Markt und Macht

  • Klaus Kraemer

Zusammenfassung

Im folgenden Kapitel ist der Frage nachzugehen, wie sich der Vergesellschaftungsmodus des Marktes auf die Produktion und Reproduktion gesellschaftlicher Machtchancen auswirkt. Bevor jedoch das Verhältnis von Macht und Markt genauer eingekreist werden kann, erscheint es an dieser Stelle angezeigt, den Stand der bisherigen Überlegungen kurz zu rekapitulieren: Die Analyse nahm ihren Ausgangspunkt auf der elementaren Ebene des funktionalen Markttausches, um die Besonderheiten dieser Tauschbeziehung gegenüber dem Tauschmodus der sozialen Reziprozität darzulegen und genauer bestimmen zu können, wie sich das Verhältnis der Individuen zueinander darstellt. Hierbei sollte verdeutlicht werden, daß der funktionale Markttausch von strukturellen Zusammenhängen entlastet, die den Marktteilnehmern vorausgesetzt sind. Diese Entlastungsfunktion verweist auf Verhältnisse, die im Rahmen eines handlungstheoretischen Zugriffs letztlich nicht hinreichend problematisiert werden können. Deshalb wurde ein Perspektivenwechsel vorgenommen, um den soziologischen Blick auf jenes Netz von Systemparametern richten zu können, in das die Austauschenden unhintergehbar eingewoben sind. Unter besonderer Berücksichtigung des Weberschen Begriffs der formalen Rationalität ist hierbei die Absicht verfolgt worden, den Modus der Marktvergesellschaftung jenseits von zweckrational motivierten Handlungsstrategien souveräner Marktsubjekte zu beschreiben. Die Fixierung auf die Handlungsebene isolierter Einzelaktionen von Austauschenden, die spezifische Nutzenkalküle verfolgen, bliebe nämlich sonst eigentümlich unterkomplex und die höhere Emergenzebene des Marktzusammenhangs analytisch unerschlossen. Der Fokus der Analyse wurde somit um die Rekonstruktion des Marktes als überindividuellem Systemmechanismus erweitert, um die Rationalitätsproblematik in sachlicher, zeitlicher und räumlicher Dimension genauer zu thematisieren. Im folgenden ist nun zu begründen, warum die sich hieraus ergebenden Zwänge, unter denen die Akteure Entscheidungen fällen und handeln, machttheoretisch von erheblicher Bedeutung sind. Dies erscheint mir gerade auch deswegen unverzichtbar, da Herrschaft und Macht dem äußeren Anschein nach in formal freien, vertraglich vereinbarten Tauschbeziehungen des Marktes zunächst nur durch Abwesenheit auffallen.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

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  • Klaus Kraemer

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