Reden zwischen Engel und Vieh pp 9-46 | Cite as
Kleine Legende des 18. Jahrhunderts: der Kaufmann
Zusammenfassung
Das 18. Jahrhundert wurde als „Sattelzeit“1 bezeichnet, d. h. als Zeit, in der sich Strukturen und Dynamiken herausbilden, die über diese selbst hinausgreifen, erst in der Folge ihre Wirksamkeit entfalten und in der Fülle ihrer Erscheinung zutage treten. Das 18. Jahrhundert wäre die Sattelzeit der Moderne; in seiner pseudoaristokratischen Bildlichkeit meint der Begriff jene Epoche, in der sich der Bürger2 anschickt, das feudalistische System abzulösen und die Formen und Strategien ‚seiner Welt‘ zu entwickeln. Literaturwissenschaftlich erscheint es als Zeitalter der Kritik, als Epoche des expliziten Widerspiels ingeniöser Produktivität und normativer Reflexion. Und wie immer man die einzelnen literarischen Entwicklungen des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum bewerten mag; wie immer differenziert dessen Dynamik und Strömungen betrachten; wie problematisch die numerische Definition der Entität eines Saeculums auch ist und wie unscharf sie gehandhabt werden muß, wie weit Vorläufer sich finden lassen und Wirkungen hinausreichen; wie komplex die Erscheinung einer Epoche ist und wie inkohärent ihre Facetten sind: Die These, im Laufe des 18. Jahrhunderts erfolge die Etablierung des klassischen Sprachspiels deutscher Literatur und damit des Stilideals der lebensweltlichen, i. e. nicht wissenschaftlich-logischen Sprache überhaupt, darf Plausibilität beanspruchen. Es könnte entgegnet werden, bereits mit Luthers Bibelübersetzung beginne die Formulierung und Formierung des Paradigmas der Schriftsprache; aber auch hier ist das 18. Jahrhundert eine Zeit der Revisionen und Reformulierungen, die schließlich zu einer Normalisierung des biblischen Textes bei gleichzeitiger Reduktion seines Geltungsanspruchs, zu Ästhetisierung und Historisierung, führt3. Literaturgeschichtlich erscheint das 18. Jahrhundert als Transformationsepoche, die von rhetorisch organisierter Gattungspoetik via Wirkungsästhetik zu Ausdrucksästhetik und zur Konzeption des autonomen Kunstwerks hinüberleitet.
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Anmerkungen
- 1.Reinhart Koselleck. Einleitung in: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache. Hgg. v. Otto Brunner/ Werner Conze/ Reinhard Koselleck. 6 Bde., Stuttgart 1972ff. (im Folgenden zitiert als: GG), S. XIII—XXVIII, bier S. XV; tiers. Das achtzehnteJabrbundert als Beginn der Neuzeit. In: Epochenschwelle und Epochenbewußtsein. Hrsg. v. Reinhart Herzog u. Reinhart Koselleck (Poetik und Hermeneutik XII). München 1987, S. 269–282Google Scholar
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- In der neueren Literatur herrscht die Tendenz, den Begriff,Bürge? nicht durch sozio-ökonomische Verortung, sondern gegen diese als,freischwebenden’ mentalen Habitus zu definieren (so: Ruppert, Wandel, S. 191). Als glückliche formale Bestimmung erscheint mir die Formulierung von Kiesel und Münch, die — freilich gegen den Willen der Autoren vom natürlichen Träger gelöst — ihn als „Syndrom von Wertvorstellungen“ bezeichnet (Helmut Kiesel/Paul Münch. Gesellschaft und Literatur im 18. Jahrhundert. Voraussetzungen und Entstehung des literarischen Markts in Deutschland München 1977, S. 54)Google Scholar
- Lothar Pikulik erkennt in der fehlenden Verortung zwar ein Moment antibürgerlicher Empfindsamkeit, doch ist dabei zu bedenken, daß der antagonistische Typus des rational orientierten, praktisch zupackenden Bürgers als allgemeine Gültigkeit beanspruchender seinerseits zwischen den traditionellen Schichten steht und sich gegen deren je spezifischen Habitus definiert (Lothar Pikulik. Leistungsethik contra Gefühlskult. Über das Verhältnis von Bürgerlichkeit und Empfindsamkeit in Deutschland. Göttingen 1984, S. 303)Google Scholar
- Zur Problematik des Begriffs,Bürger’ vgl. Franklin Kopitzsch. Die Sozialgeschichte der Aufklärung als Forschungsaufgabe. Einleitung in: Aufklärung, Absolutismus und und Bürgertum in Deutschland. Hrsg. v. Franklin Kopitzsch. München 1976, S. 11–169, hier: S. 34ff.Google Scholar
- Bürger und Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert. Hrsg. v. Jürgen Kocka. Göttingen 1987; Rudolf Vierhaus. Deutschland im 18. Jahrhundert. Politische Verfassung, soziales Gefüge, geistige Bewegung. Göttingen 1987; ders. Der Aufstieg des Bürgertums vom späten 18. Jahrhundert bit 1848/49. In: Bürger und Bürgerlichkeit, S. 64–78Google Scholar
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- Thomas P. Saine. Was ist Aufklärung? Kulturgeschichtliche Überlegungen zu neuer Beschäftigung mit der deutschen Aufklärung. In: Aufklärung, Absolutismus, S. 319–344; Ernst Troeluch. Aufklärung. In: Aufklärung, Absolutimus, S. 319–344Google Scholar
- Hans Ulrich Wehher. Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 1: Vom Feudalismus des Alten Reiches zur Defensiven Modernisierung der Reformära 1700–1815. München 1987, S. 202ff.Google Scholar
- 3.In der Vorrede zu seinem,Grammatisch-kritischen Wörterbuch’ bemerkt Adelung 1774: „Es werden noch jetzt manche ältere Schriften sehr häufig gelesen, welche mehrere veraltete Wörter und Formen, wie z. B. Luthers Bibel, und folglich theils einer Erklärung, theils aber auch einer Warnung bedürfen, damit Ungeübte und Ausländer sie nicht für noch jetzt gangbar halten.“ (zitiert nach: Joachim Gessinger. Sprache und Bürgertum: Zur Sozialgeschichte sprachlicher Verkehrsformen im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Stuttgart 1980, S. 144) 1726 bis 42 wurde mit der Berleburger Bibel eine quietistisch interpretierende Übersetzung geschaffen; 1727 mit der Ebsdorfer Bibel die herrnhutersche Variante Zinzendorfs; 1735 erschien mit der Wertheimer Bibel eine Übersetzung aus wolffianisch-rationalistischer Perspektive. Wie verwandt dabei die Intentionen scheinbar antagonistischer Interpretationen sein können, mag ein Ausspruch Zinzendorfs — der selbst im pietistischen Lager eine a-me-thodische Strömung initiiert — verdeutlichen: „Physika experimentalis ist der Theologie ihr Vorbild. Die wahre Theologie muß raisonnements und experimente beysammen haben. Jene müssen gründen, diese müssen regulariter demonstrieren.” (Brief an Zimmermann 1728. Veröffentlicht in der Zschr. f. Brüdergeschichte VI, S. 201; zitiert nach: Jürgen Quack. Evangelische Bibelsonden von der Reformation bis zur Aufklärung. Heidelberg 1975, S. 286. Vgl. Erik Peterson. Das Problem der Bibelauslegung im Pietismus des 18. Jahrhunderts. In: Zschr. f systematische Theologie, 1 11923/24), S. 468–481.) Die hier auch im vermeintlich Abseitigen aufscheinende Dichtotomisierung der Praxis, ihre Dissoziation in eine lebensweltliche Pragmatik und ein — wie man hofft: deren — theoretisches Substrat ist freilich auf säkularem Gebiet von Vico (Gian Battista Vico. De nostri tempore studio catione. Vom Wesen und Weg der geistigen Bildung. Godesberg 1947.), auf theologisch-hermeneutischen von Spinoza (Baruch de Spinoza. Theologisch-Politischer Traktat. Hamburg 1984.) und auf ästhetiktheoretischem von Federico Zuccari (vgl. Erwin Panofsky. Idea. Ein Beitrag zur Geschichte der älteren Kunsttheorie. Berlin 21960, S. 97ff.) bereits vorgedacht. Inwieweit die methodische Dichtotomie eine Transformation bereits antiker Traditionen darstellt, kann hier nicht thematisiert werden; in ihrer neuzeitlichen Erscheinungsform als Opposition von Rationalem und A-Rationalem — und damit in der Frage nach der Gültigkeit solcher Dichotomisierung — ist sie mittelbar Thema dieser Arbeit.Google Scholar
- 4.Dies ist natürlich eine Vereinfachung, deren heuristische Berechtigung die Arbeit nicht gänzlich einlösen können wird. Es geht lediglich darum, jenen semantikgeschichtlichen TransformationsprozeB zu verdeutlichen, der Grundlage und Medium des ästhetikgeschichtlichen Prozesses ist. Neben den Klassikern Bruno Markwardt. Geschichte der Deutschen Poetik. Bd. 1: Barock und frühe Aufklärung. Berlin/ Leipzig 1937; Bd. 2: Aufklärung, Rokoko, Sturm und Drang. Berlin 1956Google Scholar
- Alfred Bäumler. Das Irrationalitätsproblem in der Ästhetik und Logik des 18. Jahrhunderts bis zur Kritik der Urteilskraft. Mit einem Nachwort zum Neudruck. Darmstadt 21967; Heinrich von Stein. Die Entstehung der neueren Ästhetik. Stuttgart 1886 und Ernst Cassirer. Die Philosophie der Aufklärung. Tübingen 31973 sei an allgemeiner Literatur zunächst auf Hansen Sozialgeschichte der deutschen Literatur. Band 3: Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Revolution. Hrsg. v. Rolf Grimminger. München/ Wien 1980 und Hartmut Scheible. Wahrheit und Subjekt. Ästhetik im bürgerlichen Zeitalter. Reinbek 1988 verwiesen.Google Scholar
- 5.Die,Probleme der Klammer’ werden nur implizit thematisiert werden. Als Literatur sei auf Hasso Jaeger. Studien zur Frühgeschichte der Hermeneutik. In: Archiv f Begriffsgeschichte Bd. XVIII (1974); S. 35–84; UweJapp. Hermeneutik. Der theoretische Diskurs, die Literatur und die Konstruktion ihres Zusammenhanges in den philologischen Wissenschaften. München 1977; Peter Szondi. Einführung in die literarische Hermeneutik. Frankfurt a. M. 1975; Manfred Frank. Das individuelle Allgemeine. Textstrukturierung und -interpretation nach Schleiermacher. Frankfurt a. M. 1977 und natürlich auf Hans Georg Gadamer. Wahrheit und Methode. Tübingen 31972 verwiesen.Google Scholar
- 6.Auch die Anthropologie als quasi Naturwissenschaft des kultivierbaren Wesens ist hinzuzuziehen, fungiert der emphatische Naturbegriff in bezug auf den Menschen doch als,regulative Ideé und ist nur in dialektischer Opposition zum Kulturbegriff selbst zu fassen (vgl. Robert Spaemann. Genetisches zum Naturbegriff des 18. Jahrhunderts. In: Archiv f Begriffsgeschichte XI (1967), S. 59–74; denGoogle Scholar
- Art. ‚Natur’. In: Handbuch philosophischer Grundbegriffe. Hrsg. v. Hermann Krings, Hans Michael Baumgartner u. Christoph Wild. Bd. 4, München 1973 (im Folgenden zitiert als: HG), S. 956–969 sowie die Aufsätze in: Naturplan und VerfallskritikGoogle Scholar
- Zu Begriff und Geschichte der Kultur. Hrsg. v. Helmut Bracke t und Fritz Wefelmeyer. Frankfurt a. M.1984; Panajotis Kondylis. Die Aufklärung im Rahmen des neuzeitlichen Rationalismus. Stuttgart 1986, S. 342–356. Zur Geschichte der Anthropologie vgl. Michael Landmann. De Homme. Der Mensch im Spiegel seines Gedankens. Freiburg/München 1962; Sergio Moravia. Beobachtende Vernunft. Philosophie und Anthropologie in der Aufklärung. Frankfurt a. M. 1977; Odo Marquard Zur Geschichte des Begrifft,Anthropologie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. In: Ders. Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie. Frankfurt a. M. 1982, S. 121–144, bes. 126f; vgl. Niklas Luhmann. Frühneuzeitliche Anthropologie: Theorietechnische Lösung für ein Evolutionsproblem der Gesellschaft. In: Ders. Gesellschaftsstruktur, Bd. 1, S. 162–234. Auf den Begriff,Geisteswissenschaft’ wird hier bewußt verzichtet, da er zum einen in seiner historischen Konfiguration ein Produkt des zu beschreibenden Prozesses darstellt; zum anderen in seiner Genese — als Supplement, Säkularisierung und Transformation der Pneumatik (vgl. A. Diemer. Art.,Geisteswissenschaften` in: Hist. Wb.) — seinerseits genauer Untersuchung bedürfte.Google Scholar
