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Zur Devisenverschuldung der DDR — Entstehung, Bewältigung und Folgen

  • Armin Volze
Part of the Am Ende des realen Sozialismus book series (RSOZ, volume 4)

Zusammenfassung

Die Westverschuldung der DDR hat sich durch einen anhaltenden Importüberschuß in den 70er Jahren aufgebaut. Sie war eine Konsequenz der von Honecker bestimmten konsumfreundlichen Politik der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ mit schwerwiegenden Folgen. 1981/82 geriet die internationale Zahlungsfähigkeit der DDR in akute Gefahr; das sich anschließende Krisenmanagement führte zu schweren ökonomischen Folgeschäden.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Jörg Roesler, Der Einfluß der Außenwirtschaftspolitik auf die Beziehungen DDR — Bundesrepublik DeutschlandArchiv 26(1993)/5, S. 558ff. mit umfangreichen Quellennachweisen;Google Scholar
  2. 1a.
    Maria Haendcke-Hoppe-Arndt, Wer wußte was? Der ökonomische Niedergang der DDR, Deutschland Archiv 28 (1995)/5, S. 588ff.;Google Scholar
  3. 1b.
    H.-H. Hertle Die Diskussion der ökonomischen Krisen in der Führungsspitze der SED in Pirker/ Lepsius/Weinert/ Hertle, Der Plan als Befehl und Fiktion, Opladen 1995, S. 309ff.Google Scholar
  4. 2.
    Die Berichterstattung der BIZ über Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber westlichen Banken hat von 1964 bis 1974 nur die Pauschalposition „Osteuropa“ ausgewiesen. Später wurde zunehmend nach einzelnen Ländern differenziert, auch erweiterte sich der Kreis der berichtenden Banken. Ende der 70er Jahre wurden die BIZ-Zahlen für den Bankenbereich zuverlässig und aussagekräftig.Google Scholar
  5. 3.
    Vgl. Armin Volze, Ein großer Bluff? Die Westverschuldung der DDR, Deutschland Archiv 29(1996)/5, S. 711.Google Scholar
  6. 4.
    In der Statistik der Staatlichen Plankommission (SPK) zerfiel NSW in drei Untergliederungen: „Konvertierbare Devisen“ (KD), „Verrechnungswährungen“ (VW) und (für den idH) „BRD/WB“ (VE). Die Statistik der Plankommission war westlichen Beobachtern nicht zugänglich, außerdem auch nicht umfassend, da der Außerplanhandel, insbesondere die Umsätze von Koko, fehlten.Google Scholar
  7. 5.
    Dazu gehörten nach 1970 alle EG-Länder einschl. der später hinzugekommenen Mitglieder Dänemark, Großbritannien, Irland und Griechenland, Spanien und Portugal sowie Japan, Österreich, Schweden, Schweiz , USA und Kanada.Google Scholar
  8. 6.
    Paul-Günther Schmidt, Internationale Währungspolitik im sozialistischen Staat, Stuttgart, New York 1985 — Anhang C, Die externe Handelsbilanz der DDR nach der offiziellen Außenhandelsstatistik, S. 383ff. Beiläufig beantwortet sich damit auch die Frage, welche Grenzen den Einsichtsmöglichkeiten der westlichen DDR-Beobachtung in die Handelsverschuldung der DDR in den 70er und 80er Jahren gezogen waren.Google Scholar
  9. 7.
    Die Ausgaben des Statistischen Jahrbuchs Außenhandel waren bisher im Archiv des Statistischen Bundesamtes, Zweigstelle Berlin, einsehbar, Archivszugangsnummer 0032963. Inzwischen sind sie ins Bundesarchiv überführt worden, Kartonnummer 30114 und 30329. Die Neuberechnungen der Exporte/Importe der DDR ab 1975 durch die Deutschen Bundesbank (s. unten S.15) standen bei der Ausarbeitung der folgenden Abschnitte noch nicht zur Verfügung. Stichproben haben ergeben, daß die Abweichungen, ausgenommen die Jahre 1985–1988, das Bild nicht wesentlich verändern.Google Scholar
  10. 8.
