Zusammenfassung
In stark gestraffter Form werden wir nun zunächst ausgewählte Ergebnisse aus unserer quantitativ verfahrenden Analyse der soziodemographischen Daten und (Berufs-)Lebensläufe von Zeitarbeitnehmer/innen darstellen.1 Dabei soll zum einen der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich anhand dieser Befunde spezifische sozialstrukturelle Konstellationen herauskristallisieren, die für die in der Zeitarbeit Beschäftigten typisch sind. Für die im anschließenden Abschnitt präsentierten Analysen der erzählten Lebensgeschichten von Angehörigen unserer Untersuchungsgruppe soll damit auch ein sozialstruktureller Kontext umrissen werden.
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Literatur
- 1.Zur Datengrundlage vgl. Anhang.Google Scholar
- 2.Wir verwenden die Begriffe „Zeitarbeit’ und „Leiharbeit’ als synonyme Kennzeichnung der durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) geregelten Beschäftigungsverhältnisse. Mit „Leiharbeit“ wird die trianguläre Konstruktion dieses Beschäftigungsverhältnisses stärker betont, während im Begriff „Zeitarbeit” der für unsere Überlegungen relevante, temporäre Charakter dieser Arbeitsform zum Ausdruck gebracht wird.Google Scholar
- 3.Vgl. ANBA, Arbeitsstatistik 1990, Jahreszahlen, S. 30.Google Scholar
- 4.Hingewiesen sei hier aus einer Vielzahl von Untersuchungen zu diesem Themenkreis insbesondere auf die Arbeiten aus dem IAB, z.B.: Schober, K. (1986): Aktuelle Trends und Strukturen auf dem Teilarbeitsmarkt für Jugendliche, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt-und Berufsforschung 19,3, S. 365–370; Stegmann, H./H. Kraft (1987): Ausbildungs-und Berufswege von 23–24jährigen, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt-und Berufsforschung 20,2, S. 142–163; Hofbauer, H./E. Nagel (1987): Mobilität nach Abschluß der betrieblichen Berufsausbildung, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt-und Berufsforschung 20, 1, S. 45–73.Google Scholar
- 5.Die Beschäftigtenstatistik der BA weist im Wirtschaftszweig 865 „Arbeitnehmerüberlassung“ die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Zeitarbeitsunternehmen mit dem Hauptzweck der Arbeitnehmerüberlassung, aber nicht die in Mischbetrieben aus. In dieser Statistik wird auch das nicht für Fremdfirmeneinsätze vorgesehene Personal (interne Verwaltung, Disponenten etc.) erfaßt. Vgl. Rudolph, H. (1989): Statistiken zur Arbeitnehmerüberlassung, (unveröffentl.) IAB — Kurzbericht, Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg, Dezember 1989.Google Scholar
- 6.Im Unterschied zu den USA, wo die Zeitarbeit einen deutlich höheren Anteil verheirateter Frauen aufweist; dort ist allerdings im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland auch eine wesentlich ausgeprägtere Teilzeitquote in der Zeitarbeitsbeschäftigung von Frauen zu verzeichnen.Google Scholar
- 7.Vgl. Büchtemann, Chr.F./Schupp, J. (1986): Zur Sozioökonomie der Teilzeitbeschäftigung in Deutschland. Analysen aus der ersten Welle des „Sozioökonomischen Panel“, WZB IIM/ LMP 86–15, Berlin.Google Scholar
- 8.Vgl. Troll, L. (1984): Büroberufe im Wandel. Materialien zur Arbeitsmarkt und Berufsforschung, 1 /84.Google Scholar
- 9.Vgl. Rudolph, a.a.O., Tab. 2.Google Scholar
- 10.Allerdings dürfte es sich bei den Zeitarbeitnehmer/innen — und dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer —, die direkt aus einem anderen Beschäftigungsverhältnis zu einer Zeitarbeitsfirma kamen, kaum um Arbeitsplatzwechsel aus stabilen Beschäftigungsverhältnissen heraus gehandelt haben: in unserer „Verbleibsuntersuchung“ gaben 72% der Männer und 58% der Frauen an, daß die „ Vermeidung von Arbeitslosigkeit” für sie ein wichtiger Aspekt bei der Beschäftigung in einem Zeitarbeitsunternehmen war. Dieses Motiv wird insgesamt also weitaus häufiger genannt, als es dem tatsächlichen Zugang aus der Arbeitslosigkeit entsprechen würde. Betrachtet man z.B. nur die Gruppe der direkt vorher erwerbstätigen Personen, so erhält man immer noch einen Anteil von 61%, die „Arbeitslosigkeitsvermeidung“ als ein wichtiges Motiv angaben. Der Zugang in die Zeitarbeit aus „sicheren” Beschäftigungsverhältnissen heraus — so läßt sich daraus schließen — ist unwahrscheinlich. Auch die unmittelbar vor der Zeitarbeit noch in iner Beschäftigung stehenden Personen scheinen zum Zeitpunkt vor Eintritt in das Verleihunternehmen in ihrer Mehrheit potentiell von Arbeitslosigkeit bedroht zu sein (z.B. durch eine Kündigung des Arbeitgebers, eine Betriebsstillegung oder durch das Auslaufen befristeter Verträge).Google Scholar
- 11.Büchtemann/Schupp, a.a.O.Google Scholar
- 12.Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vergleich mit teilzeitbeschäftigten Frauen. Büchtemann/Schupp, a.a.O., 25ff., konnten bei „regelmäßig“ teilzeitbeschäftigten im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Frauen keine geringere Beschäftigungsstabilität feststellen. D.h.: teilzeitbeschäftigte Frauen auf der einen und Zeitarbeitnehmerinnen auf der anderen Seite weisen im Hinblick auf ihr bisheriges „Arbeitsplatzwechselverhalten” ein deutlich zu unterscheidendes Profil auf.Google Scholar
