= Kommunikation2). So mag — sehr verkürzt angenommen — eine Systemidentität entstehen (siehe Nr. II, 35). In Kommunikation1 wird nun durch Alter etwas bestimmtes (Singular!) beobachtet (und mitgeteilt) und möglicherweise will Luhmann — eben abkürzend — nur auf diese Beobachtung dieses einen Bestimmten abheben, wenn er schreibt, daß Kommunikation eine Beobachtung ist (vgl. Luhmann 1990b: 116). Es gibt aber auch Stellen, an denen Luhmann mit “Kommunikation als Beobachtung” die Komponente “Verstehen” einer Kommunikation meint. “Kommunikation ist... eine bestimmte Art, Welt zu beobachten an Hand der spezifischen Unterscheidung von Information und Mitteilung” (Luhmann 1997: 72). Dies geschieht durch das Verstehen. Auch dies kann man wieder als “Abkürzung” deuten.Google Scholar
- 69.Mit “Informationsherstellung” nehme ich hier nicht nur das Ergebnis einer Operation bzw. Beobachtung, sondern eine Operation bzw. Beobachtung als ganzes in den Blick; vgl. zu dieser Unterscheidung oben Anm. II, 25.Google Scholar
- 70.Mit “Information” ist hier die Komponente von Kommunikation als “ganze” Operation/ Beobachtung gemeint, nicht nur ein Ergebnis.Google Scholar
- 71.Von ihm her resultiert eine Präzisierung meiner obigen Ausführungen zu “Operation” und “Beobachtung”.Google Scholar
- 72.“Information” ist hier (und jetzt im weiteren, wenn nicht anders vermerkt) als “Ergebnis” gemeint.Google Scholar
- 73.Dieser Fall ist natürlich prinzipiell auch denkbar — Unterscheidungen sind dann Gegenstand der Beobachtung -, aber in dem von mir gewählten Beispiel wohl nicht gemeint.Google Scholar
- 74.So schreibt Luhmann an anderer Stelle hinsichtlich “Beobachten”: “Jede Beobachtung bezeichnet etwas (traditionell gesprochen: hat ein Objekt)” (Luhmann 1990b: 707). “Operieren” bezeichnet Luhmann allerdings dort als “objektlosen Vollzug”. (Vgl. in diesem Zusammenhang auch Luhmann 1995: 93 sowie als direkten “Gegenbeleg” Seite 94.)Google Scholar
- 75.An dieser Stelle geht es um eine spezielle Operation, nämlich Steuerung.Google Scholar
- 76.Vgl. etwa Luhmann 1988c: 49 in Verbindung mit den Ausführungen zu “Operation” (Nr. II, 22 ff) sowie 1997: 60 (dort ist von “Aufforderung” zu lesen). — Auch unabhängig von Luhmanns Beispiel ist ein derartiges “Soll” anzunehmen. Wie kann sonst eine Richtungsangabe zustande kommen? Es gibt zwei Möglichkeiten, zwischen denen zu wählen ist und die Wahl ist nicht gleichsam gesetzmäßig oder automatisch festgelegt, sondern kontingent. Letzteres betont Luhmann z.B. im Kapitel “Doppelte Kontingenz” in “Soziale Systeme” immer wieder.Google Scholar
- 77.Der anderen Momente einer Operation (vgl. oben Nr. II, 25) bedarf es natürlich auch, sie dürfen nicht fehlen.Google Scholar
- 78.Bedarf es dazu der Wahrnehmung? Wenn ja, gehört die Wahrnehmung dann zum Sozialen? Kann ohne sie die Information nicht hergestellt werden ist anzunehmen, daß sie zum sozialen System gehört (Informationserzeugung ist systemintern). Allerdings geht Luhmann davon aus, daß nur “das Bewußtsein... in der Lage (ist, R.G.), etwas wahrzunehmen” (Luhmann 1988a: 893). Wie paßt beides zusammen? Bricht Luhmanns scharfe systemische Trennung (zwischen Psychischem und Sozialem) damit zusammen? Das gleiche Problem stellt sich hinsichtlich der Komponente “Verstehen”. Um zu Verstehen, muß Ego z.B. das Mitteilungsverhalten wahrnehmen. Ohne irgendeine Art von Wahrnehmung gelangt das Mitteilungsverhalten nicht zu Ego, das heißt, ohne etwas wahrzunehmen, gibt es nichts zu beobachten bzw. verstehen, kann keine Information aufgebaut werden. Hat Ego entsprechendes wahrgenommen, versucht es herauszufinden, welche Information Alter durch das Mitteilungsverhalten ihm mitteilen will. Aber für Luhmann ist “Wahrnehmung... ein Bewußtseinsereignis” (Luhmann 1990b: 225). Wenn Informationsherstellung je systemintern geschieht, gehört zum Sozialen, so muß man folgern, ein Bewußtseinsereignis. Unter den Themen “Interpenetration” und “strukturelle Kopplung” ist auf diesen Punkt zurückzukommen.Google Scholar
- 79.So geht Luhmann z.B. an anderer Stelle davon aus, daß Beobachten eine Unterscheidung verwendet, “um etwas durch sie Unterschiedenes zu bezeichnen” (Luhmann 1990b: 79) oder daß ein “System... Worte nicht mit den Gegenständen verwechseln (darf, R.G.), die sie bezeichnen” (Luhmann 1994: 479).Google Scholar
- 80.Und auch als Operation (vgl. Luhmann 1994: 478); zum Verhältnis Selektion/Operation siehe oben Nr. II, 22 ff.Google Scholar
- 81.“Aufforderung” ist hier exemplarisch gemeint. Sieht man vom Exemplarischen ab, kann man den Punkt, um den es mir hierbei geht, mit “Ansinnen” umschreiben. Ich komme unter dem Thema “Annehmen/Ablehnen” einer Kommunikation darauf zurück.Google Scholar
- 82.Informationen, so Luhmann, werden über etwas eingeholt (vgl. Luhmann 1997: 97). Was sollte das bei einer Mitteilung sein? Sie holt nichts ein, sondern gibt — wieder bildlich gemeint — “etwas weg”.Google Scholar
- 83.Und folglich ist der von Luhmann angenommene Zusammenhang von Unterscheiden/Beobachten/Informationsgewinnung so nicht richtig, oder eine Mitteilung ist nicht als Selektion aufzufassen (siehe dazu oben Nr. II, 22 ff, 30 f. Zu ersterem paßt, daß Luhmann Operationen kennt — und Mitteilung ist für ihn eine Operation (vgl. Luhmann 1994: 478) -, die keine Beobachtung sind (vgl. Luhmann 1995: 99 f). Diese Deutungsprobleme lasse ich hier so stehen und lege für meine weiteren Ausführungen die gerade erarbeitete Charakteristik einer Mitteilung zugrunde.Google Scholar
- 84.Zugespitzt — jedenfalls deute ich seine Äußerung als zugespitzt — liest man auch bei ihm, daß erst “das Verstehen... nachträglich Kommunikation (generiert, R.G.)” (Luhmann 1997: 72).Google Scholar
- 85.Information hier als Ergebnis gemeint.Google Scholar
