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Die Minderheitenrechte in Griechenland

  • Christoph Pan

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Literatur

  1. 1.
    Darin wurde — auch durch britischen Druck — die Vertreibung von 1,5 Mio Griechisch-Orthodoxen aus der Türkei sanktioniert. Sie wurden in Nordgriechenland angesiedelt. Gleichzeitig mussten über 500.000 Muslime — unter ihnen Türken, Albaner, Pomaken und Roma — Nordgriechenland verlassen, sie wurden hauptsächlich in die Türkei umgesiedelt. Dies wurde „Bevölkerungsaustausch“ genannt, von dem nur die muslimischen Minderheiten Westthraziens, die durch ein Sonderstatut geschützt waren, ausgenommen waren ebenso wie rd 250.000 Griechen in Konstantinopel/Istanbul und auf den Inseln Imbros und Tenedos (Zülch 2001: 11f).Google Scholar
  2. 2.
    Tsitselikis 2001: 3f.Google Scholar
  3. 3.
    Nach dem „Eurobarometer Survey“ 1998 waren 69% der Bevölkerung der Meinung, im Lande gebe es zu viele Fremde, 90% sahen in der Anwesenheit von Fremden eine Gefahr für die Gesllschaft, 89% empfanden Hass gegenüber den Türken und 76% gegenüber den Mazedoniern (Parvanov 998: 5).Google Scholar
  4. 4.
    Parvanov 1998: 15.Google Scholar
  5. 5.
    Weltalmanach 2001: 321.Google Scholar
  6. 6.
    Ähnlich wie in Frankreich werden auch in Griechenland die Sprachen der Minderheiten als Regionalidiome angesehen, dh als dialektale Variationen des Griechischen, selbst wenn sie mit Griechisch nicht sprachverwandt sind und ein Hellephoner sie auch nicht verstehen kann. Daher besitzen sie, bzw ihre Sprecher, dh die Minderheiten, auch keinen rechtlichen Status (Dimitras 1992: 301). Der griechische Ministerpräsident Konstantin Mitsotakis zB sagte 1993 in einem Interview mit der griechischen Zeitung ‚Ekonomikos Tachydromos’, es gebe in Griechenland keine Mazedonier: „Zeigen Sie mir wo diese Minderheit ist. Es gibt zweisprachige Griechen. Es kann darunter welche geben, die kein griechisches Nationalbewusstsein haben. Doch niemand spricht mehr offiziell von einer mazedonischen Minderheit.“ (Daskalovski 1999: 4).Google Scholar
  7. 7.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 8.Google Scholar
  8. 8.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 8; vgl hierzu auch Reinke 2001: 15. Die in Griechenland weitverbreitete Aversion gegen die Türken erklärt sich wohl aus dem Umstand, dass Griechenland 600 Jahre lang von Istanbul aus beherrscht wurde und sich in Jahrzehnten blutiger Auseinandersetzungen erst 826 die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erkämpfen konnte (Zülch 2001: 11).Google Scholar
  9. 9.
    „Wenn ein griechischer Bürger fühlt, dass er einer Volksgruppe angehört, dann ist dies durch internationale Verträge erlaubt. Und Griechenland ist ein Land, das internationale Verpflichtungen beachtet...Für niemanden stellt die Tatsache, dass es [in Griechenland] Muslime türkischen Ursprungs gibt, eine Herausforderung dar. Die Verträge [von Lausanne] sprechen natürlich von Muslimen. Wenn die Grenzen nicht bedroht sind, berührt es mich wenig wenn sich jemand selbst als Türke, Bulgare oder Pomake bezeichnet... Eine wohlerprobte Praxis erlaubt die Integration von Minderheiten in ganz Europa und in anderen Ländern wie Kanada, Australien und USA. Dies ermöglicht unabhängig von den Problemen, die es gegeben haben mag, ein Erblühen demokratischer Institutionen und gibt diesen Menschen das Gefühl, dass auch sie Bürger des Landes sind.“ (Greek Helsinki Monitor 1999: 4).Google Scholar
  10. 10.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 5.Google Scholar
  11. 11.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 5f.Google Scholar
  12. 12.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 5.Google Scholar
  13. 13.