- 7.Worauf die Hermeneutik lächelnd den Zirkel aus der Tasche zieht. Um kurz und vorgreifend zu antworten: die Konstatierung einer „Unaufhebbarkeit des Mißverständnisses“ (Georg Lukacs. Heidelberger Philosophie der Kunst. (Werke, Bd. 16) Darmstadt u. Neuwied 1974, S. 29) nicht nur in der Kunst, welche allenfalls in der „paradoxe[n] und einzigartige(n) Stellung des Kunstwerks, als des ewig gewordene[n) Mißverständniss[es]” (ebd., S. 37) eine gewisse Beruhigung finden kann, wird neidlos zugestanden. Doch ist sie ihrerseits Resultat eines Verständnisses von Verstehen, das mit seiner — ob einholbaren oder bloß regulativen — Forderung nach eineindeutiger Referenz der Begriffe und kommunikativer salva-veritateTransformation selbst rationale Semantik darstellt. Die Hermeneutik operiert mit zwei Voraussetzungen: Sie basiert zum einen auf der Simultaneität des Textes wie seiner Rezeption als eines Gebildes bzw. Vorgangs ohne zeitliche Extension; zum zweiten geht sie von einer Homogenität und Autonomie des textuellen Gebildes bzw. rezipierenden Bewußtseins aus. (D. h. sie geht von Text aus, nicht von Gespräch; Gespräch erscheint als Folge von Texten.) Die Unmöglichkeit des Verstehens ist die Unvermittelbarkeit zweier diskreter Gebilde. Beide, Konsistenz-wie Diskretheitsaxiom, werden hier bestritten (s. u.).Google Scholar
- 8.„Das Beywesenthliche muß nur als Medium, als Verknüpfung behandelt werden […)“ (Novalis. Schriften. Bd. 2: Das philosophische Werk I. Hrsg. v. Richard Samuel. Darmstadt 1965, S. 283; Fig. 633). Die Thematisierung des (vermeintlich) Marginalen und Ephemeren in der blassen Alltäglichkeit (vgl. a. a. O., S. 295, Fr. Nr. 662), fordert für die Betrachtung der Theorie ein, was auf materialer Ebene von Georg Simmel und in den zwanziger und dreißiger Jahren von Walther Benjamin, Sigfried Kracauer und Ludwig Hohl thematisiert wurde, was aber bereits, wie Günter Oesterle wiederholt aufgezeigt hat, zu den konstitutionslogischen Prinzipien romantischer Ästhetik gehört: Ernst-Nehmen der Alltäglichkeit und ihrer Sprache (vgl. bes.: Günter Oesterle. Arabeske und Roman. Eine poetikgeschicbtliche Rekonstruktion von Friedrich Schlegels,Brief über den Roman’. In: Studien zur Ästhetik und Literaturgeschichte der Kunstperiode. Hrsg. v. Dirk Grathoff (Gießener Arbeiten zur Neueren deutschen Literatur und Literaturwissenschaft, Bd. 1) Frankfurt a. M./Bern /New York 1985, S. 233–292).Google Scholar
- 9.Vierhaus summiert: „Ob man das 18. Jahrhundert unter personengeschichtlichem oder unter sozialgeschichtlichem Aspekt betrachtet, ob man seine politische Geschichte oder die Geschichte seiner Ideen und Institutionen untersucht — immer trifft man auf Vielfalt, Spannung, Gegensätzlichkeit.“ (Vierhaus, Deutschland. In: Aufklärung, Absolutismus, S. 176) Zu einzelnen Entwicklungen vgl. Wilhelm Treue. Wirtschaft, Gesellschaft und Technik vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Stuttgart 1974 (Gebhard!. Handbuch der deutschen Geschichte Bd 12); Michael Erbe. Deutsche Geschichte 1713–1790. Dualismus und Aufgeklärter Absolutismus. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1985; Günter Barudio. Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. 1648–1779 (Fischer Weltgeschichte Bd 25), Frankfurt a. M. 1981.Google Scholar
- 10.Vgl. Volker Press. Der Merkantilismus und die Städte. Einleitung zu: Städtewesen und Merkantilismus in Mitteleuropa. Hrsg. v. Volker Press. Köln/Wien 1983, S. 1–15; vgl. Reiner Wild. Stadtkultur, Bildungswesen und Aufklärungsgesellschaft. In: Hansers Sozialgeschichte, Bd. 3, S. 103–132; Treue, Wirtschaft, S. 150 u. 161ff.; Kopitzsch in: Aufklärung, Absolutismus, S. 28ff.; Rudolf Vierbaus. Ständewesen und Staatsverwaltung in Deutschland im späten 18. Jahrhundert. In: Ders., Deutschland, S. 33–49; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 202 ff. u. S. 225; Josef Kulischer. Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Bd. 2: Die Neuzeit. Darmstadt ‘1976 (Nachdruck Berlin/München 1929).Google Scholar
- 11.Vgl. Rolf Engelsing. Sozial-und Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Göttingen 1973, S. 84ff.Google Scholar
- 12.Zu Landwirtschaft und Bevölkerungsentwicklung vgl. Paul Bai roch. Die Landwirtschaft und die Industrielle Revolution 1700–1914. In: Europäische Wirtschaftsgeschichte. Hrsg. v. Carlo M. Cipolla; dt. hrsg. v. K Borchard. Bd 3: Die Industrielle Revolution. Stuttgart/ New York 1976 (im Folgenden zitiert als: EWg), S. 297–332; Christof Dipper. Deutsche Geschichte 1648–1789. Frankfurt a. M. 1991, S. 42ff u. 103ff.Google Scholar
- Engelsing, Sozialgeschichte, S. 100ff.; Treue, Wirtschaft, S. 134ff.; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 67ff. u. 159ffGoogle Scholar
- KieseUMünch, Gesell-schaft S. 18. Zur allgemeinen europäischen Entwicklung vgl. André Armengard. Die Bevölkerung Mitteleuropas von 1700–1914. In: EWg, S. 11–46; zur Bedeutung der Mode des Ländlichen vgl. Thomas Lange. Idyllische und exotische Sehnsucht. Formen bürgerlicher Nostalgie im Spiegel der Literatur des 18. Jahrhunderts. Kronberg/Taunus 1976.Google Scholar
- 13.Den Zusammenhang von ökonomisch-politischer Struktur und subjektiver Motivation be-, tonte Garve in einer 1786 in Breslau erschienenen Schrift,Über den Charakter der Bauern und ihr Verhältnis gegen den Gutsherren und die Regierung.’ (In: Christian Garve. Populärphilosophische Schriften über literarische, ästhetische und gesellschaftliche Gegenstände. Im Faksimiledruck hrsg. v. Kurt Wölfel. Bd. 2, Stuttgart 1974 (Nachdruck Breslau 1796), S. 799–1029.) Garve kommt zu dem Schluß: „Die Kunst, mit den Bauern umzugehen, ist vielleicht das schwerste Stück bei einer großen Landwirtschaft.“ Zur Entwicklung in Süddeutschland vgl. Wolfgang von Hippel. Die Bauernbefreiung im Königreich Württemberg. Boppard am Rhein 1977, bes. Bd. 1: Darstellung, S. 278ff.; zu Norddeutschland und zur Position des Adels vgl.: Christian Degn. Die Stellungnahme schleswig-holsteinischer Gutsbesitzer zur Bauernbefreiung. In: Staatsdienst und Menschlichkeit. Studien zur Adelskultur des spätem 18. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein und Dänemark. Hrsg. v. Christian Degn und Dieter Lohmeier. Neumünster 1980, S. 77–88 (vgl. auch Kiesel/Münch, Gesellschaft, S. 49Google Scholar
- Werner Conze. Art.,Bauer’ in: GG, Bd. 1, S. 407–439, bes. 415ff.; Treue, Wirtschaft, S. 138f.; Wehher, Gesellschaftsgeschichte, S. 71ff.; Dipper, Geschichte, S. 103f. u. Leonhard Bauer/Herbert Matis. Geburt der Neuzeit. München 1988, S. 126ff.Google Scholar
- 14.Das 18. Jahrhundert ist in Deutschland die Zeit der Expansion des Beamtenapparates, eigentlich jene seiner Entstehung als zentrales politisches Instrument (vgl. Hans Hattenhauer. Geschichte des Beamtentums. (Handbuch des öffentlichen Dienstes Bd. 1) Köln/Berlin e. a. 1980; Michael Stolleis. Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland. Erster Band: Reichspublizistik und Policeywissenschaft 1600–1800. München 1988.) Zunächst gegen die traditionelle Feudalpyramide gerichtet, bot die Beamtenkarriere Nichtadligen — und gerade,Kleinbürgern’ — beste Aufstiegschancen, doch waren Spitzenpositionen von Beginn an nur schwer — und oftmals nur durch Nobilitierung — zu erreichen; dabei eröffnet sich diese Möglichkeit vertikaler Mobilität primär in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, während danach eine Feudalisierung des Beamtenapparates einsetzt, so daß Reiner Wild von „Rearistokratisierung des absolutistischen Staates“ spricht (Wild, Stadtkultur, S. 106, vgl. Michael Stolleis. Grundzüge der Beamtenethik (1550–1650). In: Die Verwaltung, 13 (1980), S. 447–475, S. 457fGoogle Scholar
- Huber-tus Neuschâffer. Die Doppelrolle des Adels als Gutsbesitzer und Staatsdiener. In: Staatsdienst, S. 103–126Google Scholar
- Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 257ff.; Pikulik, Leistungsethik, S. 84ff.; Treue, Wirtschaft, 176ff.; Vierhaus, Deutschland in: Aufklärung, Absolutismus, S. 1791f.; Kiesel/Münch, Gesellschaft, S. 45ff.; dagegen: Dipper, Geschichte, S. 217).Google Scholar
- 15.Besonders in Preußen wird die Aufklärung des Adel institutionalisiert, da Bildung, in concreto: ein Studium — möglichst der von Friedrich Wilhelm I. an der Universität Halle eingerichteten Kameralwissenschaften — Voraussetzung zur Beamtenkarriere war. Pikulik spricht von „Verbürgerlichung von oben“ (Pikulik, Leistungsethik, S. 87) und konstatiert: „Für seine (Friedrich Wihelms I/L. S.) Ambitionen war ihm eine Bildungsbewegung wie die Aufklärung gerade recht.” (ebd.) Dabei kann in der Differenzierung zwischen staatstragender,Beamtenaufklärung` im Absolutismus und bürgerlicher Aufklärung die Quelle der Unterscheidung zwischen politisch-sozialem und Bildungsbürgertum (vgl. Pikulik, Leistungsethik, S. 91) und damit die Quelle jener,deutschen Misere’ gesehen werden, die Vierhaus prägnat faßt, wenn er konstatiert: „Die deutsche Aufklärung war nicht egalitär, sondern bildungsaristokratisch!“ (Vierhaus, Deutschland in: Aufklärung, Absolutismus, S. 188; vgl. Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 263f.) Zur,Verbürgerlichung’ des Adels vgl. Dieter Lohmeier. Der Edelmann als Bürger. Ober die Verbürgerlichung der Adelskultur im dà’nischon Gesamtstaat. In: Staatsdienst, S. 127–150; zur Veradligung des Bürgers vgl. Otto Brunner. Zwei Studien zum Verhältnis von Bürgertum und Adel. In: Ders. Neue Wege der Verfassungs-und Sozialgeschichte. Göttingen 1968, S. 242–280.Google Scholar
- 16.Siehe Anm. 1 u. bes. Pikulik, Leistungsethik, S. 127ff. Pikulik sieht das Bügertum als „nichts Einheitliches“ (a. a. 0., S. 68), aber auch als „nicht völlig Uneinheitliches (a. a. O., wendet sich aber vor allem gegen Positionen, die,Bürgerlichkeit’ mit den mentalen Dispositiv der,Empfindsamkeit’ identifizieren. (Vgl. auch Horst Möller. Vernunft und Kritik. Deutsche Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert. Frankfurt a. M. 1986, bes. S. 289ff.)Google Scholar
- 17.Vgl. Stolleis, Geschichte, S. 338ff.; Pikulik, Leistungsethik, S. 94ff.; Bauer/Matis, Geburt, S. 186ff. — freilich relativierend: S. 287.Google Scholar
- 18.Zum Absolutismus vgl. bes. die beiden Sammelbände Der aufgeklärte Absolutismus. Hrsg. v. Otmar Freiherr v. Aretin. Gütersloh 1974 und: Absolutismus. Hrsg. v. Walther Hubatscb. Darmstadt 1973. (Wege der Forschung Bd. CCCXIV) sowie Gerhard Oestreicb. Strukturprobleme des europäischen Absolutismus. In: Ders. Geist und Gestalt des frühmodernen Staates. Berlin 1967, S. 179–197Google Scholar
- Rudolf Vierbaus. Absolutismus. In: Ders., Deutschland, S. 63–83, bes. 78ff.; Beinhart Koselleck. Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt. Frankfurt a. M. 31979, 5. 11–32Google Scholar
- Hartmut Lehmann. Das Zeitalter des Absolutismus. Gotte:gnadentum und Kriegsnot. Stuttgart/Berlin e. a. 1980; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 218–232.Google Scholar
- Zum Souveränitätsbegriff: F. A. Von Der Heydte. Der Wandel des Souveränitätsbegriffs. In: Studium Generale 10,3 (1957), S. 166–172Google Scholar
- Horst Dreitzd. Protestantischer Aristotelismus und absoluter Staat. Die,Politica’ des Henning Arnisaeus (ca. 1575–1636). Wiesbaden 1970, S. 212–244; vgl. auch: Friedrich Pohlmann. Politische Herrschaftssysteme der Neuzeit. Opladen 1988, S. 27ff.Google Scholar
- Ernst Hinrichs. Das FürstenbildJean Bodins und die Krise der französischen Renaissancemonarchie. In: Ders. Ancien Régime und Revolution. Studien zur Verfassungsgeschichte Frankreichs zwischen 1589 und 1789. Frankfurt a. M. 1989, S. 9–29Google Scholar
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- Bauer/Matis, Geburt, S. 214ff. Zum VerbürokratisierungsprozeB der Herrschaft vgl. Hattenhauer, Beamtentum; Martin Albrow. Bürokratie. München 1972; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 254–267Google Scholar
- Dipper, Geschichte, S. 208–223; Treue, Wirtschaft, S. 176f.Google Scholar