- 13.Vgl. dazu beispielsweise Lutz, B. (1983): Bildungsexpansion und und soziale Ungleichheit. Eine historisch-soziologische Studie, in: Kreckel, R. (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten (Soziale Welt Sonderband 2 ) Göttingen, S. 221–245.Google Scholar
- 14.Mertens, D. (1984): Das Qualifikationsparadox. Bildung und Beschäftigung bei kritischer Arbeitsmarktperspektive. (Vortrag beim 9. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaf t in Kiel 1984 ), Manuskript.Google Scholar
- 15.Gottsleben, V. (1987): Randgruppe in der zertifizierten Arbeitsgesellschaf t? Zur abnehmenden Bedeutung der nicht formal Qualifizierten (NFQ) am Arbeitsmarkt, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt-und Berufsforschung 20, 1, S. 1–14.Google Scholar
- 16.Vgl. dazu auch: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (1986): Befragung zur Befristung von Einstellungen nach dem Beschäftigungsförderungsgesetz von 1985, Köln, S. 6.Google Scholar
- 17.Linhart/Maruani sprechen hinsichtlich dieser berufsphasen-und altersspezifischen Konzentration von Problemlagen von „diachroner Prekarität“. Lirahart, D./Maruani, M. (1979): Précarisation et Déstabilisiation des Emploi Ouvriers. Quelques Hypothèses, in: Travail et Emploi 11/1979.Google Scholar
- 18.Clauß, T./Jansen, R./Stooß, F. (1989): Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen. Die 1985/86 durchgeführte Wiederholungsuntersuchung der BIBB/IAB-Erhebung wird im Zentralarchiv archiviert, in: ZA-Information 25, S. 21–29, S. 23.Google Scholar
- 19.Dazu zählen z.B. Maschinenschlosser, Werkzeugmacher, Dreher, Elektroinstallateure, Energieanlageelektriker und ähnliche Berufsfelder.Google Scholar
- 20.Die „sonstigen Facharbeiterberufe“ umfassen vor allem: Tischler, Maurer, Maler/Lackierer, Bäcker.Google Scholar
- 21.Angesichts der sich verändernden Lage auf dem Ausbildungsmarkt werden die Arbeitsmarktchancen dieser Berufe in Zukunft möglicherweise wieder ansteigen.Google Scholar
- 22.Vgl. o. Kap. II.5. 4–5. 5.Google Scholar
- 23.Vgl. Beck, U. (1983): Jenseits von Stand und Klasse?, in: Soziale Welt Sonderheft 2, S. 35–74; s.a. Berger, P.A./Hradil, S. (Hrsg.) (1990): Lebenslagen, Lebensläufe, Lebensstile, Soziale Welt, Sonderband 7, Göttingen.Google Scholar
- 24.Vgi. Brose, H.-G./Hildenbrand, B. (1988): Biographisierung von Erleben und Handeln, in: Dies. (Hrsg.): Vom Ende des Individuums zur Individualität ohne Ende, Opladen, S. 11–30.Google Scholar
- 25.Vgl. Hohn, H.-W./Windolf, P. (1988): Lebensstile als Selektionskriterium — Zur Funktion „biographischer Signale“ in der Rekrutierungspolitik von Arbeitsorganisationen, in: Brose, H.-G./Hildenbrand, B. (Hrsg.), a.a.O., S. 179–207.Google Scholar
- 26.Vgl. Leitner, H. (1982): Lebenslauf und Identität, Frankfurt/M.Google Scholar
- 27.Das Verhältnis von Biographie und Lebenslauf als aufeinander bezogene, wechselseitig sich aktualisierende Vorgänge wird man jedoch nicht auflösen können: In einer aktuellen (Interview-)Situation beschreibt, thematisiert eine Person vergangene Formen ihres Erlebens und Handelns, in die wiederum damalige (vergangene?) Elemente der Deutung und Beobachtung, Orientierung usw. ihres Erlebens und Handelns konstitutiv eingegangen sind (eingehen), die ihrerseits damals (vielleicht) auf eine zukünftige, die jetzt aktuelle, Situation antizipierend bezogen waren. Man kann dieses Verhältnis als ein sich selbst beschreibendes und beobachtendes Handlungssystem, dessen Beobachtungen und Selbstbeschreibungen Teil seiner Autopoiesis sind, bestimmen. Operative und Beobachtungsebene nehmen sich wechselseitig in Anspruch und können sich als Struktur oder Prozeß aufeinander beziehen. Vgl. dazu auch Schimank, U. (1988): Biographie als Autopoiesis — Eine sytemtheoretische Rekonstruktion von Individualität, in: Brose/Hildenbran28 a.a.O., S. 55–72.Google Scholar
- 28.Vgl. dazu Dilthey, W. (1958): Uber das „Erleben und die Selbstbiographie“, Gesammelte Schriften Bd 7, S. 191–220.Google Scholar
- 29.Leitner hat überzeugend herausgearbeitet, daß diese Form der Selbstdarstellung in diachroner Perspektive eine sozialhistorisch und entwicklungsgeschichtlich relativ späte „Errungenschaft“ der Neuzeit ist. Leitner, H., a.a.O.Google Scholar
- 30.Vgl. Schütze, F. (1977): Die Technik des narrativen Interviews in Interaktionsfeldstudien — dargestellt an einem Projekt zur Erforschung von kommunalen Machtstrukturen, Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, Arbeitsberichte und Forschungsmaterialien, Nr. 1, August 1977.Google Scholar
- 31.Ein Verfahren, das wenigstens in den Grundzügen dem entspricht, wie es Oevermann u.a. in ihrer Methode der „objektiven Hermeneutik” vorgeschlagen haben. Vgl. Oevermann, U./Allert,T./Konau,I./Krammbeck, J. (1979): Die Methodologie einer „objektiven Hermeneutik“ und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften, in: Soeffner, H.-G. (Hrsg.), Interpretative Verfahren in den Sozial-und Textwissenschaften, Stuttgart, S. 352–434.Google Scholar