    Daskalovski 1999: 5.Google Scholar
  14. 14.
    Parvanov 1998: 15.Google Scholar
  15. 15.
    Amnesty International 2002.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl dazu auch Filos 1994: 61. Diese rd 120.000 „Muslime“ in West-Thrazien sind nach authentischer griechischer Darstellung zu 50% „turkophon“, zu 35% Pomaken und zu 5% Roma (Conseil de l’Europe 1995: 26 und Council of Europe 1994b: 15f).Google Scholar
  17. 17.
    Es ist bemerkenswert, dass der Oberste Gerichtshof mit den Entscheidungen 738/1967 und 723/1980 verfügt hat, dass der Lausanner Vertrag nicht auf die „Muslime“ des Dodekanes (im Grenzgebiet zur Türkei) anwendbar ist, wohl hingegen auf Muslime, die anderswo in Griechenland leben mit Einschluss von Athen (Greek Helsinki Monitor 1999: 9).Google Scholar
  18. 18.
    Näheres zur Bevölkerungsentwicklung in der von Griechenland 1912/13 eroberten Region Griechisch-Mazedonien (Ägäis-Mazedonien), vgl Voss 2001: 18.Google Scholar
  19. 19.
    In der Präfektur Thesprotía (albanisch: Chamería; italienisch: Ciamuria; deutsch: Tschameria) in Nordepirus leben Muslime albanischer Sprachzugehörigkeit, die sich Çamen (griechisch: Tsamides) nennen. Sie waren als muslimische Großgrundbesitzer in den 1920er Jahren vom Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei ausgenommen, wurden aber 1945 als „Kollaborateure“ nach Albanien verjagt (Voss 2003). Nach offizieller griechischer Version hätten die Çamen mit den Besatzungsmächten kollaboriert und vorgezogen nach Albanien zu flüchten, um sich der Strafverfolgung zu entziehen. Seither gäbe es die Çamen in Griechenland nicht mehr (OSCE HCNM 1994: 1f). Von Seiten der albanischen Regierung hingegen wird geltend gemacht, dass sich ihre Forderung nach Rechten für die albanische Minderheit in Griechenland sowohl auf jene (ethnischen) Albaner beziehe, die in ihrem Siedlungsgebiet (Chamería) verbleiben konnten, nachdem Tausende von ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden seien, wie auch auf die in anderen Regionen Griechenlands lebenden Albaner (Arvaniten). Doch Griechenland leugne deren Existenz und verbiete deren Feststellung (OSCE HCNM-Albania answer 1994: 1). Vgl hierzu auch Clewing 2001: 6f.Google Scholar
  20. 20.
    Während unter Çamen die muslimischen Albaner in Westepirus zu verstehen sind (Voss 2003), sind unter Arvaniten die seit Jahrhunderten in Mittel-und Südgriechenland siedelnden Albaner zu verstehen, die den griechisch-orthodoxen Glauben angenommen haben und sprachlich gräzisiert wurden (Zülch 2001: 11; Clewing 2001: 16). Außerdem ist es eine Eigenheit des griechischen Umgangs mit den ohnehin offiziell nicht existierenden Minderheiten, diese umzubenennen. So werden die Albaner Arvaniten oder mazedonische Slawen genannt, die Aromunen gelten als wlachisch sprechende Griechen oder Arminen (Aromanians in Greece 2001: 1).Google Scholar
  21. 21.