- 19.Die Entwicklung der Familienstrukturen ist freilich ein komplexer, aus seinen sozialen und lokalen Parametern kaum zu generalisierender Sachverhalt. Über die neuere Forschung informiert: Winfried Freitag. Haushalt und Familie in traditionalen Gesellschaften. Konzepte, Probleme und Perspektiven der Forschung. In: Geschichte send Gesellschaft, 14,1 (1988):Google Scholar
- Lothar Pikulik beschreibt die Lösung aus den oikos und die Genese der Kleinfamilie mit ihrer Dialektik von Innerlichkeit und Öffentlichkeit als bewußte Strategie preußischer Beamtenbildung (Pikulik, Leistungsethik, S. 113ff.; Richard van Dülmen. Kultur und Alltag in der frühen Neuzeit. Bd. 1: Das Haus und seine Menschen. 16.-18. Jahrhundert. München 1990, bes. S. 229ff.)Google Scholar
- 20.Vgl. Wilfried Reininghaus. Gewerbe in der frühen Neuzeit. (Enzyklopädie deutscher Geschichte. Hrsg. v. Lothar Gall. Bd. 3) München 1990, S. 75–98; Dipper, Geschichte, S. 140ff.; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 90ff., bes. 118f.; Treue, Wirtschaft, 147ff.Google Scholar
- 21.Vgl. Barry Supple. Der Staat und die Industrielle Revolution 1700–1914. In: EWg,S. 195–231, hier: 202f.; daneben: Erbe, S. 29ff.; Treue, Wirtschaft, S. 148f.; Kiesel/Mönch, Gesellschaft, S. 371f.; Bauer/Matis, Geburt, S. 352ff.Google Scholar
- 22.Samuel Lilley kommt zu dem radikalen Schluß: „Die Anfänge der industriellen Revolution — annähernd bis 1800 — bestanden hauptsächlich im Gebrauch mittelalterlicher Verfahren, die man bis an ihre Grenze trieb. […) Der echte Bruch in der Entwicklung der Technik fand zu Beginn des Mittelalters statt, nicht im 18. Jahrhundert.“ (Samuel Lilley. Technischer Fortschritt und Industrielle Revolution 1700–1900. In: EWg, Bd. 3, S. 119–163; hier: S. 121f.) Wehler betrachtet die Vorreiterrolle von Bergbau und Hüttenwesen als Spezifikum der Industrialisierung in Deutschland (Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 101). Zur Vorgeschichte der Industrialisierung und zur Diskussion des sie bezeichnenden Begriffs der,Protoindustrie’: Wolfgang Mager. Protoindustrialisierung und Protoindustrie. Vom Nutzen und Nachteil zweier Konzepte. In: Geschichte und Gesellschaft, 14. (1988), 3: Sozialgeschichte in der Erweiterung. Hrsg. v. J. Kocka, S. 275–303; Peter Mathias. Wer entfesselte Prometheus? Naturwissenschaft und technischer Wandel von 1600–1800. In: Moderne Technikgeschichte. Hrsg. v. Karin Hausen und Reinhard Rürup. Köln 1975, S. 73–95; Klaus Mauersberger. Technik im Umfeld der Naturerkenntnis von Galilei bis Newton. In: Naturwissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert. Hrsg. v. Günter Wendel. Berlin 1989, S. 179–212; vgl. Reininghaus, Gewerbe, S. 75–91; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 97ff.; Bauer/Matis, Geburt, S. 277; Carlo M. Cipolla. Einleitung in: EWg, Bd 3, S. 1–10.Google Scholar
- 23.Jean Le Rond d’Alembert. Einleitung zur,Enzyklopädie’. Hrsg. v. Günther Mensching. Frankfurt a. M. 1989, S. 110. Nachdem er eine Topik der Beschreibung aufgestellt und die Verwendung von Zeichnungen erläutert hat (ebd.), faßt d’Alembert das Darstellungsverfahren der Enzyklopädie zusammen: „Es gibt Begriffe, die fast Allgemeingut sind und über die in den Köpfen größere Klarheit herrscht, als mit einer Besprechung erzielt werden könnte. Außer-dem sind uns manche Gegenstände so vertraut, daß die Anfertigung von Zeichnungen lächerlich wirken würde. Die Künste bieten ferner Gegenstände, die derart zusammengesetzt sind, daß ihre Darstellung nutzlos wäre. In den ersten beiden Fällen haben wir vorausgesetzt, daß unsere Leser nicht ganz des gesunden Menschenverstandes und einer gewissen Erfahrung ermangeln; im letzteren Fall verweisen wir auf den Gegenstand selbst. In allem haben wir nach einem goldenen Mittelweg getrachtet […J’ (a. a. O., S. 111). D’Alembert rechtfertigt die Verkürzung der Darstellung heuristisch, geht aber von einer grundlegenden, wenngleich nicht zu antizipierenden Systematizität der Phänomene und Gegenstände aus. (Vgl. a. a. O., S. 23ff; 30f. u. 87; vgl. Herbert Dieckmann. The concept of knowledge in the Encyclopédie. In: Ders. Studien zur europäischen Aufklärung. München 1974, S. 234–257.) Dieser,goldene Mittelweg’, eine Mischkalkulation zwischen falscher, i. e. situativer sprachlicher Praxis, die auf einem Lexikon von common-sense-Typen beruht, und einer Rubrizierung im idealen System repräsentativer Benennung, die auf nichts als atomaren Prädikaten und logischen Transformationen aufbaut, ist, wenngleich in anderer Perspektive, Thema dieser Arbeit. (Zur Verflechtung von Bildungs-und Besitzdenken vgl. Rudolf Vierhaus. Umrisse einer Sozialgeschichte der Gebildeten in Deutschland. In: Ders., Deutschland, S. 167–182; zur,Sprachlosigkeit der Unterschichten vgl. Rudolf Schenda. Orale und literarische Kommunikationsformen im Bereich von Analphabeten und Gebildeten im 17. Jahrhundert. In: Literatur und Volk im 17. Jahrhundert. Probleme populärer Kultur in Deutschland. Hrsg. v. Wolfgang Brückner, Peter Blickte und Dieter Breuer. Wolfenbüttel 1985, S. 477–464.)Google Scholar
- 24.Zu Buchproduktion, -distribution und -rezeption: Rolf Engelsing. Analphabetentum und Lektüre. Zur Sozialgeschichte des Lesens in Deutschland zwischen feudaler und industrieller Gesellschaft. Stuttgart 1973, bes. S. 42ff.Google Scholar
- Kiesel/Münch, Gesellschaft, S. 180ff. Da die Bedingungen der Genese und Formation der,Gutenberg Galaxis’ Thema dieser Arbeit sind, an dieser Stelle nur einige spezielle Literaturhinweise: Rudolf Stichweh. Der frühmoderne Staat und die europäische Universität. Zur Interaktion von Politik und Erziehungssystem im Prozeß ihrer Ausdifferenzierung (16.-18. Jahrhundert). Frankfurt a. M. 1991; Bernhard Fabian. Im Mittelpunkt der Bücherwelt. Ober Gelehrsamkeit und gelehrtes Schrifttum um 1750. In: Wissenschaft im Zeitalter der Aufklärung. Hrsg. v. Rudolf Vierbaus. Göttingen 1985, S. 249–274Google Scholar
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- Herbert Jaumann. Ratio clausa. Die Trennung von Erkenntnis und Kommunikation in gelehrten Abhandlungen zur Respublica literaria um 1700 und der europäische Kontext. In: Res Publica Literaria. Die Institutionen der Gelehrsamkeit in der frühen Neuzeit. Hrsg. v. Sebastian Neumeister und Conrad Wiedemann. (Wolfenbüttler Arbeiten zur Barockforschung, Bd. 14) Wiesbaden 1984, S. 399–429Google Scholar
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- 25.Vgl. Gerhard Michel. Die Welt als Schule. Ratke, Comenius und die didaktische Bewegung. Hannover /Dortmund e. a. 1978Google Scholar
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- Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 281ff. Carlo M. Cipolla. Einleitung in: EWg, Bd. 3, S. 9 resümiert lakonisch, in der Industriegesellschaft sei „kein Platz für Analphabeten“. Kardinal zur Psychogenese des Bürgers in der Pädagogik der Aufklärung: Christian Begemann. Furcht und Angst im Prozeß der Aufklärung. Zu Literatur und Bewußtseinsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Frankfurt a. M. 1987, bes. S. 165–255.Google Scholar
- 26.Als Negativbeispiele mögen die gescheiterten Reformen Josephs II in Österreich-Ungarn, das Steckenbleiben der Reformen Karl Theodors in Bayern und auch die Reform Dänemarks durch den Hamburger Arzt Struensee dienen; theorieloseren Projekten, wie z. B. die Reformen Friedrichs II, dessen Wirtschaftspolitik sich »jahrzehntelang im Stadium des Probierens befand“ (Treue, Wirtschaft, S. 180) und den physiokratisch inspirierten Reformen Markgraf Carl Friedrichs v. Baden, schien dagegen — wenn auch im Verzicht auf die,reine Lehre’ — mehr Erfolg beschieden (vgl. Günter Birtscb. Der Idealtyp des aufgeklärten Herrschers. Friedrich der Große, Karl Friedrich von Baden und Joseph II im Vergleich. In: Aufklärung 2.1 (19871, S. 9–48; Clemens Zimmermann.,Noth’ und,Theuerung` im badischen Unterland Reformkurs und Krisenmanagement unter dem aufgeklärten Absolutismus. In: Aufklärung, 2.1 (1987), S. 95–120Google Scholar
- Birger P. Priddat. Die Änderung der physiokratischen Konzeption 1775. Karl Friedrichs von Baden-Durlach,Abrégé und Pierre-Samuel Du Ponts de Nemours,Table raisonnée`. In: Aufklärung 2.2 (1988}, S. 113–134). Zum,Reformabsolutismus’, der den Begriff des,aufgeklärten Absolutimus’ teilweise verdrängt hat, vgl. die in Anm. 18 genannte Literatur, bes. Fritz Hartung. Der aufgeklärte Absolutismus. In: Der aufgeklärte Absolutismus, S. 54–73 und in: Absolutismus, S. 118–151 sowie in: Die Entstehung des modernen souveränen Staates. Hrsg. v. Hans Hubert Hofmann. Köln/ Berlin 1967Google Scholar
- Geraint Parry. Aufgeklärte Regierung und ihre Kritiker im Deutschland des 18. Jahrhunderts. In: Der Aufgeklärte Absolutismus, S. 163–181; daneben: Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 230ff.; Dipper, Geschichte, S. 223ff.Google Scholar
- 27.Vgl. Treue, Wirtschaft, S. 147ff., bes. S. 156 u. 162f.; Dipper, Geschichte, S. 153ff.; Weh-her, Gesellschaftsgeschichte, S. 90ff., bes. S. 109. Beredtes, wenn auch extremes Beispiel möglicher Karriere ist der Aufstieg des Leipziger Kaufmanns Heinrich Karl Schimmelmann. Im siebenjährigen Krieg durch Verkauf,eroberter’ sächsischer Luxusgüter und durch Getreidelieferungen an die preußische Armee zu Wohlstand gelangt und zum Geheimen Rat aufgestiegen, transferierte er sein Kapital in die sicherere Hansestadt Hamburg, ließ sich aber nicht dort, sondern in der zum schleswig-holsteinisch-dänischen Reichsgebiet gehörenden Konkurrenzgründung Altopa nieder und begann, sich im Staat unverzichtbar zu machen, indem er Güter des verschuldeten Adels und defizitäre Unternehmungen der Krone aufkaufte. 1761 wird er Generalkommerzintendant und Resident im niedersächsischen Kreis, ein Jahr später Freiherr, 1779 Graf. Mittlerweile ist er Chef der Schatzkammer, Deputierter des Kammerkollegiums, Mitglied der Finanz-und Handelskommision und Chef der Steuerdirektion — d. h. er kontrolliert die Staatsfinanzen. Als er 1782 stirbt, tritt sein Sohn Ernst die Nachfolge an. Die Epoche Schimmelmannscher,Herrschaft’ wird in der dänischen Geschichte,die glänzende’ genannt. (Vgl. Christian Degn. Die Schimmelmanns im atlantischen Dreieckshandel. Gewinn und Gewissen. Neumünster 1974; ders. Art.,Schimmelmannfamilie/ Heinrich Ernst Schimmelmann/Heinrich Carl Schimmerlmann’. In:Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck. Bd. 7, Neumünster 1985, S. 265–279.) Google Scholar
- 28.Friedrich Pohlmann interpretiert den Merkantilismus politisch als „Versuch, eine ökonomische Basis für das absolutistische Heer zu schaffen“ (Pohlmann, Herrschaftssysteme, S. 53); dessen Unterhaltung verschlang, wie Geoffrey Parker nachweist, einen Großteil des Staatsbudgets (vgl. Geoffrey Parker. Die militärische Revolution. Die Kriegskunst und der Aufstieg des Westens. Frankfurt a. M./New York 1990, S. 86ff). Die Strategien merkantilistischer Wirtschaftpolitik — nach Pohlmann: Unif zierung, Reglementierung und Privilegierung (Pohlmann, Herrschaftssysteme, S. 55) — dienten unmittelbar der Geldschöpfung und vermittelt der Errichtung eines Gewaltmonopols (vgl. a. a. O., S. 53). Dieses Interesse an einer Monetarisierung der Gesellschaft stiftet eine prekäre Koalition zwischen Krone und Handel, die sich gegen ständische Privilegien — feudale wie zünftige — richtet (vgl. Bauer/Matis, Geburt, S. 216ff.Google Scholar
- 29.Vgl. Albert O. Hirschmann. Leidenschaft und Interessen. Politische Begründung des Kapitalismus vor seinem Sieg. Frankfurt a. M. 1984. Hirschmann beschreibt die reflektorische Aufarbeitung eines Prozesses, der als praktischer, folgt man Rudolf zur Lippe, schon aus der italienischen Frührenaissance herreicht (vgl. Rudolf zur Lippe. Naturbeherrschung am Menschen. Körpererfahrung als Entfaltung ton Sinnen und Beziehungen in der Ära des italienischen Kaufmannskapitals. 2 Bde. Frankfurt a. M. 1974; vgl. auch: Henning Eichberg. Geometrie als barocke Verhaltensnorm. Fortifikation und Exerzitien. In: Zschr. f Hist. Forsch. 4 (1977), S. 17–50Google Scholar