- 86.Dabei deute ich das “sozusagen” wieder als eine Überspitzung von Luhmann, denn das Beobachten einer mitgeteilten Information ist ja nur möglich, wenn eine Mitteilung existiert, die — bildlich gemeint — eine Information “transportiert”. Man könnte also genauso gut formulieren, daß eine Kommunikation “von vorne her” ermöglicht wird. Denn wenn dieses “von vorne” (also die Mitteilung einer Information) gar nicht vorhanden ist, kann auch kein Verstehen dieser nicht vorhandenen mitgeteilten Information erfolgen — allenfalls ein illusionäres.Google Scholar
- 87.Vgl. auch seine Äußerung — die ich als Zuspitzung gedeutet habe (vgl. Anm. II, 84) — “Erst das Verstehen generiert nachträglich Kommunikation” (Luhmann 1997: 72).Google Scholar
- 88.Das verkennt meiner Ansicht nach Nassehi (vgl. Nassehi 1997: 137 ff, vor allem Seite 141; zur Kritik an Nassehi vgl. Bora 1997: 237 f). Luhmann hat nicht erst 1986 (Luhmann 1986a) “Verstehen” als Beobachtung konzeptualisiert, sondern bereits in “Soziale Systeme” (vgl. Luhmann 1984: 110 f, 130).Google Scholar
- 89.Wobei die letztere Umwelt als eine (sozial-)systeminterne Umwelt aufzufassen ist.Google Scholar
- 90.“Informationen... enthalten... immer auch eine volitive Komponente, das heißt einen Vorausblick auf das, was man mit ihnen anfangen kann” (Luhmann 1997: 71 f).Google Scholar
- 91.Mit dem jeweiligen Verstehen kann aber auch Schluß sein.Google Scholar
- 92.Das Verstehen ist Voraussetzung dafür, daß etwas angenommen/abgelehnt werden kann.Google Scholar
- 93.Wobei letztere als Moment von Ereignissen zu begreifen ist (vgl. oben Nr. II, 46).Google Scholar
- 94.Dafür wird Luhmanns Äußerung, daß “zur Sicherung der Anschlußfähigkeit die laufende Reduktion auf Handlung” notwendig ist (Luhmann 1982a: 374), von Bedeutung sein.Google Scholar
- 95.Statt “Erwartung” liest man bei Luhmann auch von “Erwartungsstrukturen”: “soziale Strukturen (sind, R.G.) nichts anderes... als Erwartungsstrukturen” (Luhmann 1984: 397). — Zum Thema “Struktur” bei Luhmann vgl. auch Reckwitz 1997: 64 ff.Google Scholar
- 96.Ego und Alter, das läßt sich dem Zitat entnehmen, sind im Bereich des Sozialen (also in sozialen Systemen) die “Träger” der Erwartungen. — Auf die Genese von Erwartungen gehe ich hier nicht näher ein.Google Scholar
- 97.Zum Beleg hinsichtlich “Verhaltenserwartungen” vgl. Luhmann 1984: 415.Google Scholar
- 98.“Erwartungserwartungen veranlassen alle Teilnehmer, sich wechselseitig zeitübergreifende (Hervorh. R.G.) und in diesem Sinne strukturelle Orientierungen zu unterstellen” (Luhmann 1984: 414). Das schließt nicht aus, daß solche Erwartungen enttäuscht werden. Reflexives Erwarten ermöglicht aber Korrekturen auf der Erwartungsebene (vgl. Luhmann 1984: 414). Ich komme darauf zurück.Google Scholar
- 99.“Soziale Felder” sind, so deute ich Luhmann, aus einer Situation der doppelten Kontingenz resultierendes “soziales Geschehen” in sozialen Systemen.Google Scholar
- 100.“Erwartung” umschreibe ich als eine Annahme/Vorstellung darüber, daß etwas eintrifft oder gegeben ist (deskriptive Erwartung) bzw. eintreffen soll oder gegeben sein soll (präskriptive (z.B. normative) Erwartung). Luhmann scheint ähnlich zu denken, wenn er schreibt, daß Erwartungen “anzeigen, was eine gegebene Sinnlage in Aussicht stellt” (Luhmann 1984: 139; “Sinnlage” darf man Luhmann-immanent hinsichtlich Sozialem aber nicht als etwas Psychisches deuten (ich komme darauf zurück)). Man rechnet also damit, daß irgendetwas der Fall sein wird. Und Luhmann unterscheidet denn auch explizit Erwartungen hinsichtlich Präskriptivem/Normativem bzw. Typischem (= Deskriptivem) (vgl. Luhmann 1984: 140). Den Unterschied zwischen beidem kann man wie oben formulieren: einmal geht man davon aus, daß etwas der Fall sein soll, das andere Mal, daß etwas der Fall ist (ich erwarte etwa, daß die Sonne aufgeht). — Wenn — was Luhmann annimmt — Erwartungen Kommunikationen steuern (vgl. Luhmann 1997: 454), werden sie eine präskriptive/normative Komponente haben.Google Scholar
- 101.Luhmann schreibt denn auch von jemandem, “der sich an seinen eigenen Erwartungen orientieren, sie in Handeln umsetzen kann” (Luhmann 1984: 415). Solche Erwartungen haben meiner Annahme nach eine “Soll”-Komponente (vgl. dazu die obige Anm. II, 100).Google Scholar
- 102.Das geschieht weiterhin im Horizont des Problems der Anschlußfähigkeit.Google Scholar
- 103.“Ähnlich wie Reflexivität entwickelt sich auch Reflexion auf der Grundlage des normalen operativen Verhaltens sozialer Systeme. Und ähnlich wie im Falle der Reflexivität handelt es sich auch hier nicht um eine allgemeine Eigenart aller sozialen Systeme, sondern um eine Sonderleistung, die nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist” (Luhmann 1984: 617).Google Scholar
- 104.Luhmann formuliert explizit: “Kommunikation über Kommunikation... diese Abzweigung wollen wir (im Unterschied zu basaler Selbstreferenz) reflexive Kommunikation nennen” (Luhmann 1984: 199).Google Scholar
- 105.In “Wissenschaft der Gesellschaft” heißt es ähnlich: “Selbstreferenz (ist, R.G.) ein allgemeines Merkmal jeder Operation des Systems” (Luhmann 1990b: 481).Google Scholar
- 106.Zu weiteren Unklarheiten von Luhmanns Selbstreferenzkonzept vgl. Teubner 1987: 94 ff. Siehe in diesem Zusammenhang auch Nassehi 1993: 479 ff. Dessen Bestimmung von basaler Selbstreferenz ist nicht sehr erhellend (und verkennt zudem, wie sich zeigen wird, die Besonderheit basaler Selbstreferenz): “Basale Selbstreferenz referiert auf ein Selbst nur insofern, als Operationen immer an Operationen anschließen, dies aber auf dieser Ebene noch blind und reflexionsfrei vonstatten geht” (Nassehi 1993: 481). Ich greife diese Thematik später wieder auf.Google Scholar
- 107.Mit dem “zu anderen” kommt Fremdreferenz in den Blick.Google Scholar
- 108.In neuesten Arbeiten, z.B. in “Gesellschaft der Gesellschaft” reflektiert Luhmann kaum noch explizit auf basale Selbstreferenz. “Selbstreferenz” bzw. “Fremdreferenz” als zwei Seiten einer Unterscheidung beziehen sich dort fast durchweg auf “System” bzw. “Umwelt”. Aber ab und zu klingt auch dort der Bezug auf basale Selbstreferenz noch an. So etwa, wenn er schreibt, daß die “Differenz Selbstreferenz/Fremdreferenz... sich zunächst also nur auf die einzelne Operation, nicht ohne weiteres auf das System” bezieht (Luhmann 1997: 97 f).Google Scholar
