Zusammenfassung
Ein auffälliges Kennzeichen sozialer Tatsachen ist ihre Uniformität, ihre Gleichförmigkeit bzw. ihre Regelmäßigkeit. Aber Durkheim selbst, der diesem Punkt so starkes Gewicht beimißt, hebt auch die „Ausbrüche“ hervor, durch die Feste sowie die Ausführung bestimmter Riten gekennzeichnet sind oder die bestimmte Extremsituationen begleiten, in denen die Gruppe ihre Einheit wiederherstellt, wenn sie gerade unter dem Druck allzu großer Spannungen auseinanderzubrechen drohte. Von einem analytischeren Gesichtspunkt her unterscheidet der Soziologe in der Vielfalt der „Schichten“ oder „Dimensionen“ der Erfahrung Normen, die sozial definierte und sanktionierte Handlungs-, Seins- und Denkweisen sind, und Werte, die den Aktivitäten der Individuen eine grobe Richtung geben, indem sie ihnen Ideale und zugleich eine Vielfalt Identifikation ermöglichender Symbole liefern, welche ihnen helfen, sich selbst und die anderen in Beziehung zu diesen Idealen zu setzen. Aber das Reich der Normen und das Reich der Werte sind nicht streng voneinander getrennt — außer im Falle einer klar umrissene Ziele verfolgenden und die eingesetzten Ressourcen und Mittel souverän beherrschenden „technischen“ Handlung. Meistens bleibt die Unterscheidung zwischen Normen und Werten relativ und abstrakt; und ein „Ausblenden“ der normativen (oder der evaluativen) Dimension wäre ebenso willkürlich wie eine Vernachlässigung der „Regelmäßigkeit“ der sozialen Tatsachen und eine Einengung des Blickwinkels auf die „Ausbrüche“.
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Literatur
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