    Die Aromunen, auch Mazedoromanen genannt, lebten ursprünglich als nomadisierende Hirten und Händler über die ganze Balkanhalbinsel verstreut. In Griechenland sind ist die Bezeichnung Wlachen für sie gebräuchlicher (Kahl 2001b: 20). Griechenland ist das einzige Land am Balkan, wo die Aromunen (Wlachen) geographisch kompakt siedeln. Sie leben siedlungsmäßig geschlossen über das Pindusgebirge verteilt im Nordwesten des Landes (Aromanians in Greece 2001: 3). Von den Aromunen zu unterscheiden sind die Meglenorumänen, das sind meglenitische Wlachen (ca 0.000–5.000), deren Sprache eine weitere Varietät des Rumänischen ist, jedoch der rumänischen Standtardsprache näher liegt als Aromunisch. Die Meglener leben nördlich von Thessaloniki im Grenzgebiet zu Mazedonien, wo ihr traditionelles Siedlungsgebiet durch die griechisch-mazedonische Staatsgrenze getrennt ist. Jenseits der Staatsgrenze, auf mazedonischem Gebiet, befinden sich ebenfalls einige von Meglenern bewohnte Dörfer (Aromanians in Greece 2001: 3).Google Scholar
  22. 22.
    Schon seit dem 11. Jahrhundert sollen Roma im Zuge ihrer Wanderung nach Thrazien gelangt sein. Durch den Lausanner Vertrag 1923, der ua Grenzen zwischen Griechenland und der Türkei festlegte, wurden die Roma zur Minderheit innerhalb Griechenlands und erhielten aufgrund ihres muslimischen Glaubens gemeinsam mit den Türken und Pomaken den offiziellen Status einer geschützten muslimischen Minderheit. Zwischen 1920 und 1930 kamen christlich-orthodoxe Roma als Flüchtlinge aus Ostthrazien, Instanbul und Kleinasien nach Griechenland, wo sie sich auf der Suche nach Arbeit am Rande von Ballungszentren niederließen. Erst 1979 erhielten sie die Bürgerrechte (Bangert 2001: 23).Google Scholar
  23. 23.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 9 und Dimitras 1992: 303f.Google Scholar
  24. 24.
    Haarmann 1993: 56 und I.S.I.G. 1997: 110.Google Scholar
  25. 25.
    Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Streben nach einem eigenen Nationalstaat kamen die bis dahin im Osmanischen Reich relativ gut gelittenen christlichen Armenier mit den Ottomanen in Konflikt. Die Folge waren Pogrome und schließlich der Genocid an den Armeniern 1915. Flüchtlinge gelangten nach Bulgarien und Griechenland. Ein stärkerer Flüchtlingsstrom nach Griechenland setzte 1922 ein, als die Christen aus der neuen Türkei vertrieben wurden. In den 20er Jahren wurde den Armeniern in Griechenland die Staatsbürgerschaft angeboten, doch die meisten von ihnen lehnten ab. 1968 bot die Militärjunta allen die Staatsbürgerschaft an, welche das Griechische voll beherrschten (Minority Rights Group 1998: 17f).Google Scholar
  26. 26.
    Die Pomaken gelten als Nachfahren der Thraker, die im Laufe der Geschichte slawisiert, später islamisiert wurden, ein bulgarisches Idiom sprechen und im Rhodopengebirge, im bulgarisch-griechischen Grenzgebiet, siedeln. Mit der Aufteilung der osmanischen Region Thrazien unter Griechenland, Bulgarien und der Türkei wurden auch die dort ansässigen Pomaken auf diese drei Länder verteilt. Der Großteil der Pomaken lebt seitdem in Bulgarien, kleinere Teile in Griechenland und in der Türkei. Die Solidarisierung der Pomaken mit den Türken hatte nach dem Anschluss Thraziens an Griechenland aufgrund der Minderheitenlage begonnen, in welche nun beide geraten waren (Filos 1994: 65f; vgl dazu auch Minority Rights Group 1998: 5). Näheres zu den Pomaken vgl Kahl 2001a: 4.Google Scholar
  27. 27.