- 32.So etwa bei Glaser, B./Strauss, A. (1967): The Discovery of Grounded Theory, Chicago. Die Front gegen die „Subsumtion“ unter Kategorien, die vorab als beobachtungs-oder interpretationsrelevant festgelegt werden, wurzelt u.a. in dem Methodenverständnis der Hermeneutik. Für diese war lange Zeit, im Anschluß an Schleiermacher, das Modell des „Einfühlungsverstehens” bedeutsam. Vgl. Frank, M. (1977): Das individuelle Allgemeine, Frankfurt/M. Ein anderer Vorbehalt gegen die Subsumtion unter klassifikatorische Kategorien wird von Adorno betont, und gleichzeitig — dialektisch — gegen diejenigen gewendet, die mit der Geste des Aufbegehrens zur „Verblendung“ des gesellschaftlichen Zusammenhangs beitragen: „Individualismus, der sich dem unmenschlichen Klassifizieren gegenüberstellt, kann schließlich zum bloßen ideologischen Schleier in einer Gesellschaft werden, die tatsächlich unmenschlich ist, und die ihren inneren Zwang zum,Subsumieren’ offenbart, indem sie die Menschen selbst klassifiziert”. Adorno, Th.W. (1950): Studien zum autoritären Charakter, Frankfurt/M. 1973, 5.307. Die von Adorno et al. entwickelte Typologie von „Syndromen des Antisemitismus“ sollte deshalb „kritischen” Charakter haben.Google Scholar
- 33.Vgl. Oevermann, U. (1981): Fallrekonstruktionen und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik zur soziologisch-strukturtheoretischen Analyse, Manuskript, Frankfurt/M.Google Scholar
- 34.S. dazu Frank (1977), a.a.O.Google Scholar
- 35.Vgl. dazu Frank, M. (1983): Was ist Neostrukturalismus? Frankfurt/M., S. 417.Google Scholar
- 36.Frank, M. (1986): Die Unhintergehbarkeit von Individualität, Frankfurt/M., S. 120.Google Scholar
- 37.Oevermann, U. (1988): Eine exemplarische Fallrekonstruktion. Zum Typus versozialwissenschaftlichter Identitätsformation, in: Brose, H.G./Hildenbrand, B., a.a.O., S. 243–286.Google Scholar
- 38.Natürlich würden „Frequenzanalytiker“, wie Oevermann sich auszudrücken pflegt, für sich genauso in Anspruch nehmen, Strukturen erkennen zu wollen.Google Scholar
- 39.Vgl. Weber, M. (1904): Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, besonders S. 190f.Google Scholar
- 40.Weber, Objektivität, a.a.O., S. 195. Vorher umreißt Weber die Bedeutung der Idealtypen für die Erfahrungswissenschaft. Er weist zunächst darauf hin, daß in keinem Fall der Gedanke des „vorbildlichen“, sein sollenden damit verbunden sei. „Es handelt sich um die Konstruktion von Zusammenhängen, welche unserer Phantasie als zulänglich motiviert und also,objektiv möglich’, unserem nomologischen Wissen als adäquat erscheinen” (a.a.O., S. 193; Hervorh. i. O. als Sperrung). Zur Differenz von „adäquater“ und „zufälliger” Verursachung vgl. Weber, M. (1906): Objektive Möglichkeit und adäquate Verursachung in der historischen Kulturbetrachtung, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftsiehre, Tübingen 1988, S. 266–290; besonders S. 286ff.Google Scholar
- 41.Oevermann, U. (1981): Fallrekonstruktion und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik zur soziologisch-strukturtheoretischen Analyse, Manuskript, Frankfurt/M., S. 35.Google Scholar
- 42.A.a.O., S. 281.Google Scholar
- 43.Wahrscheinlich ist es weniger ein wirkliches Insistieren, man würde sich damit ja als Soziologe „abmelden“, als die entmutigende Vielfältigkeit und Prägnanz von inzwischen verfügbarem Fallmaterial. Man könnte hier Nina Hagen zitieren: „Ich kann mir gar nich’ entscheiden, es is’ alles so schön bunt hier” (aus: Hagen, N. (1978): TV-Glotzer). Da verläßt einen schon der Mut zur Abstraktion.Google Scholar
- 44.Das gilt auch für Oevermann, dessen überzeugende Einzelfallanalysen, die er in den vergangenen Jahren vorgelegt oder vorgeführt hat, wie Findlinge in einem „terrain vague“ liegengeblieben sind. Mit dem Typus der „Versozialwissenschaftlichten Identitätsformation” (a.a.O.) hat er u.A.n. allerdings eine Anwendung der Methode der Strukturgeneralisierung vorgelegt, die für die weitere Diskussion anschlußfähig und insofern kritisierbar ist.Google Scholar
- 45.Man kann sich dann in der „interpretative community“ höchst angeregt über „Linda”, Herrn „Kowalski“, oder wie immer die liebevoll gewählten Pseudonyme heißen mögen, verständigen oder auch streiten. Das ist anregend, erschöpft aber zumeist die Kräfte, bevor der nächste Schritt getan wird: nämlich der Versuch, den einzelnen Fall in systematischer Weise mit anderen zu vergleichen, und aus diesem Vergleich (möglicherweise) eine Reinterpretation des Ausgangsfalles aufzubauen, bzw. den Versuch zu machen, aus den bestehenden oder fehlenden Beziehungen, Ähnlichkeiten oder Differenzen zwischen Fällen allmählich eine Form des Systematisch-in-Beziehung-setzens von Fällen zu entwickeln. Beispiele für Versuche, in dieser Richtung voranzukommen, sind die Untersuchungen von Giegel, H.J./Frank, G./Billerbeck, U. (1987): Industriearbeit und Selbstbehauptung, Opladen; Hildenbrand, B. (1988): Modernisierungsprozesse in der Landwirtschaft und ihre Bewältigung: Vergleich einer,normalen mit einer,schizophrenen Familie, in: Lüscher,K./Schultheis, F./Wehrspaun, F. (Hrsg.) Die postmoderne Familie, Konstanz, S. 297–311; Untersuchungen, die mit sytematischen Vergleichen einzelner Aspekte von Fällen — beispielsweise der Einstellung zur Arbeit — operieren, können dabei keinen Ersatz für die Rekonstruktion einer Fallstruktur abgeben. Solche Versuche der Systematisierung können dennoch durchaus aufschlußreich sein.Google Scholar
