Alfred Andersch pp 13-31 | Cite as
Alfred Anderschs Leben und Werk aus der Sicht der neunziger Jahre: Eine Problemskizze
Zusammenfassung
Andersch, der schon als Kind vom Schriftstellerberuf träumte, hielt nach einer kurzen aber intensiven Arbeit als politischer Jugendfunktionär und nach einem Dachau-Trauma fortan sein privates Ich aus seinen frühen Schriften so gut wie möglich heraus. In ersten Erinnerten Gestalten (1943/1986) und dann erst recht in der Nachkriegsprosa versteckte Andersch seine Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und mit seinen eigenen, oft ambivalenten Emotionen hinter immer neu zusammengesetzten Erzählfiguren, die den versäumten eigenen Widerstand im Dritten Reich nachspielten. Aber mit wachsender Reife maß er im Rückblick auch das eigene Handeln an seinen ersten existentiellen Modell-Konstellationen in der Erzählprosa der 50er Jahre. Dies führte, wie sich an Nachlaßentwürfen überprüfen läßt, zu wachsenden Schuldgefühlen und der neu entdeckten Liebe zum „Halbschatten“ der 60er Jahre im Lichte solch strenger Engagement-Forderungen, wie sie die französischen Existentialisten nur mit der moralischen Emphase eigener Résistance-Erfahrungen stellen konnten. Andersch machte dabei aber immer nur das Vorgefundene im Leben zum Stoff und versuchte, getreu seiner Vorstellung von Realismus in der Nähe des Lukácsschen Gesellschaftsromans wenig fiktional hinzuzuerfinden. Gerade die scheinbar geringfügigen Retouchen hatten es aber in sich.
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Anmerkungen
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