    Näheres hierzu vgl Greek Helsinki Monitor 1999: 9.Google Scholar
  28. 28.
    Näheres hierzu vgl Greek Helsinki Monitor 1999: 9ff; vgl dazu auch Minority Rights Group 1998: 12.Google Scholar
  29. 29.
    Greek Constitution 1986.Google Scholar
  30. 30.
    Näheres hierzu vgl Greek Helsinki Monitor 1999: 12ff.Google Scholar
  31. 31.
    Näheres hierzu vgl Bangert 2001: 23.Google Scholar
  32. 32.
    Greek Constitution 1986; vgl hierzu UN-Bericht über die Religionsfreiheit in Griechenland vom 7. November 1996, zitiert nach Greek Helsinki Monitor 1999: 19.Google Scholar
  33. 33.
    Greek Constitution 1986; Näheres hierzu vgl Greek Helsinki Monitor 1999: 16, sowie den UN-Bericht über die Religionsfreiheit in Griechenland vom 7. November 1996, vollinhaltlich abgedruckt in Greek Helsinki Monitor 1999: 19ff.Google Scholar
  34. 34.
    Gesetz Nr 899/986, Art 3 Abs Alinea 2 (Greek Helsinki Monitor 1999: 22f).Google Scholar
  35. 35.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 51.Google Scholar
  36. 36.
    Filos 1994: 68.Google Scholar
  37. 37.
    National Center for Social Research 1998: 364, zitiert nach Greek Helsinki Monitor 1999: 46.Google Scholar
  38. 38.
    Es handelt sich um Sotiris Bletsas, Mitglied der Gesellschaft für Aromunische (Wlachische) Kultur in Athen, dessen Verurteilung am 2. Februar 2001 erfolgte (vgl hierzu Kahl 2001b: 21), der aber schließlich im Dezember 2001 von einem griechischen Gericht freigesprochen wurde. Damit war erstmals gerichtlich anerkannt, dass die Minderheitensprachen Aromunisch, Pomakisch (Bulgarisch), Mazedonisch, Albanisch und Türkisch tatsächlich gesprochen werden und keinerlei Schaden stiften (Häggman 2001).Google Scholar
  39. 39.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 46.Google Scholar
  40. 40.
    Eheschließungen, Scheidungen, Vormundschaften, Testamente, die Einsetzung von Imamen (Geistlichen), die Verwaltung des religiösen Vermögens usw (Filos 1994: 69).Google Scholar
  41. 41.
    Allerdings werden die Muftis in Verletzung des Lausanner Vertrages vom Staat eingesetzt. Wird jedoch ein Mufti von seiner Gemeinde gewählt, dann sind Schikanen die Folge. Der 1990 von seiner Gemeinde gewählt Mufti von Xanthi wurde seit 1993 in bislang mehr als 80 Verfahren zu einer Gesamtstrafe von 139 Monaten verurteilt. Hingegen werden Prozesse, die von Vertretern der türkischen Minderheit wegen der Einsetzung von Muftis durch den Staat angestrengt wurden, immer wieder verzögert (Reinke 2001: 15).Google Scholar
  42. 42.
    ZB die Gleichstellung von Mann und Frau nach Art 4 Abs 2 Verf (Greek Constitution 1986; vgl Filos 1994: 70).Google Scholar
  43. 43.
    Filos 1994: 70.Google Scholar
  44. 44.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 46.Google Scholar
  45. 45.
    Am 6/8/1996 wies der Präfekt von Pella das Ansuchen von Nicholas Stoidis ab, seinen Namen in die mazedonische Form Stojanov zurückzuführen (1913 war dieser zwangsweise in Stoidis hellenisiert worden). Die Abweisung beruhte auf den Einsprüchen von drei Bürgern, welche jedoch N. Stoidis niemals gegeben wurden. Inzwischen jedoch wurde das Ansuchen von Stoidis, obwohl es im Verwaltungsverfahren als „streng geheim“ eingestuft worden war, den Medien zugespielt mit dem augenfälligen Zweck, ihn fortwährend unter Druck zu setzen, was tatsächlich auch geschah, von Seiten der lokalen wie der nationalen Medien (Greek Helsinki Monitor 1999: 47).Google Scholar
  46. 46.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 47.Google Scholar
  47. 47.