- 46.Strukturen als Resultate von Bildungs-und Individuierungsprozessen sind selbstverständlich selbst,historische Individuen’, die zugleich immer einen allgemeinen Strukturtyp konstituieren, oder exemplifizieren. Ich schlage vor, soziale Gebilde, die als Träger solcher Strukturen gelten könne, als Fälle zu bezeichnen“ (Oevermann, U. (1981), a.a.O., S. 40).Google Scholar
- 47.Soeffner, H.-G. (1988): Luther — Der Weg von der Kollektivität des Glaubens zu einem lutherisch-protestantischen Individualitätstypus, in: Brose/ Hildenbrand, a.a.O., S. 107–149.Google Scholar
- 48.So ist z.B. das Beschäftigungsverhältnis der Zeitarbeit eine historisch spezifische Variante des „Lohnarbeitsverhältnisses“. Der einzelne Zeitarbeitsvertrag — oder auch die illegale Leiharbeit als „deviante” Ausprägung — sind wiederum zufällige — fallspezifische Besonderungen, die den Arbeitsrechtler oder die Sozialreportage interessieren.Google Scholar
- 49.Ein solches Relevanzkriterium haben wir bei der vergleichenden Betrachtung der von uns rekonstruierten Typen in dem spezifischen Passungsverhältnis gesehen, das sich zwischen den Mustern biographischer Entwicklung einerseits und der Entwicklung von Organisationsstrukturen andererseits erkennen läßt. S.u. Kap. VII.Google Scholar
- 50.Vgl. hierzu Schütz, A. (1932): Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt/M. 1974; Ders. (1971): Das Problem der Relevanz, Frankfurt/M.; s.a. den sehr informativen Beitrag von Srubar, I. (1979): Die Theorie der Typenbildung bei Alfred Schütz. Ihre Bedeutung und ihre Grenzen, in: Sprondel, W.M./Grathoff, R. (Hrsg.): Alfred Schütz und die Idee des Alltags in den Sozialwissenschaften, Stuttgart, S. 43–64.Google Scholar
- 51.Bei Schütz als Konstrukte ersten bzw. zweiten Grades gefaßt.Google Scholar
- 52.Als „Teile eines Ganzen“, s.o. den Hinweis auf Dilthey.Google Scholar
- 53.Eine Mehrzahl von Studien, die mit nicht-standardisiertem Interviewmaterial gearbeitet haben und eine Typologie vorlegen, arbeiten dabei nach dem Modell, das Hildenbrand als „qualitatives Subsumtionsmodell“ bezeichnet hat. Hildenbrand, B. (1989): Veranstaltete Familie, Habilitationsschrift, Frankfurt/M. Dabei werden aus einzelnen Interviews bestimmte, auf Ähnlickeiten oder Differenzen verweisende Elemente zusammengefügt und unter Konzepten, die teils thematisch, teils kategorial das Material bündeln und gliedern können, (u.U.) zu Typen zusammengefaßt. Eines der jüngeren Beispiele dafür ist die Studie von Baethge, M. u.a. (1988): Jugend: Arbeit und Identität, Lebensperspektiven und Interessenorientierungen von Jugendlichen, Opladen. Formen der Typenbildung, die auf Fallrekonstruktionen beruhen, sind selten. Häufiger findet man zwar Fallanalysen, die in sich durchaus zu überzeugen vermögen, jedoch den Zug des idiosynkratischen nicht völlig abstreifen. Das macht sich insbesondere dann bemerkbar, wenn verschiedene Fallanalysen nebeneinander gestellt werden, so daß man am Schluß die Dynamik verschiedener Einzelfälle demonstriert findet, nicht aber, wie diese Fälle wiederum möglicherweise — oder eben auch gar nicht — miteinander in Verbindung zu bringen wären. Sei es, daß sie unterschiedliche Ausdrucksformen eines allgemeinen Typs sein könnten, sei es, daß sie ganz unterschiedliche Typen repräsentierenGoogle Scholar
- 54.Bei der Transkription der Interviews haben wir folgende Regel angewendet: Die Fragen/Redebeiträge des Interviewers sind in Klammern gesetzt, bei den Äußerungen der Befragten werden die Zeilen durchlaufend numeriert. Schrägstriche deuten auf paralleles Sprechen hin.Google Scholar
- 55.Dieses Möbelstück war bereits vorher Gegenstand einer Interaktion: der Befragte bot dem Interviewer an, darauf zu sitzen.Google Scholar
- 56.Daß diese Sorge des Interviewers, das Aufnahmegerät so zu plazieren, daß der späteren Transkription des Interviews keine unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegenstehen, nicht völlig abwegig war, wird dadurch nachvollziehbar, daß in der Tat die Redebeiträge des Interviewees überwiegend schwer verständlich und in der Anfangsphase auch außerordentlich leise und unsicher klingen. Auch davon vermittelt die Interviewtranskription einen andeutungsweisen Eindruck.Google Scholar
