Moritz Schlicks Beitrag zum Einstein-Wettbewerb des Scientific American

  • Fynn Ole Engler
Part of the Schlick Studien book series (MORITZSTUDIEN, volume 1)

Auszug

Einsteins allgemeine Relativitätstheorie war zum Ende des Jahres 1915 formuliert.1 Schlick ist einer der ersten Philosophen, die sich im Anschluss daran mit der Relativitätstheorie kenntnisreich auseinandergesetzt haben. Sein bedeutendstes Werk in diesem Zusammenhang, Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik, erschien erstmals im März 1917 als Aufsatz in den Naturwissenschaften und zwei Monate später ebenfalls beim Verlag von Julius Springer in Buchform.2 Daneben hat Schlick in den folgenden Jahren eine Reihe weiterer philosophischer Texte zur Relativitätstheorie verfaßt.3 Zu ihrer Verbreitung trug er gleichfalls durch einige Vorträge bei, die er häufig durch Einstein vermittelt bekam.4 Überdies hat er im Wintersemester 1920/21 an der Universität Rostock, wo er seit 1911 tätig war, eine Vorlesung zur „Einführung in die Gedankenwelt der Einsteinschen Theorie“ abgehalten.

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  1. 1.
    Vgl. Albert Einstein, Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie. Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius Barth 1916.Google Scholar
  2. 2.
    Moritz Schlick, Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik. Zur Einführung in das Verständnis der allgemeinen Relativitätstheorie. Berlin: Verlag von Julius Springer 1917, 41922 (= MSGA 1/2).Google Scholar
  3. 3.
    Siehe u. a. Moritz Schlick, „Einsteins Relativitätstheorie und ihre letzte Bestätigung“, in: Elektrotechnische Umschau, 8. Jg., H. 1, 1920, S. 6-8; ders., „Einsteins Relativitätstheorie“, in: Masse Almanach 1921, Berlin: Rudolf Mosse Buch-verlag 1920, S. 105-123 und ders., „Kritizistische oder empiristische Deutung der neuen Physik? Bemerkungen zu Ernst Cassirers Buch ‚Zur Einsteinschen Relativitätstheorie‘, in: Kant-Studien, Bd. 26, 1921, S. 96-111.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Moritz Schlick an Albert Einstein, 29. August und 9. Oktober 1920.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. dazu auch Klaus Hentschel, „Zwei vergessene Texte Moritz Schlicks“, in: Centaurus, Vol. 31, 1988, S. 302–307.CrossRefGoogle Scholar
  6. 6.
    Vgl. Die Urnschau. Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik, XXIV. Jg., Nr. 30, S. 471.Google Scholar
  7. 7.
    Moritz Schlick an Albert Einstein, 9. Oktober 1920. aui]8 J. Malcolm Bird, Einstein’s Theories of Relativity and Gravitation. A Selection of Material from the Essays submitted in the Competition for the Eugene Higgins Prize of $5,000. New York: Scientific American Publishing Co., Munn & Co. 1921, S. 7.Google Scholar
  8. 9.
    Zitiert nach Bird 1921, S. 8.Google Scholar
  9. 10.
    J. Malcolm. Bird an Moritz Schlick, 25. Mai 1921.Google Scholar
  10. 11.
    Für den entscheidenden Hinweis auf das Nachlaßstück (Schlick-Nachlass, Inv.-Nr. 165, A. 142, „Einstein’s Theory of Relativity“, nachfolg. Ts Relativity) danke ich ganz herzlich Johannes Friedl.Google Scholar
  11. 12.
    Aus dem überlieferten Typoskript geht hervor, dass Schlick die Anzahl der Worte jeder Zeile am Ende dieser notiert und anschließend die so entstandene senkrecht angeordnete Zahlenreihe zusammenzählt und damit das Ergebnis für eine Seite erhält. Die Summe erscheint auf dem rechten unteren Rand der Seite. Das Ergebnis wird auf die folgende Seite übertragen und zur Summe der dortigen Zahlenreihe addiert, wobei nun am rechten unteren Rand die Gesamtzahl der Worte beider Seiten erscheint usf.Google Scholar
  12. 13.
    „Der Geist bewegt die Materie“ (Vergil, Aeneis, 6, 727).Google Scholar
  13. 14.
    Ts Relativity, Bl. 1.Google Scholar
  14. 15.
    Vgl. Albert Einstein, „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“, in: Annalen der Physik, Bd. 17, 1905, S. 891–921.Google Scholar
  15. 16.
    Ts Relativity, B1.3 f.Google Scholar
  16. 17.
    Ebd., Bl. 4.Google Scholar
  17. 18.
    Ebd., Bl. 4 f. Der Wortlaut des Textes der im Nachlass fehlenden Seite 5 ist dem Sammelband entnommen (vgl. Bird 1921, S. 91).Google Scholar
  18. 19.
    Ts Relativity, Bl. 6Google Scholar
  19. 20.
    Vgl. Albert Einstein, „Erklärung der Perihelbewegung des Merkur aus der allgemeinen Relativitätstheorie“, in: Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften, XLVII, Gesamtsitzung vom 18. November 1915, S. 831–839.Google Scholar
  20. 21.
    Ts Relativity, Bl. 6.Google Scholar
  21. 22.
    Schlick-Nachlass, Inv.-Nr. 3, A. 3a, Grundzüge der Erkeimtnislehre und Logik (Manuskript zur Vorlesung an der Universität Rostock im Wintersemester 1911/12), Bl. 30 (meine Hervorhebung).Google Scholar
  22. 23.
    Schlick nimmt in der Rostocker Vorlesung und seinem Manuskript zum Einstein-Wettbewerb die Auffassung Imre Lakatos’ vorweg. Gleichwohl unterliegen beide einer Kritik, die zuerst von Ehe G. Zahar formuliert wurde. Danach reicht es nicht aus, dass empirische Tatsachen auf eine neue Weise erklärt werden, um diese zur nachhaltigen Unterstützung einer wissenschaftlichen Theorie heranzuziehen. Entscheidend ist, dass die Tatsachen nicht schon ad hoc bei der Konstruktion der diese erklärenden wissenschaftlichen Theorie herangezogen worden sind (vgl. dazu Elie G. Zahar, „Why did Einstein’s Programme supersede Lorentz’s“, in: C. Howson (ed.), Method and appraisal in the physical sciences. Cambridge: University Press 1976, S. 217-219; ders., Einstein’s Revolution. A Study in Heuristic. La Salle, 111.: Open Court 1989, S. 13-17 und ders. Mathematik, Ontologie und die Grundlagen der empirischen Wissenschaften (Moritz-Schlick-Vorlesungen, Bd. 1, hrsg. von Hans Jürgen Wendel und Fynn Ole Engler). Rostock: Koch 2002, S. 48-53). Allerdings scheint auch Schlick diesen Aspekt erkannt zu haben. So schreibt er im Jahre 1919 in der zweiten Auflage von Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik: „Mit Hilfe dieser Hypothese [gemeint ist eine Theorie des Astronomen Hugo Seeligers, d. Verf.] gelingt es in der Tat, jene Vorstellung einer unendlich ausgedehnten, den gesamten Raum mit konstanter mittlerer Dichte erfüllenden unvergänglichen Welt vollständig widerspruchslos aufrecht zu erhalten. Sie ist aber insofern noch unbefriedigend, als sie ad hoc ersonnen, nicht durch irgend welche andern Erfahrungen veranlaßt oder gestützt wurde.“ (MSGA 1/2, B67)Google Scholar

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© Springer-Verlag/Wien 2009

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  • Fynn Ole Engler

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