Schlußbetrachtung: feindselige Konstruktionen der Wirklichkeit

  • Bernhard Pörksen

Zusammenfassung

Die Analyse des Neonazismus offenbarte nicht nur die zentralen Themen und die teilweise extern determinierten Inhalte dieser reaktiven Mobilisierungsideologie, sondern machte auch einige fundamentale Denkfiguren und Deutungsmuster — Modi der Realitätsverarbeitung — neonazistischer Gruppen sichtbar. Ihre Wirklichkeitskonstruktion wird offensichtlich von einem Set von Überzeugungen gesteuert, die jeweils und in einer unauflöslichen Weise mit aktuellen und gesamtgesellschaftlich diskutierten Themen, spezifischen Fragen und Problemen und dem besonderen Sprachgebrauch verquickt sind. Man fühlt sich, so wurde deutlich, stets in irgendeiner Weise betrogen und wähnt sich einer Welt von Feinden gegenüber, sieht ein das eigene Volk bedrohendes Verhängnis heraufziehen, dessen fatale Auswirkungen rasches Handeln und eine sofortige, aber allenfalls diffus beschriebene Umorientierung nötig machen: Es sind Souveränitätsverluste, die man beklagt, und Unterdrückungssituationen, denen man sich ausgesetzt sieht, Vermischungs- phobien und Krisen- und Verfallsdiagnosen, die man artikuliert. Die diesen Deutungsmustem und Denkfiguren inhärente Sehnsucht zielt auf die Wiederherstellung einer völkisch verstandenen Reinheit und Einheit, die den Ausschluß derjenigen bedingt, die auf der Basis rassisch-biologisch, kulturell, religiös oder moralisch bestimmter Unterscheidungsmerkmale als nicht zugehörig gelten (sollen).

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005

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  • Bernhard Pörksen

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