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Deutschland und der Golfkrieg — verfassungsrechtliche und verfassungspolitische Anmerkungen

  • Reinhard Hermes

Zusammenfassung

Die fehlende militärische Beteiligung Deutschlands am Golfkrieg wurde gegenüber den USA vor allem mit verfassungsrechtlichen Argumenten begründet. Der Autor zeigt, daß das Grundgesetz jedoch nicht eindeutig jede Form eines Einsatzes deutscher Truppen außerhalb des Nato-Gebietes untersagt, und wirft einige weitere Fragen im Hinblick auf mögliche Einsätze der Bundeswehr auf Er weist schließlich auf die Notwendigkeit einer Verfassungsdebatte über die zukünftige Rolle Deutschlands bei internationalen Konflikten hin.

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Literatur

  1. 1.
    Zur Chronologie der Ereignisse siehe: Dokumente zur Krise in der Golf Region, Europa-Archiv 1991, S. D39–D62.Google Scholar
  2. 2.
    Siehe Regierungserklärung von Bundeskanzler Kohl nach der Bundestagswahl 1991Google Scholar
  3. 3.
    Der WEU gehören mit Ausnahme von Dänemark, Griechenland und Irland alle Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft an.Google Scholar
  4. 4.
    Süddeutsche Zeitung vom 20./21.06.1992, S. 1.Google Scholar
  5. 5.
    Siehe im einzelnen Rojahn, in: von Münch: Grundgesetzkommentar. Bd. 2, 2. Aufl., 1983 (nachfolgend zitiert: von Münch/Bearb.), Artikel 24, RandNr. 24.Google Scholar
  6. 6.
    BVerfGE 68, S. 1, 93f. (Nachrüstung); siehe dazu Randelzhofer, in: Maunz und Dürig: Grundgesetz, Artikel 24 II RandNr. 3 (nachfolgend zitiert: Maunz/Dürig); K. Ipsen: Die rechtliche Institutionalisierung der Verteidigung im atlantischen westeuropäischen Raum, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts, 21 (1972), S. 1–53, 51.Google Scholar
  7. 7.
    Von Münch/Rojahn Artikel 24, RandNr. 27 m.w.N.Google Scholar
  8. 8.
    Siehe näher Kewenig: Festschrift für Scheuner, 1973, S. 259ff.Google Scholar
  9. 9.
    Siehe von Münch/Rojahn, Artikel 24, RandNr. 27.Google Scholar
  10. 10.
    BVerfGE 68, S. 1 (93 f.).Google Scholar
  11. 11.
    Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II RandNr. 10; Frowein: Der völkerrechtliche Status von VN-Friedenstruppen und seine Bedeutung für das deutsche Recht, in: Bernhardt et al. (Hrsg.): Rechtliche Aspekte einer Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an Friedenstruppen der Vereinten Nationen, 1990, S. 1–15, 10ff.; siehe auch die Materialien zur Entstehung des Grundgesetzes, in. Jahrbuch des öffentlichen Rechts, 1 n.F. (1951), S. 1, 222ff.Google Scholar
  12. 12.
    Siehe z.B. Delbrück: Collective Security, in: Bernhardt (Hrsg.): Encyclopedia of Public International Law. Instalment 3, 1984, S. 105.Google Scholar
  13. 13.
    Siehe Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II RandNr. 13; siehe auch Maynes: Dateline Washington: A Necessary War, in: Foreign Policy, 82 (1991), S. 159, 164 zu regionalen Konzepten kollektiver Sicherheit.Google Scholar
  14. 14.
    Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II RandNr. 14.Google Scholar
  15. 15.
    Von Münch/Rojahn, Artikel 24 RandNr. 52; Maunz, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 I RandNr. 27; Wieland: Verfassungsrechtliche Grundlagen und Grenzen für einen Einsatz der Bundeswehr, in: Deutsches Verwaltungsblatt, (1991), S. 1174–1182, 1180.Google Scholar
  16. 16.
    Siehe die Nachweise in der vorherigen Fußnote, aA. Blumenwitz: Der nach außen wirkende Einsatz deutscher Streitkräfte, in: Neue Zeitschrift für Wehrrecht, (1988), S. 133–145, 140.Google Scholar
  17. 17.
    N. Riedel: Deutsche als UNO Soldaten?, in: DÖV, (1989), S. 890–897, 895; Wieland: Verfassungsrechtliche Grundlagen, S. 1180.Google Scholar
  18. 18.
    So z.B. Riedel, Deutsche als UNO Soldaten?, S. 895, mit weiteren Nachweisen.Google Scholar
  19. 19.
    In diesem Sinne auch Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II, RandNr. 28; Tomuschat, in: Bonner Kommentar zum Grundgesetz, Artikel 24 II RandNr. 156; Frowein, Der völkerrechtliche Status, S. 10ff.Google Scholar
  20. 20.
    Siehe K. Ipsen: Völkerrecht, 3. Aufl., § 74 RandNr. 2.Google Scholar
  21. 21.