    Der vielleicht deutlichste Fall von Fremdenhass und Gewalt gegen Minderheiten in jüngster Zeit war der Überfall und die Plünderung des Büros der mazedonischen Minderheiten-Partei Regenbogen (Rainbow) 1995. Die Täter wurden bis Mitte 1999 nicht vor Gericht gestellt, während die „Rainbow“-Führer ein Gerichtsverfahren wegen öffentlichen Gebrauchs der Muttersprache durchzustehen hatten. Es ist bemerkenswert, dass die Zeugen der Anklage aus den lokalen Anführern der zur Zeit 5 wichtigsten griechischen Parteien bestanden (Panhellenische Sozialistische Bewegung/PASOK, Neue Demokratie/ND, Politischer Frühling, Kommunistische Partei/KKE, Koalition der Linken und des Fortschritts) sowie aus den Anführern der Berufsorganisationen (Rechtsanwälte, Kaufleute, Priester, Taxifahrer). Die meisten von ihnen bezeichneten in der Voruntersuchung die Angeklagten als „bezahlte Agenten der Skopje-Propaganda“, „Anti-Griechen“ etc. Die Partei „Rainbow“ hatte am 6. September 1995 in Florina ein Büro eröffnet mit der Aufschrift „Rainbow-Florina Komitee“ in den zwei Sprachen Griechisch und Mazedonisch. Am Abend und in der Nacht vom 13. September und in den frühen Morgenstunden des 14. September 1995 wurde das Büro von einem Mob überfallen und geplündert, der vom Bürgermeister von Florina angeführt war. Vor der Plünderung hatte die Polizei auf Anweisung des Staatsanwalts die Aufschrift entfernt und der Staatsanwalt hatte angekündigt, dass er die leitenden Personen von „Rainbow“ anklagen wolle wegen Säens von Zwietracht unter den Bürgern durch den Gebrauch des Mazedonischen in der Aufschrift. (Greek Helsinki Monitor 1999: 47). Weder eine politische Partei noch ein Medium verurteilten die Plünderung des Parteibüros. Im Gegenteil, sie wurde von den extrem rechtsnationalen Zeitungen „Stohos“ und „Chrysi Avghi“, von welchen Angehörige an der Plünderung teilgenommen hatten, sogar gelobt. Am 15. September 1995 wurden die Angeklagten schließlich freigesprochen, zum Teil auch, weil der Prozess internationale Aufmerksamkeit erregt hatte. Das von den „Rainbow“-Führern 1995 angestrengte Strafverfahren gegen die mutmaßlichen Täter wegen Plünderung des Büros hat bis Mitte 1999 zu keinerlei Strafverfolgung geführt (Greek Helsinki Monitor 1999: 17f, 47).Google Scholar
  48. 48.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 47.Google Scholar
  49. 49.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 49ff.Google Scholar
  50. 50.
    Voss 2003: 2.Google Scholar
  51. 51.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 49.Google Scholar
  52. 52.
    Kahl 2001a: 4.Google Scholar
  53. 53.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 49f.Google Scholar
  54. 54.
    In diesem Zusammenhang ist auf die Europarat-Empfehlung 1333 (1997) hinzuweisen, welche die Sorge um den Erhalt der Aromunischen Sprache und Kultur zum Ausdruck bringt und daher darauf drängt, dass die zuständigen Balkan-Staaten die Europäische Sprachencharta unterzeichnen, ratifizieren und umsetzen (Europarat-Empfehlung 1333 (1997)).Google Scholar
  55. 55.