- Bauer/Matis, Geburt, S. 232ff.). Zum Problembereich des von Gerhard Oestreich als,Sozialdisziplinierung’ bezeichneten Prozesses vgl. G. Oestreich. Strukturprobleme des europäischen Absolutismus. In: Derr., Geist, S. 179–197Google Scholar
- Gessinger, Sprache; Paul Mog. Ratio und Gefühlskultur. Studien zur Psychogenese und Literatur im 18. Jahrhundert. Tübingen 1967; Pikulik, Leistungsethik; Dipper, Geschichte, S. 202ff.Google Scholar
- 30.Johann Gottlieb Fichte. Der geschlossene Handelsstaat. Philosophischer Entwurf als Anhang zur Rechtslehre und Probe einer künftig zu liefernden Politik. Jena 1800. In: Fichtes Werke. Hrsg. v. Immanuel Hermann Fichte. Berlin 1845ff. (Nachdruck Berlin 1971), Bd. 3, S. 387–513; vgl. Bauer/Matis, Geburt, S. 276ff.Google Scholar
- Zur Etablierung eines staatsökonomischen Kalküls vgl. Michel Foucault. Die Ordnung der Dinge. Frankfurt a. M. 1971, S. 221 ff.Google Scholar
- Ernst Hinrichs. Produit Net, Propriétaire, Cultivateur. Aspekte des sozialen Wandels bei den Physiokraten und Turgot. In: Ders. Ancien Régime, S. 126–157Google Scholar
- Ulrich Muhlack. Physiokratie und Absolutismus in Frankreich und Deutschland. In: Zschr. f Hist. Forsch. 9 (1982), S. 15–46Google Scholar
- Diethelm Klippel. Der Einfluß der Physiokraten auf die Entwicklung der liberalen politischen Theorie in Deutschland. In: Der Staat, 23 (1984). S. 205–226Google Scholar
- Klaus Gerteis. Physiokratismus und aufgeklärte Reformpolitik. In: Aufklärung 2.1 (1987), S. 75–94Google Scholar
- Peter Bürger/Gerhard Leithäuser. Die Theorie der Physiokraten. Zum Problem der gesellschaftlichen Funktion wissenschaftlicher Theorien. In: Wolfenbüttler Studien zur Aufklärung, Bd. 3, S. 355–376; Bauer/Matis, Geburt, S. 268ff. u. bes. 271f. Zu den allgemeinen Voraussetzungen im Verwaltungssystem vgl. Donald Winch. Das Aufkommen der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft 1750–1870. In: EWg, Bd. 3, S. 333–378; Gabriella Valera. Statistik, Staatengeschichte, Geschichte im 18. Jahrhundert. In: Aufklärung und Geschichte. Studien zur deutschen Geschichtswissenschaft im 18. Jahrhundert. Hrsg. v. Hans Erich Bödeker, Georg G. Iggers e. a. Göttingen 1986, S. 119–143.Google Scholar
- 32.So stellt der Bankier und Kaufmann Richard Cantillion, auf den Quesnay und Mirabeau, aber auch noch Adam Smith Bezug nehmen, 1755 fest: „Ich habe schon bemerkt, daß eine Beschleunigung oder eine größere Geschwindigkeit des Geldumlaufs im Tauschverkehr bis zu einem gewissen Punkt wie eine Vermehrung des Bargelds wirkt.“ (Richard Cantillon. Essay sur la nature du commerce en géneral. (1755) Dt. als: Abhandlung über die Natur des Handels im allgemeinen. Mit einem Vorwort v. F. A. von Hayek. Jena 1931, S. 104; zitiert nach: Bauer/ Matis, Geburt, S. 295; vgl. Foucault, Ordnung, S. 211ff., bes. 234ff.; Bauer/Matis, Geburt, S. 249ff.; Kiesel/Münch, Gesellschaft, S. 311f.; Treue, Wirtschaft, S. 100ff.)Google Scholar
- 34.Zur physiokratischen Theorie, die nach dem Modell des Blutkreislaufs zum ersten Male ein geschlossenes Modell des Wirtschaftskreislaufs entwickelte vgl. Foucault, Ordnung, S. 241ff.; Hinrichs, Ancien Régime, a. a. O.; Bauer/Matis, Geburt, S. 282ff.; exemplarisch: Birger P. Priddat.,Wohldurchdachte Tafel der Prinzipien der politischen Ökonomie`. Übersetzung der,Table raisonnée des principes de l’économie politique’ des Pierre-Samuel Du Pont de Nemours (1775). In: Aufklärung 2.1 (1987), S. 125–148; vgl. Priddat, Änderung. Zum Modell eines sich selbst stabilisierenden Systems vgl. auch: Otto Mayr. Uhrwerk und Waage. Autorität, Freiheit und technische Systeme in der frühen Neuzeit. München 1987, S. 197ff.Google Scholar
- 39.Jean-Nicolas Guérineau de Saint-Péravy. Journal d’agriculture. Dezember 1765; zitiert nach: Foucault, Ordnung, S. 243; vgl. Bauer/Matis, Geburt, S. 288. Dem steht die Selbsteinschätzung des Kaufmanns gegenüber: Er versteht sich als reines Medium des Transfers. Vgl. Fernand Braude!. Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts. Bd. 2: Der Handel. München 1986 (zuerst Paris 1979).Google Scholar
- 40.Victor Riqueti, Comte de Mirabeau. Philosophie rurale. Amsterdam 1763, S. 8; zitiert nach: Foucault, Ordnung, S. 245.Google Scholar
- 44.„Man kann fast sagen,“ so Volker Press, „daß die sich formierende Territorialgewalt zugleich Autonomie und Finanzkraft der Städte aufsog.” (Press, Städtewesen, S. 3. Zur Formierung des Territoriums vgl. Gerhard Oestreich. Ständerum und Staatsbildung in Deutschland. In: Ders., Geist, S. 277–289; ders., Strukturprobleme; Dittmar Willoweit. Rechtsgrundlagen der Territorialgeschichte. Landesobrigkeit, Herrschaftsrechte und Territorium in der Rechtswissenschaft der Neuzeit. Köln/Wien 1975, bes. S. 274ff.) Dabei kam es zu territorialstaatlichen Konkurrenzgründungen in der Nachbarschaft freier Reichsstädte, deren Manufakturen zu den Produkten der städtischen Zünfte in Konkurrenz traten; überdies wurden durch Zollschranken den Reichsstädte der Zugang zu ihren traditionellen Märkten erschwert (vgl. Press, a. a. O., S. 12; zur Ökonomie der,Knappheit’ vgl. Niklas Luhmann. Knappheit, Geld und bürgerliche Gesellschaft. In: Jahrbuch für Sozialwissenschaften, Bd. 23 (19721, S. 186–210Google Scholar
- Günther Nonnenmacher. Die Ordnung der Gesellschaft. Mangel und Herrschaft in der politischen Philosophie der Neuzeit: Hobbes, Locke, Adam Smith, Rousseau. Weinheim 1989, S. 23ff. u. 841f.; Erbe, S. 39ff.).Google Scholar
- 45.Während des 18. Jahrhunderts existierten eigentlich zwei parallele Münzordnungen: eine je innerstaatliche, die dem Zugriff des Souveräns unterlag, und jene des,liberum commerci-um, die an den großen Handelsplätzen auf Messen durch die Bank-und Handelshäuser festgelegt wurden (vgl. Hans Mauersberg. Die Währungspolitik der großen deutschen Handelsstädte und der fürstliche Flächenstaat Mitteleuropas im Zeitalter des Absolutismus. In: Städtewesen, S. 15–29; hier: S. 20). Erste Münzabsprachen auf deutschem Boden gab es in Frankfurt a. M. bereits 1585; im 18. Jahrhundert erfolgten Umrechnungen zumeist nach dem Leipziger,Messtalei oder die Hamburger,Bankomark’ (vgl. a. a. O., S. 17, vgl. S. 22). Das Agio und Disagio, welches bei der Konvertierung auf gute bzw. schlechte Währungen erhoben wurde, war natürlich den staatlichen Finanzmanipulatoren ein Dorn im Auge. Dies führte im Falle Hamburgs soweit, daft die Freie Hansestadt massiv bedroht wurde und durch Garantien anderer europäischer Staaten gestützt werden mußte (vgl. a. a. O., S. 25f.; vgl. Bernd Sprenger. Das Geld der Deutschen. Geldgeschichte Deutschlands. Paderborn, 1991; sowie: Bertrand Gille. Bankwesen und Industrie in Europa 1730–1914. In: EWg, Bd 3, S. 165–194).Google Scholar
- 46.Erste Gründungen von Seehandelsgesellschaften erfolgten im 16. Jahrhundert; bereits im 17. ging man dazu über, das Risiko dieser kapitalintensiven Unternehmen durch Ausgabe von Aktien und Obligationen zu streuen, und so den Gesellschaften selbst zu größerer Beständigkeit zu verhelfen (vgl. Parker, Entstehung, S. 353ff.; Braudel, Handel, S. 475ff.). Das zersplitterte deutsche Reich hinkte auch auf diesem Gebiet hinterher, so daß selbst die 1772 gegründete preußische Seehandelsgesellschaft fast zur Gänze aus königlichem Kapital finanziert werden mußte (vgl. Treue, Wirtschaft, S. 171).Google Scholar
- 50.Vgl. Günther Buck. Selbsterhaltung und Historizität. In:Subjektivität und Selbsterhaltung. Hrsg. v. Hans Ebeling. Beiträgen zu einer Diagnose der Moderne. Frankfurt a. M. 1976,S. 208–302; zu Campe: vgl. Hilger/Hölscher,,Industrie, S. 260.Google Scholar
- 51.Friedrich Gedike. Über Berlin. Von einem Freunde. 18. Brief. In: Berlinische Monatsschrift. 1783–1796. Hrsg. v. Friedrich Gedike u. Johann Erich Biester. Nachdruck (Auswahl), hrsg. n Peter Weber Leipzig 1986, S. 68–74; hier: S. 72.Google Scholar
- 52.Im Sinne von: Michel Serres. Der Parasit. Frankfurt 2 1984.Google Scholar
- 53.Heinrich Philipp Sextroh. Über die Bildung der Jugend zur Industrie. Göttingen 1785, S. 35f. u. 37; zitiert nach: Hilger/Hölscher,,Industrie, S. 265.Google Scholar
- 54.Justus Moser. Patriotische Phantasien. Leipzig 1986, S. 128; vgl. dort die Krämer-Definition S. 18.Google Scholar
- 56.Mercier de la Rivière. L’ordre naturel. 1846, S. 55; zitiert nach: Bauer/Matis, Geburt, S. 286.Google Scholar
- 57.Zur kaufmännischen Mildtätigkeit und ihren Grenzen vgl. Martens, Botschaft, S. 318; Pikulik, Leistungsethik, bes. S. 160. Exemplarisch für den universellen Anspruch dieser Disposition kann die Charakteristik Gleims von Goethe stehen: „(E)in leidenschaftliches Wohlwollen lag seinem Charakter zugrunde, das er durch Wort und Tat wirksam zu machen suchte. Durch Rede und Schrift aufmunternd, ein allgemeines, rein menschliches Gefühl zu verbreiten bemüht, zeigte er sich, als Freund von jedermann, hülfreich dem Darbenden, armer Jugend aber besonders förderlich. Ihm, als guter Haushalter, scheint Wohltätigkeit die einzige Liebhaberei gewesen zu sein, auf die er seinen Überschuß verschwendet. (…) Alles jedoch zusammengenommen, muß man ihm den eigentlichsten Bürgersinn in jedem Betracht zugestehen; er ruhte als Mensch auf sich selbst, verwaltete ein bedeutendes öffentliches Amt und erwies sich übrigens gegen Stadt und Provinz und Königreich als Patriot, gegen deutsches Vaterland als echten Liberalen. Alles Revolutionäre dagegen {…) ist ihm hochlich verhaßt {…)“ U. W. Goethe. Werke. Hrsg. v. Erich Trunz e. a. {Hamburger Ausgabe} München ° 1974, Bd. 10, S. 488f.)Google Scholar
- 58.Die Überlegungen von Gellerts,Menschenfreund` — Philanthrop — zeigen deutlich, daß hinter der Mildtätigkeit nicht christliche Armutsideale oder vanitas-Motive stehen, sondern das Kalkül einer auf—freilich: beschränkter— Sozialität gegründeten Existenz: „Die Welt hat Recht genug zu meinem Wohlergehn./Was ich nicht selbst bedarf muß ihr zu Dienste stehn.“ (Johann Friedrich Gellert. Moralische Gedichte: Der Menschenfreund. In: Der,. Sämtliche Schriften. Bd. 2 {17641, Nachdruck Hildesheim 1968,Bd. 1, S. 7/Hervorhebung: L. S.) Wolfgang Martens faßt die Position der,Moralischen Wochenschriften’ folgendermaßen: „Der Rechtschaffene teilt, wo es not tut, großmütig von seinem Reichtum mit. Im Umgang mitGoogle Scholar
- Armen vorzüglich kann sich seine Tugend bewähren./Daß Wohltun dennoch mit Maß und Ziel erfolgen soll, unvernünftige Barmherzigkeit, allzu zärtliches Mitleid von Übel sein können, vergessen die Wochenschriften nicht zu erwähnen. Bedingungslose Mildtätigkeit ist nicht Sache des Vernünftigen.“ (Martens, Botschaft, S. 318Google Scholar
- Pikulik, Leistungsethik, S. 157) „Deswegen hat mir ja Gott Geld gegeben, daß ich anderen damit dienen soll.“ entschuldigt der Kaufmann Herrmann, ideale Elternfigur des erfolgreichen,Moralischen Elementarbuches’ des Philantrophen Salzmann, seinen Reichtum (Christian Gotthilf Salzmann. Moralisches Elementarbuch. Hrsg. v. Hubert Göbels. Nachdruck der Auflage von 1785. Dortmund 1980, S. 400; Google Scholar
- 61.„Ich habe aber mit Bedacht Besaget, daß ein Mann mit einer mittelmäßigen Schönheit könne zufrieden seyn. Denn gar zu schöne Weiber sind deren Nachstellungen unterworfen und deswegen caresiren sie ihre Männer nicht sonderlich, sondern wollen angebetet seyn. Eine mittelmäßig schöne Frau aber suchet dasjenige, so noch an ihrer Schönheit mangelt, durch caresiren zu ersetzen, und erwecket auch dem Manne nicht so viel Eifersucht.“ (Christoph August Heumann. Der politische Philosophies. Das ist vernunfftmaßige Anweisung zur Klugheit im gemeinen Leben. {Nachdruck Frankfurt/Leipzig 17241 Frankfurt a. M. 1972, S. 93f.; vgl. Pikulik, Leistungsethik, S. 106ff.; vgl. Günter Safle. Die aufgeklärte Familie. Untersuchungen zur Genese, Funktion und Realitätsbezogenbeit des familialen Wertsystems im Drama der Aufklärung. Tübingen 1988)Google Scholar