    Einzelheiten s. Exkurs „Anmerkungen zur Außenhandelsstatistik“ 2.3.1.Google Scholar
  11. 9.
    Vgl. Armin Volze, Die gespaltene Valutamark, Deutschland Archiv 32 (1999)/2, S. 232ff. und Exkurs 1.1, 1.2 und 2.3.2.Google Scholar
  12. 10.
    Paul-Günther Schmidt (s.o. Anm. 6) S. 392 Tab.C.6.Google Scholar
  13. 11.
    Die Summe der KD-Saldos beläuft sich auf 21,6 Mrd. PlanVM = 8,8 Mrd. $. Daß das Handelsdefizit des Gesamthandels von dem der Planrechnung abweicht, ergibt sich aus dem größeren Erfassungsbereich der Gesamtrechnung einschl. der Sonderbereiche, insbesondere Koko. Schürer hat den Importüberschuß der DDR gegenüber NSW zwischen 1972 und 1978 auf 10 Mrd. VM = 5 Mrd. $ beziffert (vgl. Roesler [s.o. Anm.1], S. 559). Die Angaben beziehen sich auf einen kürzeren Zeitraum, gelten nur für den Planbereich und schließen andererseits den idH und andere Verrechnungswährungen mit ein.Google Scholar
  14. 12.
    Offenbar anderer Ansicht ist Peter von der Lippe, Die gesamtwirtschaftlichen Leistungen der DDR-Wirtschaft in den offiziellen Darstellungen — Die amtliche Statistik der DDR als Instrument der Agitation und Propaganda der SED, Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ (12. Wahlperiode des Deutschen Bundestages), hrsg. vom Deutschen Bundestag, Baden-Baden, Frankfurt/Main 1995, Band II/3, S. 2053: „Gerade auf dem Gebiet des Außenhandels gab es zwar die Möglichkeit, unabhängige Kontrollrechnungen aufzumachen und so die Plausibilität der DDR-Angaben zu überprüfen, gerade auf diesem Gebiet gab es aber auch viel Möglichkeiten, bei Unstimmigkeiten ganz harmlose Methodenunterschiede als Ursache zu vermuten.“ Es waren wohl tatsächlich fundamentale Methodenunterschiede, die die OECD-Statistik für eine devisenrelevante Beobachtung des DDR-Außenhandels ungeeignet machten.Google Scholar
  15. 13.
    So schon Paul-Günther Schmidt (s.o. Anm. 6), S. 388. Vgl. dazu auch Abschnitt 1.2.Google Scholar
  16. 14.
    Ein Beispiel dafür, wie vorsichtig man bei der Auswertung von Handelsstatistiken sein muß, wenn es um Aussagen zur Verschuldung geht, liefert die sowjetische Außenhandelsstatistik, die in den 80er Jahren einen erheblichen und wachsenden Passivsaldo der DDR auswies. Daraus ist eine entsprechende Verschuldung der DDR in TRbl abgeleitet worden. In Wirklichkeit hatte die DDR 1990 keine Schulden gegenüber der SU, wie sich bei der Vorbereitung der Wirtschafts- und Währungsunion herausteilte. Der Aktivsaldo der SU war durch Devisenzahlungen und Dienstleistungen der DDR ausgeglichen worden.Google Scholar
  17. 15.
    Vgl. dazu Exkurs 1.3.Google Scholar
  18. 16.
    Vorlage an das Politbüro GVS B 5 – 143/79 vom 1.2.1979 [Auszug im Archiv des Verfassers].Google Scholar
  19. 17.
    Jörg Roesler (s.o. Anm. 1), S. 559Google Scholar
  20. 18.
    Hertle (s.o. Anm. 1), S. 309ff. Im wesentlichen werden Schreiben oder Vorlagen von Schürer an Honecker bzw. das Politbüro aus den Jahren 1976, 1977 (gemeinsam mit Mittag) und 1978 zitiert. Eine gemeinsame Vorlage von Schürer, Böhm, Kaminsky und Polze warnte vor der Schuldendienstspirale, in die die DDR geraten sei. Schließlich wurde in einer SPK-Vorlage vom Juni 1980 vorgeschlagen, durch eine enorme Steigerung der Exporte und eine Verringerung der Importe die Verschuldung bis 1986 mindestens zu halbieren.Google Scholar
  21. 19.
