Karl Bühlers Krise der Psychologie pp 3-32 | Cite as
Der Neubeginn der Wiener Philosophie im Jahre 1922. Die Berufungen von Schlick, Bühler und Reininger
Zusammenfassung
Die Philosophie an der Wiener Universität lag zu Beginn der 1920er Jahre ganz am Boden. Von ihren drei Lehrstühlen waren drei vakant (einer davon schon seit dem Januar 1914). Zehn Jahre später um 1930 florierte die Wiener Philosophie wie nie zuvor: mit Karl Bühler, Robert Reininger und Moritz Schlick waren 1922 die Vakanzen wieder besetzt worden, 1924 kam mit Heinrich Gomperz ein weiterer Lehrstuhlinhaber hinzu. Ziel des Artikels ist es, die Besetzungen von 1922 als Grundlage des beispiellosen Wiederaufstiegs zu beschreiben. Offenbar hat es sich – nach vielen erfolglosen Anläufen – schließlich um eine Paketlösung gehandelt, bei der ein genau austariertes Personaltableau angestrebt wurde. Dabei wurde sowohl auf die fachliche Zuordnung (Schlick mit theoretischem, Reininger mit historischem, Bühler mit psychologischem Schwerpunkt) als auch auf ein ausgewogenes Verhältnis von auswärtigen, insbesondere deutschen (Bühler und Schlick) und örtlichen Kräften (Reininger) Wert gelegt. Die schwer zu entwirrenden und von vielen Kontroversen geprägten Vorgänge, die am Ende zur Etablierung des erfolgreichen Dreigestirns führten, werden auf der Grundlage der Akten des Universitäts- sowie des Staatsarchivs erstmals im Zusammenhang dargestellt. Am Ende werden die Resultate der Untersuchung hinsichtlich des in der Sekundärliteratur häufig anzutreffenden Konstrukts einer „Österreichischen Philosophie“ ausgewertet.
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