Einleitung: Die Annan-Agenda

Prägungen, Erfahrungen und Schwerpunkte der Amtszeit Kofi Annans
  • Manuel Fröhlich

Zusammenfassung

In der Nähe des israelischen Örtchens Kiryat Anavim eröffnete gegen Ende Februar 1998 ein kleines Café. Wie allen Gastwirten gingen den Besitzern des Cafés vor dem Tag der Eröffnung die Gedanken nach der Zukunft ihres Unternehmens durch den Kopf. In diese Gedanken mischte sich jedoch in jenen Tagen mehr und mehr die bange Frage nach dem Ausgang eines politischen Ereignisses, das mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde: Der Streit um Mandat und Kompetenzen der UN-Waffeninspekteure im Irak hatte sich aufgrund der Weigerung Saddam Husseins, auch die so genannten Präsidentenpaläste durchsuchen zu lassen, dermaßen hochgeschaukelt, dass die USA zusammen mit einigen Verbündeten drohten, die Auflagen des Sicherheitsrates notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Der Nahe Osten stand wieder einmal an der Schwelle zu einer kriegerischen Auseinandersetzung. Im Golfkrieg sieben Jahre zuvor hatte Saddam Hussein Israel mit Raketen angegriffen und viele Beobachter gingen davon aus, dass im Falle alliierter Militärschläge auch diesmal eine solche Gefahr drohe. Die Erfahrung der heulenden Alarmsirenen und übergestülpten Schutzmasken jedenfalls war den Betreibern des Cafés noch in schlechter Erinnerung. Alles schien auf eine abermalige Auseinandersetzung hinauszulaufen — bis UN-Generalsekretär Kofi Annan sich entschloss, persönlich nach Bagdad zu reisen, um mit dem irakischen Machthaber den Streit um die Inspektionen in letzter Minute politisch beizulegen.1 Anzubieten hatte Annan wenig — kein Geld, kein Druckpotential eigener militärischer Stärke.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

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  • Manuel Fröhlich

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