- 109.Wie ein Bezug auf Kommunikation zu konzeptualisieren ist, wird von Luhmann dort nur sehr vage angedeutet, aber nicht ausgeführt.Google Scholar
- 110.Für weitere, vorsichtig formuliert, mögliche Belegstellen (“mögliche”, da im Kapitel zu doppelter Kontingenz formuliert) verweise ich auf Luhmann 1984: 182 f.Google Scholar
- 111.Früher (siehe Luhmann 1976: 23 ff; 1977a: 7 ff) dagegen hat Luhmann sich relativ umstandslos handlungstheoretischer Konzepte bedient. Soziale Systeme setzen sich aus Handlungen zusammen, sind “Handlungssysteme”. Dies einer “theoriegeschichtlich” problematisierenden Erörterung zu unterziehen, führt zu weit vom Thema dieser Arbeit weg.Google Scholar
- 112.Zu fragen ist: was heißt “kategorial” für Luhmann? Schlichtweg, wie es nicht unüblich ist, “grundbegrifflich”? Ich vermute, daß er dies meint. Erläuterungen von ihm dazu kenne ich nicht.Google Scholar
- 113.Daß der Stellenwert von “Handlung” in Luhmanns Konzeption von nicht unwesentlicher Bedeutung ist, läßt sich schon von der Aussage her erschließen, daß “zur Sicherung der Anschlußfähigkeit die laufende Reduktion auf Handlung” notwendig ist (Luhmann 1982a: 374).Google Scholar
- 114.Es ist für mich nicht erkennbar aus Luhmanns Texten, daß er zwischen beidem unterscheidet; ich gehe insofern von Synonymität der Termini »Handlung«/»Handeln« aus. Exemplarisch sollen dies folgende Zitate belegen: “So erschöpft sich der Sinn einer Handlung nicht darin, sich in den Folgehandlungen zu spiegeln und bestätigt zu sehen. Dies bleibt zwar ein konstitutives Moment, füllt aber nicht den Gesamtsinn des Handelns aus” (Luhmann 1984: 605); “Die Unterscheidung von Erleben und Handeln orientiert sich am Problem der Kausalzurechnung... ein Beobachter kann als Erleben zurechnen, was ein anderer als Handlung sieht, und umgekehrt... Gerade operativ lassen sich Erleben und Handeln ja kaum unterscheiden” (Luhmann 1990b: 140 f); “Handlungen erst durch typisierendes Verstehen konstituiert werden. Das macht zugleich die Funktion der Massenmedien in ihrem Beitrag zur kulturellen Institutionalisierung des Handelns verständlich: Es kommt zu einem Hin- und Hercopieren der Handlungsmuster zwischen den Medien und... damit zu einem Abschleifen und Wiederaufbauen von ungewöhnlichem Handeln” (Luhmann 1996a: 66).Google Scholar
- 115.Zum systematischen Stellenwert von ‘Sinnsystem’ siehe Nr. IV, 29 ff.Google Scholar
- 116.Wird nicht — wie zitiert — auf Systeme zugerechnet, sondern auf Umwelt, geht Luhmann statt von “Handeln” von “Erleben” aus.Google Scholar
- 117.Bis hierhin habe ich Arbeiten zu “Handlung”/”Handeln” aus verschiedenen Produktionsphasen Luhmanns, etwa den 70er, 80er und 90er Jahren zitiert und man mag fragen, ob die älteren Arbeiten heute noch Gültigkeit für ihn haben. Luhmann stellt aber immer wieder Kontiniutäten her, z.B. zu Arbeiten der 70er Jahre, wenn er im Zusammenhang mit der Thematik “Handlung” in “Wissenschaft der Gesellschaft” (vgl. Luhmann 1990b: 140, Anm. 25) mit dem Verweis “ausführlicher siehe...” auf die Arbeit “Erleben und Handeln” aus “Soziologische Aufklärung 3” verweist, mit der er offenbar immer noch übereinstimmt. Und “Soziale Systeme”, um eine (vielleicht “die”) Arbeit aus den 80er Jahren zu nennen, hat er kürzlich so charakterisiert: “Die Einleitung zu dieser Serie (von Publikationen, die als Ausarbeitung einer Theorie der Gesellschaft geplant sind, R.G.) ist unter dem Titel “Soziale Systeme” 1984 erschienen” (Luhmann 1995: 7). Daß “Wissenschaft der Gesellschaft” (1990b) heute immer noch für Luhmann relevant ist, zeigen die zahlreichen Verweise darauf in aktuellen Schriften Luhmanns.Google Scholar
- 118.Vgl. dazu Nr. II, 31 sowie zum Verhältnis von Operation und Selektion Nr. II, 22 fGoogle Scholar
- 119.In “Soziale Systeme” heißt es im Prinzip ganz ähnlich, daß die Einheit einer Handlung “durch soziale Prozesse der Zurechnung” zustande kommt (Luhmann 1984: 44); vgl. auch Esser/Luhmann 1996: 134.Google Scholar
- 120.Vgl. auch Fuchs 1992: 102 (sowie 225) (“Handlungen sind... Attributionsartefakte” (102)) sowie Schneider 1994: 168 (“... Handlungen als Artefakte der Kommunikation”).Google Scholar
- 121.Vorsichtiger, wie sich zeigen wird, muß ich formulieren: auch dies gemeint ist.Google Scholar
- 122.Die Formulierung “im Gegenstandsbereich” wird im folgenden immer wieder von mir benutzt. Gemeint ist damit der Gegenstandsbereich, den Luhmann als Sozialwissenschaftler mit seinen Konzepten erfassen (beschreiben, erklären) will. Es handelt sich also, sieht man ab von dem personalen Bezug auf Luhmann, um den Gegenstandsbereich einer Wissenschaft. — Bezüglich Luhmann ist in diesem Zusammenhang noch folgendes zu bedenken. Er schreibt immer wieder, daß er als Sozialwissenschaftler sich im Gegenstandsbereich selber verorten können muß (selbstreferentieller Bezug). Zu fragen ist, ob er, denkt man ihn sich selbst verortet in sozialem Geschehen, als Teilnehmer an Kommunikationen auch ein Handlungsverständnis aufbaut, das, wie noch ausführlicher zu beschreiben sein wird, eine “Vereinfachung” ist. Luhmann könnte es ja besser wissen! Diese Frage stellt sich insbesondere auch, wenn man an die folgenden Abschnitte denkt.Google Scholar
- 123.Zu erinnern ist daran, daß diese “Zumessung” eine solche im Gegenstandsbereich ist.Google Scholar
- 124.Diese Verortung Luhmanns, die ich jetzt skizziere, erfolgt aus der “W-Perspektive” (siehe dazu Nr. II, 151).Google Scholar
- 125.Dieses “Auffassen” erfolgt aus der A/E-Perspektive.Google Scholar
- 126.Luhmann beschreibt diesen Vorgang auch so, daß mit Hilfe von “Semantiken (“Absicht”, “Motiv”, “Interesse”)” (Luhmann 1984: 228) zugerechnet wird.Google Scholar