    Greek Constitution 1986.Google Scholar
  56. 56.
    So wurde der Vereinigung „Heim der Mazedonischen Zivilisation“ die Eintragung 1990 in erster Instanz (Florina) und in zweiter Instanz (Saloniki) verweigert, dann 1994 auch vom Obersten Gerichtshof. Darauf verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) (Fall Sideropoulos et al.) am 0/7/1998 Griechenland wegen Verletzung der Vereinigungsfreiheit nach Art EMRK. Hauptgrund der Verweigerung war gewesen, dass „die Gründungsmitglieder nicht nur eine kulturelle Aktivität bezweckten, sondern auch die Perspektive unterstützten, dass es eine Mazedonische Minderheit gibt.“ Dem hielt der EGMR den bindenden Charakter der OSZE-Dokumente entgegen, welche Griechenland unterzeichnet hat. Der Vereinszweck, so der EGMR, sei „klar und legitim“ und selbst wenn die Gründer der Vereinigung ein Minderheitenbewusstsein an den Tag legten, so erlaube ihnen das Dokument des Kopenhagener Treffens der Konferenz über die Menschliche Dimension der KSZE (Sektion IV) vom 29. Juni 1990 und die Charta von Paris für ein Neues Europa vom 21. November 1990, welche Griechenland unterzeichnet hat, doch die Gründung von Vereinigungen zum Schutz ihres kulturellen und geistigen Erbes. Daraufhin wurde dieser Verein schließlich Mitte 1999 eingetragen (Greek Helsinki Monitor 1999: 10, 18). Die „Vereinigung der türkischen Lehrer von West-Thrazien“, gegründet 1936, wurde im November 1987 aufgelöst, nachdem das diesbezügliche Urteil Nr 59/1986 des Appellationsgerichts von Thrazien mit Urteil Nr 729/1987 des Obersten Gerichts bestätigt worden war. Das Gericht ging davon aus, dass der Begriff „Türkisch“ sich auf Staatsbürger der Türkei bezieht und nicht auf Staatsbürger Griechenlands angewandt werden kann, und dass der Gebrauch des Wortes „türkisch“ zur Bezeichnung von Muslimen in Griechenland die öffentliche Ordnung gefährde. Analoges widerfuhr der „Union der türkischen Jugend von Komotini“ (gegründet 1938, aufgelöst im November 1987) mit derselben Begründung. Im April 1999 bestätigte das Appellationsgericht von Thrazien ein Urteil erster Instanz von 1986 zur Auflösung der „Türkischen Union von Xanthi“ (gegründet 1946), „weil sie Konfusion verursacht bezüglich der Staatsbürgerschaft ihrer Mitglieder, ob diese Muslime griechischer Staatsangehörigkeit oder ob sie ethnisch und staatsbürgerlich Türken seien und dass eine griechische Vereinigung den Zielen einer ausländischen Macht diene und türkische Ideale bevorzuge“ (Näheres hierzu vgl Greek Helsinki Monitor 1999: 10, 11, 12 und 18; vgl hierzu auch Filos 1994: 79) Ein anderer Fall: 1998 verweigerte ein Gericht in Komotini in erster Instanz die Eintragung der „Vereinigung von Geistlichen der West-Thrakischen Moscheen“ wegen des Begriffs „West-Thrazien“, „der als bösartig und absichtliche Herausforderung des Griechentums von Thrazien interpretiert werden kann“. Dies Urteil erging, obwohl es andere eingetragene Vereinigungen gibt, welche diesen Begriff „West-Thrazien“ im Namen führen, der gemeinhin auch als geographischer Begriff in Griechenland gebraucht wird, sogar in offiziellen Staatsdokumenten (Greek Helsinki Monitor 1999: 18f).Google Scholar
  57. 57.
