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Michel Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft

Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft 17. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 2007 Erstausgabe: Histoire de la folie Paris: Librairie Plon 1961
  • Thomas Barth

Auszug

Foucaults Geschichte des Wahnsinns im Zeitalter der Vernunft erschien 1961 ursprünglich als Dissertation. Sie stellt verschiedene Aspekte des Wahnsinns und dessen Rollenbild in psychiatrischen Konzepten von der Antike über die Jahrhunderte kritisch dar, indem sie der Frage nachgeht, ob der Wahnsinn eine historische Universale oder etwas Gemachtes ist. Das Buch handelt auch von den bis in die Gegenwart hineinreichenden Bestrebungen der Psychiatrie am Ende des 18. Jahrhunderts, den Wahnsinn auf Geisteskrankheit zu reduzieren und so, vom Gesunden, Normalen und Vernünftigen abspaltend, zu pathologisieren. Die gesellschaftlich verhängte Bestrafung für den Wahnsinn wird in den Behandlungsanstalten vollzogen. Das Bewusstsein verbindet die Begriffe „Wahnsinn“ und „Verbrechen“, während die Vernunft deren Behandlung in Gefängnisanstalten und Hospitals autorisiert. Der Nachbar wird eingesperrt, um seinen eigenen gesunden Menschenverstand zu beweisen, zitiert Foucault Dostojewski. Die Vernunft gilt als allgemein akzeptierter Gegensatz zum Wahnsinn. Sie ist gekennzeichnet durch die gnadenlose Sprache des Nicht-Wahnsinns, in der die Menschen in ihrer Haltung überlegener Vernunft miteinander verkehren. Anstatt diese Polarität hinzunehmen, schlägt der Autor vor, die Suche nach einem einheitlichen und absoluten Wahrheitsbegriff aufzugeben und einen Zwischenraum der Leere distanziert wahrzunehmen, in dem die Trennung zwischen dem wahnsinnigen und nicht wahnsinnigen Menschen noch nicht vollzogen ist.

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© Springer-Verlag/Wien 2008

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  • Thomas Barth

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