Zusammenfassung
Von den rund 50.000 Ehescheidungen pro Jahr waren nicht nur 100.000 Erwachsene direkt betroffen, sondern auch mehrere zehntausend Kinder, welche durch die Trennung ihrer Eltern aus der vertrauten Familiensituation herausgerissen wurden. Im Zeitverlauf der Jahrzehnte zeigte sich überdies, daß die Funktion der Kinder als „Kitt“ einer Ehe in der DDR deutlich abnahm. Wurden Ende der fünfziger Jahre in 58 % aller Ehescheidungen gemeinsame Kinder von der Trennung der Eltem betroffen, lag dieser Anteil Anfang der siebziger Jahre bereits bei über 70% aller gescheiterten Ehen. Hier läßt sich erkennen, daß in der DDR die gemeinsamen Kinder immer seltener ein Bindeglied in zerrutteten Ehen darstellten.223 Die Rolle als Stabilisatoren wurde auch bei mehreren leiblichen Kindern immer geringer. Von gut der Hälfte auf zwei Drittel aller Scheidungen stieg die Zahl der Eheauflösungen an, in denen minderjährige gemeinsame Kinder von der Trennung betroffen waren. So verdreifachte sich die Zahl der Ehescheidungen mit drei, vier oder mehr Kindem. Daß diese Ziffer in den achtziger Jahren wieder leicht absank, lag weniger an einer Umkehrung dieses fortschreitenden Trends, als vielmehr an der Tatsache, daß immer weniger Familien mehr als zwei Kinder hatten und ergo die Gesamtzahl der Scheidungsfälle mit mehreren Kindem deutlich zurückging. Relativ stark angewachsen war außerdem die absolute Zahl der von der elterlichen Trennung betroffenen Kinder. Zum einen, weil die absolute Zahl der Ehescheidungen kontinuierlich stieg, und andererseits weil der prozentuale Anteil der Eheauflosungen mit drei und mehr Kindem stark anwuchs. Wie gering jedoch die Bedeutung von Kindem für den Fortbestand einer Ehe war, zeigte sich in den achtziger Jahren auch daran, daß fast die Hälfte aller von der Eheauflösung betroffenen gemeinsamen Nachkommen Kleinkinder von unter sechs Jahren war (1985: 49,4 %). Umgekehrt hieß dies aber auch, daß auf die Kinder und ihr seelisches Wohlbefinden immer weniger Rücksicht genommen wurde, weil die Eltem ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellten.
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