- 62.„Ein tummes Frauen-Zimmer, wenn es auch noch so schön und reich ist, ist einem Schafe gleich, welches ein güldenes Fell hat.“ (Heumann, Politischer Philosophus, S. 88.) Heumann empfiehlt,Temperamento melancholico-sanguineó, denn: „{…J wer also eine Frau bekömmet von diesem Temperament, der wird wohl wenig Ursach haben, sich zu beschweren, oder sich seines Kauffes gereuen zu lassen. […3 Denn beyde Temperamente halten gut haus, und sind auch in puncto sexti getreu.” (A. a. O., S. 89; vgl. 94ff.) Literatur zu der Rolle der Frau in der Aufklärung sowie zu den Themen Körper und Liebe in: Das Achtzehnte Jahrhundert. 14,2 (1990): Die Aufklärung und ihr Körper. Beiträge zur Leibesgeschichte im 18. Jahrhundert. Hrsg. v. Garsten Zelle.Google Scholar
- 63.Laut Heumann „muß ein Frauenzimmer gesund und stark seyn. Denn sonst bekömmet sie unfehlbar schwache und krankliche Kinder.“ (Heumann, Politischer Philosophus, S. 91f.). Doch empfiehlt sich Gesundheit nicht nur als Kriterium der generationenübergreifenden, sondern gleichermaßen als egoistische Investition: „So ist es auch ein elendes Thun um eine schwache und ungesunde Frau, indem sie ihre Schönheit vor der Zeit verlieret, und dem Manne mehr Sorgen, als Vergnügen machet.” (A. a. O., S. 92)Google Scholar
- 64.Vgl. Pikulik, Leistungsethik, S. 106f u. 152f. Eine knappe methodische Reduktion in der Aufklärung oft latenter Tendenzen des Frauenbildes bietet der Fichtesche,Grundriß des Familienrechts’ (Erster Anhang zu den,Grundlagen des Naturrechts nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre.’ {Zuerst: Jena /Leipzig 17961 In:Werke, Bd. 3, S. 304–368). Er gipfelt im Satz: „Im unverdorbenen Weibe äußert sich kein Geschlechtstrieb, sondern nur Liebe, und diese Liebe ist der Naturtrieb des Weibes, einen Mann zu befriedigen.“ (A. a.O., S. 311). Diese platonistische Metaphysizierung des Geschlechterverhältnisses aus der Perspektive patriarchalischer Herrschaft erkennt im Mann als Zeugendem das begriffssetzende, in der Frau als Empfangender hingegen ein rein materiales Prinzip: Wenn die Aufklärung sich,dem Weiblichen’ zuwendet, ist sie primär um funktionale Separatkodifierung des,anderen Geschlechts’ bemüht;,Identität’ wird ihr vom Mann zugewiesen.Google Scholar
- 65.Die vernünftige Tadlerin I,24; zitiert nach: Martens, Botschaft, S. 315; vgl. SaBe, Familie, S. 5–27. Doch gilt ebenso: „Wer also keine eigenen Mittel hat, und auch sonst keine starcke Hoffnung hat, reich zu werden, der chut weißlich, wenn er sich nach einer Person umsiehet, die jenes Philosophi Symbolum sich nicht zueignen kann: Omnia mea mecum porto. Und gewißlich, wenn ein Paar arme Leute einander heyrathen, so kann man ihnen das untrügliche Prognosticon aus der I. Corinth. VII,28 stellen: Sie werden leibliche Trübsal haben.“ (Heumann, Politischer Philosophus, S. 96f.)Google Scholar
- 66.In Anbetracht der im ersten Teil des Kapitels namhaft gemachten ökonomischen und sozialen Verhältnisse mag es geradezu als Charakeristikum der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erscheinen, daß die Propagierung und Durchsetzung des mentalen Habitus der Änderung realer Verhältnisse vorausgeht. Doch ist es genauso problematisch, die Exposition des Diskurses mit seiner gesellschaftlichen Etablierung gleich(zeitig)zusetzen, denn damit wäre wiederum die Existenz einer strukturell homogenen Episteme zugrundegelegt, und eine derartige,Universalkodifizierung’ der Gleichzeitigkeit ist, wie sich herausstellen wird, keineswegs selbstverständlich, sondern eben erst Resultat des hier in den Blick genommenen Prozesses. Zu konstatieren aber ist erstens, daß das rationale Denken eben diesen Anspruch nicht nur erhebt, sondern betreibt, indem es immer weitere Bereiche der Wirklichkeit in seinem Sprachspiel rekonstruiert; und zweitens, daß es bereits stark genug ist, die eigenen Normen als verbindlich für die Besetzung gesellschaftlicher Führungsund Multiplikatorenfunktionen durchzusetzen. Zum Wandlungsprozeß der Sprache bes. Eric A. Blackall. Die Entwicklung des Deutschen zur Literatursprache 1700–1775. Mit einem Bericht über neue Forschungsergebnisse 1955–1964 von Dieter Kimpel. Stuttgart 1966; vgl. auch Irmgard Weithase. Zur Geschichte der gesprochenen Sprache. 2 Bde., Tübingen 1961; sowie Gessinger, Sprache; Ursula Stötzer. Deutsche Redekunst im 17. und 18. Jahrhundert. Halle 1962. Google Scholar
- 67.Immanuel Kant. Werke A. Hrsg. von Wilhelm Weischedel. Frankfurt a. M. 1968, Bd. 9, S. 53; Zitat nach: Horaz, Episteln I,2,40. Wenn Kant einen quasi-aristokratischen Heroismus des Bürgers zur rationalen Objektivation des,Verstandes’ fordert, erkärt er das genuin a-personale Instrument des Verstandes zur persönlichen Aufgabe. Das praktische Problem der Aufklärung liegt jedoch darin, den Mut — neutraler formuliert: die personalen Bedingungen der Möglichkeit des Willen — zum Rationalen nicht nur zu finden, sondern zu bilden und zu vermitteln. Denn die suggerierte Preziosität des Verstandes, die diesen erst zum legitimen Objekt des Mutes werden läßt, muß zunächst plausibel erscheinen. (Vgl. Werner Schneiders. Die wahre Aufklärung. Zum Selbstverständnis der deutschen Aufklärung. Freiburg/München 1974, bes. S. 195ff.)Google Scholar
- 68.Zur Dialektik der Emanzipation siehe: Theodor W. Adorno/Max Horkheimer. Dialektik der Aufklärung. Frankfurt 1969; zur Internalisierung und der Antizipation von Handlungsketten Elias, Prozeß, Bd. 2, S. 336ff.; vgl. auch Rolf Grimminger. Die Ordnung das Chaos und die Kunst. Für eine neue Dialektik der Aufklärung. Frankfurt a. M. 1986. Google Scholar
- 69.Angesichts des ubiquitären Bemühens der Aufklärung um,Ordnung’ schreibt Grimminger: „Nicht erst in den Systemen’ des 20. Jahrhunderts ist das Subjekt,dezentriert’, nämlich an den Rand der Welt gedrückt, in deren Mitte sich institutionalisierte Regeln wie ein perpetuum mobile im Automatismus ihrer Selbsterzeugung bewegen, schon in den Ordnungssystemen des 18. Jahrhunderts ist das mindestens angestrebt.“ (Grimminger, Ordnung, S. 59; zur Nihilismusangst des Rationalismus und ihrer Manie, das Subjekt einer,objektiven’ Systematik zu verpflichten vgl. Kondylis, Aufklärung, S. 360). Dabei verdeckt die Verve der Grimmingerschen Formulierung ein Problem und markiert es in eins: Welche Logik und welches Interesse installierte diesen,Selbstläufer’? Wolfgang Hübener z. B. setzt die Geschichte der narzißtischen Kränkungen und der Dezentrierung des Subjekts weit früher, im Ausgang des Mittelalters an (vgl. Wolfgang Hübener. Der dreifache Tod des modernen Subjekts. In: Die Frage nach dem Subjekt. Hrsg. von M. Frank, G. Rattles a. W. van Reijen. Frankfurt a. M. 1988, S. 101–127). Im Renaissance-Kapitel wird eine Genealogie der intellektuellen Figur neuzeitlichen Denkens versucht werden, welche die Grimmingersche,Dezentrierung’ des Individuums vor dem System als Rettungsversuch und pragmatische Überwindung der Erfahrung semantischer Kontingenz deutet.Google Scholar
- 70.Pikulik, Leistungsethik, S. 147ff., bes. 153f.; vgl. Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit. Texte und Dokumente zur Entstehung der,bürgerlichen Tugenden’. Hrsg. v. Paul Münch. München 1984Google Scholar
- Vierhaus, Aufstieg. Zur Geselligkeit vgl. Claudia Schmölders. Die Kunst des Gesprächs. Texte zur Geschichte der europäischen Konversation. München 1979; Wolfgang Mauser. ‚Geselligkeit’. In: Aufklärung 4.1 (1989), S. 5–36Google Scholar
- Ernesto Grassi. Die Macht der Phantasie. Zur Geschichte des abendländischen Denkens. Königstein 1979, S. 217–232Google Scholar
- Zum Geselligkeitsbegriff der Frühaufklärung, der freilich kein Zivilisationsideal benennt, sondern ein der Sozialität vorausliegendes Prinzip eines,appetitus societatis’ schreibt W. Schneiders: „Geselligkeit bleibt im Naturrecht des 17. Jahrhunderts ein vieldeutiges und mißverständliches Prinzip. Bei Grotius meint sie ein natürliches Streben nach der Gesellschaft und eine natürliche Sorge um die Gesellschaft, bei Pufendorf nur ein gesellschaftlich diszipliniertes Verhalten, das dem natürlichen Egoismus abgefordert werden muß.“ (Werner Schneiders. Naturrecht und Liebesethik. Zur Geschichte der praktischen Philosophie im Hinblick auf Christian Thomasius. Hildesheim/New York 1971, S. 75; vgl.Google Scholar
- Hans M. Wolff. Die Weltanschauung der deutschen Aufklärung in geschichtlicher Entwicklung. Bern/München 21963, S. 34ff.). Daß derart verstandene Geselligkeit nur vernünftig sein kann, wird vorausgesetzt (vgl. Schneiders, Naturrecht, S. 75f.)Google Scholar
- Die Kultur der Geselligkeit ist jedoch in der Aufklärung immer schon ergänzt und,korrigiert’ durch Selbstreflexion in Einsamkeit (vgl. Hans Erich Bödeker. Aufklärung als Kommunikationsprozeß. In: Aufklärung, 2.2 (1987, S. 89–111, S. 94f.; zum semantischen Spiel zwischen Einsamkeit und Sozialität vgl. auch Kapitel 3). Im praktischen Gebrauch vereint der Begriff der,Geselligkeit’ drei differente Formen sozialer Zusammenkünfte: 1.) Den pragmatischen Interessenszusammenhang der Kaffeehäuser, Clubs und Lesegesellschaften (vgl. Richard van Dülmen. Die Gesellschaft der Aufklärer. Zur bürgerlichen Emanzipation und aufklärerischen Kultus in Deutschland. Frankfurt a. M. 1986Google Scholar
- Ulrich Im Hof Das gesellige Jahrhundert. Gesellschaft und Gesellschaften im Zeitalter der Aufklärung. München 1982Google Scholar
- Robert Galitz. Literarische Basisöffentlichkeit als politische Kraft. Frankfurt a. M./Bern/New York 1986; Habermas, Strukturmandel, S. 48ff.); 2.) die ideologische Interessenassoziation — die quasi den Begriff des Bürgers gegen die Verhältnisse erfahr-Google Scholar
- bar macht und dabei die Gefahr birgt, daß das,gegen’ Thema und Inhalt wird. Besonders sind hier die Freimaurer anzuführen (vgl. Freimaurer und Geheimbünde im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa. Hrsg. v. Helmut Reinalter. Frankfurt a. M. 1983; Aufklärung und Geheimgesellschaften. Zur politischen Funktion und Sozialstruktur der Freimaurerlogen im 18. Jahrhundert. Hrsg. v. Helmut Reinalter. München 1989; Manfred Agethen. Geheimbund und Utopie. Illuminaten, Freimaurer und deutsche Spätaufklärung. München 1987; sowie Koselleck, Kritik, 61ff.), aber auch der von Lepenies beschriebene Salon-Mechanismus, der aus dem Verlust politischer Wirkmöglichkeit ein kulturelles Kompensat zieht, wäre hier zu nennen (vgl. Wolf Lepenies. Melancholie und Gesellschaft. Frankfurt a. M. 1972). Dabei betont Lepenies das identitätsbildende Moment dieses vermeintlichen Rückzugs ins Unbelangbare: „Der Reflexionsaspekt der bürgerlichen Melancholie bedeutet keine Erscheinung der Ratio, sondern die Rückwendung der entmachteten Subjektivität auf sich selbst und der Versuch, aus der Handlungshemmung ein Mittel der Selbstbestätigung zu machen.“ (A. a. O., S. 199f.) Ähnliche mentale Strategien werden hier konstitutiv dem Kaufmannshabitus zugerechnet; 3.) schließlich affektische Assoziation in der,Seelengemeinschaft’. Ihre Gefahr liegt im Eskapismus supplementärer Scheinwirklichkeit. Aus dieser emotionalen Dialektik speist sich die Problematik der Empfindsamkeit (vgl. Gerhard von Graevenitz. Innerlichkeit und Öffentlichkeit. Aspekte deutscher,bürgerlicher` Literatur im frühen 18. Jahrhundert. In: DVjs 49 (1975), Sonderheft 18. Jahrhundert, S. 1–82; dagegen: Pikulik, Leistungsethik; vgl. auch Martens, Botschaft, S. 288ff.Google Scholar