- 57.Diese mögliche Unklarheit mag u.a. dadurch verschärft worden sein, daß in der dieser „eigentlichen“ Anfangsphase des Interviews vorausgehenden Erläuterung der Interviewer zur Charakterisierung der Form des im folgenden zu führenden Interviews erwähnt hatte, daß es auch darum gehe, daß man den Befragten Gelegenheit gebe, sich möglichst spontan, also ohne Formzwang, und auch detailliert zu bestimmten Fragen zu äußern. U.a. deshalb sei ja auch die Tonbandprotokollierung notwendig. In der nun dargebotenen Form des Erzähl-stimulus verwendet der Interviewer die Formulierung, der Befragte möge doch „in groben Zügen” seinen bisherigen Lebensweg schildern, was gegenüber dem vorherigen Angebot von Detaillierungschancen natürlich widersprüchlich — weil restriktiv — erscheinen kann. Andererseits ist die Art, wie der Befragte hier spontan reagiert, gerade angesichts seiner im Vorfeld des Interviews übergangenen, spontanen Strukturierungsversuche an dieser Stelle sicherlich sehr ernst zu nehmen.Google Scholar
- 58.Zur extensiven Textauslegung gehört es, daß Äußerungen eines Textes im Hinblick auf alle Kontexte hin interpretiert werden, unter denen diese Äußerung als sinnvoll gelten könnte. Wenn Kontextinformationen fehlen, also z.B. keine Information über das Alter vorliegt, können aus derartigen Äußerungen Rückschlüsse auf ein wahrscheinliches Alter gezogen werden. Umgekehrt: altersirrelvant interpretierte Äußerungen können, wie in dem bekannt gewordenen Beispiel der Verwendung des Begriffs „Mutti“ (durch ein Kind bzw. einen erwachsenen Ehemann), unter späterer Berücksichtigung der Kontextinformation: Lebensalter einen spezifischen Sinn unterlegt bekommen. Im Falle des hier zu interpretierenden Textausschnittes gehen wir bei der Interpretation zunächst so vor, daß wir die vom Interviewten nicht gelieferte Information über sein Lebensalter bei der Interpretation des Textes nicht mit einbeziehen. In der Interviewsituation allerdings verfügte der Interviewer über die groben Sozialdaten des Interviewpartners, da sie für die Schichtung der Stichprobe ausschlaggebend gewesen waren. Der Interviewer wußte also in diesem Fall von seinem Gesprächpartner, daß er fünfundvierzig Jahre alt war und einen Hochschulabschluß als graduierter Ingenieur hatte. Ein derartiges Vorwissen ist sicherlich nicht in allen Interviewsituationen gegeben. Hier aber lag es vor, und ein solches Vorwissen ist sicherlich für die Konstitution der Interviewsituation und die in ihr sich entwickelnde Interaktionsdynamik nicht unwichtig. Sie kann z.B. zu bestimmten Typisierungen auf seiten des Interviewers führen, wenn er in der Erwartung, einen fünfundundvierzigjährigen Ingenieur zu treffen, zu einem Interviewtermin geht.Google Scholar
- 59.Während seiner Studienzeit in Lüden hatte Herr Göbel in einem Chor mitgesungen und sich damals auch, wie er sagte, für eine Ausbildung zum Chorleiter interessiert.Google Scholar
- 60.Diese Textpassage stammt aus einem Interviewteil, in dem die Interviewten aufgefordert wurden, ihr Leben mit einer bildlichen Vorstellung zu vergleichen. Vgl. zur systematischen Auswertung dieses Interviewteils das Kapitel V.Google Scholar
- 61.Da wir diesen Gesichtspunkt hier nicht weiter verfolgen wollen, sei hier nur kurz erwähnt, daß Herr Göbel den Plan zu heiraten, der sich, wie er sich ausdrückt, nur „verzögert“ habe, nicht aufgegeben hat. So trägt er sich mit dem Gedanken, in einem südosteuropäischen Land, wo er jetzt schon mehrfach Urlaub gemacht hat, eine Heiratsannonce aufzugeben. Man kann daraus ableiten, daß er sich auf dem hiesigen Heiratsmarkt keine reellen Chancen ausrechnet. Der Hinweis belegt aber auch, daß der Gedanke, doch noch einmal zu heiraten, ihm wohl noch durch den Kopf geht.Google Scholar
- 62.Im Laufe des Interviews erwähnt Herr Göbel zwei oder drei Frauenbekanntschaften, die allerdings kaum den Charakter einer intimen Beziehung gehabt haben dürften. Die Art, wie er darüber berichtet, deutet eher auf einen lockeren, allenfalls freundschaftlichen Kontakt, der jedoch für ihn ein recht hohes Gewicht hatte, da er einige seiner Handlungen, wenn nicht Entscheidungen davon hat zumindest beeinflussen lassen. So erwähnt er, daß die Entscheidung, aus dem süddeutschen Raum nach L-Stadt zu ziehen, auch damit zu tun gehabt habe, daß er dort eine Bekannte gehabt habe. Diese Hinweise auf Bemühungen um soziale Beziehungen unterstreichen noch einmal die Bedeutung der Tatsache, daß sie im Leben von Herrn Göbel tatsächlich jedoch weitgehend fehlen.Google Scholar
- 63.Diese aufgeschnittenen Tischtennisbälle dienen Herrn Göbel dazu, bestimmte Winkel und Segmente auf einer Kugel so räumlich darzustellen, daß dies der eigenen Arbeit dienlich sein kann. Wie genau, ist dem Interview und den Erläuterungen von Herrn Göbel nicht zu entnehmen.Google Scholar
- 64.Zur detaillierteren Darstellung der Gestaltung seiner Arbeits- und Freizeit bzw. seiner Erwerbsarbeitszeit und seiner Erfindungsarbeitszeit vgl. weiter unten. Kapitel IV.Google Scholar
- 65.Vgl. Fußnote 60, S. 101.Google Scholar
