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Soziale Beziehungen und Unterstützungsnetzwerke

  • Harald Künemund
  • Betina Hollstein
Chapter

Zusammenfassung

Die primären Unterstützungspersonen der Älteren sind Familienmitglieder — vor allem (Ehe-)Partner und Kinder. Eine Reihe von Entwicklungen deutet jedoch darauf hin, daß sich dies zukünftig ändern könnte: In demographischer Hinsicht können die Zunahme der Scheidungen und die höheren Quoten von Alleinlebenden und Unverheirateten sowie der Rückgang der Zahl der Kinder und die steigende Kinderlosigkeit das Unterstützungspotential für die zukünftigen Älteren reduzieren (vgl. z.B. Galler 1990; Schneekloth 1996) und in der Konsequenz zu neuartigen Beziehungsmustern auch im Alter führen. Verschärft wird die Situation durch die steigende Lebenserwartung, die eine Zunahme der Prävalenz und Dauer der Unterstützungs- und Pflegebedürftigkeit mit sich bringen könnte (vgl. Dinkel 1992; Krämer 1992).1 In soziologischer Perspektive können Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen (z.B. Beck-Gernsheim 1993), aber auch der Ausbau sozialstaatlicher Leistungen als Substitution von vormals in der Familie erbrachten Unterstützungsleistungen und damit als Bedeutungsverlust der Familie bzw. Abnahme familialer Bindungen und Verpflichtungen interpretiert werden (z.B. Hoffmann-Nowotny 1988). Schließlich könnten sich auch die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen, ein späteres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben oder die vielfach geforderte höhere Mobilität und Flexibilität der Erwerbstätigen in geringeren familialen Betreuungsleistungen niederschlagen (z.B. Cantor 1991). Die zukünftigen Älteren würden demzufolge über ein kleineres und möglicherweise weniger verläßliches familiales Unterstützungspotential verfugen. Im Zwischenbericht der Enquete-Kommission Demographischer Wandel (Deutscher Bundestag 1994: 73; 84ff.) wurde aus der Diskussion solcher Tendenzen bereits gefolgert, daß die Angebote an staatlichen und privaten Dienstleistungen sowie unterstützende Vermittlungs-, Beratungs- und Betreuungsangebote für Betroffene und potentielle Helfer ausgebaut werden müssen, um die entstehenden Lücken zu schließen.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005

Authors and Affiliations

  • Harald Künemund
  • Betina Hollstein

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