    Mit den allgemeinen Regeln des Völkerrechts ist das allgemeine Völkergewohnheitsrecht gemeint. Dazu werden unter anderen gezählt: Die Regeln der Haager Landkriegsgesetze, (siehe die Materialien zur Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts, 1 n.F. (1951), S. 230), der wesentliche Kern eines fairen Gerichtsverfahrens (BVerfGE S. 63, 323, 338), ein angemessener Rechtsschutz für Ausländer (BVerfGE 67, S. 43, 63) und bestimmte Grundregeln im diplomatischen Verkehr (BVerfGE 46, S. 342, 402); siehe Jarass und Pieroth: Grundgesetzkommentar, Artikel 25, RandNr. 2 ff.Google Scholar
  22. 22.
    Grewe spricht von einer Verfassungsentscheidung des Grundgesetzes für internationale Zusammenarbeit, in: Isensee und Kirchhof: Handbuch des Staatsrechts. Bd. 3, 1988, S. 957.Google Scholar
  23. 23.
    Die Rechtsgrundlage wird in Artikel 29 und 34 bzw. Artikel 22 der VN-Charta oder im Satzungsgewohnheitsrecht gesehen; siehe Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II RandNr. 52; Verdroß und Simma: Universelles Völkerrecht, 3. Aufl., 1984, S. 152ff.; Frowein, Der völkerrechtliche Status, S. 3ff.Google Scholar
  24. 24.
    Der Internationale Gerichtshof hat in einem Rechtsgutachten festgestellt, daß neben dem Sicherheitsrat auch die Generalversammlung den Einsatz von Friedenstruppen beschließen darf, International Court of Justice Reports, 1962, S. 152, 162 (Certain Expenses Case). In der Praxis wird in diesem Zusammenhang allerdings stets der Sicherheitsrat tätig.Google Scholar
  25. 25.
    In der Praxis schließen die betreffenden Staaten mit den Vereinten Nationen spezielle Verträge.Google Scholar
  26. 26.
    Riedel, Deutsche als UNO Soldaten?, S. 890, 895.Google Scholar
  27. 27.
    Juristischer Begriff für Erst-recht-Schluß; in diesem Sinne auch Fro-wein, Der völkerrechtliche Status, S. 12.Google Scholar
  28. 28.
    Übersicht bei Heinz, Philipp und Wolfrum: Zweiter Golfkrieg: Anwendungsfall von Kapitel VII der UN-Charta, 29 Vereinte Nationen 1991, S. 121–128, 122; Text aller Resolutionen in: Europa-Archiv 1991, S. D39–D62.Google Scholar
  29. 29.
    Siehe dazu näher Heinz, Philipp und Wolfram, Zweiter Golfkrieg, S. 125ff.Google Scholar
  30. 31.
    Siehe dazu Bothe: Die Golfkrise und die Vereinten Nationen - eine Rückkehr zur kollektiven Sicherheit?, in: Demokratie und Recht, (1991), S. 2ff.Google Scholar
  31. 32.
    So z.B. K. Ipsen, in: K.-D. Schwarz: Sicherheitspolitik, 3. Aufl., 1978, S. 625; Tomuschat, in: Bonner Kommentar, Art. 24, RandNr. 173.Google Scholar
  32. 33.
    Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II 33 RandNr. 63 ff.; T. Stein: Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit einer Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an Friedenstruppen der Vereinten Nationen, in: Bernhardt et al. (Hrsg.): Rechtliche Aspekte einer Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an Friedenstruppen der Vereinten Nationen, 1990, S. 17–20, 23ff.Google Scholar
  33. 34.
    In seiner ursprünglichen Fassung (von 1956) war Artikel 87a eine reine haushaltsrechtliche Vorschrift, die lautete: “Die zahlenmäßige Stärke der vom Bund zur Verteidigung aufgestellten Streitkräfte und die Grundzüge ihrer Organisation müssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.”Google Scholar
  34. 35.
    Vgl. Bundestagsdrucksache V, 2873; von Münch/Hernekamp, Artikel 87a, RandNr. lff.; K. Ipsen, in: Bonner Kommentar zum Grundgesetz, Art. 87a, RandNr. lff.Google Scholar
  35. 36.
    Siehe näher Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II RandNr. 66ff.; Stein, Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit, S. 23ff.Google Scholar
  36. 37.
    Randelzhofer, in: Maunz/Dürig, Artikel 24 II RandNr. 67.Google Scholar
  37. 38.
    Jarass und Pieroth: Grundgesetzkommentar, Artikel 12a, RandNr. 1; Scholz, in: Maunz/Dürig, Artikel 12a RandNr. 21.Google Scholar
  38. 39.
    Bundestagsprotokolle, 2. Legislaturperiode, S. 6824.Google Scholar
  39. 40.
    Siehe dazu Hermes: Der Bereich des Parlamentsgesetzes, 1988, S. 34ff.; Hesse spricht von der Verfassung, die “verwirklicht” werden muß, in: Grundzüge des Verfassungsrechts der Bundesrepublik Deutschland, 14. Aufl., 1984, Rz. 41ff.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1992

Authors and Affiliations

  • Reinhard Hermes

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