Zusammenfassung
Wie sehr solche ideologischen Voreingenommenheiten die angemessene Ursachenerforschung und einen unbefangenen Umgang mit den Resultaten solcher Erforschung erschweren können, zeigt sich exemplarisch an der von Götz Eisenberg und Reimer Gronemeyer vorgelegten Studie “Jugend und Gewalt”: Erstaunlich hellsichtige Passagen, in denen die Erziehungsdefizite in unserer Gesellschaft mit aller wünschenswerten Klarheit und Prägnanz benannt werden, wechseln mit solchen, in denen vor einem “Rückfall” in Zeiten gewarnt wird, in denen Erziehung eine Selbstverständlichkeit war. Ob diese bemerkenswerte Unentschiedenheit und Widersprüchlichkeit ihre Ursache darin hat, daß dieses Buch sich zwei Autoren verdankt, die sich möglicherweise nicht auf einen gemeinsamen Grundton verständigen konnten, oder ob es die ideologischen Stolpersteine waren, die ihnen zum Verhängnis wurden, muß hier offenbleiben. Jedenfalls zeichnet es sich durch eine bemerkenswerte Inkonsequenz aus, die man etwas polemisch auf die Formel bringen könnte: Welch ein Jammer, daß nicht mehr erzogen wird, wo doch Erziehung lebensnotwendig ist - aber nur ja keine Wiedelbelebung des Erziehungsgedankens und der sich aus ihm ergebenden Folgerungen! Noch kürzer: Erziehung tut not - aber erzogen werden darf nicht!
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