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China pp 54-63 | Cite as

Deutsch-chinesische Beziehungen

  • T. Grimm
  • W. Bauer

Zusammenfassung

Die deutsch-chinesischen Beziehungen im politischen Sinn des Begriffs beginnen kaum vor der Mitte des 19. Jh. Die preußische Ostasienexpedition (wörtl. Expedition nach China, Japan und Siam) unter Graf Friedrich zu Eulenburg 1860–1862 wird in der Regel mit diesem Beginn ineinsgesetzt. Sie handelte im Namen des Norddeutschen Bundes (Zollvereins), und ihr Leiter schloß mit dem chinesischen Kaiserreich am 2. Sept. 1861 einen Freundschafts- und Handelsvertrag. Expedition und Vertragsabschluß fielen jedoch in eine Zeit expansiver deutscher Handels-und Schiffahrtspolitik, die seit den 1850er Jahren insbesondere die chinesische Küstenfahrt maßgeblich bestimmte In Canton und anderen Hafenplätzen waren hanseatische Konsuln tätig, seit 1847 gab es auch einen für Sachsen und Preußen (v. Carlowitz). Wenn man von sporadischen Unternehmungen der preußischen Seehandlung in Emden im 18. und der Hansestädte im frühen 19. Jh. absieht, hat diesen Neubeginn jedenfalls der Nankinger Vertrag von 1842 vermittelt und ihn damit in den Zusammenhang des anhebenden Zeitalters des Imperialismus gestellt. Schon 1842 hatte die königliche (preußische) Handelskammer zu Köln gefordert, man habe sich darum zu bemühen, »jetzt gleich (den) Fuß neben den englischen zu setzen, dem Inselreich die Manipulation des chinesischen Kolosses keinen Augenblick lang allein zu überlassen...« Aufbruch, Beginn und Ausbau der Beziehungen erfolgten bis in die 1880er Jahre durchaus im Fahrwasser der englischen Vormacht, politisch und auch ökonomisch war die deutsche Rolle in China daher eine sekundäre. Das Verhalten auf chinesischer Seite blieb entsprechend kühl; sie versuchte die Beeinträchtigung ihrer Souveränität durch die ungleichen Verträge psychologisch ein wenig dadurch auszugleichen, daß sie gegenüber den kleineren Mächten, zu denen Preußen zunächst zu rechnen war, Zurückhaltung übte und zu Verzögerungstaktiken griff. Auf der anderen Seite bedeutete der erfolgreiche Abschluß eines Vertrages mit China für das aufstrebende Preußen eine willkommene Stärkung seiner Position in Europa. Diese wurde vollends unübersehbar nach dem eindrucksvollen Sieg der preußisch-deutschen Waffen über Frankreich, die damals immerhin zweitstärkste imperialistische Macht.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1976

Authors and Affiliations

  • T. Grimm
  • W. Bauer

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