22. Deutscher Soziologentag 1984 pp 224-225 | Cite as
Generationsverhältnisse als Thema kultursoziologischer Analyse
Zusammenfassung
Als unbestritten darf nach wie vor gelten, daß Karl Mannheim in seiner klassischen Studie zum „Problem der Generationen“ überzeugend sowohl die positivistischen als auch die historischromantischen Generationstheorien in ihre Schranken verwiesen hat, indem er ihnen gleichermaßen nachwies, daß „sie einer naturalistisch quantifizierbaren Rhythmik der entscheidenden Geburten (die sie zumeist durch 30jährige Intervalle bestimmten) unvermittelt eine entsprechende Rhythmik im Geistigen parallel setzen wollen“, - eine außerordentlich treffende Bestimmung, in der der innere Zusammenhang beider, der positivistischen wie der historischromantischen Generationstheorie, mit aller nur wünschenswerten Klarheit hervortritt. Auffällig ist nun aber, daß Theorienbildung und Forschung zum Generationenproblem seit dieser bahnbrechenden Bestimmung Mannheims nicht über diese hinausgekommen, sondern eher hinter sie zurückgefallen sind, ohne dies offenbar recht zu bemerken. Erst in allerjüngster Zeit zeichnet sich hier ein gewisser Wandel ab. Mannheims Denken stand jene Leitidee noch nicht als eine soziologische zu Gebote, die erst in jüngster Vergangenheit, wenn auch nicht ohne Vorläufer, aus dem Unbehagen an der altersgruppenspezifischen Orientierung in der Sozialforschung geboren wurde - die Idee, den Durchlauf des menschlichen Lebens durch Stufen des Alters hindurch in den gesellschaftlichen Formen, die es jeweils annimmt und denen es ausgesetzt ist, zum soziologischen Forschungsthema zu formulieren. Mit dieser Idee wird, zumal wenn man sie mit einer Analyse der Dynamik im Familienzyklus und im Familiennexus verknüpft, ein Zugriff auf die Generationenproblematik ermöglicht, der die bei Mannheim gegen seinen eigenen Willen schon angelegte und später umgesetzte Fixierung des Themas an der Vorstellung des Gruppenhaften transzendiert - das Moment der Verräumlichung, das dieser Fixierung anhaftet, aufhebt und dem Zeitlichen am Generationsphänomen wieder zu seinem Recht verhilft.