    Die nachfolgende Darstellung stützt sich auf ein Gedächtnisprotokoll von Prof. Dr. Friedmar John, zuletzt Vizepräsident der DABA, vom 8.2.1990 (Kopie im Archiv des Verfassers).Google Scholar
  22. 20.
    Vorlage an das Politbüro, ausgearbeitet und unterzeichnet von G. Schürer, S. Böhm, H. Kaminsky, W. Polze, GVS B 5 – 2545/78 vom 29.12.1978. Vgl. Hertle (s.o. Anm. 1), S. 318 Fn. 30.Google Scholar
  23. 21.
    Vgl. oben Anmerkung 16.Google Scholar
  24. 22.
    Vermutlich war das zitierte Politbüromitglied Kurt Hager („Poltergeist im Politbüro“, Siegfried Prokop im Gespräch mit Alfred Neumann, Frankfurter Oder Editionen 1996, S. 11.) Neumann selbst gehörte zur Gruppe der Fundamentalisten, die einer intensiveren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Westen von Anfang an und aus Prinzip ablehnend gegenüberstand und die aus ideologischen Gründen nichts so sehr fürchtete wie die Abhängigkeit vom Westen.Google Scholar
  25. 23.
    Vorschläge der Regierung der DDR an die Regierung der BRD bzw. an den Senat von Berlin (West) vom 9. Dezember 1974, Dokumente 103 und 104, S. 281ff. in: Zehn Jahre Deutschlandpolitik. Die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik 1969–1979, herausgegeben vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, Februar 1980.Google Scholar
  26. 24.
    Vgl. dazu und zum Folgenden Exkurs 1.5 und 2.2.3.Google Scholar
  27. 25.
    Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989, Selbstverlag der Deutschen Bundesbank, Frankfurt/Main, August 1999.Google Scholar
  28. 26.
    Diese Zahlen waren auf der Grundlage der Veröffentlichung im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank Juli 1990, S. 14 ff ermittelt.Google Scholar
  29. 27.
    Vgl. Volze (s.o. Anm. 3), S. 701.Google Scholar
  30. 28.
    Materialien der Enquetekommission (s.o. Anm. 12) Band V/3 „Deutschlandpolitik, innerdeutsche Beziehungen und internationale Rahmenbedingungen“, Baden-Baden 1995, S. 2761ff., hier S. 2787.Google Scholar
  31. 29.
    Die Gegenleistungen bei den Kirchengeschäfte A und C waren wirtschaftlicher Art zugunsten kirchlicher Einrichtungen in M oder VM. Bei den Kirchengeschäften B bestanden sie aus Häftlingsfreilassungen und Familienzusammenführungen.Google Scholar
  32. 30.
    Vgl. Armin Volze, Eine Bananenlegende und andere Irrtümer, Deutschland Archiv 26 (1993)/1, S. 58ff.Google Scholar
  33. 31.
    Die Gegenwerte der Kirchengeschäfte A wurden z.T in Mark der DDR geleistet, z.T. in VM als ,Binnenexporte‘, vgl. Armin Volze, Kirchliche Transferleistungen in die DDR, Deutschland Archiv 24 (1991)/1, S. 62, 64. Im Zusammenhang dieser Untersuchung können nur die Nettodevisenerlöse angesetzt werden.Google Scholar
  34. 32.
    Das Konto 0528 bei der Deutschen Handelsbank galt als das sog. Mielkekonto, aus dem u.a. auch der Betrieb von Wandlitz finanziert wurde. Bis 1974 waren die Gegenwerte der Kirchengeschäfte im Prinzip über dieses Konto gelaufen. Vgl. dazu Gutachten des HWWA -Instituts für Wirtschaftsforschung — Hamburg, Die Bedeutung des Bereichs Kommerzielle Koordinierung für die Volkswirtschaft der DDR, im Auftrag des 12. Deutschen Bundestages, 1. Untersuchungsausschuß „Kommerzielle Kordinierung“, Drucksache 12/7600 S. 3ff., 85ff.Google Scholar
  35. 33.
