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Die Energiepolitik der DDR und ihre wirtschaftlichen und ökologischen Folgen

  • Wolfgang Stinglwagner
Part of the Am Ende des realen Sozialismus book series (RSOZ, volume 4)

Zusammenfassung

Die Geschichte der Energiewirtschaft der DDR von der Nachkriegszeit bis zum Ende der achtziger Jahre war geprägt von strukturellen Problemen. Zum einen waren diese Strukturprobleme in der Teilung Deutschlands begründet. Die Verbindungen zur westdeutschen Wirtschaft waren nach dem Zweiten Weltkrieg auf ein Minimum reduziert worden. Industrien, die noch bis zum Ende des Krieges intensiv miteinander verflochten gewesen waren, wurden auseinandergerissen, in Jahrzehnten herausgebildete Versorgungsstränge unterbrochen. Die Einbindung in das osteuropäische Wirtschaftsbündnis RGW — Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe — war politisch diktiert. Ein wirksamer Ersatz für verlorene Zuliefer- und Absatzgebiete konnte dadurch jedoch nicht gewährleistet werden.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Eine allgemeine Aufarbeitung der energiewirtschaftlichen Entwicklung der DDR dagegen wird hier nicht vorgenommen. Dazu ist schon viel veröffentlicht worden. Vgl. z.B. Wolfgang Stinglwagner, Die Energiewirtschaft der DDR unter Berücksichtigung internationaler Effizienzvergleiche. Manuskriptdruck des Gesamtdeutschen Instituts, Bonn 1985. Derselbe, Energiewirtschaft in der DDR. In: Geographische Rundschau, Heft Nr. 11/1987, S. 635–640. Jochen Bethkenhagen, Die Energiepolitik der Sowjetunion und der DDR. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Bonn 9. August 1986, S. 49–62. Derselbe, Strukturpolitik und Intensivierung in der DDR am Beispiel der Energiepolitik. In: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Vierteljahresheft 4/1989, S. 351–361. Derselbe, Die Energiewirtschaft in den kleineren Mitgliedstaaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe. Entwicklungstendenzen in den achtziger Jahren. In: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Beiträge zur Strukturforschung, Heft 113, Berlin 1990, S. 68–85.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Hans-Joachim Ziesing, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Entwicklung des Energieverbrauchs und seiner Determinanten in der ehemaligen DDR, Untersuchung im Auftrag des Bundesministers für Wirtschaft, Berlin 1991, S. 38. Ein Vergleich mit der Bun-desrepublik Deutschland zeigt, wie stark sich das Autarkiestreben der DDR-Führung ausgewirkt hat. Obwohl Westdeutschland insgesamt über deutlich ergiebigere eigene Energieressourcen verfügte als die DDR, stieg hier der Importanteil am Primärenergieverbrauch bis Ende der achtziger Jahre auf über 70 Prozent an.Google Scholar
  3. 3.
    Von erneuerbaren Energieträgern dagegen versprachen sich die Energieplaner der DDR keinen nennenswerten Beitrag in überschaubarer Zeit. Vgl. Wolfgang Stinglwagner. Wenig Chancen für alternative Energiegewinnung. Zur Nutzung nichtfossiler und nichtnuklearer Energiequellen in der DDR. In: Deutschland Archiv 18 (1985)/12, S. 1320–1325.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. ebenda, S. 113–116.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Ziesing (s.o. Anm. 2), S. 91.Google Scholar
  6. 6.
    Alle energiestatistischen Angaben in diesem Beitrag, die sich auf Energiebilanzstrukturen beziehen, sind nach westdeutscher Berechnungskonvention berechnet — wenn nicht anders vermerkt. Frühere Angaben zum Primärenergieverbrauch der DDR, die sich mangels anderer Angaben fast durchgehend auf Veröffentlichungen in statistischen Jahrbüchern und Fachpublikationen aus der DDR stützen mußten, weichen von den hier verwendeten Angaben geringfügig ab, da die energiestatistische Berechnungsmethodik der DDR nicht durchgehend mit westlichen Berechnungsmethoden übereinstimmte. Insbesondere wegen politisch als sehr brisant eingestufter Devisengeschäfte des Sonderbereiches „Kommerzielle Koordinierung“ mit Erdölprodukten hatte die DDR-Führung auch intern keine zentral konsistente, alle Außenhandelsgeschäfte einschließende Gesamtenergiestatistik erstellen lassen. Da auch nach 1990 bestimmte energiestatistische Angaben nicht restlos nach westlicher Methodik aufgearbeitet werden konnten, verblieben auch weiterhin gewisse nicht aufklärbare Zahlendifferenzen insbesondere bei Angaben über die Primärenergieverbrauchs- und Endenergieverbrauchsstruktur der DDR. Vgl. hierzu Hans-Joachim Ziesing (s. o. Anm. 2), S. 3–10.Google Scholar
