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Die wirkliche Lage Berlins Längst ist Berlin nicht mehr das Modernisierungszentrum Deutschlands

  • Wolf Jobst Siedler

Zusammenfassung

Mit dem Ausgang des zweiten Weltkrieges ist Berlin in einer neuen Lage, die erst allmählich in das Bewußtsein der Stadt getreten ist. Im 18. Jahrhundert pflegte man in Preußen zu sagen, wenn man auf den Oder-Deichen stand, hier ist „die Mitte der Monarchie“. Von hier aus war es ja genauso weit nach Königsberg und Memel wie nach Bonn und Düsseldorf, beide Male etwa 500 Kilometer. Diese Mittellage hat Berlin immer geprägt. Danzig, Königsberg und Breslau waren die Quellen Berlins, von wo sie nicht nur ihren Reichtum -zuerst Korn und Holz, dann Kohle und Erze -, sondern auch ihr Genie bezog. Das Berliner Schloß wurde von dem Danziger Andreas Schlüter gebaut, der Rationalismus Kants kam aus Königsberg und aus Breslau stammten nicht nur Meister Eckhart, sondern auch der „schlesische Engel“, Angelus Silesius. Aus Schlesien kamen noch ganz zum Schluß Gerhart Hauptmann und Alfred Kerr. Noch gestern hatte jeder zweite Berliner seine Verwandten nicht am Niederrhein oder an der Donau sondern an der Oder oder an der Weichsel. Das alles ist von einem hergelaufenen Österreicher verspielt worden. Nun ist Berlin zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Grenzstadt. Rund fünfzig Kilometer hinter seinen letzten Häusern beginnt die polnische Grenze.

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© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Wolf Jobst Siedler

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