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Zum Einfluß der Öffentlichen Meinung auf die Rechtsanwendung

  • Gerd Roellecke

Zusammenfassung

Als das westirische Galway um 1500 einen blühenden Handel mit dem spanischen Cadiz trieb, lud der Bürgermeister und oberste Richter Galways, der Kaufmann James Lynch, den Sohn eines spanischen Geschäftsfreundes namens Gomez in sein Haus nach Galway ein. Der junge Gomez und der Bürgermeistersohn Walter Lynch vertrugen sich zunächst gut, bis der Spanier dem Iren nicht nur das Mädchen ausspannte, sondern sich auch noch taktlos und indiskret seiner Eroberung rühmte. Es kam zum Streit, in dessen Verlauf Walter Lynch den jungen Gomez erstach. Der Vater und Richter verurteilte den Sohn zum Tod durch den Strang. Die Mutter verstand es jedoch, das Volk zugunsten des Sohnes zu mobilisieren. Am Tage der Hinrichtung erschien es in solchen Massen auf der Richtstätte und nahm eine solch drohende Haltung ein, daß die kleinmütigen Büttel und Henker schnell den Platz räumten. An den Richter mit dem steinern gewordenen Gesicht wagten sich die Demonstranten nicht heran. Der Mördersohn aber folgte willig dem Richtervater, der ihn mit eigenen Händen aufknüpfte und vom Todesschemel stieß1. — Das ist die irische Version der Geschichte des Lucius Junius Brutus, der um 500 vor Christus seine beiden Söhne wegen Hochverrats hinrichten ließ. Das Sagenhafte und das Alter der Erzählung rechtfertigen die Vermutung: So ungefähr sieht unser Vorverständnis vom Verhältnis zwischen Rechtsanwendung und öffentlicher Meinung aus.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Erzählt nach: A.E. Johann, Heimat der Regenbogen. Irland, Insel am Rande der Welt, Gütersloh 1953, S. 35 ff.Google Scholar
  2. 19.
    Repräsentativ: Wilhelm Hennis, Meinungsforschung und repräsentative Demokratie, Recht und Staat Heft 200/201, Tübingen 1957, bes. S. 32 ff.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Gerd Roellecke

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