- 66.Bei der Rekonstruktion der Muster biographischer Entwicklung wird faktisch — mehr oder weniger explizit — immer auch die biographische Zeitperspektive rekonstruiert. Es ist insofern eine analytische Trennung, die primär darstellungsstrategische Gründe hat, wenn wir die biographische Zeitperspektive getrennt in einem gesonderten Abschnitt erörtern und auswerten. Andererseits impliziert dies auch ein methodisches Problem, nämlich, daß in den Fällen, in denen die biographische Zeitperspektive sich nicht, wie im Falle von Herrn Göbel, gewissermaßen explizit darstellt, wir uns mit anderen Methoden, d.h. vor allem mit anderen Frageformen und -techniken bemüht haben, die Zeitdimension in der Lebensgeschichte und Biographie „zur Sprache zu bringen“. Bei der Rekonstruktion der biographischen Muster stützen wir uns fast ausschließlich auf eine Auswertung der lebensgeschichtlichen Erzählung und der sich an die Anfangserzählung anschließenden Nachfragephase. Die Auswertung der „Lebensbilderfrage„, die gewissermaßen eine monothetisch das gesamte bisherige Leben in den Blick nehmende, verdichtete biographische Darstellung ist, haben wir herangezogen, wenn sie zur Klärung der Fallstruktur beitragen konnte bzw. die Fallstruktur in einer Weise artikulierte und ihr eine zusätzliche Prägnanz gab. Hier stellen wir dieses Textmaterial auch dar, um die verschiedenen Ebenen des Zugriffs auf die Fallstruktur, wie wir sie am Beispiel von Herrn Göbel skizziert haben, dem Leser deutlich zu machen.Google Scholar
- 67.Zum Begriff der Verlaufskurve vgl. Schütze, F. (1984): Kognitive Figuren des autobiographischen Stegreiferzählens. In: Kohli/Robert (Hg.), a.a.O., S. 78–117.Google Scholar
- 68.Bei der 2. Interviewwelle wurde die Befragtenauswahl nach bestimmten Merkmalen geschichschäftigungsverhältnisse hatten, die also einen besonders prekären Beschäftigungsstatus haben, dürften trajektförmige Verläufe wahrscheinlicher sein.Google Scholar
- 69.Vgl. u. Kap. IVGoogle Scholar
- 70.Dies gilt weniger ausgeprägt für Herrn Krizan, der als Junggeselle und Facharbeiter keine größeren Schwierigkeiten hatte, sich in der Bundesrepublik angemessen zu reproduzieren. Für Frau Gögercin, die zwar eine Ausbildung als Bankangestellte hatte, gilt dies nicht, denn sie muß, um Arbeit zu finden, zunächst im Hotelgewerbe und später in anderen unqualifizierten Tätigkeiten arbeiten.Google Scholar
- 71.Herr Krizan, der zehn Jahre lang, zunächst als überzeugter Junggeselle, in der Bundesrepublik lebt und arbeitet, lernt dann seine Frau kennen, die er erst zehn Jahre danach heiratet. Erst im Alter von 40 Jahren wird er Vater, und das „Rückkehrprojekt“ wird mehrfach, im Blick auf die Entwicklung der Tochter, terminiert. Zunächst soll die Rückkehr vor der Einschulung der Tochter erfolgen, dann wird sie auf das Ende ihrer Grundschulzeit festgelegt. Auch dieser Termin wird von dem Ehepaar Krizan wieder verschoben, zunächst, weil Frau Krizan längere Zeit ernsthaft erkrankt war. Nunmehr ist der Zeitpunkt des Eintritts der Tochter in eine weiterführende Schule als Rückkehrtermin ins Auge gefaßt. Inzwischen hat allerdings Frau Krizan eine lukrative, unbefristete Beschäftigung gefunden, die neuerlich Erwägungen hervorruft, den Rückkehrtermin doch noch weiter hinauszuschieben. Nicht zuletzt aufgrund dieser ungewissen Situation arbeitet Herr Krizan seit längerer Zeit für ein Zeitarbeitsunternehmen, da er sich dort nicht gebunden und freier fühlt, gegebenenfalls kurzfristig sein Beschäftigungsverhältnis aufzukündigen, um in seine Heimat zurückzukehren.Google Scholar
- 72.Das gilt für Herrn Krizan und Frau Gögercin, die in ihrem Heimatland gebaut haben.Google Scholar
- 73.Die Unterscheidung intern vs. extern bezieht sich darauf,,,… whether the primary reference is to the relation of the acting system to its environment or to its own internal properties and equilibrium“ (Parsons, T. (1967): Pattern Variables revisited: A Response to Robert Dubin, in: Ders: Sociological Theory and Modern Society, New York/London, S. 192–219; hier 199).Google Scholar
- 74.Diese Unterscheidung, deren prototypische Ausprägung die Unterscheidung von Mitteln und Zwecken ist, bezieht sich auf die Differenz von „zielorientierte(n) Anfangszustände(n)“ und den „Zielzustände(n) selbst (für die die aktuellen Zustände lediglich Potentiale darstellen)”. Vgl. Habermas, J. (1980): Theorie des kommunikativen Handelns, Frankfurt/M., Bd. 2, S. 367. Daß dabei die instrumentelle Orientierung an den Mitteln, also den zielorientierten Anfangszuständen, als Zukunftsbezug gelesen wird und die Orientierung an den Zielzuständen selbst, die als konsumatorisch codiert wird, als Gegenwartsbezug, ist ja nicht selbst-evident. Dies dürfte damit zu „erhellen“ sein, daß die Vorstellung von der Orientierung an den Zielzuständen selbst auf die Idee eines befriedigungsorientierten, selbstzweckhaften Tuns verweist. Das wiederum geht zurück auf die aristotelische Gegenüberstellung von „praxis” und „poiesis“, wobei poiesis als ertragsorientierte, umweghaft auf Zielzustände gerichtete Tätigkeit/Hervorbringung gedacht war. Das Handeln (die Praxis) hat kein Ziel außerhalb seiner selbst (Nik. Eth.1140a 40). So wird immanent verständlich, was nicht unmittelbar einleuchtet, daß die Orientierung an „ends” unter Gegenwartsorientierung abgebucht wird.Google Scholar