- 127.Luhmann formuliert in diesen Zusammenhängen immer wieder sehr “kompakt”. Man denke nur an die Aussage, daß es ‘für die Autopoiesis, für die Weiterbewegung der Kommunikation... erforderlich (ist, R.G.), daß sie (die Kommunikation, R.G.) die Mitteilung als Handlung zurechnen und... zur Anknüpfung weiterer Kommunikationen verwenden kann” (Luhmann 1990b: 38) oder daran, daß für Luhmann “die Identifikation von Mitteilung als “Handlung” das Konstrukt eines Beobachters ist, nämlich das Konstrukt des sich selbst beobachtenden Kommunikationssystems” (Luhmann 1997: 86). Das Problem der “Kompaktheit” habe ich oben schon erörtert (vgl. Anm. II, 67). Insofern ist Nachfolgendes Wiederholung. Um aber die “Suggestion einer Besonderheit” zu konterkarieren, halte ich sie für wichtig. — Luhmann äußert sich immer wieder so, als ob “die” Kommunikation etwas “mache” (etwa: zurechnet/beobachtet/markiert (gleiches liest man z.B. auch bei Fuchs 1997: 60, 71, 76)). Das hört sich so an, als gäbe es eine “Instanz”, die dieses “Machen” ausführt. Folgt man Luhmanns Umschreibungen von Kommunikation, ist es so, daß der Prozessor Alter eine Information und eine Mitteilung herstellt und der Prozessor Ego beides unterscheiden bzw. die mitgeteilte Information verstehen kann. Man kann nun, wenn man dies zuletzt skizzierte meint, gleichsam abkürzend formulieren, daß “die” Kommunikation etwas macht. Dieses “Machen” verteilt sich aber, wie beschrieben, auf die Aktivitäten der beiden (oder — z.B. beim Verstehen — einer der beiden) Prozessoren. Dies ist immer zu vergegenwärtigen. Und zu fragen ist, ob die von mir als “abkürzend” benannte Formulierung nicht eine Besonderheit suggerieren will, die nicht vorhanden ist. Eine ähnliche Problematik liegt vor, wenn Luhmann (wieder “abkürzend”) formuliert, daß ein System (oder die Autopoiesis) etwas “macht” (herstellt, produziert usw.). Hier muß man immer beachten, daß durch Operationen ein sich abgrenzender Zusammenhang (= System) erzeugt wird, daß also das, was jeweils “gemacht” wird, durch jeweilige Operationen “gemacht” wird. Und hinsichtlich dessen, daß Operationen etwas “Machen” gilt für den Bereich des Sozialen das, was ich gerade bezüglich der Operation Kommunikation ausgeführt habe.Google Scholar
- 128.Und deutlich wird, wie auch schon durch das letzte Zitat, daß “Handlung” durch eine Beobachtung erzeugt wird.Google Scholar
- 129.Von dieser Selbstbeobachtung unterscheidet Luhmann eine andere, weitere Selbstbeobachtung des Kommunikationssystems: “So fungiert die Kommunikation selbst operativ als Einheit der Differenz von Information, Mitteilung und Verstehen, ohne diese Einheit kommunizieren zu können. Aber sie benutzt zur nachträglichen Selbstbeobachtung die Unterscheidung von Information, Mitteilung und Verstehen, um festlegen zu können, ob die weitere Kommunikation auf Zweifel an der Information, auf vermutete Mitteilungsabsichten... oder auf Verständnisschwierigkeiten zu reagieren hat” (Luhmann 1997: 86 f). Die “nachträgliche Selbstbeobachtung”, die mit der Unterscheidung “Information, Mitteilung und Verstehen” operiert, ist eine andere als die zuvor skizzierte Selbstbeobachtung der Kommunikation, die mit der Unterscheidung “Mitteilung und Information” operiert. Letztere ist (siehe Luhmanns Beschreibung von basaler Selbstreferenz als Moment am operativen Verhalten in “Soziale Systeme”) Moment jeder Kommunikation, erstere ist Kommunikation über Kommunikation. Möglicherweise läßt sich durch die Unterscheidung dieser beiden Formen der Selbstbeobachtung auch der oben (Nr. II, 159) konstatierte Widerspruch bei Luhmann auflösen.Google Scholar
- 130.Zu “Asymmetrisierung” vgl. oben Nr. II, 24.Google Scholar
- 131.Zum Verhältnis von Beobachtung und Referenz (von Luhmann wird ja “alles Referieren als Beobachten” bestimmt (Luhmann 1992c: 122)) vgl. oben Anm. II, 34.Google Scholar
- 132.“Handlung” meint meiner Deutung nach hier “Handlungsverständnis”. Ob die “lockere Anlehnung” an Weber sinnvoll ist, wird noch zu diskutieren sein.Google Scholar
- 133.Wie oben (Nr. II, 143 ft) dargelegt, geht es Luhmann bezüglich “Handlung” um die “Verortung von Selektivität”. Diese Verortung von Selektivität kann man als den Informationsgewinn ansehen, den die Beobachtung “Verstehen” durch das Herstellen eines Handlungsverständnisses leistet.Google Scholar
- 134.Ein derartig durch basale Selbstreferenz hergestelltes Handlungsverständnis meint Luhmann, wenn er (wieder “kompakt”) schreibt, daß “Soziales... um sich selbst steuern zu können, auf Handlungen reduziert, in Handlungen dekomponiert werden” muß (Luhmann 1984: 193). Wenn Kommunikation “sich selber referiert” (= basale Selbstreferenz), geschieht das eben “verkürzend”. Luhmanns definitorische Umschreibung von basaler Selbstreferenz (vgl. Luhmann 1984: 600) kann man dann insofern als irreführend einschätzen, als nicht deutlich wird, daß er damit ein verkürzendes Referieren meint; vgl. dazu auch oben Nr. II, 133 ff.Google Scholar
- 135.So schreibt er etwa, daß “mit Rekursivität... die basale Selbstreferenz des autopoietischen Prozesses bezeichnet ist” (Luhmann 1990b: 333).Google Scholar
- 136.Mit dem Verstehen von M1 einher geht die Unterscheidung der Information von der Mitteilung.Google Scholar
- 137.M2 wird später dann bzw. schon “jetzt” im Entwurf konsequenterweise ebenfalls als Handlung gedeutet. “Die Zurechnung als Handeln... dient der Reproduktion des sozialen Systems, indem sie Ausgangspunkte für weiteres Handeln (= M2 in meiner Deutung, R.G.) festlegt” (Luhmann 1984: 124). — “Handlung/Handeln” wird hier und im folgenden in der A/E-Perspektive verwendet (vgl. dazu Nr. II, 151 ff) und meint meistens “Handlungsverständnis”, also entworfenes oder identifiziertes Handeln (in meiner Sprache: vorgestelltes Handeln). Je nach Kontext kann aber auch das gemeint sein, was ich “Faktum Handlung” genannt habe.Google Scholar
