Tarifautonomie und Arbeitsmarkt
Zusammenfassung
Die Institution der Tarifautonomie ist unter Beschuß geraten, weil sie ganz offenkundig seit über einem Jahrzehnt keine Löhne mehr zugelassen hat, die Vollbeschäftigung ermöglicht hätten. Der Kritik liegt die Diagnose zugrunde, daß dauerhafte Arbeitslosigkeit vornehmlich mit einem überhöhten Preis für den Faktor Arbeit zu tun hat. Denn Konjunkturschwächen, weltwirtschaftliche Störungen und Anpassungsfriktionen können nur eine vorübergehende Arbeitslosigkeit erklären. Sie scheiden als Ursache von langanhaltender Arbeitslosigkeit aus. Die staatliche Wirtschaftspolitik hat die Möglichkeit, auf die Rentabilität der Produktion einzuwirken, das Beschäftigungsproblem also von der Produktivitätsseite anzugehen. Solche Maßnahmen müßten am Steuersystem, beim Innovationsprozeß, beim Zugang zu Märkten, die bisher noch reguliert sind und bei der Qualifizierung von Arbeitnehmern ansetzten. Es handelt sich dabei um wachstumspolitische Optionen, die freilich keine kurzfristigen Erfolge versprechen. Größere Flexibilität von Preisen und Löhnen ist dagegen das einzige Mittel, das festgefahrene Ungleichgewichte in einem überschaubaren Zeitraum beseitigen kann.
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