- 75.Daß Vergangenheitsorientierung ausfällt“, sei von Parsons richtig vorausgesetzt. Handeln müsse sich jeweils aktuell abspielen und habe keine Möglichkeit, seine „Systemvergangenheit zu beeinflussen”. Vgl. Luhmann, N. (1988): Warum AGIL, in: KZfSS 40, H 1, S. 127–139; hier S. 133, Anmerkung 15. Ähnlich Habermas’ Lesart: „Vergangenheiten haben Systeme nur als gegenwärtige Projektionen“ (Habermas, J. (1980), a.a.O., S. 365).Google Scholar
- 76.In der frühen Form seiner Handlungstheorie finden sich bei Parsons noch verschiedene Hinweise auf die unterschiedliche Bestimmung des Handelns entweder durch Normen oder durch Konditonen. Letztere gehören zu den nicht kontrollierbaren Elementen der Situtation und werden von ihm u.a. im Zusammenhang mit irrationalen Handlungen oder „Vererbungs“effekten thematisiert. Hier geht es Parsons — so Habermas — noch um die „kulturelle Determinierung von Handlungen” (a.a.O., S. 367). Vergangenheit wird hier als „Kondition“ relevant und im Rahmen der voluntaristischen Handlungstheorie als Randbedingung einbezogen. Vgl. The Structure of Social Action, New York/London (1967, zuerst: 1937), S. 43ff.; 732.Google Scholar
- 77.Vgl. Schütz, A. (1971): Das Problem der Relevanz, Frankfurt; aber auch: Schütz, A./Parsons, T. (1977): Zur Theorie sozialer Handlung. Ein Briefwechsel, Frankfurt/M., S. 132ff.Google Scholar
- 78.Das hat u.a. Bedeutung für die jährliche Ferienverschickung des jungen Herrn Nau.Google Scholar
- 79.Diese Aussage bezieht sich auf den Anfang der 80er Jahre.Google Scholar
- 80.Dies ist wohl aus dem Umstand zu erklären, daß bei einer Beschäftigung in der Zeitarbeit durch diverse Zulagen oft ein beträchtlicher Nettolohn zu erzielen ist, allerdings bei einem im Vergleich zu anderen Beschäftigungsverhältnissen häufig geringeren Grundlohn.Google Scholar
- 81.Der nach langen Wanderjahren inzwischen selbst an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit geratene junge Herr Nau erlebte den körperlichen Verfall seines Vaters und versteht ihn paradigmatisch für den Niedergang der klassischen Industrie-und Kohleregion. Der Versuch des Vaters, sich in einem anderen beruflichen Milieu zu etablieren, war offenbar zu spät erfolgt. Die Transformation des beruflichen Milieus und die Chance des Umstiegs in modernere und weniger kräftezehrende Berufsfelder und Tätigkeiten ist dem Vater nicht gelungen. Die Schatten auf seiner Lunge stammen von seiner Tätigkeit im Bergbau.Google Scholar
- 82.Wir haben diesen Fall an anderer Stelle ausführlicher dargestellt: Vgl. Brose, H.-G. (1984): Arbeit auf Zeit — Biographie auf Zeit?, in: Kohli, M./Robert, G. (Hrsg.): Biographie und soziale Wirklichkeit, Stuttgart, 5. 192–216.Google Scholar
- 83.Aus dem ein dreiviertel Jahr später geführten Interview mit Herrn Westfal werden einige Informationen mit in die Falldarstellung „Schneider-Westfal” einbezogen.Google Scholar
- 84.Frau Schneider-Westfal deutet in verschiedenen Punkten des Interviews an, daß sie über Kenntnisse psychosomatischer Krankheitstheorien verfügt. Selbst wenn man ihr eine diesbezügliche Interpretations-und Deutungsneigung unterstellt, so bleibt doch ihre Interpretation für ihre eigene Biographie verbindliche Wirklichkeit.Google Scholar
- 85.Die „Zwei-Lager-Theorie“ wird in Anlehnung an eine Terminologie von Negt/Kluge dargestellt in: Rabe, B. (1978): Der sozialdemokratische Charakter, Frankfurt/M.Google Scholar
- 86.Aus dem Interview mit Herrn Westfal wissen wir, daß es sich u.a. um eine Verhaltenstherapie, eine Gesprächstherapie und eine Gruppentherapie gehandelt hat.Google Scholar
- 87.Fallmaterial zu diesem Typus haben wir im Zusammenhang mit der Auswertung der biographischen Zeitperspektive im folgenden Kapitel IV. sowie in den Kapitel V.1–3. Es handelt sich um die Fälle „Schön“ und „Kern”.Google Scholar
- 88.Die Typenbezeichnung „Rebellion“ charakterisiert dabei die spezifische Struktur der weiblichen Referenzfälle. Ausführlicher zur Spezifik der weiblichen Biographien des Samples s. Wohlrab-Sahr, M. (1993): Biographische Unsicherheit. Formen weiblicher Identität in der „reflexiven Moderne”, Opladen.Google Scholar
- 89.Vgl. Becker, H.S. (1973; zuerst 1963 ): Außenseiter. Zur Soziologie abweichenden Verhaltens, Frankfurt/M.; Miller, W.B. (1958): Lower Class Culture as a Generating Milieu of Gang Delinquency, in: Journal of Social Issues 14, S. 5–19.Google Scholar
- 90.Die zuletzt zitierte Interviewpassage (37–59) geht im Interview der zuerst zitierten (01–36) voran. In unserer Darstellung ist die Reihenfolge umgekehrt worden und die durchlaufende Zeilennumerierung entsprechend gestaltet.Google Scholar