- 138.Das “Erinnern” verweist auf “(sinnhafte) Kognition”: “Kognition ist... die Fähigkeit, neue Operationen an erinnerte anzuschließen” (Luhmann 1997: 122). Kognitive Fähigkeiten sind mit einem Gedächtnis verknüpft. Soziale und psychische Systeme bilden je eigene Gedächtnisse. Im Bereich des Sozialen bildet sich ein Gedächtnis, so Luhmann, außerhalb, aber nicht unabhängig von psychischen Systemleistungen (vgl. Luhmann 1997: 217, 584; 1996c: 326). Ein soziales Gedächtnis “baut nicht auf die Gedächtnisleistungen der Bewußtseinssysteme auf’ (Luhmann 1997: 584). Luhmann begreift es als etwas Nicht-psychisches (vgl. Luhmann 1996c: 326). Es entsteht als Nebenprodukt von kommunikativen Operationen und als eine wichtige Form nennt er “Sprache” (vgl. Luhmann 1996c: 312, 316). Die Hauptfunktion von Gedächtnissen besteht darin, zu Vergessen. Durch Vergessen werden Informationsverarbeitungskapazitäten frei gemacht, die ein “operationsfähiges” Erinnern ermöglichen (vgl. Luhmann 1997: 579). Fast alle eigenen Operationen können vergessen werden, aber einiges wird in schematisierter Form behalten und kann wiederverwendet werden (vgl. Luhmann 1997: 111; ein Gedächtnis ist nach Luhmann aber kein “Speicher” (vgl. Luhmann 1997: 579; anders aber 1984: 69)). So kann “Vergangenheit zur Bestimmung des Variationsrahmens der Zukunft” in Anspruch genommen werden (Luhmann 1997: 588). Anders ausgedrückt, das Gedächtnis konstruiert Strukturen zur Sicherstellung von Anschlußfähigkeit (vgl. Luhmann 1997: 44); es kontrolliert, “von welcher Realität aus das System in die Zukunft blickt” (Luhmann 1997: 581; zum hier anklingenden Bezug auf “Rekursivität” vgl. Anm. II, 54). Dabei kann es seine Funktion nur im aktuellen Operieren ausüben, es wird immer nur gegenwärtig benutzt (vgl. Luhmann 1997: 579, 581). — Was ein Gedächtnis im Bereich des Sozialen “ist”, welche Eigenschaften wo zu verorten sind, darüber erfährt man wenig. “Sprache” z.B. als eine Form eines Gedächtnisses “verteilt” sich in sozialen Systemen auf Alter-/Ego-Geschehen. Was heißt dann ein Gedächtnis? Und was ist hier Gedächtnis als etwas Nicht-psychisches? Ich komme auf diese Probleme zurück (vgl. Anm. II, 150 sowie V, 34).Google Scholar
- 139.Luhmann schreibt von der “internen Selbstbestimmung” der Handlung durch Ego (vgl. Luhmann 1984: 392 f sowie 182 f.). Auf die Stelle “182 f” ist später noch einzugehen, möglicherweise zeichnet sich hier ein Widerspruch bei Luhmann ab.Google Scholar
- 140.Hinsichtlich des “Sichselbstmeinens der Handlung” nennt Luhmann diese Handlung auch das “Objekt” der Selbstreferenz, die “andere Handlung” das “Objekt” der Fremdreferenz. Mit einer so gemeinten Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz operiert Luhmann vor allem in neueren Arbeiten immer wieder.Google Scholar
- 141.Zu erinnern ist daran, daß bezüglich Sozialem der skizzierte Horizont, die Erwartungen usw., Luhmann-immanent nichts Psychisches sein können. Ob diese Position haltbar ist, wird später noch zu diskutieren sein.Google Scholar
- 142.Statt von “Handlungsbestimmung” schreibt Luhmann auch von Bildung bzw. Festlegung des “Handlungssinnes” (vgl. Luhmann 1984: 182, 392, 605) und meint damit wohl die Absichten usw. (A/E-Perspektive!) einer Handlung. Ein Handlungssinn, so schreibt Luhmann explizit mit Bezug auf “Struktur”, wird im Horizont der Erwartung weiteren Handelns konstituiert (vgl. Luhmann 1984: 392 f sowie 60).Google Scholar
- 143.Den im vorstehenden erörterten Zusammenhang von Erwartung und Entscheidung hebt Luhmann besonders hervor. Darauf ist in dieser Anmerkung in einem Exkurs etwas ausführlicher einzugehen. Zunächst zum Punkt “Entscheidung”. Luhmann will Entscheidungen als Moment des Sozialen konzeptualisieren. Dazu bedarf es einer “soziologisierten” Entscheidungstheorie, an der es seiner Meinung nach in der Soziologie bislang mangelt (vgl. Luhmann 1984: 399 f). Luhmann macht dafür folgenden Vorschlag (den er mit dem Zusatz versieht, daß er sich damit auf unbearbeitetes Gelände begibt und deshalb die Konsequenzen noch nicht voll überblicken kann): “Von Entscheidung soll immer dann gesprochen werden, wenn und soweit die Sinngebung einer Handlung auf eine an sie selbst gerichtete Erwartung reagiert. ... Entscheidungslagen ergeben sich erst, wenn die Erwartung auf die Handlung oder ihr Unterbleiben zurückgerichtet wird, wenn sie selbst erwartet wird. Dann schaff die Erwartung die Alternative von Konformität oder Abweichung, und dann hat man zu entscheiden” (Luhmann 1984: 400). Luhmann will damit eine “Entscheidung über ein Handeln” thematisieren (Luhmann 1988: 293). Zu einer solchen Entscheidung kommt es, “wenn das Handeln erwartet wird und dies in Rechnung stellt” (Luhmann 1988: 293). Die Erwartungen betreffen ein “Anschlußverhalten”. “Anschluß” macht deutlich, daß Luhmann eine kommunikative Situation meint, die der im Umfeld dieser Anmerkung erörterten entspricht. Das belegen auch seine Formulierungen von einem dem Handeln (in der obigen Terminologie = M2) vorhergehenden (= M1) und folgendem Handeln (= M3) (vgl. Luhmann 1988: 293, 283 f; vgl. auch die Beispiele in 1984: 402 f). Luhmann geht es meiner Deutung nach um folgendes: Wenn Ego im Zusammenhang mit seinem Verstehen ein Handlungsverständnis gebildet hat und Folgehandlungen in den Blick nimmt, geschieht dies unter Einbeziehung der eigenen Erwartungen sowie der von ihm angenommenen Erwartungen Alters, denn “Ego richtet sich in seinen Verhaltenswahlen nach dem, was er von sich selbst und was nach seiner Erwartung Alter von ihm erwartet” (Luhmann 1981c: 105; vgl. auch 1984: 401). Ego “repräsentiert” dann verschiedene Folgehandlungen, solche, die (z.B.) den Erwartungen entsprechen und solche, die von ihnen abweichen (das Entsprechen bzw. Abweichen wird, in welcher Weise auch immer, dem Annehmen bzw. Ablehnen korrespondieren). Es liegen damit alternative Handlungsmöglichkeiten vor, zwischen denen zu entscheiden ist (vgl. Luhmann 1984: 402). Die Alternativität ergibt sich, so Luhmann, durch den Erwartungsbezug. Letzterer wird, wie er sich ausdrückt, in die “Sinngebung” der Handlung aufgenommen. Denn “man... handelt, weil es erwartet wird” (Luhmann 1984: 401). Die Aufnahme der Erwartung in die Sinngebung ermöglicht Alter bzw. Ego im weiteren Verlauf des kommunikativen Geschehens Anknüpfungen an je vorhergehendes. (Routinehandeln