Konservative Wende und industrielle Beziehungen in Großbritannien und in der Bundesrepublik
Zusammenfassung
Die generellen Begründungen der Wendepolitik in Großbritannien und in der Bundesrepublik demonstrieren gleichermaßen die „neoliberale Konterrevolution“ seit den siebziger Jahren, verstanden als ökonomische und wirtschaftspolitische Doktrin und als Leitbild zur Neugestaltung des Verhältnisses von Staat und Wirtschaft und darüber hinaus von ökonomischen, sozialen und politischen Beziehungen in der kapitalistischen Gesellschaft. Unterhalb dieser Ebene aber differieren die Strategien der Konservativen Partei und der Bonner Koalition, weil sie die national unterschiedlichen Problemkonstellationen, Kräfteverhältnisse und Institutionen, über die sich ein sozio-politischer Wandel vermittelt, in Rechnung stellen müssen und das Ausmaß der notwendigen und möglichen Wende unterschiedlich bestimmen. Während der „Thatcherismus” Grundprinzipien und Kernstrukturen der gesellschaftlichen Politikorganisation durch neue ersetzen will, zielt die „Bonner Wende“ auf eine beschleunigte Korrektur des gesellschaftspolitischen Kurses der siebziger Jahre und begründet dies mit notwendigen Anpassungen an die Erfordernisse des technologisch-ökonomischen Modernisierungswettlaufs. Die Differenz zeigt sich gerade in der Politik der industriellen Beziehungen: Der „Thatcherismus” will die Gewerkschaften als gesellschaftliche und politische Kraft ausschließen; die „Bonner Wende“ versucht, die Gewerkschaften krisenpolitisch zu konditionieren und ihren Handlungsspielraum im bestehenden System der industriellen und politischen Beziehungen einzugrenzen.
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