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Gesellschaftliche Umbruchprozesse und neue religiöse Bewegungen im afrikanischen Christentum

  • Erhard Kamphausen

Zusammenfassung

Zu Beginn der 1990er Jahre nahm die Fachwelt mit Erstaunen zur Kenntnis, daß Führer und Vertreter der christlichen Kirchen Afrikas entscheidende politische Funktionen in den sich in vielen afrikanischen Staaten vollziehenden Demokratisierungsprozessen übernahmen. Bürgergruppen zwangen Diktatoren Nationalkonferenzen einzuberufen, bei denen eine große Bandbreite verschiedener gesellschaftlicher Gruppen über die Zukunft des jeweiligen Landes diskutierte. Die Diktatoren, verletzlich und verlassen von ihren früheren westlichen Unterstützern, mußten sich, zumindest kurzfristig, beugen. Bemerkenswert bei diesen Konferenzen war, daß Führer christlicher Kirchen um Vermittlung gebeten wurden. Erwähnt seien an dieser Stelle Benin, wo der Erzbischof von Cotonou als Vorsitzender der Übergangsregierung vorstand. Wichtige politische Ämter übernahmen der Bischof von Oyem in Gabun, der Bischof von Atakpame in Togo, der Bischof von Owando in der Volksrepublik Kongo und der Erzbischof von Kisangani in Zaire. Auch in Ostafrika war das Engagement der Kirchen für die Demokratiebewegung beachtlich. In Kenya ging die stärkste Opposition gegen das Moi-Regime von anglikanischen Bischöfen und später vom gesamten Nationalen Kirchenrat aus. Der Sturz Bandas in Malawi wurde von der katholischen Bischofskonferenz aktiv gefördert. Auch in Zambia trugen die Kirchen dazu bei, einen friedlichen Machtübergang herbeizuführen (Gifford 1995a). Der Kampf der Kirchen gegen die Apartheid, wie er besonders in den Programmen des Südafrikanischen Kirchenrates (SAACC) seinen Ausdruck fand, ist wohlbekannt (Rothe 1990). Aufgrund dieses Engagements beurteilen viele Autoren die Rolle der christlichen Kirchen beim Aufbau demokratischer Strukturen in den rezenten Umbruchprozessen in vielen afrikanischen Gesellschaften ohne Einschränkung positiv (de Gruchy 1995, Joseph 1993 und Mihevec 1996). Um die emanzipatorische Ausrichtung des modernen Christentums in Afrika herauszustellen, verweist man auch auf kontextuelle Befreiungstheologien (African Theology, Black Theology), also auf die Entwicklung eigenständiger theologischer Entwürfe, die sich vor allem mit der Frage der Bekämpfung des Rassismus, der Überwindung der Abhängigkeit von den abendländisch-westlichen Traditionen, der Inkulturation des Christentums in Afrika und der Herausbildung neuer, der afrikanischen Lebensweise und Weltanschauung entsprechenden Formen von Glaube und Spiritualität befassen (Kamphausen 1990).

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1999

Authors and Affiliations

  • Erhard Kamphausen

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