- Doris Bachmann-Medick. Die ästhetische Ordnung des Handelns. Moralphilosophie und Ästhetik in der Popularphilosophie des 18. Jahrhunderts. Stuttgart 1989, bes. S. 56f.Google Scholar
- Nikolaus Wegmann. Diskurse der Empfindsamkeit. Zur Geschichte eines Gefühls in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Stuttgart 1988; vgl. Meyer-Krentler, Bürger; ders., Freundschaft).Google Scholar
- 71.Zu den Veränderungen des Tugendkatalogs und zu seinen Geltungsansprüchen vgl. Pikulik, Leistungsethik, S. 146ff. u. Paul Münch, Einleitung in: Ordnung, Fleiß und Sparsamkeit.Google Scholar
- 72.Freilich läuft die,säkulare’ Argumentation anders: „Gerade die Geringschätzung wirtschaftlichen Handelns führte, trotz mancher offensichtlicher Gegenbeweise, zu der Überzeugung, daß es unmöglich von großer Bedeutung für irgendeinen Bereich menschlichen Strebens sein könnte und ganz ungeeignet sei, Gutes oder Böses in größerem Umfang zu bewirken.“ (Hirschmann, Leidenschaft, S. 67 /Hervorhebungen im Orginal) Hirschmann sieht den Handel als Pazifizierung heroischer Tugenden. Günther Nonnenmacher hat gezeigt, daß der Pazifizierungseffekt und ein Arbeitsbegriff, der ehemals theologisch begründet war und jetzt aus der,uneasiness’ anthropologisiert ist, in der Philosophie Lockes amalgamiert und zur Grundlage liberaler Theorie werden (Nonnenmacher, Ordnung, S. 86f.). Das Problem der neuzeitlichen Auseinandersetzung zwischen (falschverstandenem) Stoizismus und Epikurismus wird in Kapitel 3 als semantisches Problem thematisiert werden.Google Scholar
- 73.Einen „halbeln1 oder Viertelstoicismus“ fordert ein unter dem sprechenden Pseudonym,Quietus’ schreibender Autor (vgl. Gerhard Souder. Empfindsamkeit. Bd. 1: Voraussetzungen und Elemente. Stuttgart 1974, S. 193ff; vgl. Begemann, Furcht, S. 94f.) Pikulik betont: „Einem Mißverständnis ist hier vorzubeugen. Es könnte scheinen, daß der Bürger die Affekte, ihres gefährlichen und störenden Einflusses in vielen Lebenslagen wegen, gänzlich auszuschalten trachtet. Dem ist keineswegs so. Auch wenn ihm das stoische Ideal der Gemütsruhe zusagt: unter,Ruhe’ versteht er doch dabei viel eher die Ausgeglichenheit als die Absenz von Gefühlen, mehr innere Harmonie als Apathie.” (Pikulik, Leistungsethik, S. 199). Freilich: Dies ist Apathie!Google Scholar
- 75.Vgl. Begemann, Furcht, S. 30ff. Zum antiken und neuzeitlichen Begriff im allgemeinen H. Ottmann. Art.,Maß’. I:,Maß als ethischer Begriff. 9: Neuzeit. In: Hirt. W6. faßt zusammen: „Die große Bedeutung, die dem Echos des Maßes in Antike und Mittelalter zugekommen war, wird in der Neuzeit durch den Autonomieanspruch des Subjekts zersetzt. […1 Wo die Tugend der Besonnenheit nicht im Kanon der Kardinaltugenden bewahrt wird, weitet sie sich wie bei Herder zur Sprache stiftenden,Besinnung’ (,Reflexion’) oder wie bei Schopenhauer zur Distanz des Intellekts gegenüber dem Willen und der Affektivität überhaupt, und damit fast zu einem anthropologischen Konstituens, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Ansonsten ist die neuzeitliche Rede vom Mali meist Erinnerung an die Griechen, […)“ (Vgl. Bachmann-Medick, Ordnung, S. 58ff.)Google Scholar
- 76.Für die Ästhetik der Aufklärung diagnostiziert Carsten Zelle: „Auf dem Hintergrund ehemaliger kalokagathischer Einheit führt die Feststellung, daß gerade das sittlich Böse ästhetisch gut sei, zugleich an die Grenze literarischer Aufklärung, und zwar in Hinsicht auf Theodizee, Menschenbild und operative, d. h. aufklärerische Kunstfunktion.“ (Carsten Zelle. Angenehmes Grauen. Literaturhistorische Beiträge zur Ästhetik des Schrecklichen im achtzehnten Jahrhundert. Hamburg 1987, S. 417) Dieser Niedergang des Kalokagathie-Ideals steht für Zelle in ursächlichem Zusammenhang mit der Exposition des Begriffs des Erhabenen (vgl. Anm. 81).Google Scholar
- 77.Das stilistische Ideal von,Natürlichkeit’ wird oft dem Rousseauschen Naturbegriff amalgamiert. Dies ist falsch, denn: „,Naturzustand’ ist der Titel für das labile Gleichgewicht, in dem die Konditionen der Existenz ihre Konstitution haben.“ (Buck, Selbsterhaltung, S. 272; vgl. Iring Fetscher. Kulturbegriff und Fortschrittskritik bei Jean-Jacques Rousseau. In: Naturplan und Verfallskritik, S. 46–68; vgl. Spaemann, Naturbegriff) Dagegen stellt Paul Mog fest: „Die,Natürlichkeit’ des neuen Subjektivismus ist ein,Spätprodukt’ […} der bürgerlichen und höfischen Zivilisation und formiert sich als Gegenposition zu deren Realitätsprinzip.” (Mog, Ratio, S. 93)Google Scholar
- 78.Vgl. Pikulik, Leistungsethik, S. 134ff.; Begemann, Furcht, S. 29ff.; vgl. Conze,,Arbeit’ (vgl. Kapitel 3, Anm. 25).Google Scholar
- 79.Vgl. Zelle, Grauen, S. 372; Richard Alewyn. Die Lust an der Angst. In: Derr. Probleme und Gestalten. Essays. Frankfurt a. M. 1974, S. 307–330.Google Scholar
- 80.Vgl. Theodor W. Adorno. Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen. Frankfurt a. M. 1974; Michail Bachtin. Die Ästhetik des Wortes. Hrsg. v. Rainer Grübel. Frankfurt a. M. 1979, S. 276f; Heinz Otto Burger. Die Geschichte der unvergniigten Seele. In: DVjs 34 (1960), S. 1–20, hier: S. 17, Anm. 14.Google Scholar
- 81.Zur Sekuritätsposicion, ihrer Bedeutung für die Ästhetik der Aufklärung und ihrer Tradition vgl. Zelle, Grauen, S. 363ff. u. 417; Hans Blumenberg. Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt a. M. 1979, bes. S. 28ff.Google Scholar
- Begemann, Furcht, S. 126ff.; Joachim Ritter. Landschaft. In: Derr. Subjektivität. 6 Aufsätze. Frankfurt a. M. 1974. Erst die Sekuritätsposition ermöglicht für Zelle eine Ästhetik des Erhabenen im a-rhetorischen, d. h. aus der Sprache ins Gegenständliche projizierten Sinn, denn: „zum relativierten Schrecken gehört ein gewisser Grad an Kultur“ (Zelle, Grauen, S. 372). Das Erhabene usurpiert mit seiner immanenten Dialektik von Schrecken und ästhetischem Gefallen die Position des Schönen als Ideal ästhetischer Attraktion: „Die durch den heftigen Affekt des angenehmen Schreckens ausgezeichnete neue Kategorie des Erhabenen trat seit Ende des 17. Jahrhunderts zunehmend mit dem Wert der Schönheit in Konkurrenz.” (A. a. O., S. 417) — und gewann.Google Scholar
- 84.Zelle stellt fest, daß in der „Topologie des Mathematisch-Erhabenen sich verstärkt seit Mitte des 18. Jahrhunderts die Erfahrungen von Gipfel-, Himmel-und Meeresblick konkretisiert hatten.“ (Zelle, Grauen, XXVI) Die Bedeutung des Mathematisch-Erhabenen in der rationalen Wirkungsästhetik wird in Kapitel 5 erötert werden. Vgl. auch Begemann, Furcht, S. 113ff. u. 297.Google Scholar
- 85.Vgl. Begemann, Furcht, S. 261ff.; Grassi, Phantasie, bes. S. 184ff.; Hans Peter Herrmann. Naturnachahmung und Einbildungskraft. Zur Entwicklung der deutschen Poetik von 1670 bis 1740. Bad Homburg/Berlin/Zürich 1970, S. 81–91. Interessant ist die Tatsache, daß Harsdörffer den Begriff,Phantasie’ mit,Bildungskraft’ übersetzt, dieser jedoch schließlich von der Comeniusschen Prägung,Einbildungskraft’ abgelöst wird (Comenius, Janua linguarum, XXVII, S. 343. Vgl. Herrmann, Naturnachahmung, S. 88f.). Leider bricht der Artikel,Phantasie’ des Hist. Wb. in der Renaissance ab; der weiterführende Artikel,Einbildungskraft’ wiederum rekapituliert — Phantasie und Einbildungskraft schlicht identifizierend — kurz die antike Tradition, um dann mit dem rationalen, paradigmatisch kantianischen Bergriff weiter zu operieren. Der interessante Aspekt: die Transformation der,Phantasie’ in,Einbildungskraft bleibt dabei ausgespart.Google Scholar
- 86.Hinter aller kulturellen Verstellung muß nun ein,sentiment de ‘l existence’ dem Subjekt eine quasi-naturale, kulturtranszendente Fundierung liefern (vgl. Mog, Ratio, S. 79ff.). Doch wie Rousseau erkennt, führt die Negation des Kulturellen nicht zu einer natürlichen Sozialität, sondern bedroht die Identität des Subjekts. Mog resümiert: „Die,natürliche Existenz’, die aus der bürgerlichen Selbstentfremdung zur Wesensidentität führen sollte, droht in der Bewußtlosigkeit zu verlöschen, die von der zivilisatorischen Selbstbehauptung befreite Natur ruft nicht zur,vie humaine’, sondern verlockt zu seiner Preisgabe, zum totalen Selbstverlust.“ (A. a. O., S. 89)Google Scholar
- 87.Zur Rousseauschen Methode vgl. Jörg Rubloff.Jean Jacques Rousseau. In:Pädagogisches Denken von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. v. Wolfgang Fischer und Dieter Jügen Löwisch. Darmstadt 1989, S. 93–109. Google Scholar
- 88.Reni Descartes. (Eueres. Publiles par Charles Adam & Paul Tannery. (Im Folgenden zitiert als: AT) Vol. VI: Discours de la Methode & Essais Nouvelle Présentation. Paris 1965, S. 62.Google Scholar
- 89.So Diderot im Enzyklopädie- Artikel,Conservation’; zitiert nach: Buck, Selbsterhaltung, S. 260; ähnlich auch: d’Holbach, Voltaire und Morelly; vgl. a. a. O., S. 263.Google Scholar
- 90.Zur Erziehungsbedürftigkeit der Aufklärung in ihrem Selbstverständnis vgl. Rudolf Vierbaus. Aufklärung als Lernprozefß. In:Ders., Deutschland, S. 84–95, hier: S. 86; vgl. ders.,Art. ‚Bildung’, in:GG., Bd. 1, S. 508–551 Google Scholar
- Möller, Vernunft, S. 110ff. Friedrich Paulsen bezeichnet die Aufklärung als „das Zeitalter der größten und erfolgreichsten Reformbestrebungen im Gebiet der Erziehung und des Schulwesens“ (Friedrich Paulsen. Aufklärung und Aufklärungspädagogik. In:Aufklärung Absolutismus, S. 275–293, hier. S. 275). Ihr pädagogisches Verfahren liegt, so Paulsen, in einer „naturgemäße[n) Erziehung des Willens” (a. a. O., S. 286), wobei freilich der Wille immer ein Wille-zur-Vernunft zu sein hat: „Die allgemeinsten Umrisse des neuen Weges, wie ihn die Aufklärung sucht, kann man nun so formulieren: durch die Anschauung zum Begriff, dutch den Begriff zum System.“ (A. a. O., S. 285f.; vgl. Ulrich Herrmann. Erziehung und Unterricht als Politician. Kontroversen über erhoffte und befürchtete Wechselwirkungen von Politik und Pädagogik im ausgehenden 18. Jahrhundert in Deutschland. In: Aufklärung als Politisierung — Politisierung der Aufklärung. Hrsg. v. Hans Erich Bödeker u. Ulrich Herrmann. Hamburg 1987, S. 53–71.)Google Scholar
- 91.Zum Begriff der Kontrollvernunft vgl. Odo Marquard. Skeptische Methode im Blick auf Kant. Freiburg/München 1958; ders. Kant und die Wende zur Ästhetik. In: ders. Ästhetica und Anästhetica.Paderborn/München/Wien/ Zürich, S. 21–35 (zuerst in: Zschr. f phil. Forsch. 16 09621, S. 231–243 u. 363–374).Google Scholar
- 93.Für das Wissenschaftsverständnis paradigmatisch ist: Jürgen Mittelstraff. Neuzeit und Aufklärung. Studien zur Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft und Philosophie. Berlin 1970. Zur Diskussion um die Bedeutung und Leistungsfähigkeit der Technik vgl. Mathias, Prometheus.Google Scholar
- 95.Die Konzeption des autonomen Subjekts und die Entwicklung einer — jetzt freilich mathematisch-logischen, ehemals,reinen’ — Grammatik hat schon in der antiken Stoa einen Konvergenzpunkt. Wenn Hans Erich Bödeker das Kommunikationsideal der Aufklärung beschreibt, formuliert er gleichzeitig — ohne in Folgenden darauf explizit einzugehen — die Interdependenz von autonomer Subjektivität und kommunikativer Normativität: „Kommunikation wurde begriffen als Ensemble von Interaktionsprozessen: Individuelle Erfahrungen wurden kollektiv auf ihre Ähnlichkeit hin überprüft und ausgetauscht; diese Erfahrungen wurden in Erklärungssysteme eingeordnet, neue Interessen artikuliert, neue Ideen diskutiert und verbreitet. Und Kommunikation setzte eine ausgebildete Sprache und die Existenz dialogischer Beziehungen voraus. Sie begünstigte zugleich die Idee des Austausches: die schroffe Entgegensetzung von Charakteren und Meinungen mußte zum Abbruch der Kommunikation führen.“ (Bödeker, Aufklärung, S. 89) Zur Grammatik vgl. Wilhelm Killer. Philosophie der Grammatik. Vom Sinn grammatischen Wissens. Stuttgart 1988.Google Scholar
