Zusammenfassung
Von der indogermanischen Wortwurzel ‹bheug-›1 leiten sich im Sanskrit unter anderem ‹bhunjati› im Sinne von ‹gewährt Genuß, genießt, verzehrt› und ‹bhujisya›, ‹frei, unabhängig, nutzbar› ab, wobei die Bedeutung von ‹ernähren› miteingeflochten ist; im Lateinischen gehen die Formen ‹fungor›, ‹verrichte, werde fertig mit› sowie ‹defungor›, ‹bringe zu Ende› und ‹perfungor›, ‹genieße ganz, verwalte zu Ende› auf die gleiche indogermanische Wurzel zurück und ergeben mit dem Substantiv ‹functio› im Deutschen das Lehnwort ‹Funktion›. Aus diesen Herleitungen wird der für den biologischen Sprachgebrauch prägnante Wortsinn von ‹Funktion› anschaulich und verständlich: Er schließt das Ernährende wie das Verzehrende, das Freie wie das Nutzbare, auf ein Telos hin Gerichtete ebenso ein wie das ‹Verwaltende› und das Verrichtende. — Goethe faßt auf seine Art zusammen: „Die Funktion ist das Dasein, in Tätigkeit gedacht… Die Griechen nannten Entele- cheia ein Wesen, das immer in Funktion ist.“2 Mit dem Regreß auf die Aristotelische ‹Entelechie› wird das Zielgerichtete pronongiert, das ‹Telos in sich Tragende› der Funktion und mit dem ‹tätigen Dasein› die ihr angehörende und innewohnende Bewegung. Es wird hier zwar Bezug genommen auf das Dasein und die Tätigkeit des Menschen, was aber nicht abhalten soll, dieses Bild noch weiter zu ergänzen, um dadurch dem Begriff der ‹biologischen Funktion› noch einen Schritt näher zu kommen: „Das Höchste, was wir von Gott und der Natur erhalten haben, ist das Leben, die rotierende Bewegung der Monas um sich selbst, welche weder Rast noch Ruhe kennt; der Trieb, das Leben zu hegen und zu pflegen, ist einem jeden unverwüstlich eingeboren, die Eigentümlichkeit desselben jedoch bleibt uns und andern ein Geheimnis.
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Literatur
- 1.Julius Pokorny: Indogermanisches etymologisches Wörterbuch. Francke Verlag, Bern, 1959, Band 1, Seite 153.Google Scholar
- 8.Piaton: Kratylos. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1974, Band 3, 401 A 8–10.Google Scholar
- 13.K.Freudenberg; A.C. Neish: Constitution and Biosynthesis of Lignin. Springer Verlag, Berlin, 1968, Seiten 34 f.Google Scholar
- 14.F. Hartmann: Das statische Wuchsgesetz bei Nadel- und Laubbäumen. Neue Erkenntnisse über Ursache, Gesetzmäßigkeit und Sinn des Reaktionsholzes. Springer Verlag, Wien, 1942.Google Scholar
- 15.K. V. Thiemann, in M. H. Zimmermann: The Formation of Wood in Forest Trees. Academic Press, New York, 1964.Google Scholar
- 16.J.E. Gordon: The New Science of Strong Material. Penguin Books, Harmonds worth, 1974.Google Scholar
- 22.H. H. Bosshard, L. Kucera und Ursula Stocker: Gewebe-Verknüpfungen in Querem robur L. Schweiz. Zeitschr. Forstwesen, 1978, Band 129, Seiten 219–242.Google Scholar
- 24.H. H. Bosshard und L. Kucera: Die Vernetzung der Gefäße in Fagus sylvatica L. Holz als Roh- und Werkstoff, 1973, Band 31, Seiten 437 f.Google Scholar
- 26.H. H. Bosshard: Funktioneller Tropismus, Holztechnologie, 1976, Band 17, Seiten 107 ff.Google Scholar