erfüllt für Luhmann diese Bedingung (Aufnahme der Erwartung in die Sinngebung) nicht. Ich komme darauf zurück (Stichwort “traditionales Handeln” bei Max Weber).) Das Ergebnis der Entscheidung, die (durch irgendeine Auswahl zu treffende) Festlegung einer der Handlungsoptionen als derjenigen, die realisiert werden soll, ist meiner Ansicht nach das, was Luhmann “Anschlußentscheidung” nennt (letzteres ist zu präzisieren; ich komme auch darauf zurück). Diese Deutung ist nun insofern problematisch, als sie eine “entproblematisierende” ist. Denn so klar, wie ich es dargestellt habe, sind Luhmanns Ausführungen nicht. Die Verwendungsweise des Wortes »Handlung/Handeln« in diesem Kontext z.B., ist alles andere als eindeutig. (Daß mit “Handlung/Handeln” die A/E-Perspektive verknüpft ist, habe ich oben bereits vermerkt.) Wenn Luhmann etwa schreibt, “Entscheidungslagen ergeben sich erst, wenn die Erwartung auf die Handlung oder ihr Unterbleiben zurückgerichtet wird”, dann klingt das so, als sei die (Folge-) Handlung schon “passiert”. Vom Kontext her kann aber “Handlung” nicht die von Ego vollzogene (Mitteilungs-) Handlung meinen, die Komponente einer Folgekommunikation ist. Denn wenn sie schon vollzogen wäre, könnte sie nicht mehr unterbleiben. Thema ist, so entnehme ich Beispielen, die Luhmann anführt, eine antezipierte Handlung, also der Entwurf bzw. die Planung einer (möglichen) Handlung (vgl. z.B. Luhmann 1984: 402 f). “Handlung” meint dann “Handlungsverständnis”, nur nicht “nach hinten” (= Deutung einer Mitteilung) gerichtet, sondern “nach vorne” (Entwurf einer möglichen (Folgemitteilungs-) Handlung. (Es gibt aber auch Stellen, an denen er mit “Handlung” nicht letzteres meint, sondern das, was ich oben (Nr. II, 155) “Faktum Handlung” genannt habe.) Zur Illustration greife ich ein Beispiel von Luhmann auf. Er nimmt an, daß jede Handlung erwartungsorientiert verläuft, sie aber dadurch noch keinen Entscheidungsbezug aufweist. “Man nimmt die Flasche und schenkt ein in der Erwartung, daß das Glas sich daraufhin füllen werde (= erwartungsorientiertes Handeln, R.G.). Zur Entscheidung (Hervorh. R.G.) wird dies erst, wenn die Handlung selbst unter Erwartungsdruck gesetzt wird, wenn etwa das leere Glas am Platz des Gastes die Erwartung zum Ausdruck bringt, gefüllt zu werden” (Luhmann 1988: 279). Gegeben ist, so deute ich Luhmann, eine kommunikative Situation und das leere Glas steht für eine Mitteilung (“Bitte schenke mir nach”), die verstanden worden ist. Es geht nun um das “Anschließen”. Luhmann: “Man durchlebt dann eine durch Erwarten gesteigerte Situation: Man könnte sich der Erwartung entziehen, um den Wein oder den Gast zu schonen; man kann aber auch durch Erfüllen der Erwartung mehr erreichen als nur ein volles Glas, nämlich die Reproduktion der Erwartung selbst und all das, was mit ihrer Honorierung verbunden ist... das einfache Erwarten führt... dazu, daß derjenige, an den es gerichtet ist, dadurch die Möglichkeit gewinnt, der Erwartung zu entsprechen oder abzuweichen, und sich also entscheiden muß” (Luhmann 1988: 279). Deutlich ist, daß eine Anschlußhandlung, die das Abweichen oder Entsprechen zum Ausdruck bringt, noch gar nicht stattgefunden hat. Noch nicht einmal die Entscheidung ist vollzogen, sondern zunächst sind nur Handlungsmöglichkeiten “repräsentiert”. Welche Handlungsoption ausgewählt wird, ist somit noch offen. Damit komme ich zu einem weiteren Problem. Man liest bei Luhmann von der “Ambivalenz des Wortes Entscheidung”: “Entscheidung kann nämlich einmal heißen das Ereignis, das sich selbst einer Wahlmöglichkeit verdankt, und sodann das Ergebnis der Wahl” (Luhmann 1988: 281). Wenn Luhmann von “Anschlußentscheidung” schreibt, steht das meiner Deutung nach für “Ergebnis der Wahl”. Das Entscheiden dagegen, das durch den Erwartungsbezug in Gang gesetzt wird, meint nicht oder nicht allein “Ergebnis der Wahl”, sondern das, was vorhergeht (“Repräsentation” von Wahlmöglichkeiten, zwischen denen auszuwählen ist, usw.; ob zu dieser Entscheidung das Ergebnis der Wahl dazugehört, bleibt bei Luhmann offen). Luhmann verwendet also das eine Wort »Entscheidung« mit unterschiedlichen Bedeutungen. Wenn meine in dieser Anmerkung dargelegte Deutung stimmt, dann hat das auch Konsequenzen für das Verständnis von basaler Selbstreferenz bzw. Rekursivität. Gehört zur basalen Selbstreferenz/Rekursivität der Entwurf möglicher Folgehandlungen, geschieht beides im Grunde schon entscheidungsorientiert (Entscheidung im Sinne von: “Wahlmöglichkeiten”). Die Anschlußentscheidung (Entscheidung im Sinne von: “Ergebnis”), also die Wahl, welche Handlung ausgeführt werden soll, wird durch beides vorbereitet. Das erstere Entscheiden ist demnach (zumindest zum Teil) Komponente des Verstehens bzw. der basalen Selbstreferenz/Rekursivität und damit auch der Kommunikation. (Dazu paßt auch Luhmanns Aussage, daß das “Entscheiden... die über Erwartungen laufende Selbstreferenz des Handelns” aktualisiert (Luhmann 1984: 401) — wenn man “Selbstreferenz des Handelns” wie oben skizziert auf der Ebene des Entwurfs, der Planung usw. ansiedelt.) Die Anschlußentscheidung wird dadurch vorbereitet und ermöglicht. — Zum Abschluß komme ich noch auf einige allgemeinere Punkte zum Thema “Entscheidung”. Das erstere Entscheiden bzw. die Anschlußentscheidung sind zu unterscheiden von dem, was Luhmann die “Kommunikation von Entscheidungen” nennt (Luhmann 1997: 830; vgl. auch 1993c: 307). “Kommunikationen von Entscheidungen” bilden in seiner Konzeption die typische operative Basis (= Letztelemente) von Organisationen. Das Kommunizieren von Entscheidungen wird aber auch das umfassen, was ich gerade — und worauf ich damit zurückkomme — “ersteres Entscheiden” bzw. “Anschlußentscheidung” genannt habe, denn beides gehört, wenn meine Deutung stimmt, zu jeder Kommunikation, an die eine weitere anschließt, also auch zu Kommunikationen, die Entscheidungen “transportieren”. Daß für Luhmann hinsichtlich Sozialem “Entscheiden... (kein, R.G.) Bewußtseinszustand, sondern