- 97.Zur Vorurteilskritik vgl. bes. Werner Schneiders. Aufklärung und Vorurteilskritik. Studien zur Geschichte der Vorurteilstheorie. Stuttgart-Bad Cannstatt 1983.Google Scholar
- 98.Marc Bloch charakterisiert den Feudalismus als „System der abgestuften Abhängigkeit“ (Marc Bloch. Die Feudalgesellschaft. Frankfurt a. M./Berlin/Wien 1982 (zuerst Paris 1939), S. 529; vgl. auch: Otto Brunner. Art. ‚Feudalismus’. In: GG, Bd. II, S. 337–350.): „In der Feudalgesellschaft stellte das Verhältnis der Unterordnung unter den nächsten Führer die charakteristische Verbindung zwischen den Menschen dar. Von Stufe zu Stufe verbanden die so geknüpften Bande wie so viele unendlich sich verzweigende Ketten die größten mit den kleinsten.” (A. a. O., S. 528; vgl. auch Patricia Crone. Die vorindustrielle Gesellschaft. Eine Strukturanalyse. München 1992)Google Scholar
- 101.Die Frage, wann ökonomisches Handeln in marktwirtschaftlichem Sinne entstand, ob, wie Polany meint, erst in der Neuzeit und mit dem Liberalismus (vgl. Karl Polany. The Great Transformation. Frankfurt a. M. 1978) oder bereits bei den Sophisten des antiken Griechenland, wie Josef Wieland behauptet (vgl. Josef Wieland. Die Entdeckung der Ökonomie. Kategorien Gegenstandsbereiche und Rationalitätstypen der Ökonomie an ihrem Ursprung. Bern/Stuttgart 1989) kann hier nicht entschieden werden. Von Bedeutung ist einzig die Differenz zwischen der Subsistenzwirtschaft des oikos (vgl. Otto Brunner. Die alteuropäische Ökonomik. In: Neue Wege der Verfassungs-und Sozialgeschichte, S. 103–127) und der von Aristoteles Chrematistik genannten, einzig auf Gewinn abzielenden Erwerbskunst (vgl. Peter Koslowski. Haus und Geld. Zur aristotelischen Unterschiedung von Politik, Ökonomik und Chrematistik. In: Phil. Jb. 86 {1979}, S. 60–83). Unter,Konsumption’ wird auch der Erwerb von Gerätschaften verstanden, sofern diese präferenziell zur Subsistenzsicherung verwendet werden. „Der Bauer, der regelmäßig einen Teil seiner Ernte verkauft und dafür Werkzeug und Kleidung ersteht, ist seinerseits bereits Bestandteil des Marktes. Wenn er jedoch den Marktflecken nur betritt, um einige wenige Waren wie Eier und Federvieh zu verkaufen und mit dem Geld seine Steuern oder einen Pflug zu bezahlen, so hat er allenfalls die Grenzen des Marktes berührt. Im Grunde bleibt er in der Welt der Selbstversorgung.“ (Fernand Braudel. Die Dynamik des Kapitalismus. Stuttgart 1986, S. 24) Zur Kodifizierung des Handelsrechts vgl. Helmut Coing. Europäisches Privatrecht. Bd. 1: Älteres Gemeines Recht (1500–1800). München 1985. S. 519ff.Google Scholar
- 102.Max Weber beschreibt den Tausch als materialen Agon: „Aller Tausch beruht auf dem (formell) friedlichen Kampf zwischen Mensch und Mensch, auf Preiskampf, Feilschen (mit dem Tauschpartner) und eventuell auf Konkurrenz (gegen den von gleicher Tauschabsicht Getriebenen) und strebt einem Kompromiß zu, das (!) diesen Kampf zugunsten eines oder mehrerer Beteiligter abschließt.“ (Max Weber. Wirtschaftsgeschichte. Abriß einer universalen Sozial- und Wirtscbaftgeschichte. Aus den nachgelassenen Vorlesungen hrsg. v. S. Hellmann und M. Palyi. Berlin 3 1958, S. 4/Hervorhebungen im Orginal)Google Scholar
- 103.Jede Unterscheidung zwischen wahren und falschen Bedürfnissen basiert auf einer hypostasierten Theorie des Subjekts und seiner Wirklichkeit; da hier Theorie selbst als System begrifflicher Werte und insofern als Modus eines kaufmännischen Habitus interpretiert wird, wäre eine solche Differenzierung methodisches hysteron-proteron. (Vgl. Müller,,Bedürfnis`; Giorgio Baratta/Andrea Cattone. Art.,Bedürfnis`, II: Zur Entstehung und Entwicklung eines gesellschaftlichen Bedürfnisbegriff. In: Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften. Hrsg. v. Hans Jörg Sandkühler. Hamburg 1990 [im Folgenden zitiert als: EE), Bd. 1, S. 343–354.) Google Scholar
- 105.Zur Infrastruktur vgl. Dipper, Geschichte, S. 168–183; vgl. auch: Herrmann Kellenbenz. Wirtschaft und Gesellschaft Europas 1350–1650. In: Ders. (Hrsg.) Europäische Wirtschafts-und Sozialgeschichte vom ausgehenden Mittelalter bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. (Handbuch der europäischen Wirtschafts-und Sozialgeschichte, Bd. 3) Stuttgart 1986, S. 285–302Google Scholar
- Ernst Schilly. Verkehrs-und Nachrichtenwesen. In: Verwaltungsgeschichte, Bd. 1, S. 448–467; Klaus Gerteis. Das „Postkutschenzeitalter“. Bedingungen der Kommunikation im 18. Jahrhundert. In: Aufklärung, 4.1 (1989), S. 55–78.Google Scholar
- 114.Zwar können die Kaufmannsassoziationen auf seit der Antike herreichende Tradition zurückblicken, aber für das Territorium besonders des rückständigen deutsches Reiches gilt, „daß die binnenwirtschaftlichen Verflechtungen namentlich im 18. Jahrhundert enorm zunahmen.“ (Dipper, Geschichte, S. 176; vgl. Braudel, Handel, bes. S. 437ff.) Die quantitative Zunahme hatte, wie Dipper betont, einen qualitativen Effekt, der freilich erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts — mit der Etablierung der Zollunion — bleibende strukturpolitische Folgen zeitigte: „Neben die von den Gebildeten repräsentierte Kulturnation trat die Handelsnation der Kaufleute.’ (A. a. 0., S. 177; vgl. Treue, Wirtschaft, S. 105)Google Scholar
- 115.Eine qualitative Skizze dieses Prozesses liefert Klaus Laermann. Raumerfahrung und Erfahrungsraum. In: Reise und Utopie. Hrsg. v. Hans,Jürgen Piechotta. Frankfurt a. M. 1976, S. 57–97.Google Scholar
- 116.Zur Kodifizierung des Blicks vgl. allg. Hans Blumenberg. Der Prozeß der theoretischen Neugierde. (Die Legitimität der Neuzeit Bd. 3) Frankfurt a. M. 1973; spezieller: Ruppert, Wandel, S. 104–151 u. 175ff.Google Scholar
- 117.„Die Entscheidung darüber, welche Alternative bei Geschäften als die,nützlichere einzuschätzen sei, setzte rationales Erfassen und spekulative Kalkulation voraus. Dazu bedurfte der Kaufmann allgemeiner Kenntnisse, der sicheren und stilistisch geformten Beherrschung des mündlichen und schriftlichen Ausdrucks, eines Orientierungswissens und vor allem schneller und gesicherter Informationen.“ (Ruppert, Wandel, S. 193) Die hier von Ruppert mit leichter Hand skizzierten Möglichkeitsbedingungen einer sicheren Kalkulation bedeuten in praxe, wie gezeigt werden soll, einen umfassenden Umbau der gesellschaftlichen und damit mentalen Wirklichkeit (vgl. Anm. 105).Google Scholar
- 128.Aus der systematischen Notwendigkeit, eine trans-sprachliche Letztbegründung der Sprache zu finden, speist sich die aufklärerische Diskussion um den Sprachursprung. (Vgl. Theorien vom Ursprung der Sprache. Hrsg. v. Joachim Gessinger und Wolfert von Randen. 2 Bde. Berlin l New York 1989; Arno Borst. Der Turmbau von Babel. Geschichte der Meinungen über Ursprung und Vielfalt der Sprachen und Völker. 4 Bde., Stuttgart 1957–63, bes. 3.2, S. 1395–1520: Aufklärung und ApologetikGoogle Scholar
- Bruno Liebrucks. Sprache und Bewußtsein. Bd.1: Einleitung. Spannweite des Problems: Von den undialektischen Gebilden zu dialektischen Bewegungen. Frankfurt 1964.)Google Scholar
- 129.Daß sich jeder Dialog — zwischen Subjekten wie zwischen Subjekten und Texten — als,Sprachenpolitik’ beschreiben läßt, ist Voraussetzung dieser Arbeit. Zur Sprachenpolitik der Aufklärung im Besonderen vgl. Blackall, Entwicklung (bes. auch das aktualisierte Literaturverzeichnis); Gunter E. Grimm. Literatur und Gelehrtentum in Deutschland. Untersuchungen zum Wandel ihres Verständnisses vom Humanismus bis zur Frühaufklärung. Tübingen 1983, bes. 375ff. u. 603ff.Google Scholar
- Rudolf Vierhaus. Politisches Bewußtsein in Deutschland vor 1789. In: Ders., Deutschland, S. 183–201, bes. 1011f.; exemplarisch bei Kant: Hölscher, Öffentlichkeit, S. 101ff.Google Scholar
- 131.Gottfried Wilhelm Leibniz. Ermahnung an die Teutsche, ihren Verstand und ihre Sprache besser zu üben. In: Ders. Sämtliche Schriften und Briefe. Hrsg. v. der Preussischen Akademie der Wissenschaften. Darmstadt 1923ff. (Nachdruck Berlin 1970ff.) Im Folgenden zitiert als: SS. 4. Reihe: Politische Schriften. Bd. 3: Berlin 1986, S. 795–820. Nicht mit Siglen gekennzeichnete Zahlen im Text beziehen sich auf diese Ausgabe.Google Scholar
- 132.Zum Schriftbegriff Leibniz’ vgl. Rita Widmaier. Die Rolle der Schrift in Leibniz’ Zeichentheorie. Wiesbaden 1983; vgl. Leibniz Bibliographie. Die Literatur über Leibniz bis 1980. Begründet v. Kurt Müller. Hrsg. v. Albert Heinekamp. Frankfurt a. M. 1984, S. 307–317; Hans Aarsleff The Eighteenth Century, Including Leibniz. In: Current frends of Linguistics. Ed. by Thomas A. Sebeok. Vol. 13: Historiography of Linguistics. The Hague/ Paris 1975, S. 385–410. Zum topischenGoogle Scholar
- Sprachdenken im Allgemeinen vgl. Wilhelm Schmidt-Biggemann. Topica universales. Eine Modellgeschichte humanistischer und barocker Wissenschaft. Hamburg 1983; am Beispiel: Franz Hundsnurscher. Das Problem der Bedeutung bei Justus Georg Schottelius. In: Sprache und Recht. Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters. Festschrift für Ruth Schmidt-Wiegand zum 60. Geburtstag. Hrsg. v. K. Hauck, K. Koerschell e. a. Bd. 1: Berlin/New York 1986, S. 305–320.Google Scholar
- 134.),Bürgerlich’ ist als struktureller, nicht als soziologischer Begriff zu verstehen; hier zeigt sich der standesübergreifende Ansatz bürgerlicher Öffentlichkeit, welcher soziologische Rubrizierung tendenziell unmöglich macht und ein normatives Dispositiv intellektueller wie habitueller Selbst-Affirmation erstellt, das gerade durch den Verzicht auf eindeutige Rubrizierung in sozialen Funktionskategorien sein spezifisches Profil und seine Integrationsfunktion gewinnt. Freilich treibt es seinerseits eine neue Dichotomie hervor, die Engelsing nicht nur konstatiert, sondern affirmiert, wenn er ausführt: „Ausnahmen abgerechnet gabeln sich nämlich im 18. Jahrhundert Lesergeschichte des Großbürgertums und Volkskunde der Lektüre des Kleinbürgertums und der Unterschicht.“ (Rolf Engelsing. Der Bürger als Leser. Lesergeschichte in Deutschland 1500–1800. Stuttgart 1974, S. 340; zum Publikum vgl. Kiesel/ Münch, Gesellschaft, S. 161ff.)Google Scholar
- 136.Exemplarisch zum Übergang von feudaler Präsentation zum rationalen Machtkalkül vgl. Peter Burke. Die Renaissance in Italien. Sozialgeschichte einer Kultur zwischen Tradition und Erfindung. Berlin 1984, S.207ff., bes. 210.Google Scholar
- 144.„Die Kritik ist nicht dem dogmatischen Verfahren der Vernunft in ihrem (!) reinen Erkenntnis, als Wissenschaft, entgegengesetzt (denn diese muß jederzeit dogmatisch, d. i. aus sicheren Prinzipien a priori strenge beweisend sein), sondern dem Dogmatismus {…3“ (Kant, KrV, All; vgl. Schneiders, Aufklärung, S. 52ff.; Koselleck, Kritik, bes. S. 84ff. u. 196ff.; Herrmann Lübbe. Philosophie als Aufklärung. In: Rehabilitierung der praktischen Philosophie. Bd. 1: Gehalte, Probleme, Aufgaben. Hrsg. v. Manfred Riedel. Freiburg 1972, S. 243–265, bes. S. 249)Google Scholar
- 147.G.W. Leibniz. Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Übers., eingel, u. erl. von Ernst Cassirer. Hamburg 1971 (im Folgenden zitiert als: NE), S. 84.Google Scholar
