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Ergänzende Erörterung grundlegender Konzepte der Gestalttheorie: Aspekte der Tendenz zur guten Gestalt

  • Hans-Jürgen Walter

Zusammenfassung

Goldstein zeigt, daß ganzheitliche Betrachtungsweisen nicht nur für den psychischen Bereich angemessen sind, sondern ebenso einem besseren Verständnis für die Vorgänge im physikalischen Organismus dienen. Darüber hinaus kann man in seinen Untersuchungen und Überlegungen Belege dafür sehen, daß sich auch die Wechselwirkung zwischen körperlich-physikalischen und psychisch-phänomenalen Vorgängen in der beide vereinenden „Einheit Mensch“(etwa diese Bedeutung gibt Goldstein dem Begriff „Organismus“) nach ganzheitlichen Gesetzmäßigkeiten vollzieht; demzufolge verbietet sich eine grundsätzliche Trennung zwischen der Behandlung körperlicher und psychischer Störungen geradezu. Und das heißt auf gegenwärtige Verhältnisse medizinischer und psychotherapeutischer Versorgung bezogen: Es genügt nicht, einer „klassischen“Medizin (vgl. Teil IV, 1.3, „medizinisches Modell“) eine „psychosomatische“Medizin hinzuzufügen und eventuell, in nochmaliger Abgrenzung, eine auf „rein“psychische Störungsphänomene begrenzte Psychotherapie; vielmehr ist jede Störung und jede Heilung psychosomatischer Natur.

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Literatur

  1. Wenn hier des öfteren von Wahrnehmung die Rede ist, so soll damit nicht gesagt sein, daß die Tendenz zur guten Gestalt und die Gestaltgesetze nur in diesem Bereich psychischen Geschehens wirksam sind. Die Überpropor-tionierung der Wahrnehmung ist lediglich ein Relikt aus der Forschungsgeschichte der Gestaltpsychologie: Die Wirkung der Gestaltgesetze wurde zuerst in Experimenten zur Wahrnehmung nachgewiesen. Spätere gestalt-psychologische Forschungen beschäftigen sich explizit mit der entscheidenden Rolle, die die Tendenz zur guten Gestalt und die Gestaltgesetze für das Denken, Lernen, Problemlösen und für die Gefühle haben (vgl. S. 38 ff.). Im übrigen aber handelt es sich dabei ohnehin nur um heuristische Trennung (von psychischen Bereichen), die es faktisch nicht gibt, d.h.: Wahrnehmung ist immer zugleich mehr oder weniger auch ein affektiver Vorgang, ein Vorgang des Lernens oder des Denkens. So läßt sich auch begründen, weshalb Lewins auf Veränderung gerichtetes gruppendynamisches Trainingskonzept (T-Gruppe) ausgesprochen bei der (wechselseitigen) Wahrnehmung ansetzt.Google Scholar
  2. Vgl. Heckhausen (1975, S. 108/109), der in diesem Zusammenhang auch auf die Auffassungen von Heider und Festinger hinweist; zu letzterem vgl. hier S. 54ff.; von Heider ist auf deutsch die „Psychologie der interpersonalen Beziehungen“erschienen.Google Scholar
  3. Eine wesentliche Ergänzung zur hier angeschnittenen Problematik liefern Portele und Schmid (1976, S. 454–464) mit einem Aufsatz über „Brechts Verfremdungseffekt und soziales Lernen“.Google Scholar
  4. Ein situationsübergreifender Faktor könnte zumindest „nachgeholfen“haben. Zöller (1978) stellt z. B. bei homogenen Elementen eine Tendenz zur Bevorzugung der Zeilenausbildung fest. Er hält allerdings für möglich, daß die Gültigkeit auf unseren Kulturkreis beschränkt sein könne, wo dies der Schreib-Lese-Richtung entspricht. So wäre dann letztlich auch dieser Faktor ein Faktor (wenn auch situationsübergreifender Art) der „Nähe der (Schreibmaschinen-)Erfahrung“.Google Scholar
  5. Ein Stroboskop ist ein Gerät, mit dessen Hilfe man Lichteindrücke (Linien, Punkte) kurz nacheinander an verschiedenen Stellen des Gesichtsfeldes freigeben kann.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1985

Authors and Affiliations

  • Hans-Jürgen Walter

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