- 91.Schütze beschreibt in Anlehnung an A. Strauss’ Begriff,trajectory’ Prozesse des Erleidens und der konditionellen Gesteuertheit in Biographien als „Verlaufskurven“ (vgl. Schütze, E. (1981): Prozeßstrukturen des Lebensablaufs, in: Matthes, J. u.a. (Hrsg.): Biographie in handlungswissenschaftlicher Perspektive, Nürnberg, S. 67–129; Ders. (1984): Kognitive Figuren des autobiographischen Stegreiferzählens, in: Kohli, M./Robert, G. (Hrsg.): Biographie und soziale Wirklichkeit, Stuttgart). Darauf spielen wir an, wenn wir betonen, daß es sich im folgenden eben „nicht nur” um konditionelle Gesteuertheit handelt, obwohl diese Dimension eine unverkennbare Bedeutung hat. Damit soll den Konditionen nichts von ihrer „überwältigenden“ (Schütze) Bedeutung genommen werden. Nur: ein großer Teil biographischer Handlungsschemata ist durch die Alternative Intention vs. Kondition in seiner Spezifik nicht zu erfasssen. Für diese unklare Gemengelage zwischen Intention und Kondition haben wir in anderem Zusammenhang mit der Figur der,Odyssee’ und dem Begriffsvorschlag „mixed decisions” gearbeitet. Brose, H.-G. (1983): Die Erfahrung der Arbeit, Opladen.Google Scholar
- 92.Gerade weil die sprachliche Form der hier zitierten Passage mit dem propositionalen Gehalt in Widerspruch zu treten scheint, halten wir sie für besonders geeignet für eine Interpretation. Die Annahme, daß es sich nicht um eine geglättete, rationalisierende, sondern spontane Darstellung handelt, scheint gerechtfertigt.Google Scholar
- 93.Zur Unterscheidung von doppelter Kontingenz und doppelter Konditionierung s. Luhmann, N. (1984): Soziale Systeme, Frankfurt/M., S. 186.Google Scholar
- 94.Vgl. Stadtteilanalyse „Alt-Driebach“ (1983). In den „Beiträgen zur Sozialplanung” von Wilhelmstadt (No. 8/1985) wird Driebach als Gebiet mit „hohem Arbeiteranteil“ und „gewachsenen Sozialstrukturen” charakterisiert, die die Integration eines relativ hohen Ausländeranteils erlaubt hätte. Trotz hoher „Segregation“ sei deshalb dort nur eine „unterdurchschnittliche administrative Intervention” zu verzeichnen.Google Scholar
- 95.In der Arbeit von Wohlrab-Sahr (1993), in der der Umgang mit Unsicherheit im Zentrum steht, wird diese Fallstruktur daher als „Rigide Sicherung“ bezeichnet.Google Scholar
- 96.Zur Dominanz von „person-orientation“ gegenüber „object-orientation” im subkulturellen Milieu der Unterschicht vgl. Ganz, H.-J. (1962): The Urban Villagers, New York/London, S. 89ff.Google Scholar
- 97.Das verweist auf die Möglichkeit, daß Verlauf und Sinnstruktur nicht „deckungsgleich“ sind, auseinandertreten können. So ist z.B. die Verlaufsstruktur des Typs „Trajekt” und des Typs „Konsolidierung“ nicht sehr deutlich unterschieden, aber das biographische Muster der Fälle, bei denen wir „Konsolidierungsverläufe” feststellen zu können glauben, ist ein eigenständiges, deutlich unterschiedenes.Google Scholar
- 98.Vgl. Brose, H.-G./Hildenbrand, B. (1988): Biographisierung von Erleben und Handeln, in: dies. (Hrsg.): Vom Ende des Individuums zur Individualisierung ohne Ende, Opladen, S. 11–30.Google Scholar
- 99.Oevermann, U. (1988): Eine exemplarische Fallrekonstruktion zum Typus versozialwissenschaftlichter Identitätsformation, in: Brose/Hildenbrand (Hrsg.), a.a.O., S. 243–286.Google Scholar
- 100.Zur Versinnbildlichung ihres Lebens bezieht sich Frau Küster auf Paul Klees Bild „Haupt-und Nebenwege“.Google Scholar
- 101.Zum Begriff der Katharsis vgl.: Scheff, Th.J. (1983): Explosion der Gefühle. Über die kulturelle und therapeutische Bedeutung kathartischen Erlebens, Weinheim/Basel.Google Scholar
- 102.Zu dieser Typenbezeichnung vgl. Wohlrab-Sahr, M. (1989): De-Institutionalisierung des weiblichen Lebenslaufs — Dezentrierungsphänomene in weiblichen Biographien, in: Hoffmann-Nowotny, H.-J. (Hrsg.): Kultur und Gesellschaft, Beiträge der Forschungskomitees, Sektionen und Ad-hoc-Gruppen, Zürich, S. 41–44. Vgl. zum Begriff der „Dezentrierung“ auch: Piaget, J./Inhelder, B. (1977): Von der Logik des Kindes zur Logik des Heranwachsenden, Olten und Freiburg i.Br., S. 321–338; sowie: Piaget, J. (assisted by A.-M. Weil) (1951): The Development in Children of the Idea of the Homeland and of Relations with other Countries, in: International Social Science Bulletin, Vol. III. No. 3, S. 561–578. Piaget verankert den Begriff der „Dezentrierung” im Rahmen seiner Entwicklungstheorie. Seiner Ansicht nach wiederholt sich auf jeder beliebigen Entwicklungsstufe der Übergang von einer egozentrischen zu einer dezentrierten Perspektive. Wenn wir hier an den Begriff der „Dezentrierung“ anknüpfen, so machen wir uns damit allerdings nicht gleichzeitig die damit verbundene Vorstellung einer notwendigen Entwicklungslogik zu eigen.Google Scholar
- 103.Vgl. dazu Mitscherlich, A. (1963): Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft, München.Google Scholar
- 104.Wir haben in unserem Sample auch vereinzelte Fälle eines „klassischen“ Projekttypus gefunden. Für ihre berufsbiographische Entwicklung ist allerdings die Tätigkeit in der Zeitarbeit nicht von struktureller Bedeutung. So handelt es sich in einem Fall um einen Ingenieur, der als Übersiedler aus der DDR über die Beschäftigung in der Zeitarbeit den Einstieg in den bundesdeutschen Arbeitsmarkt sucht. Seine Biographie entspricht — trotz des einschneidenden Bruchs in seinem Lebenslauf, nämlich der Übersiedlung in die Bundesrepublik — eigentlich dem Typus der beruflichen Normalbiographie. Wir haben seinen FallGoogle Scholar
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