- 154.Trotz aller Anstrengungen kommt Michael Stürmer zu dem Schluß: „Der frühmoderne Staat, den man schon im 18. Jahrhundert den absoluten Staat zu nennen begann, war — wie immer Fürsten und ihre Schreiber ihn rühmten —ein schwacher Staat: wenig Beamte, wenig Steuern, wenig Eingriffe in Produktion und Verteilung. Daher auch wenig Soldaten.“ (Michael Stürmer. Hungriger Fiskus — schwacher Staat. Das europäische Ancien Régime. In:… mit dem Zehnten fing es an. Eine Kulturgeschichte der Steuer. Hrsg. v. Uwe Schultz. München 1980, S. 174–188, S. 174.) Denn den Forderungen der Theoretiker und den Bemühungen der Potentaten entsprach die Wirklichkeit nur in sehr unzulänglicher Weise: „Überall wuchs im frühen 18. Jahrhundert der Verwaltungs-und Beamtenstaat, und mit ihm und durch ihn wurde das Steuersystem verstetigt und rationalisiert. Aber nicht zu sehr. In ganz Europa blieb der Flickenteppich der Steuern bis in die Zeit der Französischen Revolution im Grundmuster erhalten.” (A. a. O., S. 182) Das Steuersystem beruhte im Wesentlichen auf der Akzise, die an Stadttoren, Brücken oder anderen infrastrukturellen,Engpässen’ auf Waren erhoben wurde und damit „eher ein Binnenzoll war“ (a. a. 0., S. 183). Entsprechend florierte auch das Schmuggelwesen. Zwar diente die Expansion des Behördenapparates der Stabilisierung der Territorialherrschaft; dennoch blieben im deutschen Reich den Zentralisierungsbemühungen gerade auf dem Gebiet des Steuerwesens Grenzen gesetzt, da das Steuerbewilligungsrecht ein eifersüchtig gehütetes Refugium der Landstände und Konstituens ihrer politischen Einheit war (vgl. Volker Press. Steuern, Kredit und Repräsentation. Zum Problem der Ständebildung ohne Adel. In:Zschr. f Hist. Forsch. 1.2 (1974}, S. 59–93; vgl. Blaich, Wirtschaftspolitik, S. 433Google Scholar
- Hartung, Verfassungsgeschichte, S. 50ff., bes. S. 801f.; Rainer Wolf... zu Einführung einer Gott wohlgefälligen Gleichheit auf ewig…“ Steuerreformen im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. In:… mit dem Zehnten fing es an, S. 162–173 sowie, als Studie am erfolgreichen Modell: Johannes Kunisch. Wallenstein als Kriegsunternehmer. In: A. a. O., S. 151–161.). Google Scholar
- 155.„Wenn man die Pensionswirtschaft des ancien régimes betrachtet, dann darf man nicht übersehen, daß in dieser Wirtschaft, höfisch transformiert und aufgehoben, die alte Lehensverfassung gegenwärtig ist.“ (Norbert Elias. Die höfische Gesellschaft. Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie. Frankfurt 1983, S. 237)Google Scholar
- 156.Vgl. Parker, Revolution, S. 69ff.; Gerhard Papke. Von der Miliz zum Stehenden Heer. Wehrwesen im Absolutismus. (Handbuch zur deutschen Militärgeschichte. Bgr. von Hans Meier-Wehler, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt durch Othmar Hackl und Manfred Messerschmidt, Bd. 1), S. 154ff.; Wolfgang Reinhard. Humanismus und Militarismus. Antike-Rezeption und Kriegshandwerk in der oranischen Heeresreform. In: Krieg und Frieden im Horizont des Renaissancehumanismus. Hrsg. v. Franz Josef Worstbrock. Weinheim 1986, S. 185–204; Wehler, Gesellschaftsgeschichte, S. 244ff.; Pohlmann, Herrschaftssysteme, S. 43ff. Pohlmann interpretiert den Merkantilismus in toto als „Versuch, eine ökonomische Basis für das absolutistische Heer zu schaffen.“ (A. a. O., S. 53)Google Scholar
- 159.Pohlmann konstatiert schon bei Bodin ein deutlich werdendes „frühbürgerliches Kalkül“: „Der Fürst hat die Wirtschaft seines Herrschaftsgebietes zu vereinheitlichen, hat die Voraussetzungen für ein einheitliches marktwirtschaftliches System zu schaffen.” (Pohlmann, Herrschaftssysteme, S. 37) Ausdruck der steigenden Bedeutung des ökonomischen Sektors ist auf Seiten der Verwaltung die Einrichtung von,Kammern’, die der Kontrolle fürstlicher Einnahmen und Ausgaben, sowie von Besoldungen und Renten, später dann der Kontrolle der gesamten Ökonomie des Landes dienten. Diese Institute monetärer Logik Gracen mit ihrer spezifischen Sachkompetenz bald in Rivalität zu den Räten, den eher humanistisch, auf allgemeine Klugheit ausgerichteten Organen politisch-feudaler Willensbildung. (Vgl. Diet-mar Willoweit. Allgemeine Merkmale der Verwaltungsorganisation in den Territorien. In: Deutsche Verwaltungsgeschichte, Bd. 1, S. 289–346, bes. 330ff.; darauf aufbauendGoogle Scholar
- Stolleis, Geschichte, S. 367f.; vgl. auch: Michael Stolleis. Reichspublizistik — Politik — Naturrecht im 17. und 18. Jahrhundert. In: Staatsdenker im 17. und 18. Jahrhundert. Reichspublizistik — Politik — Naturrecht. Hrsg. v. Michael Stolleis. Frankfurt a. M. 1977, S. 7–28, hier. S. 22ff.)Google Scholar
- 161.Zur Geschichte und Theorie der Bürokratie vgl. Gaetano Mosca. The Ruling Class. Elementi di Scienza Politica. New York/Toronto/London 31965; Jürgen Reusch. Art.,Bürokratie’ In: EE, Bd. 1, S. 447–453Google Scholar
- Albrow, Bürokratie. Albrow sieht in der Bürokratie eine „unweigerliche Folge der Rationalisierung“ (a. a. O., S. 50). Gleichzeitig mit der Entstehung der Bürokratie sind Klagen über sie: Bereits 1764 spricht Melchior Grimm von einer „Büromanie” (zitiert nach: A. a. O., S. 13), 1813 sieht Campe in der Bürokratie eine Macht, die sich Regierungsstellen anmaßen (vgl. a. a. O., S. 15), und Görres setzt 1821 die Bürokratie einem stehenden Heer gleich (vgl. a. a. O., S. 18).Google Scholar
- 162.„In einem modernen Staat liegt die wirkliche Herrschaft welche sich ja weder in parlamentarischen Reden noch in Enunziationen von Monarchen, sondern in der Handhabung der Verwaltung im Alltagsleben auswirkt, notwendig und unvermeidlich in den Händen des Beamtentums. Des militärischen wie des zivilen. Denn vom,Büro’ aus leitet ja der moderne höhere Offizier sogar die Schlachten. […3 Die Demokratie schaltet ja ganz ebenso wie der absolute Staat die Verwaltung durch feudale oder patrimoniale oder patrizische oder andere ehrenamtliche oder erblich fungierende Honoratioren zugunsten angestellter Beamten aus. […3 Auch das moderne Massenheer ist ein bürokratisches Heer, der Offizier eine Sonderkategorie des Beamten im Gegensatz zum Ritter, Kodottiere, Häuptling oder homerischen Helden.“ (Max Weber. Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland (Februar 1918). In: Ders. Gesammelte politische Schriften. Tübingen 1958, S. 294–431; hier: S. 308f.; vgl. Stolleis, Grundzüge, S. 449).Google Scholar
- 170.Zur Struktur der Interessenallianz von territorialem Herrscher und Kaufmann. vgl. Gerhard Lenski. Macht und Privileg. Eine Theorie der sozialen Schichtung. Frankfurt a. M. 1973 S. 331–341.Google Scholar
- 174.Der Hof, einst Ort der Produktion von Macht, wird damit zur „Zusammenballung einer mächtigen Verbrauchergruppen“ (Elias, Gesellschaft, S. 243): „Erst im Zusammenhang mit den Fortschritten des Geld-und Warenverkehrs, im Zusammenhang mit der Ausdehung des Handels, mit der Kommerzialisierung des sozialen Feldes, war es möglich, eine große Menge von Menschen dauernd an einem Ort zusammenzuhalten, dessen Umgebung allein begreiflicherweise zur Ernährung größerer Menschenmengen nicht ausreichen konnte. (A. a. O., S. 244) Zur Macht allgemein: Michael Mann. Geschichte der Macht. Bd. 1: Von den Anfängen bis zur griechischen Antike. Frankfurt a. M. ‘New York 1990, Bd. 2: Vom Römischen Reich bis zum Vorabend der Industrialisierung. Frankfurt a. M. /New York 1991; bes. Bd. 2, S. 319–395.Google Scholar
- 177.„Luxus als demonstrativer Verbrauch prestigebehafteter Objekte war symbolisches Handeln mit politisch-sozialen Implikationen und zugleich ein wirtschaftlich relevantes Handeln, beides von langer Tradition. Der Fürstenstaat des 17. und 18. Jahrhunderts hat sie sich nutzbar zu machen und zu kontrollieren versucht, während er gleichzeitig eine eigenständi-ge materielle Kultur als Baugrund von Hof und Herrschaft entwickelte.“ (Ulrich-Christian Pallach. Materielle Kultur und Mentalitäten im 18. Jahrhundert. Wirtschaftliche Entwicklung und politisch-sozialer Funktionswandel des Luxus in Frankreich und im Alten Reich am Ende des Ancien Régime. München 1987, S. 165f.)Google Scholar
- 191.Vgl. Wolfgang Krohn. Die,neue Wissenschaft’ der Renaissance. In: Gernot Böhmel Wolfgang van den Daele/ Wolfgang Krohn. Experimentelle Philosophie. Ursprünge autonomer Wissenschaftsentwicklung. Frankfurt a. M. 1977, S. 13–128.Google Scholar
- 193.Vgl. Werner Schneiders. Gottesreich und gelehrte Gesellschaft. Zwei politische Modelle bei G. W. Leibniz. In: Der Akademiegedanke im 17. und 18. Jahrhundert. Hrsg. von Fritz Hartmann und Rudolf Vierbaus. Bremen/ Wolfenbüttel 1977, S. 47–63.Google Scholar
- 197.„Und die Sozität kann durch nichts mit größerem Recht und Erfolg reich werden und zu Kapital gelangen, als indem sie den Handel an sich zieht. […) Am ehesten kann der Staat die Kaufleute entbehren und den Gewinn, den diese haben, an sich ziehen und ihn beanspruchen für die ihm nützlichsten Diener, d. h. für die um das allgemeine Wohl bemühte Sozietät.“ (G. W. Leibniz. Die Philadelphische Gesellschaft. (Societas Philadelphia.) In: Ders., Politische Schriften. Hrsg. v. Hans Heinz Holz. 2 Bde. Frankfurt a. M./Wien 1966f, Bd. 2, S. 21–31, hier. S. 24)Google Scholar
- 201.Auch Leibniz hatte in seinen Akademieplänen ein Enzyklopädie-Projekt formuliert (vgl. SS 4.3, S. 776ff.). Zur Sprachauffassung der Enzyklopädie vgl. Pierre Swiggers. Les conceptions linguistiques des Encyclopédistes. Études sur la constitution d’un théorie de la grammaire au siècle des Lumières. Leuven/Heidelberg 1984; vgl. Arno Seiffert. Der enzyklopädische Gedanke von der Renaissance bis zu Leibniz. In: Leibniz et la Renaissance. Hrsg. v. Albert Heinekamp. Wiesbaden 1983 (= Studia Leibnitiana Supplementa XXIII), S. 113–124.Google Scholar
- 202.Zur Geschichte der textuellen Kodierung von Information vgl. Wolfgang Raible. Die Semiotik der Textgestalt. Erscheinungsformen und Folgen eines kulturellen Evolutionsprozesses. Heidelberg 1991.Google Scholar
- 207.Ab dem 12. Jahrhundert sind in Deutschland städtische Schulen nachweisbar, im 14. Jahrhundert erfuhren sie infolge der Einführung von Kreditwesen und Buchführung und dem damit verbundenen erhöhten Lese-und Schreibbedarf einen deutlichen Aufschwung. Ende des 15. Jahrhunderts besaß fast jede Stadt eine Schule, in der elementarer Unterricht im Lesen und Schreiben in deutscher Sprache erteilt wurde. Meist standen sie unter städtischer Trägerschaft. Man kann sagen, daß am Ausgang des Mittelalters fast die gesamte städtische Bevölkerung mit Bürgerrecht einigermaßen lese-und schreibfähig war. Diese städtischen Winkelschulen wurden dann von der Reformation ins Abseits gedrängt. Obwohl Luther zur,Verschulung’ der Gesellschaft aufrief, legte er mehr Wert auf katechetisieren als auf die Vermittlung säkularer Fähigkeiten; die,Volksschulbewegung’ aus pietistischem Geist ist in gewisser Weise auch die,sakralisierte’ Wiederaufnahme einer von der Reformation abgeschnittenen Entwicklung. (Vgl. Georg-Christoph von Unruh. Das Schulwesen. In: Deutsche Verwaltungsgeschichte, S. 383–387 bes. S. 384f.Google Scholar
- Rudolf Schenda. Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe. Frankfurt a. M. 1970Google Scholar
- Jochen Greven. Leser und Leseverhalten. In: Lesen — Ein Handbuch. Hrsg. v. Alfred Clemens Baumgärtner. Hamburg 1973, S. 117–133; zur europäischen Entwicklung vglGoogle Scholar
- Peter Burke. Helden, Schurken, Narren. Europäische Volkskultur in der frühen Neuzeit. Stuttgart 1981, S. 263–272; Aries, Geschichte, S. 221–468; Marie-Louise von Wartburg-Ambühl. Alphabetisierung und Lektüre. Untersuchungen am Beispiel einer ländlichen Region im 17. und 18. Jahrhundert. Bern/ Frankfurt a. M./Las Vegas 1981)Google Scholar
- 209.Vgl. Wilhelm Vofikamp. Dialogische Vergegenwärtigung beim Schreiben und Lesen. Zur Poetik des Briefromans im 18. Jahrhundert. In: DVjs 45 (1971), S. 81–116.Google Scholar
- 210.Diethelm Brüggemann. Gellert, der gute Geschmack und die üblen Briefsteller. Zur Geschichte der Rhetorik in der Moderne. In: DVjs 45 (1971), S. 117–149 hier: S. 124.Google Scholar