  7. 7.
    Berechnet nach Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.), Energie Daten ‘90, Bonn 1991, S.34.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Wolfgang Horlamus, Die Kernenergiewirtschaft der DDR. Von ihren Anfängen bis zur Abschaltung der Reaktoren im Kernkraftwerk Nord. In: hefte zur ddr-geschichte 17 (1994), S. 24–38 undGoogle Scholar
  9. 8a.
    Thomas Stange, Zu früh zu viel gewollt. Der mißglückte Start der DDR in die Kernenergie. In: Deutschland Archiv 30 (1997)-6, S. 923–928.Google Scholar
  10. 9.
    Ebenda, S. 39–41.Google Scholar
  11. 10.
    Vgl. Wolfgang Horlamus, (s.o. Anm. 8), S. 46f.Google Scholar
  12. 11.
    Vgl. Hans-Joachim Ziesing, (s.o. Anm. 2), S. 44.Google Scholar
  13. 12.
    Vgl. Karl-Heinz Groß, Der innerdeutsche Handel aus internationaler Sicht. In: Deutschland Archiv 19 (1986)/10, S.1075–1084 undGoogle Scholar
  14. 12a.
    Fritz Homann, Zur Zukunft des innerdeutschen Handels. 1986Ebenda, S. 1085–1094.Google Scholar
  15. 13.
    Vgl. SAPMO BArch, DY 30/vorl. SED 26562.Google Scholar
  16. 14.
    Ebenda, S. 4.Google Scholar
  17. 15.
    Ebenda, S.6f.Google Scholar
  18. 16.
    Vgl. auch zu den folgenden wörtlichen Zitaten ebenda, S. 6ff.Google Scholar
  19. 17.
    Ebenda, S. 1.Google Scholar
  20. 18.
    Vgl. Stinglwagner, (s. o. Anm. 1), S. 161–164.Google Scholar
  21. 19.
    Allerdings werden im Nachhinein nie die letzten statistischen Details aufgeklärt werden können, da in der DDR schon das Grundlagenmaterial zum Teil unter anderen methodischen Gesichtspunkten aufbereitet wurde als im Rahmen der westdeutschen Energiestatistik. Selbst unter westlichen Ländern gibt es in bestimmten Bereichen unterschiedliche energiestatistische Ansätze. Diese Problematik führt dazu, daß sich bei der nachträglichen Analyse energiestatistischer Daten aus der DDR besonders dann gewisse Abweichungen zwischen unterschiedlichen Berechnungsmodellen ergeben können, wenn sich diese auf hochaggregierte, mit ökonomischen Wertgrößen (Mark der DDR) verbundene oder multiplikativ verknüpfte Daten beziehen. Letzteres ist z.B. bei der Berechnung spezifischer Größen — etwa Effizienzindikatoren — der Fall.Google Scholar
  22. 20.
    Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.), Energie Daten ‘91, Bonn 1992, S. 37.Google Scholar
  23. 21.
    Vgl. Ziesing (s. o. Anm. 2), S. 59–63.Google Scholar
  24. 22.
    Vgl. Stinglwagner, (s. o. Anm. 1), S. 43–45.Google Scholar
  25. 23.
    Vgl. Ziesing (s. o. Anm. 2), S. 88.Google Scholar
  26. 24.
    Vgl. Jochen Hesselbach, Gesamtbilanz Energie 1989 — Wirtschaftsraum DDR -, hrsg. vom Institut für Energetik, Leipzig 1990, S. 29. Im Gegensatz zu den immer wiederkehrenden Anlagenausfällen in Betrieben hat die Führungskader der SED im Februar 1988 ein anderer Stromausfall sehr direkt betroffen. Er ereignete sich am 8. Februar 1988 bei einem Treffen des Politbüros mit hohen FDJ-Funktionären. Der Fall wurde als so kritisch eingestuft, daß sich am 16. Februar 1988 selbst das ZK der SED damit befaßte (Anhang, Nr. 8).Google Scholar
  27. 25.
    Vgl. Jochen Hesselbach, Gesamtbilanz Energie 1989 ebenda, S. 27.Google Scholar
  28. 26.
    Vgl. dazu die Angaben im Statistischen Jahrbuch der DDR 1989, Berlin, 1989, S. 154.Google Scholar
  29. 27.
    Vgl. Ziesing (s. o. Anm. 2), S. 62–71.Google Scholar
  30. 28.
    Vgl. ebenda, S. 78. Vgl. dazu insbesondere Hannsjörg F. Buck, Rationalisierungsschwerpunkte im DDR-Verkehrswesen bis 1985. In: Deutschland Archiv 14 (1981)/5, S. 487–505Google Scholar
  31. 29.
    Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.), Energie Daten ‘91, Bonn 1992, S. 37.Google Scholar
  32. 30.
    Vgl. Ziesing (s. o. Anm. 2), S. 80.Google Scholar