eine Sinnstruktur” ist (Luhmann 1984: 401), überrascht nicht (Stichwort “Psychisches als Umwelt des Sozialen”). Bewußtsein ist zwar, so Luhmann, für Entscheiden erforderlich, dies “ist aber nur Voraussetzung, nicht charakterisierendes Merkmal des Entscheidens selbst” (Luhmann 1984: 401; vgl. auch 1997: 832). Nun ist es aber zweierlei, ob etwas “kein Bewußtseinszustand” ist oder ob für etwas “Bewußtsein kein charakterisierendes Merkmal” ist. Denn auch wenn Bewußtsein für etwas nicht kennzeichnend ist, kann dieses Etwas doch Bewußtsein um- fassen. Daß letzteres der Fall ist, kann man annehmen, wenn man bei Luhmann liest, daß Erwartungen “zunächst nur den Effekt haben, bedenkenloses Handeln in bedenkliches Entscheiden zu transformieren” (Luhmann 1988: 300), denn “Denken” ist bei Luhmann Komponente von psychischen Systemen. Gehört “Denken” aber zum Entscheiden, wäre das Luhmann-immanent kritisch zu diskutieren (Stichwort “Totalausschluß”; vgl. Nr. I, 57). Ich komme auf das damit angedeutete Problem später zurück.Google Scholar
- 144.Die Prämisse ist dann das, was ich oben (Nr. II, 81 f) das Entscheidungsergebnis “Handlung X soll gewählt (und dann ausgeführt) werden” genannt habe.Google Scholar
- 145.“Verhalten” steht hier für das Mitteilen von Annehmen/Ablehnen.Google Scholar
- 146.Also, um im Beispiel zu bleiben, Handlung X (= M2) als Komponente einer Folgekommunikation.Google Scholar
- 147.Genauer: dem Ergebnis der vierten Selektion (also dem Ergebnis der Anschlußentscheidung).Google Scholar
- 148.Auf den engen Zusammenhang von basaler Selbstreferenz und Rekursivität habe ich oben (Nr. II, 166 f) bereits verwiesen.Google Scholar
- 149.Zur Relevanz von Strukturen hierbei vgl. Luhmann 1995: 394.Google Scholar
- 150.“Rekursivität”, und dabei vor allem das “Zurückgreifen”, hat fir Luhmann wesentlich mit Gedächtnis zu tun. “Rekursivität heißt: Wiederanwendung der Operationen auf ihr eigenes Ergebnis... Entscheidend ist, daß die Operationen dazu nicht wiederholt werden müssen, sondern an ihrem Ergebnis greifbar sind. Insofern ist Gedächtnis ein verkürzter Ausdruck fir die Rekursivität der Systemoperationen; aber die Verkürzung liegt nicht in der Abstraktionsleistung eines Beobachters, sondern sie wird vom System selbst produziert und benutzt” (Luhmann 1996c: 311). Zur “Auflösung” solcher Kompaktheiten vgl. Nr. II, 88.Google Scholar
- 151.Das Zusammenspiel von Struktur und Ereignis hat Luhmann mit Focussierung auf basale Selbstreferenz in einer Art von “abstrakten Beispiel” (aus dem ich schon oben zitiert habe) dargestellt, das bislang Erörtertes zusammenfaßt. “Um eine selbstreferentielle Organisation der Elemente des Systems produzieren zu können, müssen die Prozessoren zirkulär verknüpft sein... Der Zirkel kommt in jedem Prozessor mit Hilfe des anderen zustande, und dies deshalb, weil jeder Prozessor separat Ereignisse (z.B. Mitteilungen, R.G.) produziert. Ego richtet sich in seinen Verhaltenswahlen nach dem, was er von sich selbst und was nach seiner Erwartung Alter von ihm erwartet. Er erfährt, um diese Gegenerwartungen materialisieren zu können, Alter als alter Ego. Damit drängt sich die Unterstellung auf, daß auch Alter als Ego prozessiert, da sich die Figur des Ego in ihm redupliziert. Also erwartet Ego auch, daß sein alter Ego ihn als Alter erfährt und sich ebenfalls nach sich selbst und nach dem anderen zu richten bemüht. Der Zirkel liegt also nicht nur in dem Sichabhängigwissen von den Wahlen des Anderen; er liegt in dem Sichabhängigwissen von dem Sichabhängigwissen beider” (Luhmann 1981c: 105).Google Scholar
- 152.Vgl. in diesem Zusammenhang auch Gilgenmann: “Um die Reproduktionsfähigkeit der Kommunikation zu erklären, ist das Verhältnis zwischen den Komponenten des Verstehens und des Anschlußverhaltens genauer zu betrachten” (Gilgenmann 1997: 41). Gilgenmann verfolgt in seiner Arbeit aber eine andere Problemstellung als ich es hier tue.Google Scholar
- 153.In der Literatur wird mit Luhmanns Handlungskonzeption ganz verschieden umgegangen (vgl. in diesem Zusammenhang auch Seyfarth 1998: 163). Z.T. knüpft man problemlos an ihn an, so etwa Baecker (1996), Fuchs (1992) oder Stichweh (1995). Andere (z.B. Dux 1994) lehnen sein Konzept kurz und bündig ab, ohne es zu diskutieren. Esser (1994) dagegen begründet seine Ablehnung ausführlicher. Seine Auslegung, die sich im wesentlichen auf Kapitel 4 von “Soziale Systeme” bezieht, ist allerdings meiner Meinung nach — vorsichtig formuliert — problematisch (vgl. dazu Greshoff 1998a: 146 f; dortige Ausführungen werden hier in einen erweiterten Zusammenhang gestellt).Google Scholar
- 154.Hinsichtlich des Punktes “BeobachtbarkeitlErschließbarkeit” stellt sich mir dann aber folgende Frage: warum nimmt Luhmann an, daß die mit einem Verhalten verbunden angenommenen Absichten “Fiktionen” sind (vgl. oben Nr. II, 58) und wieso betrachtet er die nicht-beobachtbaren Komponenten von Kommunikation nicht auch als fiktional?Google Scholar
- 155.Auch wenn man einwendet, daß mit dem Verstehen ebenfalls ein Verhalten einhergeht, so stellt sich hinsichtlich diesen Verhaltens kein Anschlußproblem. Wird aus diesem Grunde und weil es nicht ein einzelnes, derart wie das Mitteilungsverhalten beim Mitteilungshandeln herausgehobenes Verhalten gibt, das der Kommunikation als Gesamtvorgang zuzurechnen ist, ein Kommunikationssystem als Handlungs- und nicht als Kommunikationssystem ausgezeichnet? Und meint Luhmann, daß Soziologen deshalb lieber vom Handlungsbegriff ausgehen, weil ein herausgehobenes Verhalten damit einhergeht? Ich vermute, daß Luhmann diese Fragen bejahen würde.Google Scholar
- 156.Bestimmungen zu “Handlung”, in denen er ausdrücklich auf Verhalten Bezug nimmt, habe ich oben zitiert (vgl. Nr. II, 143 ff). Aber es gibt eben auch — und nicht selten — die “zu abstrakten” Aussagen.Google Scholar