    Überwiegend ging es um Importe zur Versorgung der Bevölkerung, aber auch um Unterstützungsmaßnahmen für Polen und Nicaragua. 1978 wurden 200 Mio. VM an die „Zahlungsbilanz“ abgeführt.Google Scholar
  36. 34.
    HWWA (s.o. Anm. 32), S. 74.Google Scholar
  37. 35.
    HWWA (s.o. Anm. 32), S. 61.Google Scholar
  38. 36.
    Die Exportzahlen in konvertierbaren Devisen sind geschätzt auf Basis der Ermittlungen der Deutschen Bundesbank (s.o. Anm. 25) Tab. 9, S. 50. Die Differenz zu den Zahlen der Außenhandelsstatistik (vgl. Tabelle III Spalte [5] im Anhang) erklärt sich aus den eliminierten statistischen „Aufstockungen“ ab 1985. Zu den politisch bedingten DM-Sondereinnahmen siehe Tab. V im Anhang. Das prozentuale Verhältnis dieser Zuflüsse zu den KD-Exporten ist abgerundet. Die Zahlen sollen nur allgemein die Bedeutung der Zuflüsse deutlich machen.Google Scholar
  39. 37.
    Tab. 14 der Deutschen Bundesbank a.a.O. S. 55 weist Kapitalertragseinnahmen und -ausgaben NSW aus. Dabei handelt es sich um Zinsen mit Ausnahme der ausgewiesenen Erwerbseinkommen. Bei den Zinseinnahmen kann unterstellt werden, daß fast ausschließlich KD-Zinsen in Frage stehen mit Ausnahme geringfügiger Einnahmen aus Regierungskrediten. Bei den Zinsausgaben sind die VE-Zahlungen bekannt, die sich in einem Bereich zwischen 65 und 113 Mio. VE im Jahr bewegt haben. In Tabelle VI im Anhang sind die genannten Sonderpositionen herausgerechnet. Die angegebenen Werte dürften annähernd die KD-Werte wiedergeben. Die vorgenommene Abrundung des Zinssaldos pauschaliert noch bestehende Abgrenzungsprobleme. Bedenklich ist einzig, daß darin auch Zinseinnahmen und -ausgaben des Koko-Bereichs enthalten sind. Diese Werte hatten nichts mit der „Zahlungsbilanz“ zu tun. Aber es ist im Augenblick nicht möglich, sie herauszurechnen. Insofern ist der Zinssaldo möglicherweise etwas zu hoch. Einen Überblick über die Probleme der DDR-Außenhandelsstatistik geben Maria Haendcke-Hoppe, Die DDR-Außenhandelsstatistik und ihr Informationswert, FS-Analysen 3–1978, und die tiefschürfende Analyse von Paul-Günther Schmidt (s.o. Anm. 6), S. 383ff.Google Scholar
  40. 39.
    So Paul-Günther Schmidt (s.o. Anm. 6), S. 383.Google Scholar
  41. 40.
    Peter von der Lippe (s.o. Anm. 12), S. 2117ff.Google Scholar
  42. 41.
    Vgl. dazu Armin Volze, Die gespaltene VM, Deutschland Archiv 32 (1999)/2, S.232ff.Google Scholar
  43. 42.
    Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Umsätze im Außenhandel 1975 und 1980 bis 1990, Sonderreihe mit Beiträgen für das Gebiet der ehemaligen DDR, Heft 9, Wiesbaden 1993.Google Scholar
  44. 43.
    Udo Ludwig/Reiner Stäglin, Die gesamtwirtschaftliche Leistung der DDR in den letzten Jahren ihrer Existenz, Zur Neuberechnung von Sozialproduktdaten für die ehemalige DDR, in Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte II/1997, S. 55–81.Google Scholar
  45. 44.
    Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989, Selbstverlag der Deutschen Bundesbank, Frankfurt/Main, August 1999.Google Scholar
  46. 45.
    Siehe oben Anmerkung 7.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1999

Authors and Affiliations

  • Armin Volze

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