    Nach dem Bürgerkrieg in Griechenland (1946–49) verließen viele ethnische Mazedonier Griechenland gemeinsam mit anderen griechischen Bürgern, die trotz ihres ethnischen Ursprungs für die kommunistische Seite gekämpft hatten. Ein Gesetz von 1982 erlaubte diesen Flüchtlingen die Rückkehr, doch wurde dieses Recht den ethnischen Mazedoniern bis Ende 1996 vorenthalten. Sogar kurze Besuche aus familiären Gründen wie zB zu Hochzeiten oder Begräbnissen waren ihnen bis dahin nicht erlaubt (Näheres hierzu vgl Greek Helsinki Monitor 1999: 52f).Google Scholar
  58. 58.
    Art 14 Verf garantiert die Pressefreiheit, welche die Grundlage für die Herausgabe von turkophonen Medien ist (Greek Constitution 1986; vgl dazu auch Filos 1994: 71; Hofmann 1995: 97).Google Scholar
  59. 59.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 44.Google Scholar
  60. 60.
    In diesem Zusammenhang wurde zB Selahedin Galip 1974 wegen Verbreitung von Falschinformationen verurteilt (Art 191 Strafgesetzbuch), was den Verlust der Staatsbürgerschaft zur Folge hatte aufgrund der Art 19 und 20 des Staatsbürgerschaftsgesetzes. Salih Halil, Herausgeber der türkischen Zeitung „Ileri“, war von 1975–79 wiederholt Strafverfolgungen ausgesetzt. Zuerst, weil der den türkischen Ortsnamen Gumulcine für Komotini gebrauchte, doch endete dieses Verfahren mit Freispruch; dann, weil er den 1914 erschienenen Leitartikel des bekannten Schriftstellers Spyros Melas, der sich kritisch mit der griechischen Gendarmerie befasste, auf Türkisch veröffentlichte, wofür er sowohl in erster Instanz als auch in der Berufung zu sieben Monaten verurteilt wurde; oder weil er Ungerechtigkeiten gegen Minderheitsangehörige behauptet hatte, wurde er in erster und zweiter Instanz sowie vom Höchstgericht zu sieben Monaten verurteilt, wovon er 72 Tage absitzen musste usw. Der ehemalige Parlamentsabgeordnete Sadik Ahmet, welcher der türkischen Minderheit angehört, wurde nicht nur strafverfolgt, weil er die Minderheit als „türkisch“ bezeichnet hatte, sondern auch, weil er seine Meinung über die Menschenrechtsprobleme der Minderheit geäußert hatte. Er hatte Unterschriften gesammelt für eine Petition an griechische Behörden und internationale Organisationen, in welcher darüber geklagt wurde, dass die Minderheit der türkischen Muslime verfolgt und unterdrückt werde. Am 9. August 986, als er von Alexandropoulis zurück nach Komotini fuhr, hielt die Polizei sein Auto an, fand die Petition mit 1.634 Unterschriften und beschlagnahmte sie, nahm ihn zusammen mit zwei anderen türkischen Minderheitsangehörigen fest und klagte sie aufgrund der entdeckten Petition wegen Verbreitung von Falschinformationen und Fälschung an. Mehrere solcher Fälle sind glaubhaft bezeugt (Greek Helsinki Monitor 1999: 44ff).Google Scholar
  61. 61.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 46.Google Scholar
  62. 62.
    Voss 2001: 9.Google Scholar
  63. 63.
    Voss 2001: 9.Google Scholar
  64. 64.
    Aromanian in Greece 2001: 3.Google Scholar
  65. 65.
    Kahl 2001a: 4.Google Scholar
  66. 66.
    Greek Helsinki Monitor 1999: 47.Google Scholar
  67. 67.
    Diese Politik Griechenlands befindet sich im Widerspruch zu Art 6 des Europarat-Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten, der besagt, dass alles zu unterlassen ist, was das Bevölkerungsverhältnis in von Angehörigen nationaler Minderheiten bewohnten Gebieten verändert und darauf gerichtet ist, die Rechte und Freiheiten einzuschränken (Greek Helsinki Monitor 1999: 52).Google Scholar
  68. 69.