  33. 31.
    Vgl. Trautenhahn, Frank, Energielieferungen an die Bevölkerung — Entwicklungen und wesentliche Einflüsse. In: Energieanwendung 38 (1989)/5, S. 172.Google Scholar
  34. 32.
    Wie aus Dokumenten des Büros Mittag hervorgeht, hatten auch die in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte ihre Probleme mit der Umstellung der Gebäudeheizungen auf Rohbraunkohle. Vgl. Anhang, Nr. 9.Google Scholar
  35. 33.
    Vgl. Martin Weisheimer, Preise und Subventionen im Energiesektor der DDR. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 40 (1990) — 9, S. 630f.Google Scholar
  36. 34.
    Martin Weisheimer, Preise und Subventionen im Energiesektor der DDR. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 40 (1990)Vgl. ebenda, S. 631.Google Scholar
  37. 35.
    G. Genest, Wie wird der Elektroenergiebedarf der Bevölkerung gedeckt?. In: Elektroprakti-ker 41(1987)-5, S. 133.Google Scholar
  38. 36.
    Vgl. Berkner, Andreas, Braunkohlenbergbau, Landschaftsdynamik und territoriale Folgewirkungen in der DDR. In: Petermanns Geographische Mitteilungen 31 (1989) — 3, S. 179–183.Google Scholar
  39. 37.
    Ebenda, S. 181. Vgl. insbesondere auch Hannsjörg F. Buck, Umweltpolitik und Umweltbelastung. In: Eberhard Kuhrt, Hannsjörg F. Buck, Gunter Holzweißig (Hrsg. im Auftrag des Bundesministeriums des Innern). Die wirtschaftliche und ökologische Situation der DDR in den achtziger Jahren, S. 223 – 266. Eine übersichtliche, straffe Gesamtschau der Anforderungen und Leistungen zur Sanierung der Bergbaufolgeschäden in den Braunkohle- und Uranrevieren bietet der Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 1998, Unterrichtung durch die Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 13/10823, S. 69–71.Google Scholar
  40. 38.
    Ebenda, S. 184f.Google Scholar
  41. 39.
    Vgl. Bundesministerium für Umwelt (Hrsg.), Eckwerte der ökologischen Sanierung und Entwicklung in den neuen Ländern, Bonn 1991, S. 16.Google Scholar
  42. 40.
    Lausitzer Rundschau v. 22. Januar 1990, S. 3.Google Scholar
  43. 41.
    Vgl. Weisheimer, Martin, Was kostet uns der Strom wirklich? In: Berliner Zeitung v. 4.1.1991, S. 5.Google Scholar
  44. 42.
    Vgl. Bundesministerium für Umwelt (Hrsg.; s. o. Anm. 39), S. 15.Google Scholar
  45. 43.
    Vgl. ebenda, S. 17.Google Scholar
  46. 44.
    Vgl. B. Fege, M. Göhel, H.-U. Jung (Hrsg.), Regionalreport DDR 1990, Berlin/Hannover 1990, S. 70f.Google Scholar
  47. 45.
    Vgl. Joachim Höhn, Friedrich Niehaus, Die Sicherheit von Kernkraftwerken in Osteuropa. In: Atomwirtschaft 42 (1997)/ 5, S. 307–313.Google Scholar
  48. 46.
    Vgl. Stinglwagner, (s.o. Anm. 1), S. 68–72.Google Scholar
  49. 47.
    Vgl. Höhn, (s.o. Anm. 44), S. 308f.Google Scholar
  50. 48.
    Vgl. Horlamus, (s.o. Anm. 8), S. 41–45. Sehr gering war darüber hinaus auch die Kenntnis der DDR-Öffentlichkeit über die Folgeschäden, die der ostdeutsche Uranbergbau hinterlassen hatte. Vgl. dazu Diethard Mager, Wismut — die letzten Tage des ostdeutschen Uranbergbaus. In: Kuhrt/Buck/Holzweißig (s.o. Anm. 37), S. 267–282.Google Scholar
  51. 49.
    In einem Papier des Zentralen Runden Tisches vom Mai 1990 heißt es dazu in der zusammenfassenden Bewertung: „Unsere Untersuchungen haben ergehen, daß hei den Kernkraftwerken Greifswald, Block 1 bis 4, sowohl im Werkstoffbereich wie im Bereich der Systemtechnik erhebliche Sicherheitsdefizite bestehen. Deshalb ist ein sicherer Weiterbetrieb, der schwere Unfälle ausschließt, nicht möglich.“ Vgl. Helmut Hirsch u. a., Beurteilung des Zu-stands der Blöcke 1 bis 4 des KKW „Bruno Leuschner“ bei Greifswald (DDR), Berlin, Mai 1990, S. I-1.Google Scholar
  52. 50.
    Vgl. Stinglwagner, (s. o. Anm. 1), S. 198–200.Google Scholar
  53. 51.
    Vgl. dazu die Angaben des stellvertretenden Ministers für Schwerindustrie, Karl-Hermann Steinberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8.2.1990, S. 15.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1999

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Stinglwagner

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