- 157.Luhmann nimmt an, daß alle drei eine Kommunikation ausmachenden Selektionen in der Kommunikation — folglich im sozialen System — aufgebaut werden (vgl. Luhmann 1990b: 24 f). Er betont, daß in die Kommunikation nicht nur die Selektivität des Mitgeteilten, sondern auch die “der Information, und die Selektivität des Verstehens” (Luhmann 1984: 225), eingehen. Kornmunikation ist von daher “koordinierte Selektivität” (Luhmann 1984: 212).Google Scholar
- 158.Dafür sprechen auch Aussagen Luhmanns im Kontext von doppelter Kontingenz. “Zur Selbstreferenz gehört... daß die Handlung sich selbst in der Perspektive des alter Ego kontrolliert; und andererseits: daß sie sich eben damit einem sozialen System zuordnet... Mit der Konstitution selbstreferentieller Handlungszusammenhänge entsteht also zugleich eine Selbstreferenz des sozialen Systems, nämlich die Miteinarbeitung des Geltungsbereichs der doppelten Kontingenz” (Luhmann 1984: 183). Wenn — und es klingt so — mit “Selbstreferenz des sozialen Systems” “Reflexion” gemeint ist, wäre das ein Widerspruch zu seiner Annahme, daß “Reflexion” eine Selbstreferenzform ist, die nicht in jedem sozialen System vorkommen muß (vgl. dazu Nr. II, 47 f).Google Scholar
- 159.Vgl. in diesem Zusammenhang auch Krieger 1996: 100 ff.Google Scholar
- 160.Man hat den Eindruck, daß Luhmann — begrifflich gedacht — mit der Symmetrieannahme vom Begriff ‘Kommunikation’ Merkmale wegnimmt, so daß dieser Begriff im Grunde gar nicht mehr existiert, er aber so tut, als sei dies nicht der Fall.Google Scholar
- 161.Dieses “zu abstrakt werden” scheint ein Grundzug in Luhmanns Arbeiten zu sein. Sowohl seine Paradoxienauffassung wie auch seine Sinn(system)konzeption (dazu später) sind davon geprägt.Google Scholar
- 162.Vgl. Weber 1973: 127, 339, 446, 453, 361 und öfter sowie 1976: 5. “Auffassung als Handeln” bzw. “Handlungsverständnis” kann man Weber-immanent als das Resultat des Antezipierens, Verstehens oder Erfaßthabens eines Handelns begreifen. Da Weber beides kennt (faktisches/vorgestelltes Handeln), ist nicht so recht nachvollziehbar, was Luhmann mit dem “fundamentaler angesetzten Zurechnungsproblem” meint (vgl. oben Nr. Il, 142).Google Scholar
- 163.Das “Zerlegen in Handlungen” deute ich als “Auffassen als Handlung”, wodurch (“durch diese Reduktion”) eine reduzierte Sicht von Kommunikation entsteht, die Anschlußmöglichkeiten eröffnet.Google Scholar
- 164.‘Handlung’ (im Sinne von “Handlungsverständnis”) ist dabei als Merkmal von ‘Kommunikation’ aufzufassen; vgl. auch Barben 1996: 76.Google Scholar
- 165.Meine These ist, daß Luhmann dieses Zurechnen und Webers sozialwissenschaftliche Konzeptualisierung in bestimmter Weise parallelisiert.Google Scholar
- 166.Weber geht also im Unterschied zu Luhmann davon aus, daß Absichten usw. tatsächlich vorliegen (bzw. vorliegen können; denn es muß erst durch methodisches Verstehen belegt werden, daß dies anzunehmen ist), also keine Fiktion sind. Anders macht sein Ansatz einer “verstehenden Soziologie” keinen Sinn.Google Scholar
- 167.Das verweist wieder auf Luhmanns These vom “Totalausschluß”. “Wir sind... gezwungen, im Gegensatz zu... all dem, was gegenwärtig als Handlungstheorie auf dem Markt ist, auf eine handlungstheoretische (und damit “individualistische”) Begründung der Soziologie zu verzichten.... Der Grund dafür ist: daß der Begriff der Handlung, der nach allgemeinem Verständnis Handelnde voraussetzt, die Grenzen zwischen Systemen und Umwelten verwischt” (Luhmann 1997: 86).Google Scholar
- 168.An anderer Stelle heißt es, daß eine theoretische Erklärung, “die sich auf die wirklichen Verhältnisse einläßt, Bewußtseinssysteme und kommunikative Systeme... streng unterscheiden” muß (Luhmann 1988a: 886). Von “Beobachterrelativität” liest man hier direkt nichts (Luhmann würde sie wahrscheinlich nicht abstreiten), wohl entsteht der Eindruck einer “angemesseneren” Realitätssicht. Woher nimmt Luhmann die Sicherheit dafür? Vgl. in diesem Zusammenhang auch Hauck 1999: 258.Google Scholar
- 169.Geht man von dieser Auslegung aus, wird auch Luhmanns Aussage nachvollziehbar, er wolle nicht auf den Handlungsbegriff verzichten, sondern es gehe ihm “um seine Rekonstruktion als Konstrukt von Zurechnungsprozessen im Kontext von Selbstbeobachtungen sozialer Systeme” (Luhmann 1987a: 321). Denn wenn im Gegenstandsbereich, also, so meine Deutung, “im Kontext von Selbstbeobachtungen sozialer Systeme” etwas als Handlung erfaßt wird, braucht man dafür einen Handlungsbegriff. Letzterer kann dann als Konstrukt für den Erfassungsprozeß (= Zurechnungs- bzw. Beobachtungsprozeß) aufgefaßt werden.Google Scholar
- 170.Die Beschränkung von “Handlung” auf dieses “Nachgeordnete” meint meiner Deutung nach die eingangs erwähnte “Umlagerung” (vgl. Nr. II, 142), die Luhmann bezüglich “Handlung” meint vorgenommen zu haben.Google Scholar
- 171.Luhmann fährt an der zitierten Stelle fort, er “könnte sich ... historische Forschungen denken, die unvoreingenommen genug die Frage prüfen, ob und wie weit frühere Kulturen überhaupt in so entschiedener Weise nach einem Handlungsmodell gelebt haben” (Luhmann 1984: 233). Das Zitat belegt noch einmal, daß es Luhmann mit “Reduktion auf Handlung” um ein Handlungsverständnis (“Handlungsmodell”) im Gegenstandsbereich geht. Und — gleichsam im Vorgriff — läßt diese Annahme aus Luhmanns Perspektive eine Relativierung von Webers sozialwissenschaftlicher Grundbegrifflichkeit erkennen. Webers Absicht, “ganz allgemeine Begriffe” aufgestellt zu haben (vgl. oben Nr. I. 48), die universell, d.h. auf alle historischen Ausgestaltungen von Sozialem anwendbar sind, wird damit als möglicherweise illusionär hingestellt.Google Scholar
- 172.Warum das so ist oder so sein muß, wird von Luhmann nicht erläutert.Google Scholar
- 173.Bzw. als Teil der Situation (doppelte Kontingenz), die Kommunikation zugrundeliegt. Worauf es mir hier mit meiner “Verkürzungsthese” ankommt, ist das, wie noch darzustellen sein wird, “Sich wechselseitig aufeinander abstimmen wollen”, das doppelte Kontingenz kennzeichnet (vgl. Nr. IV, 3 ff sowie 85 ff).Google Scholar
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