    Weltalmanach 2002: 238.Google Scholar
  69. 70.
    Offiziell sind die Einwohner Griechenlands zu 00% „Griechen“, dh ethnische Hellenen. Ihre wirkliche Anzahl wurde hier annäherungsweise ermittelt als Differenz der Anzahl von Volksgruppenangehörigen und „anderen“ zur Gesamtbevölkerung.Google Scholar
  70. 71.
    In Griechenland gibt es offiziell keine ethnischen oder sprachlichen, sondern nur religiöse Minderheiten. Es gibt daher offiziell auch keine Minderheitensprachen, sondern nur „Regionalsprachen“ (vgl dazu Dimitras 1992: 301 ff). Ensprechend wurde bei der letzten minderheitenrelevanten Volkszählung 1951 die Religionszugehörigkeit, nicht jedoch die Muttersprache erhoben (vgl dazu Filos 1994: 63). Derzeit sind einzig die Muslime in West-Thrazien gemäß dem Lausanner Vertrag von 1923 als „offizielle Minderheit“ anerkannt. Zu ihnen gehören vor allem die Türken, aber auch die Pomaken und muslimischen Roma (Filos 1994: 62; Minority Rights Group 1998: 3). Da die Ergebnisse der Volkszählungen nicht an die Öffentlichkeit gelangten, ist man auf Schätzungen angewiesen. Wie weit die hier angeführten Minderheiten die besondere Art von Diglossie, nämlich die nichtgriechische Muttersprache für den Privatbereich, das Griechische für den öffentlichen Bereich, als unproblematisch oder gar als zufriedenstellend empfinden, ob sie ein eigenes ethnisches Selbstbewusstsein besitzen und pflegen wollen oder können, kann hier nicht beurteilt werden.Google Scholar
  71. 72.
    Beim Europarat wurde von griechischer Seite die muslimische Bevölkerung auf 120.000 beziffert, wovon 50% (= 60.000) türkischen Ursprungs, 35% (= 42.000) Pomaken und 5% (= 18.000) Roma seien, siehe dazu Conseil de l’Europe 1995: 26 sowie Council of Europe 1994 b: 5f.Google Scholar
  72. 73.
    Conseil de l’Europe 1995: 26Google Scholar
  73. 74.
    Europäisches Parlament 1994: 31; nach inoffiziellen Schätzungen des griechischen Außenministeriums sowie aufgrund anderer Beobachtungen wird die Zahl der Mazedonier in Griechenland auf 150.000–200.000 geschätzt (Voss 2001: 19).Google Scholar
  74. 75.
    Europäisches Parlament 1994: 13. In einer anderen Quelle wird die Zahl der Aromunen auf ca 30.000 geschätzt (Minority Rights Group 1998: 18) bzw auf 80.000–120.000 (Aromanians in Greece 2001: 1).Google Scholar
  75. 76.
    Europäisches Parlament 1994: 13; die Zahl allein der Arvaniten wird nach den Kriterien von Sprachgebrauch oder Bewusstsein neuerdings auf 150.000–200.000 geschäizt (Clewing 2001: 16f).Google Scholar
  76. 77.
    Conseil de l’Europe 1995: 26. Schätzungen der Gesamtzahl der Roma bewegen sich zwischen 120.000–300.000 (Bangert 2001: 23).Google Scholar
  77. 78.
    Greek Helsinki Monitor 2001: 3.Google Scholar
  78. 79.
    Darunter 30.000 Armenier, 10.000 (Megleno-)Rumänen, 10.000 Karakachaner (Sarakaçaner) (I.S.I.G. 1997: 110f).Google Scholar

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© Springer-Verlag/Wien 2006

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  • Christoph Pan

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